Schweiz

Der Häftling und die Aufseherin: Hassan Kiko und Angela Magdici. Bild: KAPO ZUERICH

Angela Magdici und Hassan Kiko: So spektakulär verlief ihre Flucht nach Italien

Die Anklageschrift gegen Angela Magdici gibt Einblicke, wie die Flucht aus dem Gefängnis Limmattal ablief.

08.01.17, 15:03 12.07.17, 16:42

Sarah Serafini / Schweiz am Sonntag

In zwei Wochen endet die Geschichte für Angela Magdici (33) an dem Ort, an dem vor einem Jahr alles begann: in Dietikon. Als die Gefängniswärterin im Februar 2016 den inhaftierten Sexualstraftäter Hassan Kiko (28) aus dem Gefängnis Limmattal befreit und mit ihm Richtung Italien türmt, erlangt sie nationale Berühmtheit.

Wärterin brennt mit Häftling durch (9. Februar 2016)

Das Gefängnis in Dietikon wird zum Schauspiel eines filmreifen Ausbruchs. Eine Wärterin verhilft einem Insassen zum Ausbruch und leistet ihm kurzerhand Gesellschaft. Video: kaltura.com

Die Flucht ist ein mediales Grossereignis, die Nachrichten lesen sich in den darauffolgenden Tagen wie ein Kriminalroman. «Ich habe es aus Liebe getan», lässt sie via Videobotschaft verlauten. Sechs Wochen nach der Flucht spüren Carabinieri das Paar in Norditalien auf und beenden die Amour fou.

Am 24. Januar kommt es zum Prozess

Für die bekannteste Wärterin der Schweiz kommt es am 24. Januar am Bezirksgericht Dietikon zum Showdown. «Meiner Mandantin geht es den Umständen entsprechend gut. Was den kommenden Prozess anbelangt, ist sie nicht nervös», sagt ihr Anwalt Urs Huber.

Kiko hat seinen Teil der Strafe bereits erhalten. Für die Flucht mit Magdici wird er nicht belangt, doch es lag noch eine Anklage wegen sexueller Nötigung und Vergewaltigung offen. Das Zürcher Obergericht hat ihn vor Weihnachten zu vier Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Zusammen mit einer früheren Strafe ergibt dies rund fünfeinhalb Jahre hinter Gittern.

Nach der Urteilsverkündigung lagen sich Magdici und Kiko weinend in den Armen. Kikos Anwalt Valentin Landmann sagt: «Er wird in den nächsten Tagen wohl in die Justizvollzugsanstalt Pöschwies verlegt. Dort kann sich das Paar einmal pro Woche für eine Stunde ohne Trennscheibe sehen.»

Bevor es dazu kommt, muss sich auch Magdici für ihre Taten verantworten. Die Staatsanwaltschaft fordert eine Freiheitsstrafe von 27 Monaten, davon 7 Monate unbedingt. Ein Blick in die Anklageschrift lässt den spektakulärsten Polizeifall des letzten Jahres Revue passieren.

Beinahe-Crash hätte fast das Aus bedeutet

Während ihres Nachtdienstes am 8. Februar 2016 gibt Magdici dem inhaftierten Kiko ihr Handy. Er ruft einen Freund an und bittet ihn, um Mitternacht an den Bahnhof Dietikon zu kommen. Später, um 23.58 Uhr verlässt Magdici ihr Pikettzimmer, deaktiviert den Türenalarm und schliesst die Zelle 202A auf. Um 0.04 Uhr verlässt sie mit Kiko das Gebäude.

Angela Magdici spricht über ihre Flucht (24. Mai 2016)

Exklusiv im «TalkTäglich» spricht die 33-Jährige über die Hintergründe des Gefängnisausbruchs, ihre Motive und die Liebe zum Flüchtling Hassan Kiko Video: kaltura.com

Auf dem Parkplatz steht der geleaste BMW X1 ihres Noch-Ehemanns bereit. Magdici setzt sich hinter das Steuer und bricht zum vereinbarten Treffpunkt am Bahnhof Dietikon auf. Wohl aus Nervosität lenkt sie den Wagen auf die Gegenfahrbahn und setzt der Flucht schon nach wenigen Minuten beinahe ein Ende. In letzter Sekunde reisst sie das Steuer herum, fährt über eine Verkehrsinsel auf die richtige Spur und kann so die Kollision mit einem entgegenkommenden Auto verhindern.

In der Nähe des Bahnhofs Dietikon warten zwei Freunde von Kiko auf das Paar. Der eine übergibt ihnen ein Handy, das sie auf ihrer Flucht benutzen können. Zu viert fahren sie danach in zwei Autos bis zu einer Raststätte kurz vor Chiasso. Die zwei Fluchthelfer übergeben ihnen dort Bargeld, Red Bull, Schokolade und die Adresse eines weiteren Freundes in Italien. Danach fahren Magdici und Kiko weiter Richtung Süden. Um zirka drei Uhr in der Früh überqueren sie die Grenze.

Auch wegen der gestohlenen Uniform wird sie belangt

Zwei Wochen verstecken sie sich bei dem Bekannten ihres Fluchthelfers in einer Wohnung in Covo, einer kleinen Gemeinde nur knappe 100 Kilometer von der Schweizer Südgrenze entfernt. Danach ziehen sie in die benachbarte Stadt Romando di Lombardia, wo ihnen der Bekannte eine 3-Zimmer-Wohnung mietet. Am 25. März stürmen italienische Carabinieri nachts um 3 Uhr die Wohnung und verhaften das Paar.

