Schweiz

Tragik ohne Ende: 21-Jähriger soll Vater im TV-Sessel per Kopfschuss ermordet haben

Publiziert: 14.10.16, 11:11 Aktualisiert: 14.10.16, 11:49

Ein 21-jähriger Mann hat sich ab Montag, 31. Oktober, wegen Mordes an seinem Vater vor dem Bezirksgericht Pfäffikon ZH zu verantworten. Er hat gestanden, am 31. März 2015 seinen Vater in der gemeinsamen Wohnung in Pfäffikon erschossen zu haben. Das Urteil wird am 4. November eröffnet.

Die Tat ist unbestritten. Der damals 19-Jährige schoss am späten Nachmittag jenes Märztages von hinten seinem im Fernsehsessel sitzenden Vater in den Kopf. Das Opfer war sofort tot. Anschliessend fuhr der Sohn mit dem Velo zum lokalen Polizeiposten. Als er diesen geschlossen vorfand, telefonierte er mit der Kantonspolizei und stellte sich.

Das Bezirksgericht Pfäffikon ZH muss über ein tragisches Familiendrama richten. Bild: kanton zh

Staatsanwalt Markus Oertle qualifiziert die Tat als Mord und fordert eine Freiheitsstrafe von 14 Jahren. Der Beschuldigte habe besonders skrupellos gehandelt. Er habe heimtückisch eine eigentliche Hinrichtung vollzogen. Dabei habe der Mann «eine absolute Geringschätzung gegenüber dem Leben demonstriert». Es wären ihm aber «ohne weiteres andere Möglichkeiten» zur Verfügung gestanden, um seine Probleme zu lösen.

Jahrelange Konflikte

Verteidiger Valentin Landmann weist die Mordqualifikation zurück und plädiert auf vorsätzliche Tötung. Die Tat weise keine typischen Mord-Elemente auf. Es handle sich um «eine Affekt-, eine Emotions-Tat». Es sei wichtig, ihre Entstehung und die Minuten davor zu berücksichtigen, sagte er zur Nachrichtenagentur sda.

Sein Mandant stehe voll zu seinem Delikt und befürworte eine schwere Strafe. Landmann beantragt denn auch 10 Jahre Freiheitsentzug – deutlich mehr als die fünf Jahre, welche das Strafgesetzbuch als Mindeststrafmass für vorsätzliche Tötung vorsieht. Der junge Mann habe von Anfang an voll ausgesagt und sei einsichtig.

Der gezielte Schuss war der traurige Tiefpunkt einer jahrelangen, konfliktbeladenen Vater-Sohn-Beziehung, wie der Anklageschrift zu entnehmen ist. Die Eltern hatten sich getrennt, als der Sohn im Primarschulalter war. Der Bub lebte von da an bei der Mutter, die ein zunehmendes Alkoholproblem hatte. Sie starb an dessen Folgen zwei Tage nach dem 13. Geburtstag des Sohnes.

Sohn machte Vater für Tod der Mutter verantwortlich

Der Vater, ein PR-Fachmann und ehemaliger Redaktor der «Neuen Zürcher Zeitung», zog zum Sohn in die Wohnung. Laut Anklageschrift machte der Teenager seinen Vater für die Alkoholprobleme der Mutter – und damit indirekt für deren Tod – verantwortlich. Zudem empfand der Sohn, dass der Vater sich kaum für ihn interessierte. Häufig kam es zu Streitereien.

Nach der Schule begann der Jugendlich eine Velo-Mechaniker-Lehre. In der Werkstatt machte er sich gut, in der Berufsschule dagegen haperte es. Das Bestehen der Abschlussprüfung im Sommer 2015 war ernsthaft gefährdet. Dazu fehlte der Lehrling häufig: Ihm war übel und er musste erbrechen. Seit er etwa 16 Jahre alt war, rauchte er laut Anklageschrift jeden Abend vor dem Einschlafen einen Joint.

Auch am Tattag hatte er sich morgens beim Lehrmeister abgemeldet, weil ihm nicht gut sei, und hatte dies dem Vater auf einen Zettel notiert, den er ihm vor die Schlafzimmertür legte. Gemäss Anklageschrift kam der Vater etwas später wütend ins Zimmer des schlafenden Sohnes, rüttelte diesen wach, versetzte ihm Ohrfeigen, beschimpfte ihn und verlangte, er solle zum Arzt gehen.

Als «Weichei» beschimpft

Am Nachmittag stellte der Hausarzt fest, die Magenprobleme seien wohl Ausdruck psychischer Probleme. Der Patient solle seine Angst vor einem Scheitern bei der Lehrabschlussprüfung mit dem Vater besprechen.

Zurück in der Wohnung versuchte der Sohn genau das. Der Vater aber lachte ihn aus, beschimpfte ihn als «Weichei», er komme ganz nach der Mutter, die auch nichts getaugt habe. Der 19-Jährige flüchtete in sein Zimmer und weinte.

Etwas später, es war laut Anklageschrift inzwischen 17.15 Uhr, ging er ins väterliche Schlafzimmer, wo er eine Pistole wusste. Er nahm sie, setzte das Magazin mit den Patronen ein und lud die Waffe. Dann wickelte er eine Decke um den Arm mit der Pistole, ging zurück ins Wohnzimmer, wo der Vater im Fernsehsessel sass, und schoss ihm in den Hinterkopf.

