Schweiz

Auch Homosexuelle sollen Blut spenden dürfen – sofern sie ein Jahr lang keusch waren

13.10.15, 19:31 13.10.15, 20:05

Der Dachverband Blutspende SRK will ebenso wie der Bundesrat, dass künftig auch Schwule Blut spenden können. Der Dachverband prüft derzeit Vorschläge dazu. Einer davon sieht vor, dass Schwule spenden können, wenn sie ein Jahr lang keinen Sex hatten.

«Wirklich glücklich bin ich mit dem Vorschlag auch nicht», sagte Rudolf Schwabe, Direktor von Blutspende SRK, auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Ziel des Dachverbandes sei eine individuelle Begutachtung des Risikoverhaltens – etwa um herauszufinden, ob jemand regelmässig mit wechselnden Partnern ungeschützten Sex hat und so das Risiko für eine AIDS-Übertragung hoch ist. Eine individuelle Prüfung forderte im Juni auch der Schwulen-Dachverband Pink Cross.

Ein Schwules Paar bei der Zurich-Pride-Veranstaltung.
Bild: KEYSTONE

Allerdings sei es schwierig, diese individuelle Begutachtung bei den Behörden durchzusetzen, sagte Schwabe. Das Heilmittelinstitut Swissmedic, welches die Zulassungsbedingungen absegnen muss, habe entsprechende Anträge bisher abgelehnt.

Zwischenlösungen möglich

Bild: KEYSTONE

Der Vorschlag, Schwule spenden zu lassen, wenn diese ein Jahr lang auf Sex verzichtet haben, sei derzeit als einer von mehreren möglichen Zwischenschritten im Gespräch, erklärte Schwabe. Er bestätigte damit einen Bericht der «Basler Zeitung» vom Dienstag. Diesen Passus wenden derzeit auch die USA und Schweden an, weshalb man entschlossen habe, ihn zu prüfen.

Derzeit ausgeschlossen vom Blutspenden sind Männer, die mit Männern Sex haben, wie Peter Balzli, Mediensprecher von Swissmedic auf Anfrage präzisierte. Es gehe nicht darum, Menschen mit einer bestimmten Orientierung von der Blutspende auszuschliessen, sondern solche mit einem bestimmten Risikoverhalten.

Swissmedic müsse die Sicherheit von Arzneimitteln, und damit auch Spenderblut, überprüfen, verteidigte Sprecher Balzli die Haltung des Heilmittelinstituts. Deshalb seien gewisse Personengruppen, so auch frisch Tatöwierte oder Schwangere, vom Blutspenden ausgeschlossen.

Bundesrat zeigt sich offen

Der Bundesrat hatte sich Anfang September in Antworten auf eine Interpellation und eine Motion offen gezeigt für Blutspenden von Männern, die mit Männern Sex haben. Die Verantwortung dafür überwies der Bundesrat allerdings an die regionalen Blutspendezentren: Diese hätten die Möglichkeit eine Änderung der genehmigten Verfahren bei Swissmedic zu beantragen.

Bild: KEYSTONE

Die Blutspende SRK habe bisher erst eine informelle briefliche Absichtserklärung an Swissmedic geschickt, sagte Balzli. Für eine Änderung der Kriterien brauche es aber ein formelles Gesuch mit neuen wissenschaftlichen Fakten, die beweisen, dass das Spendeverbot ungerechtfertigt sei. Allerdings sagte Schwabe: «Wissenschaftlich gibt es nicht viel Neues zum Thema.»

Schwabe setzt seine Hoffnungen nun in Gespräche mit Swissmedic. Ein erstes Treffen sei noch für den Oktober geplant. Wann das Gesuch eingereicht werde, sei noch offen und hänge vom Erfolg der Gespräche ab, so Schwabe.

