Schweiz

Hat viel für die Unia erreicht: Ausnahmegewerkschafter Roman Burger. Bild: KEYSTONE

Roman Burger und die Sex-SMS – so ungeschickt kommunizierte die Unia

Sex-SMS: Die Unia tut sich schwer mit dem Abgang des Gewerkschafters.

11.09.16, 05:40 11.09.16, 09:01

pascal ritter, patrik müller / schweiz am Sonntag

Ein Artikel von Schweiz am Sonntag

Es hätte ein grosser Tag für Roman Burger werden sollen. Tausende schwenkten gestern die Fahne, die auch er so oft getragen hat: das rot-weisse Banner der Gewerkschaft Unia. Dem Aufruf zur Demonstration «Rentenabbau stoppen – AHV stärken» folgten gestern 20'000 Menschen.

Burger aber war nirgends zu sehen. Seit Donnerstag ist er auf Tauchstation. Er ist von seiner Funktion als Regionenleiter der Sektion Zürich-Schaffhausen zurückgetreten. Zum Rücktritt bewogen hat ihn das Ergebnis einer externen Untersuchung. Die Beratungsstelle «BeTrieb» sieht es als erwiesen an, dass er eine Mitarbeiterin verbal sexuell belästigt hat. Es ging um SMS-Nachrichten.

Widersprüchliche Darstellung

Die Gewerkschaft kommunizierte widersprüchlich. Intern und extern informierte sie unterschiedlich:

Intern also war es objektiver Missbrauch einer Mitarbeiterin («Vorliegen einer verbalen sexuellen Belästigung»), extern aber subjektives Empfinden («als sexuelle Belästigung empfunden»).

Das Communiqué sei ungeschickt formuliert gewesen, räumt Lorenz Keller ein, Mediensprecher und interimistischer Nachfolger von Burger. Er bestreitet, dass in der externen Kommunikation Burger hätte geschont werden sollen. Tatsache aber ist: Gemäss Informationen der «Schweiz am Sonntag» hat Burger selber das Communiqué mitverfasst.

Herber Rückschlag für Unia

Klar ist: Der Rücktritt Burgers ist ein herber Schlag für die Gewerkschaftsbewegung. Von einem grossen Verlust sprach seine Sektion, als sie seinen Rücktritt bekannt gab. Tatsächlich machte Burger die Region Zürich-Schaffhausen zur grössten der 14 Unia-Sektion mit 27 000 Mitarbeitern. Sein Ansehen ist auch nach seinem Rücktritt bei vielen Unia-Kämpfern hoch.

Burger steht für historische Erfolge der Gewerkschaft: Etwa den Landesmantelvertrag im Baugewerbe, dank dem sich Bauarbeiter mit 60 pensionieren lassen können.

Streiken und demonstrieren können viele in der Unia, Burger kann auch glänzen. Noch vor vier Wochen trat er bestens gelaunt und lächelnd in der Sendung «Sonn-Talk» von Tele Züri auf und erzählte als «Lust der Woche» von seinen Velo-Ferien. Er war Stammgast in der Sendung, um die sich Politiker reissen und die als Sprungbrett gilt. Burger, noch keine 40, hatte Potenzial, ihm wurde eine grosse Zukunft vorausgesagt.

Ein Cover der «Weltwoche» muss er als Adelung empfunden haben: Die SVP-nahe Zeitung zeigte ihn im Mai 2015 als Bösewicht in Matrix-Pose. An die Brust malte ihm der Illustrator einen «Blick»-Pin. Burger wusste seine Arbeit auch medial zu inszenieren – gern über die Boulevardpresse.

Putsch-Verdacht

Nun ist er dort selber als «Grüsel-Burger» in die Schlagzeilen geraten. Was die Hintergründe der Affäre sind, ist schwer zu erfahren. Intern gibt es Stimmen, die der Unia vorwerfen, ihn zu lange gedeckt zu haben: Er sei so wichtig für die Gewerkschaft, dass man ihn bis zum Letzten habe halten wollen. Andere wiederum wittern einen Putsch gegen den Ausnahmegewerkschafter.

