Schweiz

Gerichtsgebäude in Genf. Bild: KEYSTONE

Heute beginnt in Genf der Prozess zum Tötungsdelikt Adeline

Publiziert: 03.10.16, 06:27 Aktualisiert: 03.10.16, 07:18

Der mutmassliche Täter im Tötungsdelikt Adeline muss sich ab Montag vor Gericht in Genf verantworten. Ihm wird vorgeworfen, die Sozialtherapeutin während eines Freigangs im September 2013 ermordet zu haben.

Der schweizerisch-französische Doppelbürger sass wegen zwei Vergewaltigungen eine Freiheitsstrafe von 20 Jahren ab und wurde im Zentrum «La Pâquerette» behandelt, einer auf Resozialisierung spezialisierten Abteilung der Genfer Anstalt Champ-Dollon.

Zum Tötungsdelikt kam es während eines begleiteten Freigangs, bei dem der Häftling eine Reittherapie hätte besuchen sollen. Im Reitzentrum kamen am 12. September 2013 aber weder der Häftling noch die 34-jährige Sozialtherapeutin an.

Adeline wurde am Folgetag an einen Baum gefesselt in einem Waldstück nahe des Reitzentrums aufgefunden, die Kehle war durchgeschnitten. Der mutmassliche Täter flüchtete mit dem beim Freigang benutzten Dienstwagen. Die Fahndung dauerte drei Tage.

Schliesslich wurde der 42-Jährige an der deutsch-polnischen Grenze verhaftet. Dabei wurde auch die Tatwaffe sichergestellt. Es handelt sich um ein Messer, das er sich während des Freigangs in einem Waffengeschäft kaufen durfte. Er hatte es für die Pflege von Pferdehufen beantragt.

In Polen wollte der Geflüchtete laut der letzte Woche veröffentlichten Anklageschrift eine Ex-Freundin ausfindig machen, die ihn vor Jahren verlassen hatte. Zum Glück konnte er sie nicht finden, denn laut Anklage plante er, die Frau lebendig zu begraben.

Tat minutiös geplant

Adeline soll er zu seinem Opfer auserkoren haben, weil die Therapeutin seiner früheren polnischen Freundin glich. Den Mord und und die Flucht soll der Angeklagte ab dem Zeitpunkt seiner Unterbringung im Resozialisierunsgzentrum «La Pâquerette» im Sommer 2012 während Monaten minutiös vorbereitet haben. Unter anderem liess er sich unter einem Vorwand Geld für die Flucht vorschiessen und suchte im Internet nach einem passenden Messer.

Der Fall Adeline sorgte in der gesamten Schweiz für Empörung. Der Angeklagte muss sich vor Gericht wegen Mordes, Freiheitsberaubung, sexueller Nötigung und Diebstahls verantworten. Ihm droht eine Verwahrung. Der Prozess dauert voraussichtlich zwei Wochen. (cma/sda)

Themen
0 Kommentare anzeigen
0
Logge dich ein, um an der Diskussion teilzunehmen
Youtube-Videos und Links einfach ins Textfeld kopieren.
600

Attacke auf Schwarzen: Drei Zürcher Polizisten nun wegen Gefährdung des Lebens angeklagt

Überraschung im Prozess gegen die drei Zürcher Stadtpolizisten, die den dunkelhäutigen Wilson A. brutal zusammengeschlagen haben sollen: Dem Antrag des Anwalts, die Anklage zu erweitern, wurde gefolgt – die drei Polizisten müssen sich nun wegen Gefährdung des Lebens verantworten. Pikant: Ein höheres Strafmass brauchen sie dennoch nicht zu befürchten.

Drei Zürcher Stadtpolizisten sollen den dunkelhäutigen Wilson A. bei einer Personenkontrolle brutal zusammengeschlagen haben – so brutal, dass die Anklage nun von einer Gefährdung des Lebens ausgeht. 

Die ausführliche Geschichte zum Fall Wilson A. gibt's hier:

Das ist neu. Ende November, sieben Jahre nach dem Ereignis, standen die drei Polizisten lediglich noch wegen einfacher Körperverletzung, die allerdings verjährt ist, und Amtsmissbrauchs vor Gericht.

Doch während des Prozesses kam es …

Artikel lesen