Schweiz

Die gute Nachricht: Der Klimawandel ist im Bewusstsein der Schweizer angekommen. Die schlechte Nachricht: Kaum jemand tut was dagegen

Das Umweltbewusstsein in der Schweizer Bevölkerung ist laut einer neuen Studie deutlich gewachsen. Vor allem Massnahmen zum Klimaschutz finden Unterstützung, und auch die Energiewende wird mehrheitlich vom Volk getragen. Persönliche Massnahmen fallen aber vielen schwer.

11.05.15, 09:26 11.05.15, 09:39

Dies gaben gfs-zürich und WWF Schweiz am Montag bekannt. Eine klare Mehrheit von 57 Prozent der Bevölkerung habe sich Ende 2014 als überdurchschnittlich umweltbewusst gesehen, heisst es. Im Vorjahr seien es mit 49 Prozent noch weniger als die Hälfte gewesen.

Auch der Anteil jener, die ihr tatsächliches Umweltverhalten als überdurchschnittlich beurteilten, sei um drei Prozentpunkte auf 48 Prozent gestiegen, wie die repräsentative Univox Umwelt 2014 Umfrage des Markt- und Sozialforschungsinstituts gfs-zürich in Zusammenarbeit mit dem WWF Schweiz zeigt.

Aber: Nur ein Drittel fühlt sich persönlich betroffen

Von den 1009 Befragten würden mehr als zwei Drittel den Klimawandel als eines der grössten Umweltprobleme sehen, auch wenn sich erst gut ein Drittel persönlich betroffen fühle. Sieben von zehn Befragten fänden, dass mehr für den Klimaschutz getan werden müsste.

Aber: Nur ein Fünftel spart Strom und Heizöl

Die Umsetzung im Alltag mit freiwilligen Massnahmen falle aber nicht allen leicht: Immerhin rund ein Drittel fahre weniger Auto und gerade mal rund ein Fünftel spare zu Hause Strom und Heizöl. Staatliche Klimaschutzmassnahmen würden dagegen von 56 Prozent der Befragten unterstützt.

Für 77 Prozent der Befragten sei auch die Energiewende nicht nur eine gute Idee, sondern ein umsetzbares Ziel, wie 55 Prozent fanden. 15 Prozent erwarteten Nachteile für die Wirtschaft, während 44 Prozent die Energiewende als wirtschaftlich vorteilhaft einschätzten.

Generell habe die Bevölkerung sämtliche abgefragten staatlichen Massnahmen für den Umweltschutz unterstützt, insbesondere fürs Energiesparen und zum Schutz des Bodens. Als Grund nannten die Menschen gemäss der Mitteilung die Sorge um grosse Umweltbelastungen, die Liebe zur Natur und die Verantwortung für künftige Generationen.

Als wichtigste Probleme würden nebst dem Klimawandel der hohe Ressourcenverbrauch generell sowie die Kernkraft wahrgenommen. Selbst bei Sympathisantinnen und Wählern der SVP überwögen die Bedenken gegenüber der Atomkraft und die Angst vor dem Klimawandel.

Die Bevölkerung denkt umweltfreundlicher als die Politik

Für WWF-Chef Thomas Vellacott macht die Univox-Studie Mut: «Denn die Studie zeigt, dass die Bevölkerung oft umweltfreundlicher denkt als die politischen Entscheidungsträger», wird er zitiert. Der WWF Schweiz lanciert am Montag auch eine neue Klimaschutz-Kampagne mit dem Titel «Umweltschutz – Last oder Chance?» Damit will der WWF alle auffordern, Position zu beziehen. (wst/sda)