(sda)

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  • MaxM 19.10.2015 18:37
    Highlight Also ich habe AB Rh + aber anscheinend braucht mans nicht. Also nicht mein Problem.
    0 0 Melden
  • moimoimoi 14.10.2015 13:09
    Highlight 1. Gedanke: Offenbar wollen sie kein Blut. Und jammern trotzdem weiter, dass nicht genug Reserven da sind.
    2. Gedanke: Spannt das SRK mit dem Vatikan zusammen?
    3. Gedanke: Wenn sie mein Blut nicht wollen, bekommen sie es auch nicht. Obwohl ich mehr als genug habe.
    5 1 Melden
  • EvilBetty 14.10.2015 07:21
    Highlight Bei der Schlagzeile dachte ich: Bestimmt Amiland. Aber nein, wir sind wohl genau so Hinterwäldlerisch. Wie soll das überprüft werden? Kriegt jeder einen persönlichen SRK-Mitarbeiter der ihn auf Schritt und Tritt begleitet?
    14 5 Melden
    • Gelöschter Benutzer 14.10.2015 08:49
      Highlight Man darf ja wohl noch Ehrlichkeit erwarten, es geht immerhin um das Leben anderer, welches ja mit der Spende gestützt werden soll. Ich finde die Regelung "No-Sex" auch etwas fehl am Platz, dennoch ist es aber so, dass Aids unter Schwulen deutlich stärker verbreitet ist als unter Heterosexuellen. Mir erschiene das selbe Kriterium wie bei Heteros, nämlich keine wechselnden Sexualpartner in den letzten 5(?) Jahren sinnvoller...
      9 2 Melden
  • andy y 14.10.2015 06:21
    Highlight wermutlich überwiegt beim SRK die Angst dass Homosexualität durch Blut übertragbar ist.
    17 9 Melden
    • Gelöschter Benutzer 14.10.2015 09:21
      Highlight Homosexualität? Nein. Aber HIV ist es.
      5 1 Melden
    • Swisswolverine 15.10.2015 14:58
      Highlight @Zaafee: Es gibt auch Heteros, die HIV haben. Da wiegt sich wohl jemand in falscher Sicherheit. Zudem werden die Blutkonserven auf alle möglichen Erreger getestet. Alles andere wäre verantwortungslos. Dem Virus (und es gibt einiges mehr als nur HIV) ist die sexuelle Orientierung ziemlich egal.
      1 1 Melden
    • Gelöschter Benutzer 15.10.2015 15:53
      Highlight Swisswolverin, das Risiko, sich mit HIV zu infizieren ist bei Männer die mit Männer Sex haben 46 - 99 Mal höher als bei reinen Heteros. Das rechtfertigt schon eine angepasste Risikoselektion. Klar werden alle Konserven getestet, es macht aus kosten- und sicherheitsrelevanten Aspekten aber dennoch Sinn, Hochrisikogruppen von vornherein auszuschliessen. Ansonsten bräuchten wir nämlich gar keine Kriterien, es wird ja sowieso getestet...
      1 0 Melden
    • andy y 16.10.2015 06:43
      Highlight @Swisswolverine. Ceck. Danke.
      2 0 Melden
    • Swisswolverine 21.10.2015 09:55
      Highlight @Zaafee: warum geht es dann beim Organspenden? Gemäss der Schweizerischen Stiftung für Organspende und Transplantation können prinzipiell alle Personen Organe spenden. Entscheidend sind der Gesundheitszustand und die Funktionsfähigkeit der einzelnen Organe. Würde das nicht auch beim Blutspenden Sinn machen?
      0 0 Melden
  • atomschlaf 14.10.2015 01:23
    Highlight Das SRK lernt's einfach nie. Von einer diskriminierenden Peinlichkeit zur nächsten.
    Es ist nicht einzusehen weshalb promiske Heteros anders behandelt werden als Schwule.
    Eine vernünftige Regelung wäre z.B. wer in den letzten 12 Monaten mit mehr als 1 Person Sex hatte, darf nicht spenden.
    26 6 Melden
  • ramonke 14.10.2015 00:46
    Highlight schwule können kein blut spenden???? sag mal gehts noch. es ist doch nicht mehr 1940!
    17 15 Melden
    • Gelöschter Benutzer 14.10.2015 10:12
      Highlight Das Risiko sich mit dem HIV zu infizieren liegt bei Männern die mit Männern Sex haben 46 - 99 Mal höher als bei rein heterosexuell aktiven Männern. Nochmal, eine Risikoselektion macht aus kosten- und sicherheitsrelevanten Überlegungen Sinn.
      4 0 Melden
  • Doolin 14.10.2015 00:18
    Highlight Irgendwie ist man beim SRK der Meinung das Homosexuelle zwangsläufig HIV positiv sind und ständig Partner wechseln. Anders lässt sich diese Diskriminierung nicht erklären..
    26 7 Melden
    • Gelöschter Benutzer 14.10.2015 08:53
      Highlight Tatsächlich sind häufige Partnerwechsel und ungeschützter Sex in der Schwulenszene deutlich häufiger als in der übrigen Bevölkerung. Ebenso die HIV-Infektionen. Das soll aber kein Statement für die "No-Sex"-Regelung sein.
      4 2 Melden
    • Gelöschter Benutzer 14.10.2015 10:08
      Highlight Für die unbelehrbaren Blitzers noch ein paar fundierte Fakten zum Thema: http://www.dijg.de/homosexualitaet/wissenschaftliche-studien/hiv-aids-schwule-bisexuelle-maenner/
      2 0 Melden
    • Doolin 14.10.2015 10:49
      Highlight Ja das mag schon sein, aber warum sollte ein homosexueller 1 Jahr enthaltsam leben bevor er spenden darf? Bei Heterosexuellen wird nur gefragt ob man in den letzten 6 Monaten ungeschützten GV mit einem Neuen Partner/Partnerin hatte..
      2 0 Melden
    • Gelöschter Benutzer 14.10.2015 14:42
      Highlight 1. Das SRK will, dass auch Schwule Blut spenden dürfen.
      2. Es prüft VERSCHIEDENE Vorschläge.
      3. EINER davon, der Zöllibatsvorschlag, wird auch GEPRÜFT, weil er in anderen uns vergleichbaren Ländern bereits praktiziert wird.
      4. Auch ich unterstütze diesen Vorschlag nicht unbedingt, habe aber vom SRK noch keine Beurteilung oder im Entscheidsfall Begründung dazu gelesen. (Zur Erinnerung: das SRK prüft verschieden Vorschläge).
      5. Mich nervt der abwertende und überhebliche Tonfall gegenüber dem SRK. Denn es gibt, wie oben verlinkt, gute Gründe,schwule Männer anders zu behandeln als reine Heteros...
      0 1 Melden
    • Gelöschter Benutzer 14.10.2015 14:47
      Highlight 2 .Teil... Und die Diskriminierung, sofern es überhaupt eine ist, versucht das SRK und der Bundesrat ja eben gerade zu mildern. Welche weiteren Vorschläge geprüft werden, verschweigt uns Watson leider. Wohl auch in der Absicht, Empörung zu bewirtschaften und werberelevante Klicks und Erträge zu generieren (böse Unterstellung).
      1 0 Melden
  • Oberon 14.10.2015 00:03
    Highlight Also früher im Turnverein haben wir auch regelmässig Blut gespendet und das meistens nach dem Training.
    Ob jetzt bei den Damen oder Männern da gab es überhaupt keine Fragen geschweige denn, dass zwischen Homo oder Hetero unterschieden wurde.

