Schweiz

Von Haram City bis Andermatt: Investor Sawiris möchte seine Erfahrung im Bereich von Bauprojekten zugunsten von Flüchtlingen einbringen.  Bild: KEYSTONE

Samih Sawiris will eine Flüchtlingsstadt bauen – mit Schweizer Hilfe

Publiziert: 09.10.16, 03:08 Aktualisiert: 09.10.16, 04:17

Billig-Städte in Ägypten statt Flüchtlingsexodus: Der ägyptische Investor Samih Sawiris möchte eine Stadt bauen, um syrischen Flüchtlingen eine Alternative zur Flucht nach Europa zu bieten. Er hofft für sein Projekt auch auf Geld aus der Schweiz.

«Ich bin immer noch überzeugt, dass es für alle das Beste ist, den Menschen in der Region eine Zukunft zu bieten», sagte Sawiris im Interview mit dem «SonntagsBlick». Als Vorbild für das Städteprojekt nennt er Haram City - eine Stadt mit Billig-Wohnungen, die er bei Kairo aufgebaut hat. 70'000 Menschen leben dort bereits.

Eine Wohnung würde 20'000 Euro kosten. «Eine syrische Familie wäre damit sehr zufrieden.» Vor längerer Zeit habe er vorgeschlagen, in Syrien an der Grenze zur Türkei eine solche Stadt zu bauen. «Die Türken waren sogar einverstanden, sie zu beschützen. Aber Europa hatte kein Interesse.» Damals habe sich niemand dafür interessiert, weil die Flüchtlinge noch nicht massenweise nach Europa kamen.

Bild aus dem kriegsversehrten Syrien. Bild: AP/Syrian Civil Defense White Helme

Eine solche sichere Zone in Syrien, wie sie ihm damals vorschwebte, hält Sawiris heute nicht mehr für machbar. «Aber man könnte in Ägypten eine Stadt wie Haram City aufbauen.» Damit es kein Flüchtlingslager werde, würde sie von Ägyptern und Syrern zu gleichen Teilen belebt.

Flüchtlinge günstiger unterbringen

Es gebe in Ägypten fünf Millionen Flüchtlinge. Ein Teil könnte in die Stadt ziehen. «Aber warum nicht auch Flüchtlinge, die jetzt zum Beispiel in der Schweiz sind?» Das würde die Schweiz einen Bruchteil von dem kosten, was Flüchtlinge in der Schweiz kosten, sagte Sawiris. Er selbst wolle auf seinen Gewinn verzichten.

Sawiris sagt, er stehe zwar nicht mit dem Bundesrat in Kontakt, jedoch mit Schweizer Politikern. Namen will er keine nennen. Die Gespräche seien im Moment noch vertraulich.

Sawiris ist in der Schweiz für sein Tourismus-Resort mit Luxushotel und Skigebiet in Andermatt bekannt. Nach eigenen Angaben investierte er bisher eine halbe Milliarde Franken in das Projekt. Die Gewinnschwelle ist noch nicht erreicht. (kad/sda)

Andermatt: Ein Bergdorf mit grossen Träumen

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27 Kommentare anzeigen
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  • Spooky 09.10.2016 23:36
    Highlight Über Samih Sawiris etwas zu sagen, ist immer heikel, denn man weiss ja nicht, wie sein Vater zu seinem Vermögen gekommen ist. Owowow! Hoffentlich habe ich nicht bereits zu viel gesagt. Scheisse. Ich habe ein schlechtes Gefühl.
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  • Captain Downtown 09.10.2016 18:05
    Highlight endlich jemand mit visionen und auch den kapazitäten es umsetze zu können. statt nur das "boot ist voll" zu unken, sollten neue "boote" gebaut werden. frieden ist mit all den grossmacht- und partikularinteressen in einigen regionen momentan kaum wahrscheinlich. mehr davon!
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  • kliby 09.10.2016 15:24
    Highlight Auch Flüchtlinge werden ein Big Business, so wie das ganze Asyl- oder Sozialhilfewesen bei uns schon lukrative Geschäfte für private Firmen geworden ist.
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    • Fabio74 09.10.2016 17:45
      Highlight so lange niemand gewillt ist die Wurzel des Übels anzupacken bzw so lange halt zu viel Interessen überall im Spiel sind.
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  • demokrit 09.10.2016 13:29
    Highlight Die meisten kommen wegen Arbeitsperspektiven hierher und nicht etwa aus Fluchtgründen. Wenn ihnen diese Perspektiven in Ägypten nicht geboten werden, wird das gar nichts bringen.
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  • Spooky 09.10.2016 13:21
    Highlight Samih Sawiris hat die Idee dazu von mir gestohlen. Sicher ist, dass er meinen Kommentar vom 17.08.2016, 02:26, auf Watson gelesen haben muss:

