Schweiz

Hier ein Überblick zu den wichtigsten Geschichten der Sonntagszeitungen.  Bild: KEYSTONE

Sexismus in der Schweiz  – und was die Sonntagspresse sonst noch schreibt

Publiziert: 16.10.16, 07:29 Aktualisiert: 16.10.16, 08:36

Ein Gartenhag dominiert die Titelseiten der Sonntagszeitungen: Unter #SchweizerAufschrei haben in den vergangenen Tagen vorwiegend Frauen auf sozialen Plattformen wie Twitter und Facebook über sexuelle Belästigung berichtet. Laut der «SonntagsZeitung» stand ein Tweet der Basler Genderforscherin Franziska Schutzbach am Anfang des Trends. Die Aktion sollte demnach eine Antwort sein einerseits auf sexistische Äusserungen des US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump und anderseits auf ein umstrittenes Interview der Berner SVP-Nationalrätin Andrea Geissbühler über Vergewaltigungen.

In einem Interview mit der «Zentralschweiz am Sonntag» und der «Ostschweiz am Sonntag» sagt Mitinitiantin Anne-Sophie Keller, Sexismus sei heute nicht weniger aggressiv, finde dank dem Internet aber versteckter statt. Laut der «NZZ am Sonntag» wurden bis am Samstagabend rund 2000 Tweets unter dem Hashtag veröffentlicht. Der «SonntagsBlick» berichtet unter Berufung auf Politikerinnen von Sexismus unter der Bundeshauskuppel.

Externe Dienstleistungen

769 Millionen Franken hat der Bund im Jahr 2015 für externe Dienstleistungen ausgegeben. Darin eingeschlossen sind Beratungen, Informationsarbeiten, Coachings und vor allem Tätigkeiten im Informatikbereich für die sieben Departemente sowie die Behörden und Gerichte, wie die «NZZ am Sonntag» schreibt. Die Zeitung beruft sich auf Zahlen des Eidg. Finanzdepartements (EFD). Damit sind die Kosten um 100 Millionen Franken gestiegen, nachdem sie 2014 reduziert worden waren. Am meisten gab mit 159 Millionen das Finanzdepartement aus, der weitaus grösste Posten entfiel mit 126 Millionen auf Informatik-Projekte.

Kritik am Audit-System bei Schweizer Banken

Der Chef der Finanzmarktaufsicht (FINMA), Mark Branson, hat angeregt, das Audit-System bei Schweizer Banken anzupassen. Prüfgesellschaften, die auffälliges Verhalten der Banken der FINMA melden müssen, erhalten heute ihr Mandat direkt von den Banken und werden auch von diesen bezahlt. Ein gewisser Interessenkonflikt sei dabei nicht wegzureden, sagte Branson im Interview mit der «SonntagsZeitung» und «Le Matin Dimanche». Er fände es «keine schlechte Idee, wenn anstelle der Banken die FINMA die Mandate an Prüfgesellschaften vergeben könnte». Auch könnte das Kosten-Nutzen-Verhältnis der Aufsichtsprüfung, für die die Finanzindustrie jährlich rund 110 Millionen Franken ausgebe, noch verbessert werden. Dazu müsste allerdings das Gesetz geändert werden, wofür politisch kein grosses Bedürfnis vorhanden zu sein scheine.

Höhere Löhne für Professoren

An Schweizer Hochschulen sollen Ausnahmen bei der Salärobergrenze für Professoren möglich werden. Diese Forderung stellt Michael Hengartner, Rektor der Universität Zürich. «Wenn wir weiterhin in der Top-Liga spielen wollen, brauchen wir eine Sonderregelung bei den Löhnen», sagt der Präsident aller Schweizer Hochschulen (Swissuniversities) in der «Schweiz am Sonntag». Da die Professorenlöhne in der Schweiz grösstenteils aus der öffentlichen Hand bezahlt werden, sind die Gehälter laut der Zeitung gedeckelt. Die ETH Zürich und Lausanne bieten demnach maximal 277'000 Franken und stehen damit an der Spitze der Schweizer Skala. Elite-Unis in den USA etwa würden Löhne von über einer Million Franken pro Jahr bezahlen. Zu den bestbezahlten Professoren zählen Wirtschaftswissenschaftler und Mediziner.

