Schweiz
Die Zerstoerungen nach dem Jahrdreihunderthochwasser der Emme am Donnerstag, 24. Juli 2014, in Bumbach. Ein heftiges Gewitter mit Starkregen hat sich am fruehen Donnerstagmorgen ueber dem oberen Emmental und dem angrenzenden Berner Oberland entladen. Besonders betroffen war die Region Schangnau, wo die Emme und weitere kleinere Baeche ueber die Ufer traten. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

In Bumbach gab es die grössten Schäden. Bild: KEYSTONE

Nach der Flut im Emmental

Überall in Schangnau hört man heute die Frage: «Und wie sieht es bei euch aus?»

Das heftige Unwetter hat in Schangnau und in der Umgebung eindrückliche Spuren hinterlassen. Nun geht es an das grosse Aufräumen.

25.07.14, 10:21 25.07.14, 11:19

Die sonst grünen Hänge sind voll von Geröll und mitgerissenen Bäumen, die Strassen voller Schlamm und teilweise unter Wasser. Für die betroffene Bevölkerung ist es ein Schock, denn erst vor zwei Jahren suchte ein schlimmes Unwetter die Gegend heim. Doch diesmal sei es schlimmer, sagt etwa der Gemeindepräsident von Schangnau, Ueli Gfeller. Die Schäden an der Landschaft sind riesig. Zudem wurden in dieser ländlichen Gegend vor allem Bauernhöfe überflutet. 

In den betroffenen Höfen und Liegenschaften sind die Bewohner – ausgerüstet mit wetterfester Kleidung, Gummistiefeln und Besen – nun dabei, aufzuräumen und zu putzen. Nicht nur die Keller sind voller Wasser und müssen leergepumpt werden, zum Teil muss man auch in Wohnbereichen, etwa in der Küche, gegen den Schlamm vorgehen.

Die Grafik zeigt eindrücklich, wie die Flut am Donnerstagmittag ihren Höhepunkt erreichte. grafik: bafu.admin.ch/hydrologie

«Unter den Bewohnern herrscht grosse Solidarität»

Die Behörden haben den betroffenen Familien angeboten, sie zu evakuieren und vorübergehend anderswo unterzubringen. Die Einheimischen seien aber froh, dass sie in ihren Häusern bleiben können, sagt Gfeller. Es reiche im Moment, wenn es im Schlafzimmer keinen Dreck habe, soll etwa ein Betroffener gesagt haben.

Es kam zu Stromausfällen

«Unter den Bewohnern herrscht grosse Solidarität», sagt Gemeindepräsident Gfeller. Das Unwetter habe sie alle schwer getroffen, aber der Zusammenhalt unter der einheimischen Bevölkerung sei eindrücklich. Im Dorflädeli zum Beispiel ist das Hochwasser am Donnerstagabend erwartungsgemäss das Hauptthema. «Und wie sieht es bei euch aus?» – das ist die Frage, die sich die Einheimischen als erstes gegenseitig stellen.

Es sei eine Katastrophe, sagt etwa eine Frau, deren Haus und Geschäft vom Hochwasser stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. «Immerhin haben wir wieder Strom», sagt ein anderer Einheimischer. Tatsächlich fiel an manchen Orten der Strom zwischenzeitlich aus. Zur Sicherheit sollten noch zwei grosse Notstromaggregate in die Gegend gebracht werden.

«Dies alles zeigt, dass die Menschheit der Natur unterlegen ist»

Schäden in Millionenhöhe

Die immense Kraft der Naturgewalt zeigt sich an verschiedenen Stellen entlang der Emme. Als das Wasser des Flusses über die Ufer stieg, drückte es regelrecht das Gras der Wiesen platt, was von blossem Auge erkennbar ist. Die Wassermassen, die über die Hänge der Weiler geprasselt sind, haben Geröll und Holz zurückgelassen und mehrere Strassen verschüttet. Bagger sind nun dabei, Steine, Felsstücke und Baumteile wegzuräumen.

Als das Wasser des Flusses über die Ufer stieg, drückte es regelrecht das Gras der Wiesen platt. Bild: KEYSTONE

Die Rede ist von Schäden in Millionenhöhe. «Dies alles zeigt, dass die Menschheit der Natur unterlegen ist», sagt Gemeindepräsident Gfeller nachdenklich. Er sei aber erleichtert, dass keine Personen verletzt wurden. Für die Behörden stehen derzeit noch die Sofortmassnahmen an erster Stelle. Es geht unter anderem darum, sicherzustellen, dass alle betroffenen Einwohner Zugang zu ihren Liegenschaften haben.

Danach steht die langfristige Planung an, um die Schäden zu beheben, wie Markus Grossenbacher, Regierungsstatthalter Emmental, erklärt. Und dies werde sich über Monate hinziehen. Doch für die Behörden steht jetzt die Aktualität im Vordergrund. Am Freitag waren die Einsatzkräfte vor allem bemüht, die Bachläufe von Geröll und Holz zu befreien. Damit will man sich gegen allfällige neue Gewitter wappnen. (whr/sda) 

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