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  • Joshzi 19.05.2015 08:39
    Highlight In Kalifornien tickt eine Zeitbombe und trotzdem leben jedes Jahr noch mehr Menschen in LA. Alle Städte an den Küsten werden mit dem Abschmelzen der Arktis wohl nasse Füsse bekommen und auch im Yellowstone spazieren die Leute ganz gelassen. So abstrakte Gefahren sind keine, im menschlichen Bewusstsein.
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  • Rondi 11.05.2015 11:23
    Highlight Haben die zufällig nur WWF-Mitglieder befragt? Ich glaube nicht, dass das Ergebnis repräsentativ ist.
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  • Propellerli 11.05.2015 11:16
    Highlight Naja, der Staat schmeisst auch dauernd Knüppel zwischen die Beine.
    Wir wollen eine Photovoltaikanlage auf dem Dach. Gemäss kantonalem Umweltplan haben wir eine 100%ige ausnutzung. Die Gmd will aber nicht, weil wir zuviel Energie produzieren (die Gmd müsste bezahlen), und überhaupt das Dorfbild ruinieren würden. Wir wohnen ausserhalb des Dorfes.Spaziergänger würden uns sehen, und das soll ja auch verschwinden, weil dort eine Deponie entstehen soll....in einem Naturpark!
    Soviel zur Glaubhaftigkeit, Demokratie und Verständniss des Staates. Wenns ums Geld geht, hört alles auf.
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    • Gelöschter Benutzer 11.05.2015 12:56
      Highlight Wir würden gerne eine Wärmedämmung an der Fassade anbringen. Leider ist nur ein Wärmedämmputz (bis 60mm) erlaubt, aufgrund Wakkerpreis. Dieser ist um ein vielfaches teurer als eine normale Styropordämmung. Die Styropordämmung (60mm) bringt eine Verbesserung gegegüber dem Wärmedämmputz von 50% betreffend u-Wert. Wir würden ca. die Hälfte an Heizkosten pro Jahr einsparen, dürfen ab er nicht.. Ansonsten nutzen wir Wasserdurchlaufbegrenzer, LED Lampen, A+++ Geräte, bzw die Ikea A++.
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  • poga 11.05.2015 10:55
    Highlight Mit diesem Wissen wäre jetzt die Zeit gekommen um der Bevölkerung zu zeigen wie man relativ einfach ezwas machen kann. Fürs erste nicht allzu radikal. Damit der Klimaschutz nicht verleidet noch befor er begonnen hat.
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  • Gelöschter Benutzer 11.05.2015 10:42
    Highlight Komisch, ich hab schon lange niemanden mehr getroffen, der noch an die Klimaerwärmung glaubt. Nur an den Schulen wird eifrig versucht die Primarschüler zu konditionieren
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    • poga 11.05.2015 10:56
      Highlight Es geht ja nicht nur um die Klimaerwärmung. Man muss schon auch sehen dass wir im Moment den Planeten schon etwas überbeanspruchen
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    • Dewar 11.05.2015 15:44
      Highlight Wäre ja schön, wenn das eine Glaubensfrage wäre. Es ist einfach, nicht "daran zu glauben" und sich damit aus der Verantwortung zu ziehen. Aber wenn mir jemand sagt, er glaube nicht an die Gravitation, so kann er ihr trotzdem nicht entkommen. Fakt ist Fakt. Es klingt, als würden Sie meinen, der Klimawandel sei eine Art Religion, deren Gläubige versuchen uns und unsere Kinder zu indoktrinieren. Wie absurd ist das denn?
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    • oskar 11.05.2015 20:05
      Highlight das der klimawandel nur ein märchen sei wurde bereits in den 70er jahren widerlegt. seither sind hunderte studien erschienen, die den klimawandel klar nachweisen. leider gibt es immer wieder ein paar wenige gegenstudien, auf die sich ein paar unbeirrbare wacker berufen. komischerweise hält bisher keine dieser studien einer seriösen prüfung stand... aber das interessiert nicht - hauptsache man sieht die eigenen ansichten bestätigt. hier ist das buch "merchants of doubt" zu empfehlen, das sich mit einer gruppe von us-Wissenschaftlern beschäftigt, die für die tabak- und ölindustrie studien durchführen und sowohl die schädlichkeit von tabak als auch den klimawandel "widerlegen". sie sind für einen grossteil der anti-klimawandel-studien verantwortlich
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