Schweiz

Es gebe Situationen im Leben, in denen eine verkürzte Arbeitszeit dringend geboten sei, sagt die IG Metall. bild: shutterstock

Fast so radikal wie Juso-Funiciello – deutsche Gewerkschaft will 28-Stunden-Woche

18.07.17, 13:34

Die deutsche Industriegewerkschaft IG Metall will die Wochenarbeitszeit in ihrer Branche «bei Bedarf» unter die bisher geltenden 35 Stunden absenken. Sie fordert, dass jeder Beschäftigte ab 28 Stunden pro Woche so lange arbeitet, wie er will, schreibt die Welt

Ähnliches wurde auch in der Schweiz bereits gefordert. Juso-Präsidentin Tamara Funiciello lancierte 2016 die Idee der Arbeitswoche mit 25 Stunden. Wegen der Entwicklungen hin zu Digitalisierung und Roboterisierung brauche es in Zukunft neue Lösungen, damit jeder und jede eine Arbeit finden könne, sagte die Bernerin damals. Aus dem Projekt wurde schlussendlich aber nichts. Es wurde von der Delegiertenversammlung der Partei abgelehnt. 

In Deutschland werden andere Argumente für die Forderung angeführt. Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall, sagte zum deutschen Newsportal: «Ob es die Zeit für den Hausbau, einen Tag weniger pendeln in der Woche oder das Ansparen von Zeitguthaben für eine Weltreise ist – auch die Bedürfnisse der Beschäftigten müssen zählen.» Es gebe Situationen im Leben, in denen eine verkürzte Arbeitszeit dringend geboten sei wie beispielsweise bei der Betreuung von Kindern oder der Pflege von Angehörigen. 

«Das würde den Fachkräftemangel verschärfen»

Die Arbeitgeber haben bereits Gegenwehr angekündigt. Dass Arbeiter einen Anspruch auf eine jederzeit wählbare Reduzierung haben sollen und dann wieder auf Vollzeit wechseln könnten, halten sie für gefährlich. «Das würde den Fachkräftemangel in Deutschland verschärfen», so Gesamtmetall-Präsident Rainer Dulger. Die Folge wären unter anderem Produktionsverlagerungen ins Ausland.

Auch in Frankreich gibt es derzeit Bemühungen, um die Arbeitszeiten zu lockern. Allerdings geht es dort eher darum, dass Betriebe von der 35-Stunden-Beschränkung pro Woche nach oben abweichen können.

(kün)

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Video: reuters

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Brikne, 20.7.2017
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  • der_senf_istda 18.07.2017 16:03
    Highlight Die Notwendigkeit einer Reduktion der Arbeitszeit wurde schon von Keynes in den 30er Jahren vorausgesagt (15 Stundenwoche !). Bis jetzt haben jedoch die Fortschritte in der Produktivität (Mechanisierung der Landwirtschaft, Industrialisierung, Digitalisierung) nicht zum befürchteten Abbau der Erwerbsarbeit geführt, im Gegenteil.
    Ich würde nicht vorschnell die 28- oder 35- Stundenwoche einführen, bis heute sind derartige Prognosen, wie von IG-Metall oder Frau Funiciello geäussert, nie eingetroffen.
    8 17 Melden
  • infomann 18.07.2017 15:54
    Highlight Über kurz oder lang fürht kein Weg an der Arbeitszeit Verkürzung vorbei.Die Produktivität steigt und muss in Form von Arbeitszeit Verkürzung weitergegeben werden.
    14 15 Melden
  • Maria B. 18.07.2017 15:27
    Highlight Krank, kränker, am kränksten....

    Dazu das bedingungslose Grundeinkommen und alles ist paletti im links-europäischen Paradies ;-)!

    Über solche irrealen Spinnereien wird sich Brüssel unbändig freuen, das ist so klar wie Klossbrühe.
    23 21 Melden
  • D(r)ummer 18.07.2017 15:17
    Highlight Den Ländern, denen der Exportüberschuss Deutschlands ein Dorn im Auge ist, gefällt das (heimlich).
    15 6 Melden
  • moedesty 18.07.2017 13:46
    Highlight An alle die jetzt "Linkes Pack" schreiben wollen: Ihr könnt es brechen und biegen wie ihr wollt aber in Zukunft wird es nicht mehr genug Arbeit für alle geben bzw. wird die Arbeitswelt nicht im Entferntesten so aussehen wie heute. Darum neue Ideen sind unumgänglich.

