Schweiz

Hier ein Überblick zu den wichtigsten Meldungen der Sonntagspresse. Bild: KEYSTONE

Differenzen bei der SP, VIP-Skilifte, «LIES!»: Darüber schreibt die Sonntagspresse

Publiziert: 20.11.16, 07:20 Aktualisiert: 20.11.16, 08:52

VIP-Linien in Schweizer Skigebieten

Investor Samih Sawiris will in der Skiarena Andermatt-Sedrun UR/GR künftig VIP-Linien vor den Skiliften einführen. Seine Leute seien zwar noch skeptisch, «aber ich bin dafür», sagte der ägyptische Unternehmer in einem Interview mit dem «SonntagsBlick». Man müsse den ausländischen Kunden das bieten, was auch die Konkurrenz biete. VIP-Linien, auf denen man nicht mehr anstehen müsse, dafür aber mehr bezahle, gebe es auf der ganzen Welt. Nur in der Schweiz werde eine solche Bevorzugung gegen Geld als unangemessen empfunden. Kritisch sieht Sawiris auch die vielen Gastarbeiter beim Servicepersonal in der Schweiz. Diese würden sich nicht wirklich mit dem Ort identifizieren. Überhaupt hätten viele Leute im Schweizer Tourismus «Mühe zu begreifen, dass sie noch viel besser werden müssen». 

Wünscht sich auf Schweizer Skipisten eine Zweiklassengesellschaft: Samih Sawiris. Bild: KEYSTONE

Zunahme salafistischer Gruppen

Während in Deutschland seit vergangenem Dienstag die Koranverteilaktion «LIES!» untersagt ist, nehmen in der Schweiz die Aktivitäten salafistischer Gruppen offenbar zu. Laut dem «SonntagsBlick» waren alleine am letzten Wochenende in acht Schweizer Städten «LIES!»-Vertreter unterwegs. Zusätzlich sei auch die Gruppe «We love Muhammad» (WLM) hierzulande aktiv. In Basel und Bern verteilte sie demnach Biografien des Propheten Mohammed. Das deutsche Innenministerium wirft dem Verein hinter der Aktion «LIES!» vor, Menschen zu radikalisieren. In der Schweiz führt die Bundesanwaltschaft (BA) in Verbindung mit dem «LIES!»-Projekt verschiedene Strafverfahren gegen Personen.

Einreisesperren gegen Dschihadisten

In der Schweiz steigt die Zahl der Einreisesperren wegen Dschihadismus. Das Bundesamt für Polizei (Fedpol) verfügte seit Anfang Jahr bis Ende Oktober 26 Sperren gegen Dschihadisten, wie die «Zentralschweiz am Sonntag» und die «Ostschweiz am Sonntag» berichten. Im Vorjahr waren es demnach 17 und in den drei Jahren davor insgesamt 13. Das Fedpol verhängt die Sperren in Absprache mit dem Nachrichtendienst des Bundes (NDB) zur Wahrung der inneren oder äusseren Sicherheit. Insgesamt wurden bis Ende Oktober 100 Einreiseverbote verhängt, im Vorjahr waren es 28 gewesen.

Sozialliberale Plattform bei der SP

Der Zürcher SP-Ständerat Daniel Jositsch plant offenbar, eine innerparteiliche Plattform für sozialliberale Kräfte aufzubauen. Wie die «NZZ am Sonntag» berichtet, führt Jositsch gemeinsam mit der Aargauer Amtskollegin Pascale Bruderer eine Gruppe an, die an der SP-Delegiertenversammlung Anfang Dezember ein Papier der Parteileitung mit dem Titel «Wirtschaftsdemokratie» zur Überarbeitung zurückweisen will. Jositsch kommentierte seine Pläne laut der Zeitung nicht.

Daniel Jositsch: Ist ihm der neue SP-Kurs zu links? Bild: KEYSTONE

Fehlende Städte-Lobby

Der scheidende Berner Stadtpräsident Alexander Tschäppät beklagt die fehlende Lobby der Städte im Parlament. Vieles, was im Bundeshaus entschieden werde, müsse von den Gemeinden ausgelöffelt werden. Laut dem SP-Nationalrat ist es daher «einer der grössten Fehler der Städte», Doppelmandate von Exekutivmitgliedern zu verbieten. «Die Bauern sind da, die Touristiker – warum nicht die Städte, die das Gros der Bevölkerung repräsentieren», sagte Tschäppät im Interview mit dem «SonntagsBlick». Die Städte müssten sich darum bemühen, dass ihre Exekutivmitglieder für das Eidg. Parlament kandidierten.

Xi Jinping kommt in die Schweiz

Der chinesische Präsident Xi Jinping wird der Schweiz offenbar einen Staatsbesuch abstatten. Wie die «NZZ am Sonntag» unter Berufung auf informierte Quellen berichtet, kommt Xi am 15. und 16. Januar 2017 nach Bern. Danach plane er, ans Weltwirtschaftsforum (WEF) nach Davos weiterzureisen. Das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) äusserte sich nicht zu dem Besuch. Laut der Zeitung soll Anfang Januar darüber informiert werden. Das WEF findet vom 16. bis 20. Januar statt. Es wird die Teilnehmerliste ebenfalls im Januar bekannt machen.

