Schweiz

Teilnehmerinnen am Pink Ribbon Lauf in Mexiko, einem Solidaritätslauf für Brustkrebs. Krebs ist einer Studie zufolge die zweithäufigste Todesursache bei Frauen nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Bild: Rebecca Blackwell/AP/KEYSTONE

Studie warnt: Krebs-Todesfälle bei Frauen werden dramatisch zunehmen

Publiziert: 01.11.16, 20:16 Aktualisiert: 02.11.16, 08:32

Rund 5.5 Millionen Frauen werden bis 2030 jedes Jahr weltweit an Krebs sterben – das ist das Ergebnis einer Studie, die eine dramatische Zunahme der Todesfälle von fast 60 Prozent im Vergleich zu 2012 vorhersagt. Die Autoren der am Dienstag in Paris vorgestellten Studie fordern eine bessere Aufklärung und Prävention vor allem in Entwicklungsländern sowie mehr Behandlungsmöglichkeiten für Erkrankte.

Die massive Steigerung der Todesfälle führen die Wissenschaftler der US-Krebsgesellschaft, die für die Studie mit dem deutschen Pharmaunternehmen Merck zusammenarbeiteten, auf die Überalterung der Gesellschaft und das Bevölkerungswachstum zurück. Die meisten Todesfälle werden demnach bei Frauen in armen Ländern und solchen mit mittlerem Einkommen zu verzeichnen sein.

Die Untersuchung zeige auch die «grosse geographische Ungleichheit» bei der Verfügbarkeit von Präventionsmassnahmen und Behandlungsmethoden, sagte Ko-Autorin Sally Cowal der Nachrichtenagentur AFP am Rande des Weltkongresses zum Kampf gegen den Krebs in der französischen Hauptstadt.

Bereits 2012 starben 3.5 Millionen Frauen an Krebs, die meisten von ihnen in Entwicklungsländern. Insgesamt wurden acht Millionen Krebstote gezählt.

Die zu erwartende Steigerung der Todesfälle begründen die Wissenschaftler auch mit der Zunahme der bekannten Risikofaktoren wie der körperlichen Untätigkeit, schlechter Ernährung und Fettleibigkeit. Ebenso zählen späte erste Mutterschaften als Risikofaktor.

Zuschauer betrachten eine Krebszellen auf einem Bildschirm.  Bild: Fabian Bimmer/REUTERS

Brustkrebs häufigste Krebsart

Krebs ist der Studie zufolge die zweithäufigste Todesursache bei Frauen nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen: 2012 starben 14 Prozent aller Frauen an Krebs. Die vier häufigsten Krebsarten sind Brustkrebs, Lungenkrebs, Darmkrebs und Gebärmutterhalskrebs.

In den meisten Fällen könnte die Erkrankung verhindert oder aber so frühzeitig entdeckt werden, dass eine Behandlung bessere Heilungschancen hat.

Die meisten Frauen erkranken an Brustkrebs: 2012 wurde bei 1.7 Millionen die Krankheit diagnostiziert, rund 520'000 starben daran. Rund 491'000 Frauen starben im selben Jahr an Lungenkrebs.

Die Autoren der Studie betonten, dass die meisten Fälle von Gebärmutterhalskrebs verhindert werden könnten, wenn junge Mädchen gegen Humane Papillom Viren (HPV) geimpft würden. Hier sehen die Wissenschaftler jedoch in vielen Ländern noch Nachholbedarf, auch müsse der Zugang zu Früherkennungstests deutlich verbessert werden.

Die Schauspielerin und UN-Botschafterin Angelina Jolie liess sich vor drei Jahren vorsorglich die Brustdrüsen operativ entfernen. Sie senkte damit ihr Brustkrebs-Risiko auf einen Wert unter fünf Prozent.  Bild: JAMAL NASRALLAH/EPA/KEYSTONE

Kaum Zugang zu Behandlung

Auch bei Brustkrebs bleibt der Zugang zu Früherkennungs- und Behandlungsmethoden in Entwicklungsländern ein grosses Problem. Die Studie spricht von einer «Unterversorgung» bei Bestrahlungsgeräten in Afrika und Südostasien – insgesamt gibt es demnach in rund 30 Staaten keine Möglichkeit für eine Strahlentherapie.

In den Ländern mit schwachem und mittleren Einkommen, die 60 Prozent der Krebsfälle aufweisen, sind nur 32 Prozent der weltweit verfügbaren Bestrahlungsgeräte, wie es heisst.

Eine weitere Schwachstelle sind schmerzstillende Opiate wie Morphium. Sie werden in Entwicklungsländern kaum eingesetzt, die laut der Studie weniger als fünf Prozent dieser Medikamente verbrauchen. Das bedeutet, dass die Kranken vielfach ohne schmerzlindernde Erleichterung sterben müssen.

