Schweiz

Das Atomkraftwerk in Gösgen.  Bild: KEYSTONE

Von der Energielösung zur Bedrohung: So eroberte der Atomstrom Europa

Die Atomkraftwerke galten in den 50er-Jahren noch als Ideallösung für die Energiefrage. Spätestens seit den Zwischenfällen in Tschernobyl und Fukushima ist ihr Ruf aber zwiespältig. Am 27. November entscheidet die Schweiz über den endgültigen Ausstieg aus der Atomenergie für 2029.

Publiziert: 17.11.16, 11:02 Aktualisiert: 18.11.16, 07:47

Als 1954 in Russland (damals Sowjetunion) 100 Kilometer südlich von Moskau das erste wirtschaftlich genutzte Atomkraftwerk weltweit in Betrieb genommen wurde, sah die Welt noch ganz anders aus. Chruschtschow übernahm gerade für Stalin, Eisenhower war US-Präsident und Deutschland gewann als Aussenseiter die Fussballweltmeisterschaft in der Schweiz.

Das Atomkraftwerk Obninsk überraschte die Welt. Niemand hätte gedacht, dass die Sowjets die Briten im Wettlauf um die friedliche Nutzung der Atomenergie schlagen könnten. In der «NZZ» vom 1. Juli 1954 wird ein Sprecher der britischen Atomenergiekommission zitiert: «Sollte die Meldung aus Moskau zutreffen, hätte die Sowjetunion das erste Atomkraftwerk der Welt.» Man erklärt, dass der Sowjetunion dieser Coup wohl nur unter «völliger Missachtung der Sicherheit» gelungen sein könne.

Auch die Schweiz interessierte sich sehr für die Nutzung der Kernspaltung zur Energieversorgung. Die «NZZ»  schrieb kurz nach der Meldung aus der Sowjetunion sogar, dass angesichts der Auslastung der inländischen Wasserkraftwerke und dem stetig steigenden Energiebedarf Atomkraftwerke «die Lösung» für das Versorgungsproblem seien. Am 17. Juli 1969 wurde schliesslich Beznau als erstes Schweizer Kernkraftwerk in Betrieb genommen. Kurz zuvor ereignete sich eine «Panne» im Versuchsreaktor in Lucens (Waadt). 

Die «Panne» liess Europa und die Schweiz aber unbeeindruckt. Für die im Bau befindlichen Kraftwerke Mühleberg und Beznau wurde sehr schnell Entwarnung gegeben: «Aus dem Defekt im Werk in Lucens dürfen keine voreiligen Schlüsse gezogen werden», schrieb die «NZZ» zwei Tage nach dem Zwischenfall. Dass es sich bei der «Panne» in Lucens um eine der gefährlichsten Kernschmelzen weltweit gehandelt hatte, wurde erst später bekannt. Trotzdem wurden in ganz Europa fleissig AKWs gebaut.

So hat die Kernspaltung Europa erobert:

Gezählt wurden Atomkraftwerke, also nicht einzelne Reaktoren. Versuchskraftwerke sind ebenfalls in der Statistik beinhaltet. gif: watson

Ging es zu schnell? Hier das Gif als Bildstrecke:

Je mehr Kernkraftwerke gebaut wurden und je länger diese schon betrieben wurden, desto mehr dämmerte es den Energieunternehmen: Kernkraftwerke sind bei weitem nicht so profitabel, wie anfänglich angenommen. 

Endgültig kippte der Aufwärtstrend nach der Katastrophe in Tschernobyl. Im Unterschied zu Lucens konnte dort das Austreten von radioaktiver Strahlung nicht eingedämmt werden. Im Gegenteil: Die Sowjetunion verschwieg den Unfall vorerst. Entdeckt wurde die erhöhte Strahlung erst zwei Tage später, als im 1200 Kilometer entfernten Kernkraftwerk Forsmark in Schweden erhöhte Strahlung gemessen wurde. 

Als ein Leck in der eigenen Anlage ausgeschlossen werden konnte, fiel der Verdacht auf ein sowjetisches Kraftwerk. Drei Tage nach der Kernschmelze bestätigte die sowjetische Nachrichtenagentur TASS den Unfall.

Obwohl zuerst noch die Hoffnung bestand, man könne den Unfall auf die technische Rückständigkeit der Sowjetunion zurückführen, nahm die Zahl der betriebenen Kernreaktoren in Europa ab Anfang der Neunziger ab. Bis in die frühen 2000er-Jahre stabilisierte sich die Anzahl weitgehend. Doch das Problem der Wirtschaftlichkeit blieb und die Endlagerung verbrauchter Brennstäbe geriet zusätzlich in den Fokus. 