Fordert höhere Löhne für Professoren: Michael Hengartner, Rektor der Uni Zürich. Bild: KEYSTONE

Ausbau des Bahnnetzes

Der Direktor des Bundesamtes für Verkehr (BAV), Peter Füglistaler, hat anlässlich einer Präsentation vor Parlamentariern offenbar dargelegt, wie der nächste Schritt beim Ausbau des Schweizer Bahnnetzes ausschauen könnte. Laut der «NZZ am Sonntag» will der Bund sieben oder zwölf Millionen Franken zusätzlich in die Infrastruktur investieren. Die bereitstehenden Projekte übersteigen den Betrag allerdings. Gesetzt sind laut der Zeitung der Brüttener Tunnel zwischen Zürich und Winterthur sowie der Ausbau zwischen Yverdon und Genf. Zweite Priorität hätten demnach der weitere Ausbau des Lötschberg-Basistunnels, der zweite Zimmerbergtunnel zwischen Thalwil und Zug sowie ein weiteres Projekt im Raum Zürich. Die Pläne für eine Metro in Basel, der neue Luzerner Tiefbahnhof und die Direktlinie von Neuenburg nach La Chaux-de-Fonds rangieren unter den Projekten von dritter Priorität.

Untaugliche sollen mehr bezahlen

Eine Studiengruppe des Verteidigungsdepartements (VBS) will die Ersatzabgabe für Schweizer, die ihre Wehrpflicht nicht erfüllen, auf 1000 Franken pro Jahr erhöhen. Heute beträgt der während maximal elf Jahren geschuldete Betrag 3 Prozent des Einkommens oder mindestens 400 Franken. Es sei ungerecht, dass die ganze Dienstzeit von 260 Tagen im günstigsten Fall mit nur 4400 Franken abgegolten werden könne, begründete die Gruppe ihre Forderung laut der «NZZ am Sonntag». Es gehe um «Wehrgerechtigkeit». Mit dem Vorschlag würde der Mindestbetrag auf 11'000 Franken steigen.

An'Nur-Moschee setzt Imam ab

Die umstrittene An'Nur-Moschee in Winterthur hat offenbar ihren Imam Shaikh Wail abgesetzt. Der ehemalige Präsident des Vorstands, Atef Sahnoun, bestätigte laut der «SonntagsZeitung» die Entlassung. Finanzielle Gründe seien für den Schritt verantwortlich gewesen. Ein Reporter der Zeitung recherchierte laut eigenen Aussagen während vier Monaten in verschiedenen Schweizer Moscheen. Wail, der erst im Frühjahr den Posten in Winterthur angetreten hatte, habe in seinen Predigten wiederholt zur Radikalisierung aufgerufen. Die Moschee habe sich von ihm getrennt, als sie von den Recherchen erfuhr.

Weniger Antibabypillen verkauft

Seit 2008 ist die Menge der verschriebenen Antibabypillen in der Schweiz rückläufig. Laut Angaben des Pharmaverbands Interpharma ging die Zahl der verkauften Packungen innerhalb von sieben Jahren von 2,1 auf 1,9 Millionen zurück, wie die «Schweiz am Sonntag» berichtet. Demnach verzichten Frauen über 30 vermehrt auf die Pille, während bei jungen Frauen und Mädchen die Nachfrage steigt. Letztere würden zudem die Pille immer früher nehmen.

Geldprobleme bei der Schweizerischen Offiziersgesellschaft

In der Kasse der Schweizerischen Offiziersgesellschaft (SOG) klafft Ende Jahr voraussichtlich ein Loch von 75'000 Franken. Der Fehlbetrag dürfte sich 2017 mehr als verdoppeln, berichten «Zentralschweiz am Sonntag» und «Ostschweiz am Sonntag». Demnach haben die Geldprobleme vor drei Jahren begonnen, als ein PR-Büro in St.Gallen mit der Führung des zentralen Sekretariats beauftragt wurde. Dieses koste 230'000 Franken pro Jahr und damit um 10'000 Franken mehr, als die 22'000 Mitglieder via Mitgliederbeitrag beisteuern. Präsident Stefan Holenstein möchte dem SOG nun ein «Effizienzsteigerungsprogramm» verpassen.

