Schweiz

Zürcher SVP-Nationalrat Jürg Stahl ist höchster Schweizer

Publiziert: 28.11.16, 15:13 Aktualisiert: 28.11.16, 16:16

Blümchen von der Ex: Stahl und seine Vorgängerin Christa Markwalder. Bild: KEYSTONE

Der Zürcher SVP-Politiker Jürg Stahl ist höchster Schweizer. Der Nationalrat hat den 48-Jährigen zu Beginn der Wintersession zum Präsidenten gewählt.

Auf Stahl entfielen 157 von 172 gültigen Stimmen. Das ist über die Jahrzehnte gesehen ein durchschnittliches Resultat. Die abtretende Präsidentin, die Berner FDP-Nationalrätin Christa Markwalder, war vor einem Jahr auf 159 von 183 Stimmen gekommen.

Bei Markwalder bedankte sich Stahl in seiner Antrittsrede als erstes. Sie habe ihn in den letzten zwölf Monaten sehr gut vorbereitet und ihn eng an ihrem Präsidialjahr teilhaben lassen. Er habe grossen Respekt vor der Aufgabe.

Zahnräder im Uhrwerk

«Noch grösser ist jedoch mein Respekt vor der Freiheit, der Demokratie, vor unserem Land, vor den Errungenschaften und vor den Tausenden von Menschen in der wunderbaren Schweiz», sagte Stahl. Es seien diese kleineren und grösseren Zahnräder, die das so gut funktionierende Uhrwerk «Schweiz» antrieben.

Als Stahl wegen einer Stimme nicht Winterthurer Stadtrat wurde

Im Jahr 2001 haben Jürg Stahl und seine Kontrahentin der Stadt Winterthur einen Wahlkrimi erster Güte beschert. Im ersten Wahlgang der Stadtratsersatzwahl lag Stahl um eine einzige Stimme vorn. Dann wurde nachgezählt – und er zog dennoch nicht in den Stadtrat ein. Ausgerechnet auf den 1. April 2001 war der erste Wahlgang angesetzt worden.

Mit einer einzigen Stimme Vorsprung auf seine Konkurrentin Pearl Pedergnana von der SP ging SVP-Vertreter Jürg Stahl als Sieger hervor. Die SP legte gegen das knappe Resultat Wahlbeschwerde ein. Der Bezirksrat lehnte diese zunächst ab, der Regierungsrat als zweite Instanz gab ihr hingegen statt.

So wurde am 30. September schliesslich nachgezählt, und nun lag Pedergnana vorn – ebenfalls um eine einzige Stimme. Die Nachzählung dauerte 12 Stunden und wurde streng überwacht. Jürg Stahl akzeptierte seine Niederlage. Beschwerden von Privatpersonen lehnte der Regierungsrat ab. (sda)

Seine Ratskolleginnen und Ratskollegen rief Stahl dazu auf, selbst harte politische Auseinandersetzungen fair und mit Gelassenheit auszutragen. Er forderte aber auch Disziplin im Nationalratssaal: Es lasse sich einfacher arbeiten, wenn der Lärmpegel tief sei.

Stahl ist der 19. SVP-Politiker und der 24. Vertreter des Kantons Zürich auf dem Stuhl des Nationalratspräsidenten. Der 48-jährige Winterthurer sitzt seit 1999 im Bundesparlament und ist damit dienstältester Zürcher Nationalrat.

Er hat sich in dieser Zeit als Gesundheitspolitiker einen Namen gemacht. Als Mitglied der Direktion der Groupe Mutuel ist er auch beruflich im Gesundheitswesen verankert. Letzten Freitag ist Stahl zudem zum Präsidenten von Swiss Olympic gewählt worden.

Eher härter

Stahl gilt nicht als typischer SVP-Politiker. Am Rednerpult oder in den Zeitungsspalten tauchte er selten auf. Politische Gegner loben ihn als verlässlich und dossierfest. Er selber bezeichnete sich gegenüber der sda als «gesellschaftlich eher liberal, wirtschaftlich eher härter».

Vergleichsweise hart war auch die musikalische Darbietung, die Stahls Wahl umrahmte. MG Grace interpretierte den durch Bill Haley bekannt gewordenen Song «Shake, Rattle and Roll», bevor er eine Soul-Version der Nationalhymne zum Besten gab. Zwischen den beiden Liedern zeigten die Kunstturner Eddy Yusof und Christian Baumann sowie ein Nachwuchsturner ein kurzes Programm am Pferd.

Stahl leitet nun bis zum Beginn der Wintersession 2017 die Sitzungen des Nationalrats. Daneben ist er für die Sessionsplanung, die Leitung des Ratsbüros und die Vertretung des Rates nach aussen verantwortlich.

Zum ersten Vizepräsidenten wählte der Nationalrat Dominique de Buman. Der Freiburger CVP-Vertreter kam auf 149 von 168 Stimmen. Er dürfte in einem Jahr Stahl als Präsidenten ablösen. Als zweite Vizepräsidentin wurde die von der SP-Fraktion portierte Tessiner Nationalrätin Marina Carobbio gewählt. (sda)

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3 Kommentare anzeigen
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  • CASSIO 28.11.2016 17:41
    Highlight Als Teil des Volkes wünsche ich mir vom höchsten Schweizer bezahlbare Krankenkassenprämien und Gesundheitskosten.
    4 14 Melden
    • roterriese 28.11.2016 18:56
      Highlight Politisches System nicht verstanden, bitte wiederholen Sie die Schule..
      19 3 Melden
    • CASSIO 29.11.2016 06:13
      Highlight Klar, hab ich unser politisches System nicht verstanden, klar weiss ich nicht, dass der "höchste Schweizer" eigentlich nicht mitstimmt (ausser bei Stichentscheiden) und nur das Ratsbüro leitet... Der Post war ketzerischer Natur, roterriese, aber vielleicht siehst Du als Roter und als Riese die Probleme des kleinen Mannes nicht mehr.
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