Als das Erdbeben vor Fukushima von 2011 zu einer weiteren Nuklearkatastrophe in einem Kernkraftwerk führte, beschlossen mehrere europäische Länder schrittweise den Ausstieg aus der Atomenergie, allen voran Deutschland. Bis 2016 ist die Zahl der betriebenen Atomkraftwerke in Europa auf das Niveau vor 1980 zurückgefallen. Tendenz: Fallend. Deutschland plant den kompletten Atomausstieg bis 2022. Mit einer Annahme der Ausstiegsinitiative am 27. November würde sich die Schweiz für einen Ausstieg bis 2029 verpflichten.

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naja, mir - 16.4.2016
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  • Regas 18.11.2016 12:01
    Highlight @supermario1: Wenn die Wind und Solarenergie, die je nach Wetterlage gar keinen Strom liefert, in Europa weiterhin dermassen kopflos ausgebaut wird und der Stromverbrauch weiterhin ansteigt und gleichzeitig Kraftwerke vom Netz genommen werden wird es ganz bestimmt zu Stromausfällen kommen.
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    • R&B 18.11.2016 14:05
      Highlight @Regas: Ihre Behauptung stimmen nicht. Grund: Können Sie in den Kommentaren weiter unten hier lesen.
      2 1 Melden
    • Regas 18.11.2016 14:50
      Highlight @R&B: Da unten finde ich nur leere Behauptungen ohne Substanz. Frage: weshalb kann das KKW Gösgen in absehbarer Zeit nicht durch Windräder ersetzt werden? Antwort: Das KKW Gösgen produziert Jährlich 8000GWh Strom. Der Windpark Nufenen 10GWh. Um Gösgen zu ersetzten braucht es also 800 Windparks zu 4 Windrädern = 3200 Windräder. Weil die Windräder nur 1/6 Zeit laufen sind noch 3-4 Speicherwerke der Grösse Linth/Limmern nötig. Die Utopie lässt Grüssen.

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    • R&B 18.11.2016 15:10
      Highlight @Regas: Schon nur mit Solardächern auf Ställen könnten alle CH-AKWs ersetzt werden. Quelle: SRF
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    • Regas 18.11.2016 15:41
      Highlight @R&B: OK. Wie lange dauert die Bauzeit dieser Solaranlagen ? in China müssten wohl noch etliche Solarhersteller die Produktion erweitern. Die Panels haben eine Verfügbarkeit von 10% der Nennleistung. Das heisst das Stromnetz müsste massiv ausgebaut werden. Damit nachts, bei Hochnebel und im Winter auch noch Strom fliesst bracht es so zwischen 30-50 mal Linth/Limmern. Mal abgesehen davon das das Alles nicht in dem benötigten Zeitrahmen gebaut werden kann würde der Strompreis mindesten verzehnfacht.

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    • R&B 18.11.2016 16:31
      Highlight @Regas: Oh je! Sie sind ja ein Schwarzmaler. Wir haben Strom im Überfluss und die AKWs sind unrentabel. Da funktioniert Ihre Logik einfach nicht. Bei Annahme der Initiative werden die ältesten AKWs nicht sofort abgeschaltet, sondern erst dann, wenn die Stromversorgung gesichert ist. In der Realität: Sie werden sofort abgeschaltet, weil wir genügend Strom haben 😂😂😂
      4 1 Melden
    • Regas 18.11.2016 16:46
      Highlight @R&B: Da bin ich ja beruhigt. Es hat noch genug Restenergie im Stromnetz für mindestens 200 Jahre man braucht gar nichts mehr einzuspeisen. Danke für den guten Tip.
      1 1 Melden
    • R&B 18.11.2016 19:19
      Highlight @Regas: Äbä!
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  • supermario1 18.11.2016 10:47
    Highlight Beznau 1 und 2 sowie Mühleberg (welche nach Annahme der Initiative bereits nä. Jahr ausgeschaltet werden) produzieren zusammen 3/4 so viel Leistung wie das AKW Leibstadt, welches anfangs 2017 wieder in Betrieb genommen wird. Ziemlich hysterisch, was im Moment abgeht punkto “Versorgungslücke“. Noch dreister sind Warnungen dass es zu Stromausfällen kommt. Um die Netzstabilität zu gewährleisten wird ständig Im/Exportiert, von wegen dreckigem Kohlestrom, haha die SVP warnt vor den Gefahren des CO2, wie heuchlerisch:-)! In ihrem Parteiprogramm zweifeln sie densind Klimawandel sogar an...
    3 0 Melden
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  • Skip Bo 18.11.2016 07:47
    Highlight Ich finde es falsch, zu fordern die AKWs seien ausser Betrieb zu nehmen, dabei gleichzeitig den Ausbau und Effizienzszeigerungen bei der Wasserkraft zu verhindern.
    Um im Winter Wärmepumpen zu betreiben, welche zur Zeit die einzige Alternative zu fossil betriebenen Heizungen sind, braucht es eine höhere Bandleistung und grössere Langzeitspecherseen. Leider verhindert die grüne Politik diese Massnahmen sehr zuverlässig. Dieser Widerspruch lässt mich kein überzeugtes JA in die Urne legen.