In Paris sind bis Donnerstag mehr als 3500 Delegierte aus über 110 Ländern zu einem Weltkongress gegen den Krebs versammelt. Dabei geht es darum, eine Bestandsaufnahme der tödlichen Krankheit zu machen und nach Wegen zu ihrer Bekämpfung zu suchen. (sda/afp)

Diese Promi-Frauen haben den Kampf gegen den Krebs gewonnen

Das könnte dich auch interessieren:

Weil wir Schweizer die besten Handwerker sind: 12 absolut virtuose Arbeiter aus aller Welt

Fail! 14 Leute, die dringend Hilfe im Haushalt brauchen

Ein Daten-Guru hat Trump ins Amt gebracht? Das ist an der Schauergeschichte dran

«GIF» me a Werner – Flugstunden mit den besten Schwalben vergangener Tage

Hol dir die catson-App!

Die flauschigste App der Welt! 10 von 10 Katzen empfehlen sie ihren Menschen weiter.
21 Kommentare anzeigen
21
Logge dich ein, um an der Diskussion teilzunehmen
Youtube-Videos und Links einfach ins Textfeld kopieren.
600
  • Rendel 01.11.2016 23:34
    Highlight Es ist logisch, wenn wir mehr Menschen werden, dass dann mehr Menschen an Krebs sterben, wie auch die Überalterung zu höheren Zahlen führt. An irgend etwas müssen wir sterben, wenn ich das so lapidar sagen darf. Ich meine das nicht despektierlich. Der Tod gehört zum Leben dazu.
    23 2 Melden
    600
  • Bongalicius 01.11.2016 23:14
    Highlight Da wird aus einer kleinen Fliege ein Elephant gemacht. Wenn man die 5.5 Millionen Todesfälle pro Jahr in Relation setzt zur Weltbevölkerung, die bis 2030 weit über 9 Miliarden sein wird, sind es gerade mal verschwindend kleine 0.06 bis 0.07% aller Menschen die daran sterben! Hunger und Krieg müssen erheblich härter bekämpft werden! Aber ein Pharma-Konzern kann daran kein Geld verdienen, weshalb hier so ein grosses TamTam um das Thema gemacht wird.
    14 11 Melden
    600
  • helios 01.11.2016 21:52
    Highlight Bedrückende Zahlen auch aus der Schweiz: "Heute leben in der Schweiz rund 300’000 Personen, bei denen eine Krebsdiagnose gestellt worden ist. Vor 25 Jahren waren es noch halb so viele."
    https://www.bfs.admin.ch/bfsstatic/dam/assets/350143/master
    9 2 Melden
    • kleiner_Schurke 01.11.2016 23:11
      Highlight Damals hatte die Schweiz auch nur halb so viele Einwohner....
      17 2 Melden
    • helios 02.11.2016 00:01
      Highlight @kleiner_Schurke
      Nö.

      1990: 6.751 Millionen
      2015: 8.327 Millionen (+23%)

      Über 65-Jährige:
      1990: 0.986 Millionen
      2015: 1.499 Millionen (+52%)

