Schweiz

Beziehungsdrama in Wilderswil (BE):

«Die Frau wollte gerade die Tür ihres Autos öffnen, als ihr Ex-Mann auftauchte und sie von hinten erschoss»

03.11.14, 09:17 03.11.14, 17:31

daria wild, mathieu gilliand und rafaela roth, wilderswil

Bluttat in Wilderswil bei Interlaken: In der Nähe des Bahnhofs starben heute Morgen drei Menschen, wie die Kantonspolizei Bern gegenüber watson bestätigt. Das frischverheiratete Ehepaar L. L. und J. P. fiel der Rachsucht vom Ex-Mann zum Opfer. 

Wie ein unmittelbarer Nachbar der Opfer gegenüber einer watson-Reporterin berichtete, stammte die Familie aus Portugal. Der Nachbar war gerade am Kaffeetrinken und Rauchen, als das seit rund zwei Monaten frisch verheiratete Ehepaar das Haus verliess: «Sie waren auf dem Weg zur Arbeit, als der Ex-Mann auftauchte und sie vor meinem Küchenfenster niederstreckte», sagte der Nachbar. Vielleicht habe der Ex-Mann die beiden abgepasst.

«L. L. wollte gerade die Tür ihres Autos öffnen, als ihr Ex-Mann auftauchte und sie von hinten erschoss», sagte der Nachbar weiter. Kurz darauf sei der neue Ehemann der Frau J. P. um die Ecke gebogen. Der Nachbar hörte einen weiteren Schuss. «Dann schoss der Ex-Mann nochmals, als J. P. schon auf dem Boden lag», sagte der Nachbar weiter. Kurz darauf habe er die Waffe gegen sich selber gerichtet. 

Der Nachbar selber sei nach den Schüssen geschockt sitzen geblieben. Mit einem weiteren Nachbarn, der die Situation ebenfalls beobachtet hat, habe er vereinbart, dass dieser die Polizei alarmieren würde. Der Zeuge wurde anschliessend den ganzen Vormittag von der Polizei befragt.

Kinder befanden sich offenbar noch im Haus

Die Kinder des Paares befanden sich offenbar nicht am Tatort, sondern noch im Haus. Die Eheleute lebte zusammen mit drei Kindern, zwei Mädchen und einem Jungen, im Alter von rund 20, 17 und fünf Jahren. Die Polizei nahm die Kinder kurz nach der Tat in ihre Obhut.

Am frühen Nachmittag bestätigte die Kantonspolizei Bern, dass es sich ersten Abklärungen zufolge um ein Beziehungsdelikt gehandelt habe. Die Berner Polizei war mit mehreren Spezialdiensten vor Ort. Später erklärte Andreas Hofmann von der Kantonspolizei Bern die Ermittlungen am Tatort für abgeschlossen. 

Ein Anwohner berichtete zuvor gegenüber watson, er habe um etwa 6.30 Uhr einen lauten Knall gehört. «Erst als dann die Polizeisirenen erklangen, wurde mir bewusst, dass wirklich etwas passiert sein musste», sagte er. Im Moment käme man nicht in die Nähe des Tatorts. Er sei grossräumig abgesperrt und ein weisses Zelt verhindere die Sicht. «Zehn oder mehr Polizisten sind im Einsatz», sagt er weiter. 

Schulbetrieb läuft normal weiter

Unmittelbar gegenüber des Tatorts liegt die Primar- und Sekundarschule von Wilderswil. Ein Mitarbeiter der Schule sagt gegenüber watson, die Schüler seien heute nach der grossen Pause durch ihre Klassenlehrer über den Vorfall informiert worden. «Viele hatten schon vor Schulbeginn davon gehört», sagte der Mitarbeiter, «es war ein grosses Thema». Der Schulbetrieb laufe aber normal weiter.

Zum Sichtschutz seien vor der Schule Züge der Schynige-Platte-Bahn so auf den Perrons rangiert worden, dass sie die Sicht auf den Tatort versperren.

Die Polizei ist mit mehreren Einsatzwagen vor Ort, die Rettungsdienste mit mindestens zwei Ambulanzen, berichtet ein Reporter des Berner Oberländers.

Die Wilderswiler Gemeindepräsidentin Marianna Lehmann zeigte sich auf Anfrage sehr betroffen. Sie sei am Morgen informiert worden und habe auch Kontakt mit der Bevölkerung gehabt. Der Vorfall bewege die Menschen. Derzeit gehe es darum zuzuhören und wo nötig Trost zu spenden, sagte Lehmann. Nähere Angaben zum Geschehen konnte auch sie nicht machen. 

Das beschauliche Dorf am Eingang zu den Lütschinentälern zählt rund 2600 Einwohner. Tourismus, Gewerbe und Landwirtschaft prägen das Dorf, in dessen Kern sich noch viele alte Holzhäuser erhalten haben. Im Ort gibt es diverse Hotels. 

Auch international sorgt das traurige Ereignis für Schlagzeilen:

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