    Mir kann das Ganze egal sein, produziere meinen Strom selber und heize mit Holz.
    1 1 Melden
    • R&B 18.11.2016 14:06
      Highlight @Skip Bo: Stimmt nicht. Siehe weiter unten in den Kommentaren.
      1 0 Melden
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  • Benot 17.11.2016 17:04
    Highlight Zur schweizer Atomlobby:
    Mir kommt da immer Kaiseraugst in den Sinn.
    Damals hiess es aus aller bürgerlicher Munde, Doktoren, Nationalräte, Respektspersonen, ETH etc., die Schweiz brauche das AKW Kaiseraugst unbedingt, sonst würde in 2015 unser Land unter einer schweren Energieversorgungskriese leiden.
    Ha, ha...
    Schade, dass unsere heutigen Journalisten keine Zeit oder Lust mehr haben, einmal ins Archiv zu gehen und diese Schauergeschichten aus dem Munde unserer höchst-ehrwürdigen Persönlichkeiten hervorzuholen.
    Glaubwürdigkeit bürgerlicher CH-Persönlichkeiten zum Thema AKW: ZERO.
    46 5 Melden
    • Regas 17.11.2016 22:17
      Highlight Ja aber Ha ha mit Kaiseraugst müssten wir wohl im Winterhalbjahr nicht 10 - 15% Strom Importieren.

      Die Glaubwürdigkeit von Genner, Wermut, Gunzinger, Greenpeace, WWF, usw. ist keineswegs gegeben. Da werden Zahlen manipuliert, und unmögliche Behauptungen aufgestellt nur weil man aus etwelchen Gründen unbedingt die KKW's möglichst sofort aus der Welt schaffen will. Mit Solar und Windenergie werden wir unsere KKW's niemals ersetzen können. Stehen wir dann in Zukunft vor einem Energetischen Scherbenhaufen wird wohl niemand diese Leute zur Rechenschaft ziehen.
      5 10 Melden
    • R&B 18.11.2016 08:10
      Highlight @Regas: Echt jetzt? Unnötige Panikmache? Aufwärmen der alten Leier, dass alternative Energien nie ausreichen würden, obwohl es schon mehrmals widerlegt wurde?
      4 0 Melden
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  • Homes8 17.11.2016 13:49
    Highlight Interessant wäre es, etwas über den Zustand der stillgelegten AKW's zu erfahren. Weil die verschwinden ja nicht so einfach wie mit dem Radiergummi von der Karte
    42 0 Melden
    • Wilhelm Dingo 17.11.2016 15:35
      Highlight Wenn man den Bereiberfirmen glauben schenkt dann ist der Rückbau eine kleine Sache. Mühleberg kann mit 1.5 Mia rückgebaut werden innert ca. 10 Jahren, inkl. Entsorgung.
      16 1 Melden
    • Polybertarian 17.11.2016 16:16
      Highlight Doch. So sieht die ehemalige KKW "Connecticut Yankee" heute aus:
      http://www.connyankee.com/images/CY_Home_Page2.jpg

      Der verbleibende Brennstoff ist eine Spezialität der Amis (dieser wegzutransportieren ist verboten), da die keinen Zwischenlager haben.
      8 0 Melden
    • Homes8 17.11.2016 17:25
      Highlight Aus dem Wiki über Connecticut Yankee: 1964 gebaut. Der Reaktor wurde am 5. Dezember 1996 stillgelegt. Grund war die Feststellung der amerikanischen Aufsichtsbehörde, dass das Notkühl-System nicht mehr dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik entsprach und der Entscheid des Betreibers, aus wirtschaftlichen Gründen auf eine Nachrüstung zu verzichten.
      Der Rückbau der Anlage wurde 2006 "erfolgreich" beendet!
      Unter erfolgreich beendet versteh ich was anderes.
      7 0 Melden
    • Polybertarian 18.11.2016 09:58
      Highlight Und was verstehst du genau unter erfolgreich beendet?
      0 0 Melden
    • Homes8 18.11.2016 12:11
      Highlight Wenn das Gelände renaturiert ist, keine zukunftige
      0 0 Melden
    • Homes8 18.11.2016 19:01
      Highlight Sorry, falscher Knopf erwischt.