Xi Jinping: Der chinesische Präsident kommt im Januar in die Schweiz. Bild: MARIANA BAZO/REUTERS

Vorwürfe an Exit

Die beiden Brüder eines 82-jährigen Genfers, der sich kürzlich das Leben genommen hat, verklagen den Vizepräsidenten der Sterbehilfe-Organisation Exit. Sie gehen davon aus, dass Exit eine Verantwortung trägt an der Tat ihres Bruders und beschuldigen sie der Beihilfe zum Suizid, wie die Zeitung «Le Matin Dimanche» berichtet. Die Kläger führen Aussagen ins Feld, welche der Vizepräsident in einem Interview vom 2. November gemacht habe. Der Verstorbene, der nach dem Tod seiner Partnerin vor zwei Jahren untröstlich war, hatte Exit um ihre Dienste gebeten. Doch nach juristischer Intervention durch seine Brüder setzte der Mann schliesslich seinem Leben alleine in seiner Wohnung ein Ende. Die Anstiftung zum Suizid kann mit bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft werden.

Zu viel Macht den Zentralbanken

Ex-UBS und Ex-CS-Chef Oswald Grübel kritisiert die wachsende Macht der Zentralbanken, welche «die Deutungshoheit über Märkte und Banken» hätten. Habe früher das Risiko bei den Aktionären gelegen, trage dieses heute mehr und mehr der Staat. In einem Interview mit dem «SonntagsBlick» forderte Grübel ein Ende der Negativzinsen. Doch die Zentralbanken hätten den «Point of no Return» überschritten. Es werde in einem Crash enden, wenn die Zentralbanken die Marktmanipulation aufgeben müssten, weil sie ihre Glaubwürdigkeit verloren haben, «aber das kann noch zehn oder mehr Jahre dauern». Skeptisch sieht Grübel auch die Entwicklung bei den Salären. Es gebe noch immer Manager, die zehn Millionen Franken Bonus erhielten, obwohl ihr Unternehmen einen Verlust schreibe.

80 Nestlé-Produkte verlieren Schweizer Kreuz

Der Nahrungsmittelkonzern Nestlé wird ab nächstem Jahr dutzende Produkte ohne das Swissness-Label vertreiben. Am 1. Januar 2017 tritt das neue Swissness-Gesetz in Kraft. Es verlangt, dass 80 Prozent der in einem Produkt enthaltenen Rohstoffe aus der Schweiz stammen müssen. Nestlé habe unter diesen Vorzeichen insgesamt 650 Rezepturen analysiert. «Die meisten erfüllen die Swissness-Bestimmungen, bei anderen haben wir die Rezeptur angepasst», sagte der Generaldirektor von Nestlé Schweiz, Christophe Cornu in einem Interview mit der «Schweiz am Sonntag». Bei 80 Rezepturen sei eine Anpassung nicht möglich, unter anderem wegen fehlender Schweizer Eier. Produkte der Marke Thomy, Leisi und manche Eissorten von Frisco würden daher das Schweizerkreuz verlieren. (sda)

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  • Maria B. 20.11.2016 13:28
    Highlight Es scheint, dass die moderaten Deutschschweizer Sozis (ohne den Altkommunisten Wermuth, versteht sich) in der SP das Ruder übernehmen sollten, denn Levrat und Co. haben nichts zeitgemässes mehr anzubieten.

    Pascale Bruderer, Mario Fehr, Daniel Jositsch und andere sollten einer sozialliberalen Plattform ein neues Gesicht und wieder vermehrte Akzeptanz verleihen.

    Einfach weiter wursteln wie in letzter Zeit, oder gar Karl Marx und den Klassenkampf aus der Mottenkiste zu holen, kanns einfach nicht sein.

    Mit solchen Anachronismen schafft sich diese Partei in Scheiben ab - will man das wirklich?
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  • pachnota 20.11.2016 11:46
    Highlight Die SP ist kaputt
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  • pamayer 20.11.2016 10:21
    Highlight 2 Klassen Gesellschaft ist doch immer wieder gut. Die Mehrbesseren wollen partout keine Berührung zu arbeitenden.
    Dafür gibt's bei der SBB die 1. Klasse sowie einkaufsgeschäfte und Restaurants / Hotels und Privatschulen sowie privatspitäler in ihrer Preisklasse.

    Jetzt also noch privatpisten.

    In Dubai wäre sowas doch denkbar. Private skiing in Dubai, das ganze Jahr über.
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  • FrancoL 20.11.2016 09:48
    Highlight Bin gespannt ob Jositsch mit der Plattform der sozialliberalen Plattform durchkommt oder eher die Partei an den Rand einer Spaltung führt, was die in der heutigen Landschaft wichtige Position der SP noch zusätzlich schwächen würde.
    Das Wirtschaftspapier muss sicherlich überarbeitet werden aber dies wird bei den Väter/Mütter des Papiers nicht auf viel Verständnis stossen. Der SP rate ich für eine markantere und kernigere Politik sich nicht in Grabenkämpfe zu verstricken. Die Schweiz braucht eine kräftige Linkspartei, heute mehr denn je.
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