    "Warum schickt man die Flüchtlinge nicht auf den Zürichberg, oder nach Gstaad, oder nach St.Moritz oder vielleicht auch nach Andermatt zu Samih Sawiris, der übrigens aus Afrika stammt und seine afrikanischen Flüchtlings-Mitbürger locker finanziell unterstützen könnte? Dort ist am meisten Geld vorhanden, um die Flüchtlinge zu ernähren und ihnen ein menschenwürdiges Dasein zu ermöglichen." 😊😎😇
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  • a-n-n-a 09.10.2016 12:30
    Highlight Bravo Samih Sawiris! 👏👏 Endlich jemand, der was macht und nicht nur redet..
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  • Lügensperber 09.10.2016 11:07
    Highlight Träumen wir weiter. Warum einem Luxusinvestor Geld in den Rachen schieben. Der gute Onkel existiert nicht.
    Business as usual selbst mit den Flüchtlingen.
    Flüchtlinge kommen trotzdem.
    Nur der Frieden bringt die Lösung.
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    • atomschlaf 09.10.2016 11:34
      Highlight Nein, der gute Onkel existiert nicht. Muss er auch nicht. Sawiri darf durchaus etwas daran verdienen. Die hiesige Asyl- und Betreuungsindustrie (ORS & Co.) arbeitet schliesslich auch nicht gratis.

      Hinzu kommt, dass mit Sawiris Vorschlag gleich viel Geld viel mehr Menschen geholfen werden kann, als wenn diese in der teuren Schweiz von der Sozialhilfe leben oder mit enormen Ausbildungsaufwand auf die landesübliche Niveau der Berufsbildung gebracht werden müssen, damit sie wirtschaftlich eigenständig leben können.
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    • lilie 09.10.2016 13:22
      Highlight @Lügensperber: Verstehe den Kommentar überhaupt nicht. Sawiris will ja auf einen Gewinn verzichten.

      Nur weil er im Luxussegment vermutlich viel Geld verdient, heisst das ja nicht, dass er nicht auch etwas für die Allgemeinheit tun kann.
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    • Lumpirr01 09.10.2016 14:27
      Highlight @Lügensperber: Wer mit Samih schon mal persönlich Kontakt hatte, weiss, dass er charakterlich genau das Gegenteil von einem Immobilienhai (als Beispiel à la Grossmaul Trump) ist. Er hat durchaus auch eine sehr ausgeprägte soziale Ader und kennt keine Hemmschwelle zum einfachen Bürger. Ausserdem ist seine Mehrheitsbeteiligung bei Orascom immer noch im Aufbau und hat deshalb die Gewinnzone noch nicht erreicht. Die sich im Aufbau befindlichen Feriendestinationen gestalten sich richtigerweise im Luxusstil, weil die meisten Feriengäste in ihrem Jahresurlaub bekanntlich nicht darben wollen.
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    • FrancoL 09.10.2016 21:19
      Highlight Was man allerdings verstehen sollte ist dass eine Ferien-Oase nicht das gleiche ist wie ein Retortendorf wo Flüchtlinge für ihre Zukunft vorbereitet und ausgebildet werden.
      Dieses Zusammenleben ist eine Herausforderung die weniger baulicher Natur ist, sondern einer gewachsenen sozialen Struktur bedarf. Ob diese so einfach aus dem Nichts gestampft werden kann wage ich mehr als nur zu bezweifeln, meiner Ansicht nach sollte man auf viele kleine dezentrale Gefässe setzen, die an eine bestehende soziale Struktur angedockt werden können.
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  • Der Beukelark 09.10.2016 10:56
    Highlight Es wäre die einzige Vernünftige Lösung, die Flüchtlinge in der Region unterzubringen. Ich finde es immer noch schade, ist Europa nicht geeint in den Syrienkonflikt eingegriffen, um eine sichere Pufferzone innerhalb von Syrien zu schaffen.
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    • Fabio74 09.10.2016 17:46
      Highlight Wer ist denn dieses Europa? Und wie hätte Europa eingreifen sollen?
      Truppen stellen?
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    • Der Beukelark 09.10.2016 21:01
      Highlight natürlich truppen stellen. ich weiss, leider gibt es kein geeintes europa, dass solche massnahmen im kollektiv tragen würde.
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  • Saraina 09.10.2016 09:59
    Highlight Geschäft ist Geschäft. Ich kann mir gut vorstellen, aus welchem Lager die Politiker kommen, die ein solches Projekt unterstützen. Sawiris Bruder hat schon davon gesprochen, die Flüchtlinge auf griechischen Inseln in "chartered cities" unterzubringen, wo sie selber die Infrastruktur bauen - zu einem von ihm bestimmten Lohn natürlich, und ohne die Wahl, anderswo hinzuziehen. So können ganze Landstriche geleert werden, und deren Bewohner der Verwertung durch private Unternehmer übergeben, ohne Freiheit der Wahl des Wohn- oder Arbeitsortes. Wehret den Anfängen.
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    • äti 09.10.2016 11:55
      Highlight und dein besserer Vorschlag ist?
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    • lilie 09.10.2016 13:24
      Highlight @Seraina: Finde den Ansatz im Gegenteil sogar sehr gut. Ich finde es super, wenn die Flüchtlinge gleich selber anpacken können, anstatt darauf zu warten, dass ihnen geholfen wird. 👍
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  • TheDude10 09.10.2016 07:54
    Highlight Ich befürchte, das wird schlussendlich wider in Ghettos enden, wo sich Rattenfänger sich den Traumata der Menschen bedienen und sie Radikalisiren
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    • michiOW 09.10.2016 08:39
      Highlight Wenn man gleichzeitig eine Wirtschaft und ein gute Infrastruktur aufbauen kann, kann man dies verhindern.