      Erfolgreich beendet ist die Sache erst, wenn renaturiert und entgiftet ist. Auch das Abfallproblem hätte schon vor Inbetriebnahme gelösst sein sollen. Aber solange man die Strahlung nicht abstellen kann, geht das noch ein paar tausend Jahre.
      Eventuel ist die Ami-Lager-Methode gar nicht so schlecht, weils noch keine Endlösung gibt. Nicht Bomben sicher. Dafür besser kontrollierbar, falls was undicht wird. Bei Endlagerung in der Erde ist das Wasser eventuel mal verseucht. Eventuel später gar nicht mehr zugänglich bei Problemen.
      1 0 Melden
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  • Polybertarian 17.11.2016 13:19
    Highlight Wieso wird der Unfall in Lucens als "einer der gefährlichsten Kernschmelzen der Welt" betrachtet? (Was eher fraglich ist) Ist das nur aus Sicht der INES-Skala gesehen? Die Skala ist nur auf den Ereignis und dessen tasächlichen Konsequenzen basiert, und nicht auf dessen *möglichen* Konsequenzen. Kernschäden? => INES 4, Punkt Schluss. Ob es zu einem schwereren Unfall entwicklen konnte oder nicht. Deshalb sind Ereignissen mit dem gleichen INES Bewertung gefährlicher gewesen.
    8 10 Melden
    • Benot 17.11.2016 13:53
      Highlight Seit 1969 versucht die Atomlobby in der Schweiz die Erinnerung an diesen Unfall in der "sicheren" Schweiz zu löschen. Atomunfälle und Kernschmelzen... das gibt es im Bewusstsein der Menschen auch in Deutschland, doch nur im "unsicheren Russland". Die schweren Unfälle in Sellafield, Harrisburg und Lucens wurden und werden gerne verdrängt, denn die schweizer Atomlobby will neue AKW bauen.
      Meidet die "Killing Fields" der öffentlichen Debatte, nennen die PR-Agenturen der Schweizer Atomlobby (BURSON MARSTÄLLER) eine solche Strategie.
      29 4 Melden
    • _kokolorix 17.11.2016 18:38
      Highlight Das war eine Kernschmelze und nur die Tatsache, dass der Reaktor in einer Felskaverne stand verhinderte eine echte Katastrophe. Ursprünglich wollte man den Versuchsreaktor mitten in Zürich betreiben. Nur wegen dem hartnäckigen Widerstand dummer Technikbanausen haben die Fachleute das nicht gemacht...
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  • Polybertarian 17.11.2016 13:12
    Highlight Es fühlt sich so, dass der Autor die Aussage vom britischen AEK bezweifelt. Leider ist sie korrekt: Obninsk war ein Wassergekühlter Graphitmoderierter Reaktor, genau wie Tschernobyl. In diesen Reaktortyp kann der Verlust der Kühlung zu eine Leistungsexkursion. Das ist seit 1944 bekannt (!), da der dritte Reaktor der Welt (B-Reaktor, Hanford, USA) auch vom solchen Bautyp war. Zu dieser Zeit war das einfach egal, da es um Plutonium für Bomben zu erzeugen gebaut worden ist und Sicherheit sekundär war.
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  • Denk nach 17.11.2016 13:02
    Highlight Ich frage mich, ob man zu dieser Zeit Alternativen hatte zu Atomstrom. Mich würde interessieren wie der Klimawandel vorangegangenen wäre, hätte man damals bis heute anstelle von AKW's ausschließlich auf Kohle, etc. gesetzt.
    23 8 Melden
    • dracului 17.11.2016 17:52
      Highlight Es gab auch damals ökologisch verträglichere Alternativen. Schliesslich macht der Atomstrom nur etwas mehr als 35% aus, während rund 58% aus der Wasserkraft stammen in der Schweiz. Fakt ist, dass ab den 60er-Jahren ein weltweiter Atomenergieboom herrschte, die Technik als beherrschbar galt und die Schweiz auch diesen Traum leben wollte. Es wurde sogar über eine eigene Atombombe diskutiert. Es gibt auch heute Alternativen zum ausländischen Kohlestrom, aber dafür braucht es einen "Aufbruch" z.B. den aktuellen Haushaltsüberschuss in Richtung Windenergie nutzen?
      9 6 Melden
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  • Toerpe Zwerg 17.11.2016 13:01
    Highlight Würde die Initiative nur die Stillegung bestehender Werke fordern, würde ich mit Begeisterung zustimmen.