      Quelle:
      https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/bevoelkerung.assetdetail.104489.html
      8 1 Melden
    • kleiner_Schurke 02.11.2016 07:29
      Highlight Und da die meisten Frauen über 65 sind, wenn sie Brustkrebs haben und dieser Anteil der Bevölkerning um 52% gewachsen ist, passen die Zahlen wie Baum und Borke!
      13 2 Melden
    • deleted_682196319 02.11.2016 10:17
      Highlight @kleiner_Schurke: Was erzählen Sie denn da? Im Gegnteil: immer mehr jüngere Frauen erkranken und das ist erschrecklich.
      1 2 Melden
    • kleiner_Schurke 02.11.2016 10:43
      Highlight DAs Risiko an Krebs zu erkrankten steigt im Alter deutliche an. Geh am Mittwoch in Inselspital und Frag nach der Tumorsprechstunde. Guck dir die lange Warteschlange an und zähle die jüngeren Frauen da. Du wirst sehr schnell fertig sein.
      6 1 Melden
    • helios 02.11.2016 11:47
      Highlight Allerdings liegt der Peak unter 65j.
      Bin übrigens Stammkunde in der Onkologie. Vertraue aber lieber Statistiken als dem persönlichen Eindruck (in mehrfacher Hinsicht).
      3 0 Melden
    • kleiner_Schurke 02.11.2016 11:59
      Highlight Wenn man den Schnitt bei 50 Jahren macht, dann sehe ich dass 68 % der Patientinnen älter als 50 sind. Das sind nicht die "jungen Frauen".
      5 0 Melden
    600
  • JJ17 01.11.2016 21:17
    Highlight Mir egal, ich bin ein Mann.
    4 48 Melden
    • SVARTGARD 01.11.2016 21:45
      Highlight Und deine Eier?
      21 2 Melden
    • helios 01.11.2016 22:10
      Highlight @SVARTGARD
      Hodenkrebs hat die besten Behandlungschancen. Daran stirbt man i.d.R. nur, wenn man die Behandlung verweigert. In der Schweiz sind in den Jahren 2009-2013 "nur" 10 Männer an Hodentumoren gestorben, im Vergleich sind in der selben Periode 1340 Männer dem Prostatakrebs erlegen und 1384 Frauen an Brustkrebs.
      4 1 Melden
    • leonidaswarmegahappy 01.11.2016 22:34
      Highlight Ich zitiere meinen Kommentar von weiter unten: "Übrigens 1% der Brustkrebsfälle betrifft Männer. (meist tödlich weil es zu spät entdeckt wird)"
      11 2 Melden
    600
  • The Destiny 01.11.2016 21:04
    Highlight Wie oder weshalb entsteht Brustkrebs ?
    7 2 Melden
    • leonidaswarmegahappy 01.11.2016 22:24
      Highlight Die meistens Fälle von Brustkrebs (-90%) entstehen spontan, können also keiner einzelnen Ursache zugeordnet werden. Hinzu kommen natürlich genetische Veranlagungen. Im Prinzip geht es von entarteten Zellen aus, die sich dann teilen und sich über das Lymphsytem meistens in die Achselregion ausbreiten. Je nach dem wie viele Lymphgefässe betroffen sind, ist die Chance auf eine Heilung günstiger bzw. ungünstiger. Hat auch anatomische Aspekte wie viel Lymphgefässe (sehr variabel) die Betroffene aufweist. Übrigens 1% der Brustkrebsfälle betrifft Männer. (meist tödlich weil es zu spät entdeckt wird)
      10 1 Melden
    • Amenone 02.11.2016 11:08
      Highlight Risikofaktoren gibt es sehr wohl, z.B. Schichtarbeit während mehreren Jahren, hormonelle Verhütung oder Supplementierung von zu viel Folsäure... Dass Medikamente als mögliche Ursachen für Brustkrebs (und die starke Zunahme davon) von der Pharma nicht genannt werden, ist ja logisch...
      3 1 Melden
    • leonidaswarmegahappy 02.11.2016 14:07
      Highlight @Amenone:
      Habe nie gesagt, dass es für Brustkrebs keine Risikofaktoren gibt. Es ist nur so, dass diese Faktoren zusammenwirken und sich aus dem Gefüge ein Brustkrebs entwickeln kann- nicht muss. (wo wir wieder bei den spontanen Fällen sind)
      Ja das wäre halt finanziell auch nicht von Vorteil so etwas zu publizieren..😏🤔
      2 0 Melden
    600
  • mrmikech 01.11.2016 21:03
    Highlight Wie wäre es mit aufhören zu rauchen? Ich sehe hier in Zürich unglaubliche viele jüngere Frauen die rauchen. Wissen die nicht das rauchen ein erhöhtes Brustkrebsrisiko bewirkt? Jede Zigarette ist ein Schritt näher zu Brustamputation. Muss mal gesagt werden.
    18 29 Melden
    • Lami23 02.11.2016 07:13
      Highlight An alle Blitzer, da ist was wahres dran. Ob im Bezug suf Brustkrebs weiss ich nicht. Aber ich habe in meiner Gesundheitskarriere noch kaum eine Frau mit COPD oder Bronchuskarzinom gesehen. Allerdings sagt die Statistik, das Frauen beim rauchen stark aufholen. Also werden sie diese sehr unangenehmen Krankheiten in den nächsten Jahren auch betreffen.
      5 4 Melden
    • deleted_682196319 03.11.2016 07:02
      Highlight Lami23: ich habe etliche Frauen mit COPD infolge rauchen gesehen und erlebt. Jedoch: COPD kann auch toxisch bedingt sein infolge von Chemo- Medikamenten. Als Grund dafür werden vorhandene, unerkannte Autoimmunerkrankungen vermutet.
      0 0 Melden
    600

Fast 60 Prozent unterstützen gemäss Umfrage Verbot von Tabakwerbung

Fast sechs von zehn Schweizerinnen und Schweizern unterstützen ein allgemeines Verbot der Tabakwerbung. Dies geht aus dem Suchtmonitoring Schweiz, einem epidemiologischen Überwachungssystem 2015 und 2016 des Bundesamtes für Gesundheit hervor.

Ein Tabakwerbeverbot, das überall ausser in den Verkaufsstellen gilt, würde sogar von fast 70 Prozent der Bevölkerung unterstützt, wie aus dem am Montag veröffentlichten Bericht des Suchtmonitorings weiter hervorgeht.

Fast 60 Prozent der rund 5000 Befragten …

Artikel lesen