      Man nimmt also Syrer, welche in dieser Stadt dann gleich Lehrer, Ärtzte, Bäcker usw. werden, wenn sie dies schon in Syrien waren.

      Man muss ihnen nur eine Perspektive bieten. Ein paar Fabriken von europäischen Konzernen wäre auch hilfreich.
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    • alder90 09.10.2016 09:52
      Highlight Die Idee ist dann zu unterstützen, wenn auch genügend Jobs vorhanden sind, damit man ein einigermassen selbstbestimmtes Leben führen kann. Das wirkt der Ghettobildung und Radikalisierung entgegen.
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    • Midnight 09.10.2016 10:27
      Highlight Sawiris macht wenigstens die richtigen Vorschläge. Wenn es nach der Schweiz geht, würden die Flüchtlinge einfach weiterhin in Como unter freiem Himmel schlafen. Und wenn ein ausgedientes Hotel zur Flüchtlingsunterkunft umfunktioniert werden soll, gibt es gleich Aufstände! Also ich würde mich lieber für den Ansatz von Sawiris entscheiden als für den vom Ueli!
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    • Lügensperber 09.10.2016 11:01
      Highlight @Midnight Ich denke kaum, dass die Menschen in Como (vorwiegend Schwarzafrikaner) in der geträumten Stadt von Sawiri einen Platz erhalten würden.
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    • FrancoL 09.10.2016 11:20
      Highlight @michiOW; Der natürliche Wachstum lässt sich nicht im Reagenzglas eine Mustersiedlung reproduzieren, das zumindest sollte uns unter anderem die Planungsidee des alten Ostens gelehrt haben.
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    • michiOW 09.10.2016 12:01
      Highlight @franco
      Klar ist es nicht einfach, doch die Ausgangssituation ist anders als im Osten.
      Wenn man die Abwanderung am Anfang verhindern kann, werden sich mindestens Lebensmittelläden usw. etablieren.
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    • FrancoL 09.10.2016 13:38
      Highlight @michiOW; Ja sie ist anders als im damaligen Osten; Sie ist schlechter, weil damals zumindest die Menschen aus den Gegenden stammten.
      Das was versucht wird ist sorry ein Irrsinn, ein Edelghetto das die gleichen Auswüchse wie alle anderen Ghettos haben würde.
      Gewachsen heisst dass sich alle Teilnehmer am Projekt aus einer gewachsenen Situation generieren und nicht künstlich gezüchtet werden. Das ist nicht das Problem des Bauens sondern das Proben des Wachsens der Nutzergesellschaft!
      Als Planer habe ich genügend solcher unmöglicher Versuche kennengelernt und selten wurden diese vom Erlog gekrönt
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    • michiOW 09.10.2016 22:18
      Highlight Deine Einwände sind gerechtfertigt, doch man kann aus alten Fehlern lernen.
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