Schweiz

Jubelnde Menschen in Moutier. Die Prévôtois feiern das Fest ihres Lebens. Bild: KEYSTONE

Das Herz hat entschieden

Der Volksentscheid in Moutier hat historischen Charakter. Ein Anlass für Träumereien ist der Entscheid jedoch nicht, meint der AZ-Redaktor.

18.06.17, 20:24

antonio fumagalli / aargauer zeitung

Ein Artikel von

Als Ende des letzten Bürgerkriegs der Schweiz wurde die Moutier-Abstimmung im Vorfeld allenthalben bezeichnet. Das mag, gerade im internationalen Vergleich, überhöht sein. Auch von der einst gewalttätigen Atmosphäre in den Strassen des Städtchens war am Sonntag nichts zu spüren.

Und doch hat das knappe Verdikt historischen Charakter – natürlich für die Kantone Bern und Jura, aber auch für die Schweiz. Es ist ein positives Beispiel dafür, wie innerstaatliche Konflikte zwar langsam, aber letztlich erfolgreich gelöst werden können.

Die «Prévôtois», wie die Bewohnerinnen und Bewohner von Moutier genannt werden, verbindet weder sprachlich, religiös, noch von der politischen Ausrichtung her viel mit dem Kanton Bern. Kurzum: Das Herz schlägt jurassisch. Und das Portemonnaie rebelliert kaum dagegen, haben unabhängige Studien doch aufgezeigt, dass die finanzielle Auswirkung eines Kantonswechsels für den einzelnen Bürger gering ist. Entsprechend verständlich ist der sonntägliche Entscheid.

Bild: KEYSTONE

Für manche Separatisten ist er freilich nicht das Ende der Geschichte, sondern der Anfang. Für sie ist der Unabhängigkeitskampf erst beendet, wenn der gesamte Berner Jura den Kanton wechselt. Doch dafür gibt es keine Basis. Erst 2013 hat sich dessen Bevölkerung überdeutlich dagegen ausgesprochen und man erkennt keine Anzeichen, dass sich die Stimmung in der Zwischenzeit radikal geändert hat.

Den lebensfrohen Prévôtois sei das Fest ihres Lebens herzlich gegönnt – ein Anlass für Träumereien ist der Entscheid jedoch nicht.

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  • Juliet Bravo 19.06.2017 03:03
    Highlight Ich denke, für viele hier - gerade jüngere Deutschschweizer - ist die Jurafrage und der zuweilen militant geführte Konflikt nicht so einfach zu verstehen.

    Bei der NZZ oder SRF (sorry watson😬) gibts ein paar aufschlussreiche Videos.
    https://www.nzz.ch/schweiz/der-gespaltene-jura-warum-die-jurafrage-bis-heute-noch-nicht-geloest-ist-ld.1299576
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  • derEchteElch 18.06.2017 22:59
    Highlight Lässt Bern sowas zu? Madrid und Co haben immer wieder bewiesen, dass Unabhängigkeitsabstimmungen und desgleichen nicht zugelassen werden und Verfassungsmässig "verboten" sind. Wird das Berner Kantonsparlament das akzeptieren? Oder beginnt jetzt der Bern-Jurassische Krieg?

    Die Berner wissen wohl noch gar nichts davon, deren Mühlen, Autofahrer und Nachrichtenticker sind bekanntlich etwas langsam... 😉

    (den Kommentar konnte ich mir nicht verkneifen, nimmts mit Humor) >> 🃏
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    • ThePower 19.06.2017 00:05
      Highlight Ba dum tss🥁
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    • Driver7 19.06.2017 00:28
      Highlight Im Kt. Bern hat es vorallem hohe Steuern wegen den vielen "Käffern" in den Rand Regionen.. somit.. wenn die weg sind... pff who cares !
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    • Juliet Bravo 19.06.2017 03:16
      Highlight Ja der Kanton Bern lässt das zu. Der Prozess zur Lösung der Jurafrage ist seit langem im Gang (wiki das!). Der Kt. Bern hätte sogar die Autonomie/den Anschluss des gesamten Berner Juras an den Kt. Jura akzeptiert.
      Die Fähigkeit der Schweizerischen Politik zur Lösung von Fragen betreffend Minderheiten oder der Mediation von zuweilen gewalttätigen Konflikten - das macht mich heute zum stolzen Patrioten.
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  • Blitzableiter 18.06.2017 22:39
    Highlight Ich finde das ganze einfach nur lächerlich. In der heutigen Zeit noch solch Separatismus innerhalb eines Kantons. Was erhoffen die sich davon?
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  • Mantarochen 18.06.2017 22:24
    Highlight Hat sich hoffentlich aber auch gelohnt, die Kosten sind bestimmt astronomisch hoch und die Bürokratie erst, die noch kommt. Aber gut der Name passt ja auch schon nicht zu Bern selbst, kann es schon nachvollziehen.
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  • Madison Pierce 18.06.2017 22:20
    Highlight Es ist für mich schwer zu verstehen, dass der Kanton den Leuten so viel bedeutet, dass sie dafür solche Kosten und Mühe auf sich nehmen. Zumal sie im Jura ja nicht mehr Rechte bekommen.