    Ein Technologieverbot kann aber logisch nicht begründet werden.
    23 27 Melden
    • Adremos 17.11.2016 17:35
      Highlight Ich sehe nicht ganz, wo in der Initiative ein Technologieverbot zu finden ist.... :

      "Der Betrieb von Kernkraftwerken zur Erzeugung von Strom oder Wärme ist verboten."

      Hier steht eindeutig, dass nur der Betrieb zur Erzeugung von Strom und Wärme verboten ist. Z.B. forschen mit Forschungsreaktoren oder Produktion von Radionukliden für die Medizin ist weiterhin möglich.
      Und wenn vlt. in 40-50 Jahren eine Technologie entdeckt wird, die die Kernkraft zu 100% sicher und Abfall frei macht, dann kann man den Artikel ja wieder aus der Verfassung rausstreichen!!!
      17 5 Melden
    • Toerpe Zwerg 17.11.2016 19:57
      Highlight Es ist ein Technologieverbot. Man verbietet eine Technologie zur Energiegewinnung.

      100%-ige Sicherheit? Das ist bei nichts und nie erreichbar.
      5 3 Melden
    • R&B 18.11.2016 08:17
      Highlight @Toerpe Zwerg: "100%-ige Sicherheit? Das ist bei nichts und nie erreichbar." und das ist genau der Punkt bei den AKWs. Wenn der GAU passiert, ist die halbe bewohnbare Schweiz nicht mehr bewohnbar. Die Schäden eines GAUs bei AKWs sind derart riesig, dass AKWs auch bei kleinsten Risiken zu gefährlich sind. Wenn ein Kraftwerk anderer Energieerzeugungsbasis hochgeht, sind die Schäden ein Bruchteil der von AKWs und nach einigen Jahren nicht mehr existent.
      2 0 Melden
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  • Benot 17.11.2016 12:48
    Highlight Ich habe kein Problem mit "ausländischem" Strom, denn "inländischer" Strom schmeckt nicht anders.
    Vielleicht ticke ich einfach zuwenig patriotisch. Vielleicht glüht das Patriotenherz eines Schweizers stärker, mit "inländischem" Strom.
    Und bez. Sicherheit: Infwiefern ist "inländischer" Strom besser, als "ausländischer" Strom? Weil wir Schweizer in allem besser sind und deshalb alles ausländische schlechter? Vielleicht, weil unsere inländischen Atombehörden vertrauensvoller sind, als die ausländischen?

    27 12 Melden
    • R&B 18.11.2016 08:18
      Highlight @Benot: Die inländischen Atombehörden haben mit etlichen Vertuschungsaktionen bewiesen, dass sie nicht vertrauenswürdiger sind.
      2 0 Melden
    600
  • R&B 17.11.2016 12:45
    Highlight Initiative annehmen. Dann geht es endlich voran mit der Netzoptimierung und dem Ausbau der erneuerbaren Energien. Ansonsten ziert sich die Energie-Branche weiterhin, das Netz zu verbessern und investiert nicht in erneuerbare Energien. Und zwar so lange bis die AKWs hochgehen oder nicht mehr funktionieren. Dann haben wir ein Stromproblem, und nicht bei einer Annahme der Initiative.
    44 9 Melden
    • FrancoL 17.11.2016 20:18
      Highlight Völlig richtig erkannt!
      Alle Investitionen rund um die Energiegewinnung und Verteilung, von der Optimierung (nicht zu unterschätzen) zur Förderung der Erneuerbaren und natürlich zur Erweiterung des Verteilnetzes BRAUCHEN ein klares Szenario dass kann nur durch einen raschen und gezielten Ausstieg aus der Atom-Energie aufgebaut werden.
      Es ist ein Irrglauben zu meinen dass die Investitionen auf einem Sparflämmchen kochen können, sie brauchen Schub und Gewissheit und dann werden diese Investitionen auch Früchte tragen.
      5 1 Melden
    600
  • sheshe 17.11.2016 12:10
    Highlight Watson, könnt ihr mal einen Bericht darüber schreiben, wie es denn weitergehen soll? Wo soll der Strom herkommen, aus welchem Anteil der verschiedenen Energiequellen setzt er sich zusammen und das ganze noch irgendwie mit einer Timeline und der Angabe des produzierten Stroms (inkl. Verbrauch)? Danke!! (PS: vielleicht noch vor nächstem Mittwoch?)