    Aber was soll das überhaupt, dass würde ja bedeuten das die Blutspenden nicht getestet werden? So einen Fragebogen kann man ja im Prinzip ausfüllen wie man bock hat, oder?

    16 2 Melden
    • Gelöschter Benutzer 14.10.2015 08:55
      Highlight Natürlich wird das Blut getestet. Aber es macht aus risiko- und kostenrelevanten Gründen Sinn, risikoreiches Blut von vornherein auszuschliessen.
      4 0 Melden
    • Oberon 14.10.2015 11:01
      Highlight @Zaafee
      Dann hoffe ich aber das die Selektierung nicht anhand der Fragenbögen gemacht wird. ;)
      0 0 Melden
    • Gelöschter Benutzer 15.10.2015 16:04
      Highlight Klar wird anhand der Fragebögen selektioniert. Die genommenen Konserven werden dann auch getestet. Und auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: es macht aus kosten- und risikorelevanten Überlegungen Sinn, Blut aus risikoreichen Quellen von vornherein auszuschliessen.
      0 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 13.10.2015 22:52
    Highlight Heteros die wild in der Gegend rumv... werden nicht kritisch beäugt? Weiss ja keiner. Oder wird das auf dem Fragebogen auch gefragt?
    27 4 Melden
    • moi*-* 14.10.2015 08:03
      Highlight Wird gefragt. Man darf im letzten Jahr keine wechselnde Partner und im letzten halben Jahr keinen neuen Partner im Bett gehabt haben.
      Ich denke, so hat man das diagnostische Fenster, in welchem man das HI-Virus nicht nachweisen kann geschlossen. Und zwar egal mit welchem Geschlecht man Sex hatte.
      7 1 Melden
  • Howard271 13.10.2015 21:59
    Highlight Wie erniedrigend ist denn das?

