Schweiz

Urner Regierungsrätin unter Beschuss: Barbara Bär, vor dem Hotel Löwen. Bild: KEYSTONE

Schlammschlacht, letzter Teil: Uri kündigt Mietvertrag für Seelisberger Asylheim

In Uri ist die Unterbringung von Asylsuchenden im Hotel Löwen in Seelisberg vom Tisch. Das Rote Kreuz wird den Mietvertrag kündigen. Dies gab der Kanton nach einer Aussprache bekannt, bei der sich die Parteien versöhnt hatten.

04.10.16, 10:52 04.10.16, 11:04

Am Montag trafen sich in Seelisberg Vertreter der Urner Regierung, der Gemeinde, des Schweizerischen Roten Kreuzes und des Kantons am runden Tisch. Ziel war es, die Wogen zu glätten. Im August war eine Informationsveranstaltung zu einer vom Kanton geplanten Asylunterkunft im Dorf nach Beschimpfungen an die Adresse von Regierungsrätin Barbara Bär (FDP) abgebrochen worden.

An der Aussprache hätten sich die Teilnehmer auf einen Kompromiss geeinigt, heisst es in einer Mitteilung der Urner Standeskanzlei vom Dienstag. Die Unterbringung von Asylsuchenden im Hotel Löwen bleibe sistiert, bis die Gesamtschau zum Asylwesen mit allen Urner Gemeinden abgeschlossen sei.

Auf diesen Zeitpunkt hin werde der Mietvertrag durch das Rote Kreuz gekündigt. Die Gemeinde sei im Gegenzug bereit, auch kurzfristig zu Lösungen beizutragen, wenn sich die Lage im Asylwesen verschärfen sollte.

Die Urner Regierung diskutiert derzeit mit den Gemeinden, wie und wo künftig die Asylbewerber im Kanton untergebracht werden können. Im ersten Quartal 2017 soll eine Gesamtschau vorliegen und als Grundlage dienen für weitere Entscheide.

Versöhnung am runden Tisch

Am runden Tisch in Seelisberg diskutierten der Gemeinderat, das Schweizerische Rote Kreuz, Vertreterinnen und Vertreter der IG «Vernünftige Asyllösung für Seelisberg», der regierungsrätliche Asylausschuss sowie weitere Kantonsvertreter. Geleitet wurde die Aussprache vom Kommunikationsberater und früheren CVP-Generalsekretär Iwan Rickenbacher.

Das Gespräch habe in einer sachlichen Atmosphäre stattgefunden, heisst es in der Mitteilung. Nach dem Austausch hätten alle Parteien die Vorfälle als bereinigt angesehen. Sie seien gewillt, in die Zukunft zu blicken und für alle tragbare Lösungen anzustreben. Die Debatte habe viel zum gegenseitigen Verständnis beigetragen und Vertrauen aufgebaut. (dwi/sda)

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  • Daniel Caduff 04.10.2016 13:02
    Highlight Was bleibt als Erkenntnis: Unflätige Wutbürger müssen nur laut genug Stunk machen, um ihren Willen durchzusetzen. Sehr schlechtes Zeichen für den Rechtsstaat und ein weiteres Beispiel dafür, dass ländliche Regionen zwar gerne das Geld aus dem Finanzausgleich nehmen, aber nicht bereit sind, sich auch an den gesellschaftlichen Lasten zu beteiligen. 💩😬
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    • demokrit 04.10.2016 13:36
      Highlight Alles im Mass, dieses Asylzentrum war ein Verhältnisblödsinn, der dazu noch von oben herab durchgeboxt werden sollte. Unter Ausschluss der Bevölkerung läuft Politik in der Schweiz einfach nicht. Wir sind eine Demokratie.
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    • Wisegoat 04.10.2016 13:37
      Highlight Caduff: Scheint nicht nur in Uri so zu sein. Wird je länger je mehr gesamteuropäische Usanz:

      https://kurier.at/politik/inland/neue-fluechtlingsquartiere-noe-warnt-vor-massivstem-widerstand/224.299.606

      Bevor du hier wieder den urbanen Herrenmenschen machst, kommt durchaus auch in der Stadt vor. Ich verzichte jetzt auf Schmähungen gegen die Stadtbevölkerung analog deinen Ausfällen.

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    • Scaros_2 04.10.2016 14:05
      Highlight Das ist so nicht ganz richtig. Was wollte man den machen?

      In einem Dorf mit ~600 Bewohner 60 Asylanten was 10% der Bevöhlkerung ausmacht. Dazu mehrheitlich junge Menschen aus Afrika. Das ist einfach zu stur. Man müsste weniger aufnehmen und dafür ganze Familien anstelle nur 1 Typ von flüchtling, nähmlich junge Afrikaner.

      Zumal 10% auch eine belastung auf das Dorfleben sein kann.

      Denke wenn es um 4 Familien ginge à je 4-5 Personen wäre es sicher weniger Drama gewesen.

      Ich meine in der Stadt zürich mal schnell 10% mehr junge Afrikaner - zürcher hätten auch 0 Freude daran. - Wetten? ;-)
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