Wie es weitergeht, lässt die Gewerkschaft offen. Burger ist von seinen Funktionen zurückgetreten, gekündigt hat er nicht.

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  • Spooky 12.09.2016 01:28
    Highlight Sex zerstört in der Zivilisation Karrieren, aber zum Glück nicht das Leben. Denn Sex und Leben - das ist dasselbe.
    3 6 Melden
  • Spooky 11.09.2016 20:17
    Highlight Die ganze Geschichte stinkt. Die Frau hätte sich intern an viele Mitarbeiter oder Vorgesetzte wenden können, um Burger zu stoppen. Das war eine Sexfalle. Burger hatte Feinde.
    7 14 Melden
    • elivi 16.09.2016 14:06
      Highlight Externe Untersuchung har den fall bestätigt... Also ja die Frau hat sich fewehrt und das sind die Konzequenzen. Wenn man weiss man hat feinde dann ist es das kleinste nen streit einfach mal zu lassen anstatt es zu eskalieren.
      1 0 Melden
    • Spooky 16.09.2016 17:06
      Highlight @elivi. Diese ominöse BeTrieb-Untersuchung kannst du ruhig vergessen. Experten sind nie unabhängig. Sie sind abhängig von ihren Geldgebern.

      Burger war ein Feind der Ausbeuter. Um einen Feind zu erledigen, muss man ihn diskreditieren. Burger hat es seinen Feinden leicht gemacht. Ein Sexting-SMS-Austausch ist eine gute Gelegenheit, um einen genialen Gewerkschafter aus dem Verkehr zu ziehen. Die Sextingpartnerin muss über diese Vorgänge hinter den Kulissen gar nichts wissen - weiss sie auch nicht. Sie wurde benutzt.
      0 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 11.09.2016 15:53
    Highlight Und immer noch...

    Pic or it didnt happen.
    4 5 Melden
  • Klaus K. 11.09.2016 12:23
    Highlight Ein guter Kommentar im Tagi zum Fall.
    http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/region/burger-und-der-kerker-der-schuld/story/27776198
    Die externe Firma, die den Fall für die Unia als Privatfirma untersucht hat, gehört übrigens einer Frau. Und beschäftigt einen einzigen (Quoten?)-Mann.
    Eine reichlich zweifelhafte Geschichte bei der linken Unia. Gut möglich dass da ein Missliebiger mit den Waffen der Frau abserviert wurde.
    17 31 Melden
    • pep42 11.09.2016 22:37
      Highlight Es könnte gut sein, dass Burger in einer Falle getappt ist. Doch etwas verstehe ich nicht, wie kann man so naiv sein insbesondere wenn man so viele Feinde (SVP, FDP, Economiesuisse etc.) hat und sich so blöd und "getrieben" verhalten....für mich einfach unerklärlich!!!!
      15 1 Melden
  • Gelöschter Benutzer 11.09.2016 12:05
    Highlight "Grüsel-Burger" tönt irgendwie nach Gammelfleisch.
    40 3 Melden
  • pamayer 11.09.2016 09:49
    Highlight S c h a d e.
    12 33 Melden
  • ströfzgi 11.09.2016 09:45
    Highlight "Gekündigt hat er nicht" LOL !

    Grüsel-Burger weiss wohl nicht so recht was überwiegt: stolze Abgangsentschädigung oder aus Anstand und Einsicht, selbst zu gehen.

    35 13 Melden
    • Klaus K. 11.09.2016 12:26
      Highlight Ströfzgi, ich schätze, würde er vor Gericht gehen, könnte er den Fall sogar gewinnen. Was da die Unia als von-der-Frau-empfundene-Belästigung in einem gegenseitigem sms-Verkehr darstellt, muss noch lange nicht ein Strafbestand sein. Klingt eher nach Mobbing und persönlichem Rachefeldzug.
      Sage ich als These, solange wir den Inhalt der SMS nicht kennen.
      20 14 Melden
    • ströfzgi 11.09.2016 23:32
      Highlight Würde Dir 100% recht geben, hätte Burger nicht selbst zugegeben dass er Sch**sse gebaut hat. Somit brauchen wir den Inhalt nicht zu kennen.
      7 0 Melden

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