Schweiz

Entscheidungscoach Luigi Grob findet, wir seien zu wenig entscheidungsfreudig. Bild: shutterstock

Wie fällt man eine richtige Entscheidung? Der Veränderungscoach erklärt's

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Die modernen Zeiten stellen uns Menschen vor Probleme. Der Mensch wurde freier, doch kann er auch mit dieser Freiheit umgehen? Ein Gespräch mit Veränderungscoach Luigi Grob über Selbstverantwortung, die Abschaffung der Hierarchien und Fussballmannschaften. 

07.08.17, 16:07 11.08.17, 12:21

Herr Grob, was macht ein Entscheidungscoach eigentlich?
Luigi Grob:
Ich helfe Menschen, Gewichtungen vorzunehmen. Die Anfragen, die ich erhalte, sind sehr unterschiedlich. Manche sind konkret und reflektiert, andere wissen manchmal gar nicht, was sie eigentlich wollen. Daher ist der Service, den ich anbiete, immer unterschiedlich. Doch grundsätzlich helfe ich den Menschen, sich selbst wahrzunehmen, ihre Gefühle richtig einzuschätzen und mit ihrer eigenen Logik in Einklang zu bringen.

Wie fällt man eine richtige Entscheidung?
Es ist immer schwierig, zwischen richtig und falsch abzuwägen. Doch eine gute Entscheidung ist reflektiert. Die Menschen müssen zumindest einige der Folgen ihres Handelns kennen, ansonsten ist es willkürlich. Doch das Entscheidende ist, dass einer Reflexion auch eine Handlung folgt. Wobei: Keine Entscheidung zu treffen, ist auch eine Entscheidung!

Zur Person

Luigi Grob ist Entscheidungscoach. Er berät Privatpersonen und Unternehmen bei Entscheidungsfindungen. Für ihn muss eine Entscheidung zwar überdacht, doch auch umgesetzt werden, damit es eine gute Entscheidung ist.

quelle: grob-veraenderungscoaching.ch

Würden Sie uns Schweizer allgemein als entscheidungsfreudig beschreiben?
Wir sind eher konservativ in der Entscheidungsfindung. Doch das ist nicht nur auf Schweizer beschränkt, das beobachte ich überall. Wir sind eher dazu geneigt, Entscheidungen zu stark zu überdenken, als zu wenig.

Fällen wir zu wenig Entscheidungen?
Das nicht, aber wir warten vielleicht etwas zu lange, bevor wir uns beschliessen, zu handeln. Manchmal ist das richtig, und manchmal falsch. Tendenziell fällt man in dieser sich immer schneller drehenden Welt auch immer schneller Entscheide.

Also immer voll drauf los?
Natürlich nicht! Es gibt viele Situationen, in denen es richtig ist, etwas nicht zu tun. Viele Entscheidungen, die wir aus dem Affekt heraus fällen, können nicht den gewünschten Effekt haben. Es ist ein schwieriges Gleichgewicht, das wir bei Entscheidungsfindung zu halten haben.

Können Sie dieses Gleichgewicht etwas ausführlicher beschreiben?
Personen, die zu scheu sind, Entscheidungen zu treffen, sind oft zu stark in der Vergangenheit verankert. Entscheidungsfreudige Menschen hingegen leben stärker zukunftsorientiert und lassen das Hier und Jetzt eher ausser Acht. Es gilt, ein Gleichgewicht zwischen den Erfahrungen der Vergangenheit und den Erwartungen an die Zukunft herzustellen. Nur dann leben wir tatsächlich in der Gegenwart. Das Hier und Jetzt ist entscheidend.

Gleich geht's weiter mit dem Interview, vorher ein kurzer Hinweis:

Und wann hast Du Dich das letzte Mal finanziell verändert?

Wahrscheinlich ist es eine Weile her, oder? Wir sind eben Gewohnheitstiere. Jetzt allerdings ist eine Veränderung so unkompliziert wie nie. Denn mit einem neuen Bankpaket machen wir Dir nicht nur den Umstieg leicht, Du bekommst auch alles, was Du für Deine täglichen Bankgeschäfte brauchst – Karten, Lohnkonten, Spar- und Vorsorgekonten – bequem aus einer Hand. Gleich hier abschliessen.

Und nun zurück zu den Fragen an den Entscheidungscoach ...

