Schweiz

Ehemalige Verdingkinder und Opfer von fürsorgerischen Massnahmen fordern Wiedergutmachung: Ihre Initative will einen Entschädigungs-Fonds über 500 Millionen Franken. Die Unterschriften dazu waren schnell gesammelt.  Bild: KEYSTONE

500-Millionen-Fonds gefordert

Wiedergutmachungs-Initiative für Verdingkinder kommt mühelos auf genügend Unterschriften

Die Wiedergutmachungs-Initiative für Verdingkinder und andere Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen dürfte zustande kommen: Die Initianten haben nach eigenen Angaben bereits rund zehn Monate vor Ablauf der Sammelfrist die nötigen Unterschriften zusammen.

23.11.14, 12:11 23.11.14, 12:41

«Wir haben über 110'000 Unterschriften gesammelt», sagte Kampagnenleiter Pascal Krauthammer am Sonntag auf Anfrage. Man sei derzeit daran, die letzten Unterschriften beglaubigen zu lassen. Krauthammer bestätigte einen Bericht im «SonntagsBlick» und in der «Zentralschweiz am Sonntag».

Das Volksbegehren, das unter anderem für die rund 20'000 schwer betroffenen Opfer einen mit 500 Millionen Franken dotierten Wiedergutmachungsfonds fordert, soll gemäss Krauthammer «bis Ende Jahr» bei der Bundeskanzlei eingereicht worden. Die Initiative war erst Anfang April dieses Jahres lanciert worden.

Rehabilitiert aber nicht Entschädigt

Von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen waren bis Anfang der 1980er Jahre etwa Jugendliche und junge Erwachsene betroffen, die ein angeblich «liederliches Leben» führten. Sie wurden zur «Arbeitserziehung» in geschlossene Anstalten und Gefängnisse gesteckt. An den Opfern wurden auch Zwangssterilisationen und Zwangskastrationen durchgeführt.

Im Frühling stimmte das Parlament einem Gesetz zu, das administrativ Versorgte rehabilitiert und das ihnen zugefügte Unrecht anerkennt. Finanzielle Wiedergutmachungen an Opfer enthält das Gesetz aber nicht. Geschaffen wurde allerdings ein Soforthilfefonds auf freiwilliger Basis. Bis Anfang Oktober gingen beim Bund 500 Gesuche um finanzielle Unterstützung aus diesem Fonds ein.

Der Fonds sei ein erster wichtiger Schritt, meinen die Urheber der Wiedergutmachungs-Initiative. Es brauche darüber hinaus aber ein «klares Zeichen der Bevölkerung an die Politik». Im Initiativkomitee um den Unternehmer Guido Fluri sind mit Ausnahme der SVP alle grossen Parteien vertreten. (rar/sda)

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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  • kiawase 23.11.2014 14:31
    Highlight wider eine gerechtfertigte initiative weil unsere regierung unfähig ist sich solcher themen anzunehmen. Sie konzentrieren sich lieber darauf vertrauen vom volk zu fordern. Und wer ist von den parteien nicht vertreten im komitee ... die SVP ... hmmm , und was sagt uns das; scheint dass sich da einmal mehr die betroffenen auf den xxxx getreten fühlen (Bauern)
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  • Gelöschter Benutzer 23.11.2014 13:58
    Highlight Unbestritten, was da behörden und "gemeinnützige" geleistet haben ist eine schweinerei.

    "Die Soforthilfe ist insbesondere zur Deckung elementarer Bedürfnisse in den Bereichen Wohnen, Gesundheit, soziale Kontakte, Kommunikation, Schuldenberatung, Unterstützung von
    schulpflichtigen Kindern oder Transport zu verwenden. "

    Doch .....
    In der Schweiz gibt es, AHV,IV,Sozialhilfe, EL, öff. sozialdienste etc.
    Das sind IMHO alles aufgaben der vorhandenen behoerden, welche ohne ansehen der person jedem diese hilfe zukommen lassen muessen.

    500 mio, die sozialindustrie budgetiert bereits
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    • Gelöschter Benutzer 23.11.2014 14:19
      Highlight Es geht um Wiedergutmachung, eine offizielle Wiedergutmachung. Auch in finanzieller Sicht. Und für diese Wiedergutmachung sollen nicht Gelder aus anderen Töpfen genommen werden. Eine Umverteilung ist hier fehl am Platze. Denn sonst fehlt anderswo wieder Geld. Und gerade die SVP, welche die Armen und nicht die Armut bekämpft, wird sich dann mit aller Kraft gegen eine Erhöhung einsetzen.
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    • Gelöschter Benutzer 23.11.2014 18:28
      Highlight @Banda69: Wiedergutmachung mit Geld ?
      Was ist der Wert verlorener Jugend. Und die heutigen Vertreter der "Guten Gesellschaft" und KESB wursteln fröhlich still und leise weiter vor sich hin. Ihr schlechtes Gewissen kann nicht mit Geld ausgeglichen werden, sie müssen dafür sorgen, dass das nie mehr so geschehen kann.
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    • Gelöschter Benutzer 24.11.2014 00:29
      Highlight @zzyzxx - Ich habe geschrieben "Wiedergutmachung AUCH in finanzieller Hinsicht". Dass alles unternommen werden muss, dass so etwas nie mehr vorkommt ist eine Voraussetzung.
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  • Gelöschter Benutzer 23.11.2014 13:31
    Highlight "Im Initiativkomitee um den Unternehmer Guido Fluri sind mit Ausnahme der SVP alle grossen Parteien vertreten."

    Das sagt ja mal wieder alles aus über die SVP. Man muss sich einmal mehr fragen wieso diese Partei sich mit den Begriffen "Volk" und "Schweiz" schmückt.
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    • Gleis3Kasten9 23.11.2014 16:25
      Highlight Das ist ein wenig wie der Zitronenfalter, der schlussendlich ja doch keine Zitronen faltet.
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    • Gelöschter Benutzer 23.11.2014 18:36
      Highlight Vielleicht machen Sie sich erst mal etwas schlauer, wer, wann, was, wo verursacht hat und damit "in der Schuld" steht.

      http://www.fuersorgerischezwangsmassnahmen.ch/index.html
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