Schweiz

Hier ein Überblick zu den wichtigsten Meldungen der Sonntagspresse. Bild: KEYSTONE

Die Sonntagspresse: PISA-Studie, Schweizer Armee und ein hinterhältiger Schnapsbrenner

11.12.16, 06:41 11.12.16, 08:51

PISA-Studie

«Zentralschweiz am Sonntag» / «Ostschweiz am Sonntag»

Aus Ärger über die Methoden der jüngsten PISA-Studie haben Schweizer Lehrerverbände vergangene Woche die Teilnahme an den künftigen Evaluationen infrage gestellt. Der St.Galler Bildungsdirektor Stefan Kölliker, der im Vorstand der Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) sitzt, will «unter Umständen einen Antrag stellen, an der PISA-Studie 2018 nicht teilzunehmen», wie er den Zeitungen «Zentralschweiz am Sonntag» und «Ostschweiz am Sonntag» sagt. Er forderte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), welche die Studie verantwortet, erneut auf, sich einer ernsthaften Debatte über die Testbedingungen zu stellen. Die Teilnahme an der nächsten PISA-Ausgabe wurde an der EDK-Versammlung vom Juni 2015 beschlossen. Dafür sind 3.2 Millionen Franken eingestellt, welche Bund und Kantone je zur Hälfte tragen.

«Schweiz am Sonntag»

Der Leiter der PISA-Studie, Andreas Schleicher, weist die Kritik der Schweizer Erziehungsdirektoren an der neusten PISA-Erhebung von sich. Bisher habe sich nur die Schweiz beklagt. Die Daten blieben trotz der neuen Erhebungsmethode vergleichbar, sagt er im Interview mit der «Schweiz am Sonntag» und holt zum Gegenschlag aus: Vor zehn Jahren habe es weder iPhones, soziale Medien noch Big Data gegeben. Dieser Veränderung trage die Schweiz zu wenig Rechnung. «Da erwarte ich deutlich mehr vom Schweizer Bildungssystem.» Auffällig in der Schweiz sei zudem der Einfluss des sozialen Hintergrunds auf Leistungen: «Die Schweiz hat ein Problem mit der Chancengleichheit.» Den Schulen gelinge es nicht, diesen Nachteil auszugleichen.

«NZZ am Sonntag»

Das mittelmässige Abschneiden der Schweizer Schülerinnen und Schüler im Lesen bei der PISA-Studie 2015 ruft Fachleute auf den Plan: Der Bildungsexperte des Schweizer Lehrerverbandes, Jürg Brühlmann, fordert, fremdsprachige Kinder mit Migrationshintergrund sollen Kurse ihrer Muttersprache besuchen statt Französischunterricht. «Das wäre keine Dispensation, sondern ein Ersatz», sagt er in der «NZZ am Sonntag». Christoph Eymann, Präsident der Erziehungsdirektorenkonferenz, bezeichnet die Idee als prüfenswert. «Man darf die Kinder nicht überfordern mit den Sprachen.» Solche Entlastungen müssten jedoch im Einzelfall geprüft werden und dürften nicht für ganze Gruppen gelten.

«SonntagsZeitung»

Jeder fünfte Schüler in der Schweiz ist laut der jüngsten PISA-Studie nach neun Schuljahren ein funktionaler Analphabet, kann also aus Gelesenem keinen Sinn ziehen. «Bei einer durchschnittlichen Klassengrösse von 19 Schülern können in der Schweiz bei Schulabschluss zwei bis drei Schüler pro Klasse unzureichend schreiben und lesen», sagt Stefan Wolter, Direktor der Schweizerischen Koordinationsstelle für Bildungsforschung in der «SonntagsZeitung». Er nennt dies ein «Systemversagen» im laut der Zeitung zweitteuersten Schulsystem innerhalb der OECD. Im Kampf gegen den Illettrismus braucht es demnach nicht mehr Geld. Die Mittel müssten anders eingesetzt werden.

PISA-Studie: Schweizer Schüler schnitten 2015 eher enttäuschend ab. Bild: EPA DPA

Immer mehr Freitodbegleitungen in Altersheimen

Die Sterbehilfeorganisation Exit führt immer mehr Freitodbegleitungen in Altersheimen durch. Im Jahr 2007 waren es zehn Fälle – 2015 bereits 92, wie der «SonntagsBlick» schreibt. Damals starb jeder zwanzigste Exit-Betreute in einem Heim, heute jeder zehnte. «Diese Zahlen werden weiter zunehmen», schätzt Exit-Vorstand Jürg Wiler. Jetzt kämen die Babyboomer in das entsprechende Alter, die sich gewöhnt seien, selber Entscheidungen zu treffen. Der Verein Ethik und Medizin Schweiz (VEMS) findet die Entwicklung bedenklich. «Damit wird dieser Art, aus dem Leben zu scheiden, der institutionelle Segen erteilt», sagt Präsident Michel Romanens. In Heimen bestehe zudem die Gefahr des Nachahmungseffekts.