Der Straftatbestand gegen Magdici lautet: Entweichenlassen von Gefangenen und Begünstigung. Dazu kommt das Verfahren wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln. Zuletzt wird Magdici auch dafür gebüsst, dass sie bei ihrer Flucht aus dem Gefängnis Gegenstände mitnahm, die ihr nicht gehörten: ein Notset, bestehend aus einem Inbusschlüssel-Set, einem Etui und einem Generalschlüssel. Zudem floh sie in der Uniformhose, die ihr nicht gehörte und 60 Franken kostete.

Das könnte dich auch interessieren:

Aargauer Feuerwehrmann nach Unwetter-Einsatz gefeuert: «So etwas hat's noch nie gegeben»

14 Gründe, warum der Surface Laptop der fast beste Laptop ist, den ich je getestet habe

«Wir können doch nicht einfach die Luft verschmutzen – und nichts dafür bezahlen»

Wo die USA seit 1946 überall Wahlen beeinflussten

Ein ziemlich gruusiges Bild und die simple Frage: Was ist das?

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

User-Review:
Galghamon, 3.12.2016
Ein guter Mix von News und Unterhaltung, sowie der Mut zur kritischen Analyse.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
17Alle Kommentare anzeigen
17
Um mit zudiskutieren oder Bilder und Youtube-Videos zu posten, musst du eingeloggt sein.
Youtube-Videos und Links einfach ins Textfeld kopieren.
600
  • sambeat 09.01.2017 01:09
    Highlight Gopf! Fehlt nur noch der Bericht mit dem Inhalt, dass Kiko doch so ein armer Cheib ist und seine Verbrechen ja nicht so tragisch sind....
    Was soll das??
    15 2 Melden
    600
  • Spooky 08.01.2017 22:14
    Highlight Wenn ich Angela wäre, dann hätte ich genau gleich gehandelt.
    3 27 Melden
    600
  • BaaDummmTschhh 08.01.2017 20:48
    Highlight Eine Bonny und Clyde-Romantik ist total fehl am Platz.
    23 3 Melden
    • Saraina 09.01.2017 00:16
      Highlight Allerdings, weil Bonny und Clyde mehrere Menschen töteten, und die zwei niemandem was zuleide taten.
      3 9 Melden
    • JonathanFrakes 09.01.2017 04:17
      Highlight @Saraina: Ach ja? Kiko ist wegen Vergewaltigung verurteilt! Just saying.
      9 1 Melden
    600
  • Sille 08.01.2017 18:13
    Highlight Ich frage mich gerade warum solchen Leuten noch eine Plattform gegeben wird...müsste nicht wirklich sein oder seh ich das falsch?
    68 6 Melden
    • manhunt 08.01.2017 21:40
      Highlight clicks...
      11 2 Melden
    600
  • pamayer 08.01.2017 16:47
    Highlight DIE UNIFORMHOSE


    😀😁😂😎😎😎
    114 4 Melden
    • rasca 08.01.2017 20:36
      Highlight Ohne die gäbs vermutlich nur Bewährung :D
      18 1 Melden
    • thestruggleisreal 08.01.2017 23:43
      Highlight 😂 60 frankä imfall - #onlyinswitzerland
      15 1 Melden
    600
  • füdli 08.01.2017 16:37
    Highlight wofür sind die fluchthelfer bis nach chiasso mit und nachher umgekehrt? wegen red bull und schoggi?
    74 3 Melden
    600
  • Stachanowist 08.01.2017 16:16
    Highlight Prison Break wäre in der Schweiz ein Kurzfilm
    65 1 Melden
    600
  • trxr 08.01.2017 15:58
    Highlight Ich checks nicht. Die hat einen Vergewaltiger freigelassen und wird gefeiert. Wtf?!
    137 11 Melden
    • RoJo 08.01.2017 19:32
      Highlight Und erhält noch (Medien-)Plattform sich zu offenbaren!? Wo sind wir hier eigentlich?!
      43 7 Melden
    600
  • Digichr 08.01.2017 15:47
    Highlight Für diese Frau entfinde ich einfach nur Antipathie. Sie hat ihren Arbeitgeber so was von hintergangen, sie sollte sich einfach nur schämen. So Not****?



    101 8 Melden
    600
  • rundumeli 08.01.2017 15:13
    Highlight "Zudem floh sie in der Uniformhose, die ihr nicht gehörte und 60 Franken kostete" ... yepp :-) ... den Al Capone kriegten sie auch nur wegen Steuerdelikten ran
    184 6 Melden
    • remeto 08.01.2017 17:11
      Highlight Fluchthilfe 20 Monate bedingt, Uniformhose geklaut 7 Monate unbedingt :-)
      100 2 Melden
    600

Vor Europa-League-Spiel: Schlägereien in der Luzerner Innenstadt

Im Vorfeld des Rückspiels zwischen dem FC Luzern und dem NK Osijek kam es am Donnerstagnachmittag in der Stadt Luzern zu Randalen.

Wie Augenzeugen gegenüber der «Neuen Luzerner Zeitung» berichten, sollen vor dem FCL-Fanlokal Zone 5 «Glasflaschen geflogen, Container und Mülltonnen umgeschmissen» worden sein. Die beiden Fanlager gingen aufeinander los. Die Polizei war vor Ort.

Gegen 17 Uhr habe die Polizei die Fans voneinander getrennt: Ein Kastenwagen und ein Mannschaftsbus der Luzerner Polizei …

Artikel lesen