(sda)

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  • Spooky 14.10.2016 20:47
    Highlight *Der Vater, ein PR-Fachmann und ehemaliger Redaktor der «Neuen Zürcher Zeitung»*

    Der Vater war also kein armer Mann. Sein Sohn hat ihn erschossen. Kann der Sohn trotzdem erben?

    Noch eine Frage: Wer bezahlt den Verteidiger Valentin Landmann?
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  • koks 14.10.2016 14:45
    Highlight "Die Eltern hatten sich getrennt, als der Sohn im Primarschulalter war. Der Bub lebte von da an bei der Mutter, die ein zunehmendes Alkoholproblem hatte."

    Da lebt der Bub als bis 13 bei der alkohlsüchtigen Mutter, getrennt vom Vater. Wenn man diese Story erzählt, müsste man wahrscheinlich etwas früher ansetzen. Einfach mal so den Vater zum bösen Mann machen (@Radesch), scheint mir etwas arg einfach hier.
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    • Radesch 14.10.2016 15:15
      Highlight Was?! Ich habe nur gesagt, das solch eine Provokation nicht angebracht ist und, dass ich mich in die Lage des Typen versetzen kann. Mehr nicht, hör auf Sachen zu behaupten die nicht stimmen.
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  • Radesch 14.10.2016 12:27
    Highlight Welch tragische geschichte...
    Habe mich extra angemeldet, um das zu posten.

    Die Tat ist und bleibt unverzeihlich und dennoch kann ich den Typen irgendwie nachvollziehen. Ich meine Mutter tot mit 13! Und der Vater sagt dann er sei ein nichtsnutz wie die Mutter...
    Da würde es mir persönlich auch "de nuggi usehaue".
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    • Fumo 14.10.2016 13:02
      Highlight Dann kann man mit 19 ausziehen und den Vater bis zum Abschluss der Ausbildung zahlen lassen, aber man hat seine Ruhe. Eine solche Reaktion ist unverständlich und unverhältnismässig.
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    • Mehmed 14.10.2016 13:07
      Highlight @Radesch, dem Typen hats ja den Nuggi rausgehauen. Jetzt geht er lange in die Kiste. Und das ist richtig so.
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    • Radesch 14.10.2016 13:11
      Highlight @Fumo Natürlich ist sie das. Aber der Spruch mit dem "Nichtsnutz wie die Mutter" ist einfach nicht dass, was man von einem Vater erwartet, insbesondere nicht in so einer Situation. Aber ja, der gehört weggesperrt. Da sind wir uns sicher alle einig.
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    • Radesch 14.10.2016 13:21
      Highlight @Mehmed Ja das stimmt, habe auch nie etwas anderes behauptet.
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    • Fumo 14.10.2016 14:52
      Highlight Wir wissen ja nicht was der Junge alles gesagt hat, ob er es provoziert hat?
      Es scheint für mich nach einer "wenn er wieder..."-Tat, kein Handeln aus Affekt. Und wenn Teenager was beweisen wollen können sie gut so lange und hart provozieren bis man ihre Vorgabe füttert um ihres Handeln zu rechtfertigen.
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    • Albi Gabriel 14.10.2016 15:02
      Highlight @Radesch: Deine Argumentation erinnert mich irgendwie an das:

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    • Radesch 14.10.2016 15:13
      Highlight @Albi Gabriel
      Nochmal, ich rechtfertige weder sein Handeln noch seine Tat. Ich habe nur gesagt, dass ich das teilweise nachvollziehen kann bei so einer Provokation.
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    • Albi Gabriel 14.10.2016 15:46
      Highlight @Radesch
      Es hätte so viele andere Möglichkeiten gegeben, aber mit der versteckten Waffe hinter seinen Vater zu stehen und ihn hinzurichten... Das ist nicht nachvollziehbar. Wäre er bei der unsäglichen Beleidigung durchgestartet, okay, aber geplant und kaltblütig seinen Vater umzubringen... Nein!
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    • Radesch 14.10.2016 16:19
      Highlight @Albi Gabriel
      Weder du noch ich waren je in seiner Situation. Da kann man nun sicherlich streiten und ich will auch keinen Mord rechtfertigen, jedoch kann ich mich gedanklich irgendwie da hinein versetzen. Dass solch eine Tat abschäulich ist und der Typ weggesperrt gehört steht ausser Frage!
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    • Mizi 14.10.2016 17:42
      Highlight Ich verstehe nicht, wieso du so viel geblitzt wirst. Habe meine Mutter mit 12 verloren (Alkoholprobleme, psychische Krankheiten, der Suizid folgte) und meine Stiefmutter hat mir gesagt "du bist wie deine Mutter". So eine Situation ist sehr schwierig und ich bin Radesch' Meinung dass man seine Reaktion verstehen kann, auch wenn er den Knast verdient. wünsche ihm trotzdem alles Gute und dass er es bei seiner Familie besser macht
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    • Radesch 14.10.2016 17:48
      Highlight @Mizi
      Das tut mir unheimlich Leid...
      Zu den Blizen, es darf ja jeder seine Meinung haben und das ist auch gut so, ich kommentiere hier nicht wegen den Herzen also stört mich das in keiner Weise
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    • deleted_807114855 14.10.2016 17:49
      Highlight Niemand verteidigt diese Tat, auch der Beschuldigte nicht. Es geht hier nur darum, die Strafe den Umständen entsprechend festzulegen. Der Antrag des Verteidigers von 10 Jahren scheint mir nicht völlig ausserhalb des Rahmens...
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