Werden Sie auch von Menschen konsultiert, die zu risikofreudig sind?
Auf jeden Fall. Obwohl es viel mehr gibt, die sich wünschten, sie wären entscheidungsfreudiger.

Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen diesen beiden Typen?
Was diese beiden Typen gemeinsam haben ist, dass sie beide den Willen zur Veränderung haben. Sie wollen ihre Situation verbessern. Doch die Art und Weise, wie sie diese Änderung herbeiführen wollen, ist verschieden. Der eine hofft, sich durch stete Veränderung immer neu zu erfinden, der andere verharrt in Lethargie. Beide Wege sind in ihren Extremen nicht zielführend.

Hat sich dabei in den letzten Jahren etwas verändert? Wurden wir entscheidungsfreudiger oder -scheuer?
Die Arbeit und allgemein unsere Zeit hat sich beschleunigt. Dies hat Auswirkungen auf uns. Wir machen viele Dinge gleichzeitig, nehmen uns den Sachen, die wir tun, nicht mehr mit voller Aufmerksamkeit an. Das muss nicht unbedingt etwas Schlechtes sein. Wir erhalten so einen viel breiteren Einblick in unterschiedliche Teile der Gesellschaft. Doch unsere Entscheidungen werden damit zahlreicher und beeinflussen auch mehr Bereiche als früher.

Würden Sie sagen, dass wir von dieser Entscheidungsflut überfordert sind?
Gewisse Anzeichen einer Überforderung sind zu spüren, ja. Die Eigenverantwortung ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Früher wurde der Schreiner-Sohn Schreiner und der Metzger-Sohn Metzger. Heute müssen wir von Kind auf unsere eigenen Entscheidungen treffen. Die Freiheit der Auswahl kommt also zusammen mit einer Eigenverantwortung, mit der nicht alle richtig umgehen können.

Also sind wir besonders im Beruf überfordert?
Im Beruf spüren wir diese Überforderung am stärksten, ja. Die Schweiz bildet hier zwar so etwas wie eine geschützte Insel, weil es sehr viele kleine und mittelgrosse Unternehmen gibt. Hier gibt es noch die Kultur des Zusammenarbeitens. In Grosskonzernen, wo jeder nur für einen kleinen Teil verantwortlich ist und vom Rest gar nichts mitbekommt, entstehen Dynamiken, die die Entscheidungsfreudigkeit der einzelnen Personen negativ beeinflussen. Sie driften dann in die Extreme ab. Ein Unternehmen sollte funktionieren wie eine Fussballmannschaft. Als kleines Land sind wir in vielen Belangen ein Vorbild, weil wir eine grosse Beweglichkeit zeigen und so den Wind optimal nützen können.

Eine Fussballmannschaft? Wie meinen Sie das?
Auf dem Fussballplatz gibt es zwar einen Kapitän, der einen grösseren Überblick über das Geschehen hat, aber grundsätzlich sind alle gleich. Es gibt keine Hierarchie.

Also sind Hierarchien etwas Schlechtes?
Hierarchien sind etwas Veraltetes. Sie behindern unser eigenes Vermögen, Entscheidungen zu fällen. Wir haben diese Art der Zusammenarbeit aus den Jahren des Krieges übernommen, doch mittlerweile ist sie überholt. Flache Hierarchien, die eine gemeinsame Entscheidungsfindung ermöglichen, sind der Schlüssel. Der Verteidiger sollte, wenn es um die defensive Zuordnung geht, genauso mitreden können wie der Stürmer in der Offensive.

Was ist Ihr wichtigster Tipp für Unentschlossene?
In Zukunft wird es wieder wichtiger werden, auf seine Gefühle hören zu können. Rationalität ist nur ein Teil unseres Seins. Wer seine Gefühle kennt, weiss woher sie stammen und was sie bedeuten, wird die besseren Entscheidungen fällen.