    "Ich möchte Blut spenden" - "Sind Sie schwul?" - "Ähm, ja" - "Dann dürfen Sie nicht. Oder wann hatten Sie das letzte Mal Sex? Innerhalb des letzten Jahres?"
    29 5 Melden
    • Gelöschter Benutzer 14.10.2015 09:01
      Highlight Unterschiedliche Lebensweisen bedeuten unterschiedliche Risikoexpositionen...

      "Ihre Operation ist gut verlaufen, leider mussten wir Ihnen potentiell infektiöses Blut verabreichen um niemanden zu diskriminieren!"

      Blut aus riskanten Quellen = mehr Risiko für Pat. und höhere Kosten bei der Sammlung/Kontrolle.
      6 3 Melden
  • Michael Mettler 13.10.2015 21:49
    Highlight Schwule sollen Blut spenden dürfen, soweit Sie den gesundheitlich relevanten Fragebogen bestehen. Das Blut muss danach geprüft werden, bei Schwulen wie bei Lesben, äh meinte Heteros:)
    16 4 Melden
  • elivi 13.10.2015 21:46
    Highlight Der Fragebogen sollte generell mal überarbeitet werden. Ich als Frau muss prostata fragen beantworten. Dachte zuerst naja is halt geschlechtsneutral.... bis am ende doch fragen nur für frauen kommen. Bin halt ein strukturierter mensch und sowas geht gar ned. Ausserdem sind einige fragen nicht genau genug, allein darin gibts schon risiko. Da muss man nicht mal 'lügen', aufenthalt in länder mit erhöter AIDS risiko in den letzten 5 Jahren von min 6 monaten ... well kei ahnig welli länder das sind. Oder sexueller kontakt unter männern seit 1977, zählt ein dreier mit zwei männer au?
    18 1 Melden
  • wasylon 13.10.2015 21:33
    Highlight Die Zielgruppe vom SRK sind wohl schwule katholische Pfarrer die im Zölibat leben.
    28 2 Melden
    • Gelöschter Benutzer 14.10.2015 07:11
      Highlight aber NUR alleine auf einem abgelegenen berg ...

      so ala folgendem föteli...
      (bergkloster in griechenland)
      1 2 Melden
  • Kikan 13.10.2015 20:25
    Highlight Wait what?
    11 2 Melden
  • AL:BM 13.10.2015 20:09
    Highlight So ein Blödsinn. Bei der Risikoanalyse könnte man lügen, dass sich die Balken biegen und sie würden es nicht merken.
    So gesehen zB in der Armee.
    29 1 Melden
    • moi*-* 14.10.2015 08:10
      Highlight Ja klar kann man lügen. Wenn dann aber eine verunreinigte Blutkonserve einem Patienten verabreicht wird, kann man auch nachvollziehen, wer der Spender des Blutes war. Und beispielsweise Malariaerreger bekommt man nicht einfach so ohne Ferienaufenthalt. Mit der Unterschrift am Schluss bestätigt man, alles wahrheitsgetreu ausgefüllt zu haben. Und ich glaube, man ist somit auch haftbar.
      4 0 Melden
    • AL:BM 14.10.2015 11:35
      Highlight Ja und damit ist dem geholfen, der durch eine verseuchte Konserve mit irgend einem Scheiss infiziert wurde?
      Ich denke es bedarf Voruntersuchungen des Blutes.
      Ein Rätsel ist mir jedoch immer noch was das mit der sexuellen Orientierung zu tun hat...
      1 0 Melden
    • moi*-* 14.10.2015 13:28
      Highlight Das ist mir auch ein Rätsel. Tatsache ist, dass immernoch mehr Schwule eine HIV-Infektion haben. Dies berechtigt meiner Meinung nach nicht, dass Schwule nicht spenden dürfen, denn das Blut wird auf das HI-Virus getestet. Leider gibt es ein diagnostisches Fenster, in welchem man das Virus nicht nachweisen kann und deshalb der Fragebogen. Denn ist die Neuansteckung (zB durch Sex) genug lange her, kann man es nachweisen und der Empfänger bekommt keine ansteckende Blutkonserve. Darum ist es auch wichtig den Fragebogen ehrlich auszufüllen, denn man trägt eine Verantwortung.
      0 0 Melden

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