Schweiz

Flüchtlinge an einer Veranstaltung von «Collectif R». Bild: KEYSTONE

Waadtländer Polizei jagt die Flüchtlingshelfer von «Collectif R»

Publiziert: 17.09.16, 11:48 Aktualisiert: 17.09.16, 13:56

Aktivisten beherbergen in Lausanne Asylsuchende, denen die Abschiebung droht. Sie wollen sie ins nationale Asylverfahren bringen. Jetzt ist die Polizei eingeschritten. Sie hat Häuser von Flüchtlingshelfern durchsucht, bei denen sie Asylsuchende vermutet – darunter die Wohnungen der Lausanner Grünen-Präsidentin Léonore Porchet und des Sekretärs der Linkspartei SolidaritéS, Pierre Conscience. Bei keiner der beiden Personen wurde die Polizei fündig.

Gegenüber dem «Tages-Anzeiger» bezichtigen die Betroffenen die Polizei «gezielter Einschüchterungsversuche» und zeigen sich dennoch unbeeindruckt: Sie seien zu zivilem Ungehorsam bereit, «weil sie das Abkommen für eine Fehlkonstruktion halten und Flüchtlinge schützen wollen», sagt Porchet.

Léonore Porchet. Bild: KEYSTONE

Die Jungpolitiker gehören zu «Collectif R», ein 200 Personen zählendes Netzwerk, das sich mit zivilem Ungehorsam gegen das Dublin-Abkommen und die Praxis der Rückschaffungen wehrt. Diesen Frühling hat das Kollektiv rund 25 prominente Politiker, Künstler und Intellektuelle zusammengetrommelt, die sich um die Fälle kümmern. Sie bringen Flüchtlinge während der Rückschaffungsfrist von sechs Monaten so unter, dass die Behörden sie nicht als untergetaucht registrieren. (dwi)

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9 Kommentare anzeigen
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  • Sapere Aude 17.09.2016 17:12
    Highlight Sonst heisst es doch immer, die Gutmenschen sollen Flüchtende bei sich aufnehmen...
    4 10 Melden
    600
  • Str ant (Darkling) 17.09.2016 12:55
    Highlight Die Waadtländer Polizei mach lediglich ihren Job
    43 4 Melden
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  • Menel 17.09.2016 12:50
    Highlight Super Sache! Unterstützenswert 👍
    7 42 Melden
    • atomschlaf 17.09.2016 14:13
      Highlight Was findest Du super?

      Wenn Asylbewerber an Adressen gemeldet werden, wo sie gar nicht wohnen?
      Das ist etwa dasselbe, wie wenn Stadtzürcher sind in Freienbach anmelden, obschon sie sich nie dort aufhalten.

      Findest Du das auch super?
      27 4 Melden
    600
  • atomschlaf 17.09.2016 12:26
    Highlight Leider erwähnt der obige Artikel nicht, was eigentlich der Zweck der Aktivitäten von Frau Porchet und Konsorten ist:
    Wenn ein Asylbewerber bereits in Italien oder einem anderen Dublin-Land registriert wurde, kann er innert 6 Monaten wieder dorthin zurückgewiesen werden. Gilt der Asylbewerber aber als abgetaucht, verlängert sich diese Frist um 18 Monate. Um diese Fristverlängerung zu verhindern, melden Porchet & Co., dass sich die Asylbewerber bei ihnen aufhalten, was aber gemäss tagi.ch nicht immer der Fall sei.
    Gut, dass die Polizei gegen solchen Rechtsmissbrauch vorgeht.
    51 5 Melden
    600
  • Maria B. 17.09.2016 12:20
    Highlight "Sie seien zu zivilem Ungehorsam bereit, «weil sie das Abkommen für eine Fehlkonstruktion halten und Flüchtlinge schützen wollen."

    Ein schier unglaubliches Rechtsverständnis haben solche Leute, denen sowohl die klaren und korrekten schweizerischen Asylgesetze, wie vor Allem aber auch die vertraglich eingegangenen bilateralen Abkommen über Schengen/Dublin offensichtlich irrelevant scheinen.

    Unnachsichtige Bestrafung, genauso wie bei anderen Rechtsbrüchen auch, ist gefordert.

    Wo kämen wir auch in einem Rechtsstaat hin, wenn Jede(r) seine eigenen Interpretationen dazu geltend machen würde :-(!
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  • atomschlaf 17.09.2016 12:17
    Highlight Wenn Leute wie Frau Porchet Flüchtlinge aufnehmen wollen, dann sollte dies auch möglich sein - allerdings nur wenn sie effektiv (und nicht nur pro forma) aufgenommen werden und verbunden mit der Verpflichtung, sämtliche anfallenden Kosten bis zu einer allfälligen Integration in den Arbeitsmarkt oder einer Ausweisung selbst zu tragen.
    44 4 Melden
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  • _mc 17.09.2016 11:52
    Highlight souveräner umgang mit den ressourcen..
    8 32 Melden
    600

Immer wieder krass: Diese Luftaufnahmen zeigen, wie ein Flüchtlingsproblem wirklich aussieht 

Im Mittelmeer soll sich erneut ein Flüchtlingsunglück mit vielen Toten ereignet haben. «Es sieht so aus, als seien Hunderte Menschen gestorben», sagte Italiens Präsident Sergio Mattarella. Offiziell ist das noch nicht bestätigt. Fakt ist aber: Jeden Monat versuchen tausende Flüchtlinge aus Nordafrika und der Türkei mit Booten nach Europa zu gelangen. 2014 starben nach Angaben der International Organization for Migration (IOM) knapp 3300 Flüchtlinge auf See, 2015 …

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