    Ich bin nämlich hin und her gerissen. Auf der einen Seite will ich keine AKWs, auf der anderen bin ich aber auch dagegen, dass jeder Bürger eine Solarzelle auf dem Dach hat.
    11 13 Melden
    • DerHans 17.11.2016 13:57
      Highlight Tja so ist das mit dem Füfer und s'Weggli. Glauben sie mir Solarpanels die, die Umgebung verschandeln ist weit das kleinere Übel als wenn uns so ein AKW um die Ohren fliegt. Und ich wette mit ihnen sie würden staunen wo überall Panels montiert sind die ihnen nie aufgefallen sind. Zudem gibt es solche die wie Ziegel aussehen. Die Enegiefrage ist mit der Abschaltung der AKW bei weitem noch nicht gelöst. Aber es wäre entlich ein Ansporn vorhanden, neue Energiequellen zuerschliessen, im besten Fall umweltverträglich.
      26 2 Melden
    • sheshe 17.11.2016 15:17
      Highlight Nein, mir gehts nicht um die Verschandelung der Umgebung, sondern um die Beschaffung und Rezyklierbarkeit der Bestandteile (z.B. seltene Erden, Quecksilber...).
      8 4 Melden
    • DerHans 17.11.2016 15:35
      Highlight Auch in Beschaffung und rezyklirbarkeit stehen Solarpanels besser da als AKW's. Spass bei Seite ich versteh was sie meinen. Denke aber da ist noch viel Luft nach oben bei der Entwicklung und Entsorgung von alternativen Energiequellen, bei AKWs bleiben die radioaktiven Abfälle für eine Ewigkeit.
      11 1 Melden
    • c.v. 17.11.2016 17:21
      Highlight Ein Photovoltaik-Modul lässt sich zu 95% recyclen. Der Rest ist vor allem Kunststoff, der verbrannt wird und Beschichtungen vom Glas. Zudem benötigt die Herstellung eines Silizium-Wafers aus Recycling-Material nur etwa 30% so viel Energie, wie die Herstellung eines neuen Wafers. Beim Alurahmen siehts noch extremer aus. Das Recycling benötigt weit weniger als 10% der Energie verglichen mit der Herstellung von neuem Aluminium.
      Was für seltene Erden sollen da drin sein? Und wo ist da Quecksilber drin?
      7 1 Melden
    • Evan 17.11.2016 22:38
      Highlight Wie kann man denn bitte dagegen sein, dass "jeder Burger Solarzellen auf dem Dach hat" ?!? 😮
      5 0 Melden
    • Obsidian 18.11.2016 01:04
      Highlight Es ist halt nicht nur eine technologische Frage. AKW's sind zentrale Energieumwandler. Photovoltaikanlagen auf einem Einfamilienhaus sind dezentrale Umwandler. Mit einer PV-Anlage auf jedem Hausdach können unsere "Energieversorger" den Laden schliessen. Möchten die das? Eher nicht! Das alte Geschäftsmodell gilt es zu bewahren. Das ist konservative Politik.

      Kommt es durch den Atomausstieg zu einer Stromlücke? Meiner Meinung nach nicht. Die Wirtschaft wird schnell genug auf erneuerbare umsteigen. Alles Angstmacherei der Zentralisten gegen die De-Zentralisten.
      4 0 Melden
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  • peeti 17.11.2016 11:53
    Highlight Der Ausstieg in der Schweiz ist beschlossene Sache (mögliches Referendum ES2050 hat keine Chance). Die Frage ist jetzt: Steigen wir mit einem Plan aus und richten unsere Wirtschaft und Energieversorgung darauf auf.

