Schweiz

Immer mehr Menschen sind auf Unterstützung angewiesen Bild: AP

Studie der städteinitiative Sozialpolitik

Bedürftige sind immer länger auf Sozialhilfe angewiesen

Die durchschnittliche Bezugsdauer der Sozialhilfe hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen: 20 bis 30 Prozent sind länger als fünf Jahre auf Unterstützung angewiesen.

26.08.14, 17:37

Der Strukturwandel in der Wirtschaft und die Revisionen bei der IV und der Arbeitslosenversicherung haben zur Folge, dass immer mehr Menschen länger von der Sozialhilfe leben. Die am Dienstag veröffentlichte Studie der «Städteinitative Sozialpolitik» zeigt, dass sich die Sozialhilfe für immer mehr Personen von einer vorübergehenden Hilfe zu einer langfristigen Existenzsicherung wandelt. 

«Die Sozialhilfe als letztes Netz muss immer mehr Lasten tragen», wie Nicolas Galladé, Präsident der Städteinitiative Sozialpolitik und Stadtrat von Winterthur, am Dienstag an der Medienkonferenz in Bern betonte.

Anstieg der Sozialhilfefälle in Monaten

In den letzten acht Jahren stieg die durchschnittliche Bezugsdauer um über vier Monate: Im Jahr 2006 lag die Bezugsdauer der Sozialhilfe bei 32 Monaten – 2013 waren es bereits mehr als 38 Monate.

Personen, die lange Zeit arbeitslos sind, stehen heute schlechter da als noch vor den Revisionen der IV und der ALV. Weil sie früher ausgesteuert sind, bleibt oft nur der Gang aufs Sozialamt.

Fünf Risikogruppen

Diese Gruppen sind gemäss der Studie besonders gefährdet:

Höchste und tiefste Sozialhilfequoten

Im Schnitt nahmen die Sozialhilfefälle in den untersuchten Städten im Jahr 2013 gegenüber dem Vorjahr um 2,5 Prozent zu. Winterthur und Uster verzeichneten ein überdurchschnittliches Wachstum. Allerdings ist zu beachten, dass Uster mit einer Sozialhilfequote von 1,5 Prozent noch immer eher wenig belastet ist.

Verteilung der Sozialhilfeempfänger auf die Gemeinden

Die Sozialhilfeempfänger verteilen sich nur schlecht auf die Gemeinden in der Schweiz. Die 13 untersuchten Städte kommen für 28 Prozent der Bedürftigen auf. In diesen Städten leben jedoch nur rund 15 Prozent der schweizerischen Wohnbevölkerung.

In den Städten Zürich, Basel, Lausanne, Bern und Schlieren haben die Fälle 2013 zugenommen. Gesunken sind sie in Zug und Wädenswil.

Geht es nach der Städteinitiative sollen die grossen Unterschiede zwischen den Städten und dem Grossteil der kleineren Gemeinden durch einen bundesweiten Rahmen gemildert werden.

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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  • MediaEye 17.09.2014 19:08
    Highlight Jahrelang wurde vor dieser Entwicklung gewarnt, aber keiner an verantwortlicher Stelle wollte etwas davon hören!
    Aber vor allem der Bund hat hier auf ganzer Linie versagt; die Soz-hilfe hätte angesichts der Entwicklung schon längst in ein Versicherungsmodell umgewandelt gehört, mit einer Übergangsrente bis zum ordentlichen Renteneintritt! Nun haben wir den Salat; wir schieben eine Riesenbugwelle von älteren Personen vor uns her, welche gar nie korrekt erfassst wurden, und spätestens in rund 6 jahren wird uns ein Tsunami von Altersarmut überrollen
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  • MediaEye 17.09.2014 19:04
    Highlight Und wen wundert das? Viele haben es längst kommen sehen und vorausgesagt! Die Kosten entstehen aber vor allem wegen der Revision von 2005, wo die Leistungen massiv um rund 15% gekürzt wurden.
    Und auch wegen der allgemeinen Tendenz, die Betroffenen betreuen zu müssen, ich nenne hier nur die Reizworte "Tagesstruktur" und "Anreize" setzen. Eine Betreuung und Unterstützung fand nicht statt, die "Kunden" wurden in sogenannte "Massnahmen" und "Programme" versorgt und nur mehr administriert! Dadurch konnten ja auch diese unsäglichen "Sozialfirmen" entstehen, welche den grössten Teil der Quote abschöpfen
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