Schweiz

Parmelin hat Armeechef Philippe Rebord angewiesen, die Personalprobleme zu beheben. Bild: KEYSTONE

Bundesrat Parmelin will Reformen beim Armeepersonal

Die Armee soll ihre Probleme beim Personalwesen prioritär beheben. Bundesrat Guy Parmelin hat Armeechef Philippe Rebord angewiesen, die Empfehlungen eines internen VBS-Berichts bis Mitte 2018 umzusetzen. Dieser hatte Mängel an den Tag gebracht.

16.04.17, 14:44 16.04.17, 15:32

Parmelins Brief an Rebord datiert vom 27. Januar. Er bezieht sich auf einen Bericht der Revisionsstelle des Verteidigungsdepartements (VBS) vom 20. Januar. Armeesprecher Walter Frik bestätigte am Ostersonntag einen Bericht der «SonntagsZeitung».

Die Revisionsstelle hatte die Fragebögen der Truppenkommandanten aus den Jahren 2014 und 2015 ausgewertet, die diese immer nach dem Ende der Wiederholungskurse (WK) ausfüllen müssen. Die Armeereform WEA (Weiterentwicklung der Armee) wird ab Anfang 2018 angepackt. 2021 soll die Reform umgesetzt sein.

Parmelin schreibt an Rebord, dieser solle «die notwendigen Schritte» einleiten, damit die Empfehlungen zusammen mit der WEA umgesetzt werden. Der Brief lag der Nachrichtenagentur sda vor.

Armeechef Rebord muss über die Bücher Bild: KEYSTONE

Probleme ausgesessen

Die Revisionsstelle im Bericht war zum Schluss gekommen, dass es gerade beim Personalwesen grosse Probleme gibt, die bislang in diesem Ausmass übersehen worden waren. Zwar hätten ältere Auswertungen der Fragebögen «verschiedene offene Punkte aufgezeigt», jedoch seien «keine Anträge und Handlungsrichtlinien zur Bereitschaft abgeleitet» worden, heisst es. Auch der Revisionsbericht lag der sda vor.

Zudem fehlten bei den wichtigen Quartalssitzungen zwischen Kommandanten und Armeeführung oft die Schlüsselfiguren aus dem Personalbereich. Die Sitzungen hätten damit keine «durchschlagende Wirkung» gezeigt.

Rekruten in St.Moritz. Bild: EPA/KEYSTONE

Unbeliebte WKs

Ein Grund für die Probleme beim Personalwesen ist, dass viele Soldaten sich auch kurzfristig von den WKs dispensieren lassen. Dabei können sie ihre Gesuche in ihren Wohnkantonen einreichen.

Weil die WK-Kommandanten früher selbst keinen Zugriff auf das Personalinformationssystem (PISA) der Armee gehabt hätten, hätten manche am ersten Tag eines WK eine böse Überraschung erlebt, wie Frik sagte. Oft habe wichtiges Personal – Kader oder Spezialisten – für den WK gefehlt. Es fehlten unter anderem Mechaniker, Fahrer, Funkaufklärer oder Spitalsoldaten.

Im Bericht heisst es dazu, das Dispensationswesen verursache einen «hohen administrativen Aufwand, erschwere die personelle Planung» und stelle damit «die geordnete Dienstleistung respektive die Auftragserfüllung in Frage».

Nur 8 Prozent der Kommandanten waren 2015 mit der Personalsituation zufrieden und kreuzten im Fragebogen ein Gut an. Fast die Hälfte (48 Prozent) erteilten ein Ungenügend und weitere 44 Prozent nur ein Genügend. Inzwischen hätten die Kommandanten Zugriff auf PISA; dieser Mangel sei bereits behoben, sagte Frik.

Grundbereitschaft prüfen

Auftrag der Revisoren war laut Einleitung zum Bericht, die Qualität der Grundbereitschaft der Armee zu untersuchen. Diese ruht auf den vier Pfeilern Personal, Ausbildung, Logistik und Führung.

Auch bei der Ausbildung zeigte der Bericht Schwachpunkte auf. Als Gründe nannten die Kommandanten «oft fehlende Ausbildner und Kader» sowie Unterstützungseinsätze zu Gunsten ziviler Organisationen anstelle von militärischem Training.

Gefragt worden waren die Kommandanten auch, ob sie bei den Wiederholungskursen ihre Ziele erreicht hätten. Fast die Hälfte (45 Prozent) waren 2015 zufrieden. Dies waren 10 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Doch noch immer 9 Prozent gaben dem WK ein Ungenügend.