    Oder aber wir halten am momentan Zustand fest und importieren für ungeplante Ausfälle (Sicherheitsarbeiten werden zunehmen) immer wieder ausländischen Strom.
    33 14 Melden
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  • TheDan 17.11.2016 11:49
    Highlight Ich bezweifle dass Kernenergie bereits vor Fukushima unrentabel war. Gibt es dazu eine Quelle?
    Die massive Förderung und Zubau von neuen erneuerbaren Energien in Deutschland hat dazu geführt dass der Strompreis mittlerweile so tief ist dass konventionelle Kraftwerke grundsätzlich nicht mehr rentabel sind. Neubau oder Erneuerungsprojekte werden zunehmend sistiert. In Deutschland dürfen Kraftwerksbetreiber unrentable Anlagen nicht abschalten, weil sie systemrelevant sind: https://www.welt.de/wirtschaft/article145555678/Energieversorger-wollen-57-Kraftwerke-abschalten.html
    17 20 Melden
    • Maett 17.11.2016 12:44
      Highlight @TheDan: in der Schweiz ist deshalb übrigens überhaupt kein Kraftwerkstyp mehr rentabel, verdient wird nur noch da, wo der Bund massiv mit Steuergeldern subventioniert.

      Und es liegt tatsächlich am deutschen erneuerbaren Strom, dort wird bereits heute in gewissen Minuten so viel produziert, dass anderen Ländern Geld bezahlt wird, dass sie den Überstrom abnehmen. Leider ist das kein konstanter Strom, weswegen sich die Frage stellt, wie ein Netz mit erneuerbaren Energien stabil betrieben werden soll, wo doch Deutschland schon heute Blackouts erleiden würde, wenn es keine Netze ins Ausland hätte.
      5 4 Melden
    • Polybertarian 17.11.2016 12:45
      Highlight "Rentabel" oder nicht ist vom Ort abhängig. In Europa hat Kernkraft Schwierigkeiten mit den tiefen Preisen, wie auch neue Erneuerbaren und Wasserkraft. Da gibt es kaum zu feiern, da die Preisen auch wegen günstigere Kohle & Gas verursacht sind.
      4 1 Melden
    • Polybertarian 17.11.2016 12:46
      Highlight In Amerika leidet Kernkraft besonders unter niedrige Gaspreisen, dank Fracking. Da immer noch, gibt es wenig zu feiern.
      3 0 Melden
    • TheDan 17.11.2016 13:50
      Highlight @Maett
      Stimmt, mit konventionellen Kraftwerken meine ich alle Bandenergieprodktionen.
      Für unsere Pumpspeicherwerte ist die Perversität von negativen Strompreisen zum Glück ein Segen. Geld bekommen sowohl fürs Pumpen als auch fürs Turbinieren.
      Habe auch schon gehört dass Bahnbetriebe im Sommer ihre Weichen heizen zum Geld verdienen.
      2 0 Melden
    600
  • manhunt 17.11.2016 11:30
    Highlight lucens liegt im kanton waadt, und nicht im wallis.
    19 0 Melden
    • Leo Helfenberger 17.11.2016 11:42
      Highlight @manhunt: Richtig, ist korrigiert.
      10 0 Melden
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  • Ketsch 17.11.2016 11:29
    Highlight Interessant!
    Wie man sieht, stieg der Bau der AKW's stetig bis zu dem Punkt, wo der Fall Tschernobyl passierte.
    Ich denke nicht, dass dies ein Zufall war und die Menschheit für einmal vernünftig agierte und sich der Bau weiterer AKW's einstellte, europaweit.

    Wundernehmen würde mich eine Statistik wie die oben einfach auf die ganze Welt bezogen.
    Wäre interessant zu wissen, ob der Trend nur in Europa oder auf der ganzen Welt bestehend ist.
    24 1 Melden
    • helios 17.11.2016 11:56
      Highlight Das scheint ein globaler Wendepunkt gewesen zu sein:
      http://www.worldnuclearreport.org/IMG/png/a185.png
      10 0 Melden
    • Polybertarian 17.11.2016 12:47
      Highlight Tschernobyl als Massstab für die gesamte Kernenergie zu verwenden war sicher keine vernünfte Entscheidung...
      4 6 Melden
    • Ketsch 17.11.2016 13:14
      Highlight So wie es aussieht ist der Trend in dem Fall auf der ganzen Welt vorhanden. Danke helios, für den Tipp.
      2 0 Melden
    • TheDan 17.11.2016 17:14
      Highlight https://de.statista.com/statistik/daten/studie/157767/umfrage/anzahl-der-geplanten-atomkraftwerke-in-verschiedenen-laendern/
      Aktuell befinden sich weltweit 168 Atomreaktoren in Planung/Bau. Davon alleine 42 in China um von der Kohle weg zu kommen. Die bauen allerdings auch gewaltige Leistungen an erneuerbaren Energien.
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  • Stachanowist 17.11.2016 11:26
    Highlight "Als 1954 in Russland (damals Sowjetunion) 100 Kilometer südlich von Moskau das erste wirtschaftlich genutzte Atomkraftwerk weltweit in Betrieb genommen wurde, sah die Welt noch ganz anders aus. Stalin regierte die Sowjetunion mit eiserner Hand"