Mehr Geld für Forschung gefordert

Der Zürcher FDP-Ständerat Ruedi Noser fordert mehr Geld für die Forschung, damit die Schweiz neben dem Silicon Valley und New York bestehen könne. «Es muss möglich sein, einen Teil der Milliarden, die wir in die Infrastruktur stecken, stattdessen in die digitale Transformation zu investieren», sagte Noser im Interview mit dem «SonntagsBlick». Zwei Milliarden Franken über zehn Jahre brauche es, um in Europa diesbezüglich die Führungsrolle zu übernehmen. Es reiche nicht, bloss eine Professur zu gründen, es brauche deren 100 und zusätzlich mindestens 500 Postdoktoranden. «Eine Community von zusätzlich rund 1000 Leuten würde die Schweiz voranbringen und die Arbeitsplätze der Zukunft bei uns behalten.»

Zahlen zum Schweizer Mittelstand

Ungefähr einer von fünf Haushalten des unteren Mittelstandes in der Schweiz kann nicht unerwartete Ausgaben von 2500 Franken aufbringen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Bundesamtes für Statistik, aus der «Le Matin Dimanche» zitiert. Demnach zählten im Jahr 2013 58,1 Prozent der Schweizer Bevölkerung zum Mittelstand. Dazu werden Einzelpersonen gerechnet, die zwischen 3947 und 8457 Franken brutto verdienen oder Paare mit zwei Kindern, mit einem Einkommen von 8288 bis 17'760 Franken. (sda)

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Gina226 - 6.4.2016
Watson, du bist super. Ich möchte dich nicht mehr missen. ❤️
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  • Eljham 16.10.2016 12:33
    Highlight Der tägliche Sexismus in der Schweiz: Männer die keinen Militärdienst leisten, bezahlten bis 2011 200 Fr pro Jahr, ab 2011 400 Fr, und jetzt sollen es gemäss Politik gar 1000 Fr. pro Jahr werden. Nur weil Mann mit dem falschen Geschlecht geboren wurde. #Aufschrei.
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  • MrBlack 16.10.2016 10:45
    Highlight Also bitte, 90% von dem, was das Militär mit seinem Geld macht ist sowieso ein Witz. Je nach Standort muss man in der RS schon oft nur 4 Tage in der Kaserne sein. Viele Tätigkeiten haben nur den Sinn, Zeit totzuschlagen und vor allem im WK oder als Durchdiener sitzt man sowieso nur rum. Zusammenfassend: Das Geld wird ausgegeben, damit es weg ist und damit das Budget ja nicht gekürzt wird.
    Andererseits, hat man eine chronische Krankheit, mit der man z.B. locker in der Küche arbeiten könnte, ist man automatisch doppelt UT und muss zahlen. Aus meiner Sicht auch nicht fair.
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  • Mate 16.10.2016 09:14
    Highlight Natürlich will das Milität mehr Geld, aber haben die schon mal an Studenten gedacht? Selbst wenn sie in den Ferien arbeiten, ist 1000 Franken viel. Jeder, der schon studiert hat wird wissen, dass Geld eine Mangelware ist, in dieser Zeit.
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  • simply smarter 16.10.2016 09:07
    Highlight Wenn es wirklich um "Wehrgerechtigkeit" ginge, dann wäre als erster Schritt die Wehrpflicht für Frauen einzuführen.
    Der Vorschlag will einzig Studis abzocken. Wer voll arbeitet, zahlt sowieso jetzt schon mehr als 1000 Franken Wehrpflichtersatz pro Jahr.
    Sonst keine Probleme mehr im VBS?
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  • simply smarter 16.10.2016 08:59
    Highlight Angesichts des bereits heute katastrophal tiefen Kostendeckungsgrades beim ÖV und der zu erwartenden Entwicklung bei den selbstfahrenden und elektrischen Strassenfahrzeugen, sollten Investionen in das Bahnnetz nur mit grösster Zurückhaltung erfolgen.
    Sonst riskieren wir eine gigantische Investitionsruine.
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