Private Handys im Feld

Mehrheitlich zufrieden waren die Kommandanten mit der Logistik (74 Prozent) – den Waffen, den Fahrzeugen oder den Unterkünften – und mit der Führung (72 Prozent). Mängel gab es bei der Führung aber dennoch.

Erwähnt wird die «teilweise geringe Übertragungskapazität und Geschwindigkeit» des mobilen militärischen Kommunikationsnetzes. Ein «grosser Teil» der Kommandanten habe angegeben, «nicht auf den zusätzlichen Gebrauch von privaten EDV-Mitteln verzichten zu können». Dies bedeutet, dass ein Kommandant seine Befehle mit dem privaten Handy via ziviles Netz an die Soldaten im Feld weitergeben musste, wenn das militärische mobile Netz versagte.

Im Januar hatte das VBS bekanntgegeben, dass es sein IT-Projekt FIS Heer nicht mit mobiler Telekommunikation ausstatten werde. Die Funkgeräte könnten nicht mit der Datenflut umgehen. (dwi/sda)

Rüstungsgüter à gogo: VBS-Chef Parmelin im Mörser-Mekka

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  • MaxHeiri 17.04.2017 09:59
    Highlight Endlich die Militärtage runtersetzen. 7 WKs sind einfach zu viel zu viel
    7 6 Melden
    600
  • StefanZaugg 16.04.2017 19:22
    Highlight Das Problem ist, dass der Zivildienst viel zu attraktiv ist! Sonntag abend bis Samstag morgen, Massenschlag, raus bei jedem Wetter; versus: 8h im Büro arbeiten, am Abend heim zu Mama... schon klar wählen die meisten Jungen die zweite Variante in der heutigen Ego-Gesellschaft
    22 24 Melden
    • SapereAude 16.04.2017 20:26
      Highlight Die Attraktivität kommt vielleicht auch daher, dass man sich für die Allgemeinheit einsetzen kann, ohne sich bei primitiven Sandkastenspielen einiger alter Herren zum Affen zu machen. Vielleicht.
      27 31 Melden
    • Telomerase 16.04.2017 22:14
      Highlight @sapereaude: deine Annahme, dass wir im ewigen Paradies, ohne Krieg in Europa, Katastrophen, Krisen, leben und die Armee nicht mehr brauchen, wird deinem Namen nicht gerecht.
      26 12 Melden
    • Schizo 16.04.2017 23:55
      Highlight Die höhere Attraktivitat des Zivildienst sehe ich zwar eher darin, dass die Einsätze flexibler gestaltbar sind. Ich kenne viele die gewechselt haben, weil sie den WK nicht verschieben konnten und dadurch in Konflikt geraten sind mit Prüfungen und Abschlussarbeiten in Studium und HF.
      Also ist nicht die Attraktivität des ZD, sondern die Ignoranz des Militärs das Problem. Da sind die Militärs meiner Meinung selbst Schuld.
      25 10 Melden
    • Telomerase 17.04.2017 08:21
      Highlight @Schizo: Ich geb dir im Ansatz recht, dass dies nicht gerade sehr "kundenfreundlich" ist. Das Problem ist ja, dass der WK eine Verbandsausbildung ist. Man wird nie ein Datum finden, dass 700 Leuten gerecht wird. Was wäre dein Lösungsvorschlag? Jeder füllt ein Doodle aus?
      7 6 Melden
    • Symoris 17.04.2017 10:57
      Highlight Also die 2 Zivildienstler die ich kenne, durften in Männerwohnheimen den Dreck aufputzen, Duschmittel nachfüllen, Abfallsäcke und Aschenbecher leeren. Und wenn einer wiedermal auf den Boden geka...t hat, durfte man ebenfalls schön schruppen und versuchen dabei nicht zu kotzen.
      Ich frage mich wie viele im A-Stab ähnliches für die Benachteiligten unserer Gesellschaft tun würden, anstatt sich mit tschechischen Sex-Worker zu vergnügen.
      10 10 Melden
    • manhunt 17.04.2017 11:04
      Highlight zivildienst=8h büro? informiere dich bitte erst einmal, was zivildienstler verschiedenstes leisten, bevor du hier so einen schwachsinn von dir gibst. ich war drei wochen in der rs. 90% der zeit war "zigarettenpause". im meinem umfeld beileibe kein einzelfall. da ist es nur verständlich, das junge in ihrer dienstzeit sinvolleres leisten wollen.
      16 8 Melden
    • SapereAude 17.04.2017 16:47
      Highlight @telomarese wie kommst du dazu, mir diese annahmen zu unterstellen?
      1 5 Melden
    600

SP-Präsident Christian Levrat: «FDP und SVP verbreiten Lügen»

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