Schweiz

Suizid bei Polizeieinsatz: Kommandant und Luzerner Kripo-Chef werden angeklagt

22.11.16, 06:20 22.11.16, 09:49

Der Kommandant und der Kripochef der Luzerner Polizei werden sich wohl vor Gericht verantworten müssen. Der ausserordentliche Staatsanwalt beabsichtigt, gegen die Polizeioffiziere Anklage zu erheben, dies wegen einer Hausdurchsuchung, bei der sich eine Frau umbrachte.

Videobotschaft von Polizeidirektor Paul Winiker. Video: YouTube/Kanton Luzern

Das Justiz- und Sicherheitsdepartement des Kantons Luzern teilte am frühen Dienstagmorgen mit, dass gegen Polizeikommandant Adi Achermann und Kripochef Daniel Bussmann Anklage vor Gericht erhoben werde. Das sei aus der Schlusseinvernahme hervorgegangen, sagte der zuständige Regierungsrat Paul Winiker in einer Videobotschaft.

Sohn reichte Anzeige ein

Beim umstrittenen Polizeieinsatz im März in Malters hatte sich eine 65-jährige Frau während 17 Stunden in einer Wohnung verschanzt. Sie wehrte sich mit Waffengewalt gegen die Aushebung einer Hanfanlage ihres Sohnes.

Die Luzerner Polizei entschied, die Wohnung durch die Zentralschweizer Sondereinheit Luchs stürmen zu lassen. Die Polizisten fanden die Frau leblos im Badezimmer vor. Sie hatte sich selbst erschossen.

Der Sohn der Verstorbenen, der sich zur Zeit der Intervention in Untersuchungshaft befand, reichte darauf Anzeige gegen die Polizeispitze wegen Amtsmissbrauchs und fahrlässiger Tötung ein. Mit dem Verfahren wurde ein ausserkantonaler Staatsanwalt, der Aargauer Christoph Rüedi, betraut.

Anklageerhebung unter Vorbehalt

Rüedi machte auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda keine Angaben, wieso er die Kaderpolizisten vor Gericht bringen wolle. Er bestätigte lediglich, er habe den Parteien seine Absicht, Anklage zu erheben, mitgeteilt.

Rüedi sagte, dass er das Verfahren gegen die beiden Luzerner Polizisten noch nicht abgeschlossen habe. Dies werde wohl Ende 2016 oder Anfang 2017 der Fall sein. Es gebe somit gegen eine Anklageerhebung noch immer einen Vorbehalt. (whr/sda)

Aktuelle Polizeibilder: Restaurant und Scheune abgebrannt

Hol dir die App!

Yanik Freudiger, 23.2.2017
Die App ist vom Auftreten und vom Inhalt her die innovativste auf dem Markt. Sehr erfrischend und absolut top.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
7Alle Kommentare anzeigen
7
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
  • o.o 22.11.2016 09:28
    Highlight Richtig so. Das kam mir vom ersten Tag an richtig unprofessionell vor.
    19 18 Melden
    • themachine 22.11.2016 12:49
      Highlight Was haben die denn konkret falsch gemacht?
      3 0 Melden
    • Duweisches 22.11.2016 14:01
      Highlight So weit ich mich erinnere wollte der Sohn doch mit seiner Mutter telefonieren um sie zu beruhigen, da diese wohl nicht wusste dass er schon aufgeflogen sei, dürfte das aber nicht...
      0 0 Melden
    • o.o 22.11.2016 14:23
      Highlight Der beratende Psycholgo hat darauf Hingewiesen, das sich die psychisch Kranke Mutter möglicherweise das Leben nimmt und deshalb von einem Zugriff abgeraten, der Kommandant hat diesen Rat zu Kenntnis genommen und entschieden trotzdem zu stürmen, mit inkaufnahme des Todes der Mutter.
      5 0 Melden
    • AdiB 22.11.2016 15:56
      Highlight @ludwig, das die oma aber vorher auf die polizei geschossen hat und somit das leben der polizisten auf spiel setzte blenden sie aus.
      Der sohn hatte eine indoranlage und damit hat er sich strafbar gemacht. Natürlich nihmt eine mutter den sohn in schutz aber gleich mit waffengewalt und sich vebarikadieren?
      1 1 Melden
    • Duweisches 22.11.2016 16:45
      Highlight "psychisch Kranke Mutter", so schwierig?
      1 0 Melden
    • o.o 22.11.2016 16:47
      Highlight Als der Zugriff stattgefunden hat, war das Gebiet bereits weiträumig abgesperrt und es wurde nicht mehr geschossen. Hätte der Kommandant auf den Berater gehört und abgewartet, hätte ein Todesfall und auch die Anklage gegen den Kommandanten verhindert werden können.
      1 0 Melden

Zürcher Obergericht verbietet Ausschaffung von deutschem Schläger trotz «Katalogtat»

Trotz Ausschaffungsinitiative kein Landesverweis: Ein prügelnder Deutscher wurde vom Bezirksgericht Winterthur zu einer bedingten Freiheitsstrafe inklusive Landesverweis verurteilt. Gegen diesen hat er sich nun vor dem Zürcher Obergericht erfolgreich gewehrt.

Der 27-Jährige hatte sich im Februar an einem Angriff beteiligt: Für 200 Franken – die er nie bekommen hat – erteilte er zusammen mit fünf anderen Schlägern jemandem «eine Lektion». Dafür wurde der einschlägig Vorbestrafte vom …

Artikel lesen