Schweiz

Warum du besser im Thurgau in den Knast gehst als in der Waadt

08.11.16, 12:39 08.11.16, 12:52

Wer in der Westschweiz für eine Straftat verurteilt wird, sitzt in der Regel länger hinter Gittern als in der Deutschschweiz. Dies zeigt eine neue Studie. Der Grund ist die stark heterogene Praxis im Umgang mit der bedingten Entlassung.

Jeder Täter, der zu mehr als drei Monaten Freiheitsentzug verurteilt worden ist, muss in der Regel nach zwei Dritteln der abgesessenen Strafe vorzeitig entlassen werden. So sieht es das Strafgesetz vor. Die bedingte Entlassung kann ausgesetzt werden, wenn eine ungünstige Rückfallprognose besteht.

Deutlich werden die Unterschiede zwischen den einzelnen Kantonen. So entlässt Thurgau praktisch alle der fraglichen Täter (97 Prozent). Die Waadt gesteht die bedingte Entlassung nur rund der Hälfte der Täter zu (53 Prozent).

Rechtsgleichheit wird verletzt

Zwischen den einzelnen Landesteilen bestehen aber grosse Unterschiede, wie eine Studie der Rechtswissenschaftler Thomas Freytag und Aimée Zermatten zeigt. Am liberalsten wird die bedingte Entlassung in der Deutschschweiz gehandhabt.

Die unterschiedliche Praxis führt laut den Autoren zu einem Zweiklassensystem zwischen Ausländern und Schweizern, obwohl das Strafrecht nicht zwischen Nationalitäten unterscheidet. Die kantonalen Unterschiede verletzten auch die Rechtsgleichheit, heisst es in der Mitteilung weiter. Die Studienautoren fordern deshalb eine schweizweite Harmonisierung. 

Ein Tag im Gefängnis

Zunehmend restriktivere Handhabung

Zwischen 2009 und 2013 wurde sie für 83 Prozent der Straftäter angewandt, wie das Schweizerische Ausbildungszentrum für das Strafvollzugspersonal (SAZ) in einer Mitteilung vom Dienstag schreibt. Restriktiver geht die Westschweiz vor: Im gleichen Zeitraum liegt die Quote dort bei 57 Prozent.

Allerdings ist eine zunehmend restriktivere Handhabung der bedingten Entlassung in allen Kantonen zu beobachten. Die Zahl der Verweigerungen habe zwischen 2007 und 2015 insgesamt deutlich zugenommen, schreiben die Studienautoren.

Für die Unterschiede zwischen den Landesteilen gibt es aus ihrer Sicht verschiedene Erklärungen. Einer der Gründe könnte sein, dass die Gefährlichkeitskommissionen der Westschweizer Kantone für die Täter oft negative Vorgutachten erstellten. Zudem sässen in Anstalten der Romandie mehr Ausländer ein als in der Deutschschweiz. Die Behörden entliessen ausländische Straftäter aber erst, wenn ihre Ausschaffung bevorstehe. (whr/sda)

Hol dir die App!

User-Review:
Catloveeer, 19.12.2016
Die beste App ever! Einfach 🔨
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
Themen
4 Kommentare anzeigen
4
Logge dich ein, um an der Diskussion teilzunehmen
Youtube-Videos und Links einfach ins Textfeld kopieren.
600
  • Maragia 08.11.2016 13:10
    Highlight "Zwischen den einzelnen Landesteilen bestehen aber grosse Unterschiede, wie eine Studie der Rechtswissenschaftler Thomas Freytag und Aimée Zermatten zeigt. Am liberalsten wird die bedingte Entlassung in der Deutschschweiz gehandhabt.

    Die unterschiedliche Praxis führt laut den Autoren zu einem Zweiklassensystem zwischen Ausländern und Schweizern"

    Häää, von wo kommt dieser Zusammenhang?
    12 3 Melden
    • michiOW 08.11.2016 20:54
      Highlight Steht später im Text;)
      1 0 Melden
    600
  • Prof. Dr. Dr. D. Trump 08.11.2016 13:03
    Highlight Seltsam, weil die Welschen weniger Häftlinge bedingt entlassen, als die Deutschschweizer, soll ein Häftlingszweiklassensystem Inländer ggüb. Ausländer bestehen.
    Wie kann das sein?
    Schicken die Deutschweizer etwa ihre ausländischen Häftlinge in welsche Gefägnisse und die Welschen schicken ihre schweizer Häftlinge in deutschschweizer Gefängnisse?
    Hmmmmmmm ... ... ...
    8 6 Melden
    600
  • Charlie Brown 08.11.2016 12:54
    Highlight Alles scheint besser zu sein im Thurgau...

    5 4 Melden
    600

Der Mittelstand versteht keinen Spass, wenn es um sein Portemonnaie geht

Das deutliche Nein zur USR III ist ein Fiasko für die Bürgerlichen und die Wirtschaftsverbände. Es ist ihnen nicht gelungen, das Vertrauen des Mittelstands zu gewinnen. Der internationale Druck aber bleibt hoch.

Das hat gesessen. Trotz enormen Einsatzes finanzieller und personeller Mittel haben die bürgerlichen Parteien und die Wirtschaftsverbände bei der Unternehmenssteuerreform III eine deftige Abfuhr erlitten. Selbst die Stimmberechtigten von Basel-Stadt sagten klar Nein, obwohl SP-Finanzdirektorin Eva Herzog auf allen Kanälen für die Reform geweibelt hat.

Der Nein-Trend zeichnete sich in den letzten Tagen ab. Eine wesentliche Rolle dürfte die Aussage von Eveline Widmer-Schlumpf gespielt haben, die …

Artikel lesen