Schweiz

Wegen Menschenhandel: Thailänderin muss sich vor Berner Justiz verantworten

Publiziert: 31.10.16, 12:38 Aktualisiert: 31.10.16, 12:53

Eine 57-jährige Thailänderin wird sich wegen Menschenhandels vor der Berner Justiz verantworten müssen. Sie soll rund 80 arme Landsleute in die Schweiz gelockt haben, die sich dann in hiesigen Etablissements prostituieren mussten, um ihre «Reiseschulden» abzuzahlen.

Die Frau befinde sich im vorzeitigen Strafvollzug, teilten die Kantonale Staatsanwaltschaft für besondere Aufgaben und die Kantonspolizei Bern am Montag mit. Bei den Opfern handelt es sich vor allem um junge Frauen und transsexuelle Männer, wie ein Polizeisprecher auf Anfrage sagte.

Die mutmassliche Drahtzieherin wurde bereits im Oktober 2014 am Flughafen Zürich festgenommen. Im Verlauf der zweijährigen Nachforschungen kamen die Ermittler zum Schluss, dass die Frau seit Ende 2011 von Thailand aus die Einreise von Thai-Frauen und Transsexuellen in die Schweiz organisiert hatte.

Bis zu 30'000 Franken «abzuzahlen»

Die Menschen vermittelte sie an Etablissements in den Kantonen Bern, Solothurn, Luzern, Basel-Stadt, St. Gallen und Zürich. Gegen die Betreiberinnen der Bordelle laufen Strafverfahren durch die zuständigen kantonalen Behörden.

Insgesamt macht die bernische Justiz die Frau für rund 80 Fälle von Menschenhandel verantwortlich. Die Opfer stammen demnach aus ärmlichen Verhältnissen im Norden und Nordosten von Thailand. Ihre Notlage soll die Drahtzieherin ausgenützt haben. Sie versprach ihnen eine Arbeit in der Schweiz.

In der Regel mussten die Opfer dann einen Beitrag zwischen 25'000 und 30'000 Franken durch Prostitution abzahlen. Den gesamten Verdienst mussten sie den Betreiberinnen der Salons abgeben – diese behielten die Hälfte des Geldes selber und bezahlten mit dem Rest die auferlegten «Reiseschulden» ab. (gin/sda)

Das könnte dich auch interessieren:

Putsch der «treulosen Elektoren» – die letzte Möglichkeit, Präsident Trump zu verhindern

Der Aargauer Pendlerstau gefährdet den SBB-Fahrplan

Das ist die iPhone-App des Jahres

10 Dinge, die wir als Kind hassten – und von denen wir heute nicht genug kriegen können

1 Kommentar anzeigen
1
Logge dich ein, um an der Diskussion teilzunehmen
Youtube-Videos und Links einfach ins Textfeld kopieren.
600
  • Spooky 01.11.2016 23:39
    Highlight Und die Millionen, die diese Frau kassiert hat, sind schon lange in Thailand. Und die Frau wird diese Millionen geniessen können, weil die Frau schon bald wieder in Thailand sein wird.

    Ach, was sind wir doch naiv, wir armen Leute, die noch an etwas glauben!
    1 1 Melden
    600

Warum ein Berner nach 25 Jahren Ehe plötzlich zum Gewalttäter wurde

Der Berner Beat Blatter lebte in einer Beziehung, wo Streit regelmässig zu Gewalt eskalierte. Er erzählt, wie er heute mit seiner Wut im Bauch umgeht. Ein Protokoll.

Als ihm seine Partnerin am Morgen des Karfreitags eine Kaffeetasse an den Kopf schmettert, weiss Beat Blatter* endgültig: fertig! Jetzt ist genug! So kann es nicht mehr weitergehen. Blatter greift zum Telefonhörer und wählt die Nummer der Interventionsstelle Bern. Er bittet um Hilfe.

An den Auslöser des vorangehenden Streits kann sich der Mann mittleren Alters nicht mehr erinnern. «Wie ich mich kenne, war es eine Kleinigkeit.» Das gilt für all die vielen Auseinandersetzungen, die zunehmend …

Artikel lesen