    Stalin starb 1953.
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    • Leo Helfenberger 17.11.2016 11:42
      Highlight @Stachanowist: Richtig, ist korrigiert.
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  • Deleatur 17.11.2016 11:20
    Highlight Ich seh richtig, Polen, Österreich, Norwegen haben sich nie auf AKWs eingelassen? Gratulation, Weise Entscheidung!
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    • Oberlehrer 17.11.2016 12:12
      Highlight Österreich und Norwegen sind geographisch prädestiniert für Wasserkraft. Im Falle Polens ist die Gratulation aber nicht besonders angebracht. Der Grossteil des Stroms wird in Kohlekraftwerken produziert, der Rest mit Öl und Erdgas. Das ist nicht nur schädlich für das Klima, diese Energieträger weisen auch eine sehr hohe Todesrate auf.
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    • Triple 17.11.2016 12:33
      Highlight Polen --> Braunkohle
      Österreich--> Tschechischen Atomstrom
      Norwegen --> Wasser

      Polen und Österreich haben das Problem einfach umgelagert.
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    • skyfox 17.11.2016 12:34
      Highlight Portugal hat meines Wissens auch nie auf die Kernernergie zur Stromerzeugung gesetzt und die Italiener haben sich vor gut 25 Jahren von ihrem letzten AKW vorzeitig verabschiedet. Berlusconi hat es glücklicher Weise nicht geschafft, den Wiedereinstieg zu realisieren.
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    • Polybertarian 17.11.2016 12:39
      Highlight Ausser Norwegen (quasi 100% Wasserkraft) sind diese Länder für ein grosses CO2-Austoss verantwortlich, also, nicht wirklich.
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    • Maett 17.11.2016 12:48
      Highlight @Deleatur: irgendwie logisch. Norwegen hat viele Wasserkraftwerke und wenig Menschen. Österreich hat aus ideologischen Gründen kein Kraftwerk gebaut und deshalb AKW-Strom aus DE importiert und selbst Öl, Gas und Kohle verfeuert. Und Polen hat seinen Strom der Kohle zu verdanken, die die Umwelt viel stärker mit Radioaktivität verschmutzt, als es AKWs tun (https://de.wikipedia.org/wiki/Strahlenexposition#Kohlef.C3.B6rderung_und_Kohlenutzung).

      Wer nicht auf AKWs setzt, schadet der Umwelt also eher, ausser wenn keine Überbevölkerung vorhanden ist (eben: Norwegen).
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    • undduso 17.11.2016 12:50
      Highlight Zu Österreich gibts jedoch die Anekdote, dass sie eins gebaut haben, dieses nach einem negativen Volksentscheid jedoch nie ans Netz ging.
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    • sebjseb 17.11.2016 12:55
      Highlight Naja.. die Polen decken 93% der Primärenergie aus fossielen Brennstoffen(Öl, Gas, Kohle)
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    • Polybertarian 17.11.2016 13:43
      Highlight Die Ösis sind definitiv kein Vorbild:
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    • Stachanowist 17.11.2016 15:46
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Beschädigte Brennstäbe: Das Ausmass beim AKW Leibstadt ist grösser als gedacht

Brennstäbe, die erst ein Jahr im Reaktor sind, weisen oxidierte Stellen auf. Wie diese entstanden sind und was Ersatz und Reparatur kosten, ist noch unbekannt.

Bei der Jahresrevision im AKW Leibstadt wurden im August an acht Brennelementen oxidierte Stellen entdeckt. Rund zwei Monate länger als geplant werde der Reaktor deshalb stillstehen, teilten die Kraftwerksverantwortlichen damals mit. Anfang Oktober teilte die Kernkraftwerk Leibstadt AG mit, dass mehr Brennelemente betroffen seien und die Untersuchungen mehr Zeit in Anspruch nehmen: Erst im Februar 2017 sollte das leistungsstärkste und neueste Atomkraftwerk der Schweiz wieder ans Netz gehen, …

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