    Also her damit.
    40 34 Melden
    • poga 18.07.2017 14:24
      Highlight Wie wäre es zum Beispiel, wenn wir nicht haufenweise neue holen würden? Oder, zuerst ein mal auf die Eventualität der zu wenigen Arbeit warten würden um dann richtig zu handeln? Oder eine Offensive starten, um Zukunftsgerichtete Arbeit zu erkennen, und diese fördern?
      26 5 Melden
    • Rodney McKay 18.07.2017 14:30
      Highlight Gehen wir einfach mal von einem Bruttoeinkommen von 6000.- aus. Dies bei einer Wochenarbeitszeit von 44 Stunden. Bei 28 Stunden wäre das dann ein Bruttoeinkommen von 3800.- Das entspricht dann einem Nettoeinkommen von ca. 3400.- Die Krankenkassenprämien, Wohnungsmieten, wie auch die Kosten für den ÖV steigen stetig. Ich wüsste nicht, wie man mit diesem Betrag vernünftig leben kann. Sie haben recht, neue Ideen sind gefragt, aber bitte nur realisierbare.
      18 13 Melden
    • geissenpetrov 18.07.2017 15:08
      Highlight Hier:

      Gefordert wird eine 20 Stunden Arbeitswoche. Damit würde man auch die Klimaziele einhalten können (vgl. beispielweise hier: http://www.watson.ch/Schweiz/Interview/380546648-%C2%ABWir-k%C3%B6nnen-doch-nicht-einfach-die-Luft-verschmutzen-%E2%80%93-und-nichts-daf%C3%BCr-bezahlen%C2%BB)
      4 11 Melden
    • mrmikech 18.07.2017 15:22
      Highlight Ob es im zukunft weniger arbeit geben wird weiss keiner, da hat man sich schon mal geirrt. Frage ist ob wir im zukunft soviel arbeiten WOLLEN. Hat nichts mit links oder rechts zu tun, gibt einfach mehr ins leben als nur arbeiten.
      11 2 Melden
    • bokl 18.07.2017 16:19
      Highlight @poga
      Du musst das global betrachten, sonst klappt es nicht. Natürlich könnten DE, CH und noch 1-2 weitere Länder auch in einer digitalisierten Zukunft mit 42h-Woche Vollbeschäftigung erreichen. Einfach mit gigantischen Exportüberschüssen und sehr hoher Arbeitslosigkeit in den "Abnehmerländer".

      Lange würde das aber kaum gut gehen. Bei zu vielen Menschen ohne Perspektive gibt es Unruhe oder Migrationsdruck.
      7 1 Melden
    • poga 18.07.2017 16:39
      Highlight @bokl das ist mir klar. Ich hätte auch nicht so einseitig geantwortet, wenn der erste Kommentar so extrem einseitig gewesen wäre. Auch meine "Rezepte" könnte man fast als populistisch ansehen. Die Forderung aber auch. Was du sagst ist richtig. Darum habe ich auch meinen dritten Vorschlag eingebracht. Man muss sich wenn man jetzt schon reagieren möchte, nach vorne schauen und das ganze mal durchdenken. Der erste Punkt wollte ich als Kontext einbringen, dass wir immer noch über stagnierende Geburtenzahlen reden wo wir in Zukunft doch auch weniger Leute brauchen. Dies wollte ich auch stark in ..
      1 2 Melden
    • poga 18.07.2017 16:41
      Highlight Kontext zur vorhergehenden stark linken Forderung stellen. Ich wollte aber vor allem drei Vorschläge bringen, um auf die billige Polemik, im Stiele von: Ihr habt doch keine Rezepte also muss die 25h Woche das Richtige sein. Fakt ist, wir wissen es schlicht und einfach nicht.
      2 2 Melden
    • 7immi 18.07.2017 19:47
      Highlight der arbeitsmarkt wird sich ändern, ja, es wird aber weiterhin viel arbeit geben. bisher brachte jede industrierevolution mehr arbeit, sie ändert sich vielleicht. es gibt heute viele berufe, die es vor 20 jahren nicht gab und umgekehrt. flexibilität ist gefragt!
      3 1 Melden

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