Schweiz

Im Berner Breitenrain-Quartier trifft sich der Kurdisch-Türkisch-Schweizerische Kulturverein Bern um gemeinsam die Abstimmung zu verfolgen. Bild: watson

Enttäuschung beim türkisch-kurdischen Public Viewing im Berner «Breitsch»

Es ist auch für sie ein Schicksalstag: Die Mitglieder des Kurdisch-Türkisch-Schweizerischen Kulturvereins Bern verfolgen zusammen gespannt den Ausgang des Referendums in der Türkei. Mit dem proklamierten Resultat sind sie nicht zufrieden. 

16.04.17, 19:03 18.04.17, 07:53

Sie kauen nervös Kaugummis und Fingernägel: Die Mitglieder des «Kutüsch», wie sich der Verein nennt, verfolgen auf einer Grossleinwand wie Erdogan und seine AKP den Sieg der Referendumsabstimmung ausrufen und ihre Anhänger in den Strassen von Ankara und Istanbul feiern.

Die Erdogan-Gegner sind hier unter sich. Sie alle hoffen auf einen Sieg des «Hayir»-Lagers, das die Verfassungsreform von Präsident Erdogan ablehnt, aber seit spätestens 20 Uhr abends wissen sie, dass die Verfassungsreform wohl nur noch auf juristischem Weg abgewendet werden kann. 

Sie zweifeln das Resultat an und vermuten breit angelegte Manipulation in den Abstimmungslokalen wo die Ja-Stimmen einiges unbürokratischer gezählt worden sein sollen als die Nein-Stimmen: 

Das Resultat kann nicht stimmen

Video: watson/Camille Kündig.

Eine weitere Zweiflerin ist Hûrû Tat, Vorstandsmitglied des Vereins. Sie hat Nein gestimmt, befürchtet aber, dass sich Erdogan durchsetzen werde. Denn die Oppostion in der Türkei werde unterdrückt: «Das ist ungerecht.»

Hûrû Tat fürchtet sich vor einer Diktatur:

Bild: watson

Sie sorgt sich besonders auch um die türkischen Frauen im Falle eines Ja's: «Erdogan repräsentiert das patriarchische System. Eine solche faschistische, islamgefärbte Diktatur ist eine Gefahr für Minderheiten.» Ein Ja wäre eine Katstrophe für den Frieden und die Demokratie, meint Tat.

So sieht der kurdischstämmige Grossrat Hasim Sançar die Abstimmung

Der Grossrat der Grünen, Hasim Sançar.

Leere Gesichter am Ende des Abends

Nachdem die türkischen TV-Sender den knappen Sieg des Nein-Lagers vermelden, leert sich der «Breitsch-Träff» schnell. Die noch verbleibenden Mitglieder des Türkisch-Kurdischen Kulturvereins Bern sind enttäuscht. Sie starren mit leerer Miene auf die Grossleinwand. Niemand ist gesprächig, alle hören stumm den neusten Entwicklungen aus der Türkei zu. Grossrat Hasim Sançar ist als einziger bereit, vor die Kamera zu treten. Auch er ist enttäuscht vom Ausgang der Abstimmung.

«Ich habe ein schlechtes Gefühl»: Das Fazit von Hasim Sançar (GPS/BE)

Grossrat Has Sançar glaubt nicht an eine faire Abstimmung. Video: Camille Kündig

Erdogans wahnsinniger Präsidentschaftspalast

Das könnte dich auch interessieren:

Wie er Nazis verteidigt und über Wein schwafelt – Trumps irre Wutrede in sieben Akten

Warst du besoffen, Designer? 26 Kleider-Fails, die nicht mehr gut zu machen sind

Geheimes Chat-Protokoll aufgetaucht: Wie es wirklich zur Nordkorea-Krise kam

Mit Hipsterbart und Hakenkreuz: 5 alte und neue rechtsextreme Bewegungen

Koksen und kotzen – Barbie ist im 2017 angekommen

«Wir sind die grössten Loser – wenn das BGE mit uns klappt, dann klappt es überall»

Was diese Frau treibt, ist so grossartig wie abstossend – und ich kann nicht wegsehen

Obamas geniale Antwort auf Rassisten schlägt alle Twitter-Rekorde

Was ist der hohlste Traumjob der Welt? Influencer!

Guck mal, was die Russen in einem ihrer stillgelegten Hangars verstecken

Zwei «Irre» auf Kollisionskurs: Die Angst vor der Bombe ist zurück

Deutscher kassiert Busse in der Schweiz – und findet das wenig witzig

Zum 40. (angeblichen) Todestag: ELVIS LEBT! 20 handfeste Beweise dafür

Frau findet Ex auf Tinder – und erlebt zunächst eine witzige, dann eine böse Überraschung

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Yanik Freudiger, 23.2.2017
Die App ist vom Auftreten und vom Inhalt her die innovativste auf dem Markt. Sehr erfrischend und absolut top.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
3Alle Kommentare anzeigen
3
Um mit zudiskutieren oder Bilder und Youtube-Videos zu posten, musst du eingeloggt sein.
Youtube-Videos und Links einfach ins Textfeld kopieren.
600
  • Hugo Wottaupott 17.04.2017 20:04
    Highlight Was für eine Absegnung... pardon Abstimmung.
    2 0 Melden
    600
  • Töfflifahrer 17.04.2017 13:17
    Highlight Etwas überrascht bin ich schon. Gibt es wirklich Leute die eine faire, demokratische Abstimmung erwartet haben? Das Resultat wurde passend gemacht, das war zu erwarten.
    7 0 Melden
    600
  • The Origin Gra 17.04.2017 00:51
    Highlight Ich hoffe diejenigen die dafür gestimmt haben, müssen das nicht bereuen, den das würde heissen das die Gegner (HDP, CHP, PKK, usw.) diesen Wahnwitz schon längst Teuer und Blutig bezahlt haben ☹
    14 1 Melden
    600

Mit seinem «I säge nüüt!» nervten wir früher die Eltern. Jetzt ist René Quellet gestorben

Ein paar Erinnerungen an den Pantomimen, der an der Seite von Franz Hohler Schweizer Kinder-TV-Geschichte machte. 

Wahrscheinlich ass der René während seiner 21-jährigen Fernseh-Ehe mit Franz Hohler 21 Tonnen Schoggischtängeli. Denn der René aus «Franz und René» (1973–1994) war ein renitenter Fressack. Und faul. Und obendrein mundfaul. Sein einziger Satz? «I säge nüüt!» Je nachdem erweitert auf: «I säge jo nüüt.» 

Er war das Highlight des Schweizer Kinderfernsehens der 70er- und 80er-Jahre, wir konnten ihn uns damals alle paar Wochen jeweils am Dienstag – war es gegen 16 Uhr? – in der Sendung …

Artikel lesen