Energiestrategie: Bäumle will Volksabstimmung

GLP-Präsident Martin Bäumle macht sich für das Zustandekommen des SVP-Referendums gegen die Energiestrategie 2050 stark. Bäumle habe das Referendum unterzeichnet, schreibt der «SonntagsBlick». Grund: Der Zürcher Nationalrat will eine Volksabstimmung. Es brauche einen Entscheid an der Urne. Nur so werde der anvisierte Umbau von fossilem und nuklearem auf erneuerbaren Strom demokratisch legitimiert. «Damit wäre der Ausstieg aus der Kernenergie für eine Generation auf sicheren Füssen.» Er sei überzeugt, dass das Volk die Energiewende klar unterstütze.

Kritik an FINMA

Die Inspektoren der Group d'action financière (GAFI ) der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) kritisieren die Eidg. Finanzmarktaufsicht (FINMA). Diese sanktioniere fehlbare Banken nur ungenügend. Jüngster Beleg dafür ist laut «SonntagsZeitung» und «Le Matin Dimanche» ein neuer Fall, wonach der Ex-Chef einer Bank trotz Strafverfahren und Betrugsvorwurf nahtlos bei der nächsten Bank in Leitungsfunktion weitermachen kann, ohne von der FINMA gestoppt zu werden. Bei den Vorwürfen in dem Fall geht es um Geldwäscherei.

Sinn und Zweck der Armee soll in der Schule diskutiert werden

Die Jungen erkennen laut André Blattmann wieder einen Sinn in der Armee. Der abtretende Chef der Armee sieht den Grund dafür in einem «subjektiven Unsicherheitsgefühl», ausgelöst durch Terror, Kriminalität und dem Gefälle zwischen Arm und Reich, wie er in einem Interview mit der «Schweiz am Sonntag» sagt. Die Zustimmung zur Armee in der Bevölkerung liege mit rund 84 Prozent wieder so hoch wie zu Beginn der 1980er Jahre. Zugleich fordert Blattmann, dass die Armee heute auch in den Schulen diskutiert werden sollte. Künftige Lehrer etwa sollten für sicherheitspolitische Fragen sensibilisiert werden.

André Blattmann wünscht sich, dass in der Schule über die Armee gesprochen wird. Bild: KEYSTONE

Parmelin ordnete Freistellung Stettbachers an

Die Freistellung des Oberfeldarztes der Schweizer Armee, Andreas Stettbacher, wurde offenbar von Verteidigungsminister Guy Parmelin angeordnet. Dies sei auf Anraten des Armeeführungsstabes geschehen, schreibt der «SonntagsBlick». Gegen Stettbacher hatte das Verteidigungsdepartement am Freitag bei der Bundesanwaltschaft (BA) eine Strafanzeige wegen des Verdachts auf «strafbare Handlungen gegen das Vermögen sowie strafbare Handlungen gegen die Amts- und Berufspflichten» eingereicht. Laut der Zeitung hat der Betroffene keine Ahnung, was ihm vorgeworfen wird.

Schnappsbrenner schleust Hochprozentigen am Fiskus vorbei

Die Eidg. Alkoholverwaltung hat 2014 im Wallis einen Fall von Steuerhinterziehung aufgedeckt. Laut der «SonntagsZeitung» und «Le Matin Dimanche» produzierte ein Brennmeister während fünf Jahren 17'000 Flaschen Schnaps, ohne das dem Fiskus korrekt zu melden. 164 Kunden waren involviert, die Deliktsumme beträgt 140'000 Franken. Die Beteiligten kassierten Bussen von insgesamt 50'000 Franken und mussten die Steuern nachzahlen. (sda)

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  • pamayer 11.12.2016 10:09
    Highlight Was macht man nun, wenn viele Lehrer sensibilisiert sind für das Thema Landesverteidigung.

    Aber nicht ganz im Sinne von Blattmann?!
    (Quelle: 1989 stimmten 36℅ für die Abschaffung der Armee)

    Bis weit in die 70jahre hinein war die Schule eine Institution, die die nie verhärteten Mythen Geschichten der Schweizerischen Eidgenossenschaft verherrlichte und 1:1 als Lernstoff lehrte. Quasi patriotische Bildung.
    Das ist zum Glück nicht mehr so.

    Wie würde Blattmann die anders denkenden bekehren wollen? Mineralwasser mit Büchsenravioli aus dem eigenen Fonds? Spezialkurse in der Türkei?

    8 3 Melden

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