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  • Gelöschter Benutzer 09.08.2017 07:39
    Highlight Veränderungscoach? Wie blöd müssen wir eigentlich noch werden?
    17 16 Melden
    • Mathis 10.08.2017 11:44
      Highlight Na ja, was macht denn die allseits beliebte Kafi Freitag?
      Coaching ist im Trend, aber nicht unumstritten.
      11 1 Melden
    600
  • Zwingli 08.08.2017 13:36
    Highlight Im Moment entscheide ich vor allem mit dem Herz als ich mit dem Kopf entschieden habe ging es mir nicht so gut, seit ich begonnen habe mehr aufs Herz zu hören geht es mir besser *arschmithut*
    22 0 Melden
    600
  • Liberté 08.08.2017 08:44
    Highlight Das Konstatieren fehlender Entscheidungsfreudigkeit verschafft einem Veränderungscoach Kundschaft. Es muss ein Problem gezeigt werden, um ein Bedürfnis zu schaffen.
    28 4 Melden
    600
  • Rendel 07.08.2017 17:52
    Highlight Ein Interview ohne Informationszuwachs ist ziemlich sinnlos. Macht ihr Werbung für den Coach?
    79 3 Melden
    • Vorname Nachname 09.08.2017 07:09
      Highlight Nein für die Bank Cler ;-)
      34 2 Melden
    600
  • Liberté 07.08.2017 17:25
    Highlight Was halten Sie vom sokratischen Dialog für die Entscheidungsfindung, Herr Grob? Haben Sie Erfahrung mit der Methode?
    15 1 Melden
    600
  • Holla die Waldfee 07.08.2017 17:04
    Highlight Gibt es nicht ein Gesetz in der Schweiz, das vorschreibt, dass Werbung deutlich als Werbung erkennbar sein muss?

    Sobald ich bei der Box mit der Bankwerbung ankam und kapiert habe, dass das ganze Interview nur getarnte Werbung ist, hab ich aufgehört mit Lesen. Tschüss.
    57 5 Melden
    • Energize 08.08.2017 07:07
      Highlight Naja, zu beginn des Artikels steht ganz klar, wer den Artikel gesponsert hat. Es steht sogar "präsentiert von". Klarer gehts kaum.
      21 3 Melden
    • Viktoria 08.08.2017 08:23
      Highlight Hallo Holla die Waldfee!
      Doch, Werbung und redaktioneller Teil müssen klar voneinander getrennt sein. Was hier (und bei allen anderen unserer Native Ads) der Fall ist. Das eine ist das Interview (der redaktionelle Teil) und das andere ist die Box (der Werbeteil). In jedem anderen unserer Artikel findest du auch Werbung (weil wir davon leben). In diesem Fall ist es die Bank Cler, die den Artikel sponsert. Der Inhalt wurde jedoch ganz normal von der Redaktion erstellt – also ohne jeglichen Einfluss des Werbekundens. Ich hoffe, ich konnte dir das System Native Ad etwas näher bringen.
      Beste Grüsse
      20 10 Melden
    • Holla die Waldfee 08.08.2017 11:28
      Highlight Jepp, danke Viktoria :-)
      5 4 Melden
    • Alterssturheit 08.08.2017 15:29
      Highlight @Viktoria/Watson Team: gut hast du die Bank explizit nochmals erwähnt -:))
      6 3 Melden
    • Viktoria 08.08.2017 16:27
      Highlight Ja, weisst du, das Risiko war mir zu gross, sonst hier rausgeschmissen zu werden ;) Safety first und so...
      13 1 Melden
    • Liberté 09.08.2017 08:04
      Highlight Gibt es eigentlich bei watson Diskussionen, die Abhängigkeit von Werbung zu lösen? Man könnte etwa die Kommentare der Journalisten (ein Qualitätsmerkmal von watson) nur noch für zahlende Leserinnen und Leser freischalten.

      Nicht einfach zu guten Modellen zu kommen im Journalismus, ich weiss.
      6 3 Melden
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  • Alterssturheit 07.08.2017 16:45
    Highlight Hilfe Herr Grob: ich kann mich nicht entscheiden was ich schreiben soll....
    54 3 Melden
    600

«Was wollt Ihr Weiber eigentlich ...?!»

Eine Introspektion.

Der Titel dieses Textes ist ein Zitat aus einer Message, die ich vor ein paar Monaten erhielt. Die Wortwahl ist eventuell etwas schroff, aber Nachrichten dieser Art erhalte ich regelmässig – manche sind, wie obige, etwas entnervt, andere resigniert, wieder andere neutral-neugierig.  

Und ich verstehe sie, alle. Man sagt ja oft den Männern nach, sie seien simpel (oder zumindest simpler als wir Frauen), aber ganz ehrlich find' ich das einerseits ein bisschen zu einfach und selbst wenn das …

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