    Wichtig ist für mich die Ortschaft, die würde ich nicht einfach so wechseln. Aber ob mein Wohnort nun zum Aargau, zu Solothurn, Luzern oder Zürich gehören würde, ist mir nicht wichtig. Kommt aber vielleicht daher, dass der Aargau schon lange eine bunte Mischung aus katholisch und reformiert sowie Stadt und Land ist. Es gibt den "Adler" und "Bären". :)
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    • p4trick 18.06.2017 23:04
      Highlight Du verstehst das nicht? Klar Aargauer liebt die Autobahn und weisse Socken, Sympathie gibts da nicht. Wohnort ist für alle anderen Menschen sehr wichtig und als Rapperswiler z.B., die Stadt die genau gleich auch an der Grenze ist kann ich das sehr gut verstehen. Hier arbeiten die meisten in Zürich, werden aber von SG dirigiert aber die kümmern sich nicht um uns obwohl 2t grösste Stadt mit besten Steuerzahlern. Da kommt sehr wohl Unmut auf!!!
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  • Sigmund Freud 18.06.2017 22:17
    Highlight Gibt es schon irgendwo eine Karte, die die neuen Umrisse der Kantone Bern und Jura zeigt? Eine solche territoriale Veränderung erlebt man in der Schweiz ja nicht alle Tage
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  • α Virginis 18.06.2017 21:53
    Highlight Ein weiteres Zeugnis dafür, dass die Schweizer Demokratie zwar teilweise sehr schwerfällig, aber durch ihre konsequente Einhaltung der Souveränität der Gemeinden durchaus auch Minderheiten oder Andersdenkenden Platz geben kann. Als ehemaliger Tschechoslowake bin ich froh, in dieses Land gekommen zu sein, auch wenn nicht wirklich alles in Ordnung ist.
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  • Dr Barista 18.06.2017 21:24
    Highlight Nun sollten noch die restlichen französischsprachigen Gemeinden den Kanton wechseln und der Kanton Bern kann sich eine Fülle an Übersetzungen und dadurch auch 1-2 Steuerfranken sparen...
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    • Leon1 18.06.2017 23:00
      Highlight Und der zweisprachigen Stadt Biel wird ein Deutsch-sprech-Gebot auferlegt?
      Oder wie stellst du dir das vor?
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    • Juliet Bravo 18.06.2017 23:19
      Highlight Hoffentlich. Im BE Kantonsrat wird auch ohne Rücksicht auf die Jurassier Berndeutsch gesprochen und nicht Hochdeutsch. Ein Zeichen der Geringschätzung der Jurassier. Unissez-vous jurassiens!
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    • satyros 19.06.2017 00:31
      Highlight Demokratische Entscheide akzeptieren ist nicht so Deins? Über 71% der Bernjurassier haben sich 2013 für den Verbleib beim Kanton Bern entschieden. Da ist Moutier nur eine Fussnote.
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    • Gelöschter Benutzer 19.06.2017 07:15
      Highlight Wen interessiert denn Biel?
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  • remeto 18.06.2017 21:01
    Highlight Schön, dass dieses Kapitel der Schweizer Geschichte demokratisch, fair und anständig zu Ende geht. Aber ganz ehrlich - wen ausser ein paar Berner und Jurassier interessiert sich wirklich dafür?
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  • BKOH aka Diin ||*|| 18.06.2017 20:39
    Highlight Danke, dass Sie uns diese Party gönnen. So grosszügig.
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    • Gelöschter Benutzer 19.06.2017 07:15
      Highlight Wir lachen drüber...
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  • Skip Bo 18.06.2017 20:34
    Highlight Nur wenig mehr als halbherzig. Jetzt können die Separatisten zeigen, wie man tolerant mit Minderheiten umgeht.
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    • Gähn on the rocks 18.06.2017 21:00
      Highlight 48,3 % feiern nicht.
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    • roterriese 18.06.2017 22:47
      Highlight @Gähn, tjo, Demokratie.
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