Schweiz

Die Tat ereignete sich im Dezember 2015 im Schaffhauser Ortsteil Hemmental. Bild: KEYSTONE

«Ich bin jetzt der Idiot vom Dienst»: 27-jährige Schaffhauserin streitet Mord ab

14.06.17, 11:51 14.06.17, 16:50

Sie habe ihren Vater nicht erstochen. Die 27-jährige Frau, die am Mittwoch vor dem Kantonsgericht Schaffhausen gestanden ist, hat den Vorwurf des Mordes vehement abgestritten. Sie habe das ursprünglich nur zugegeben, weil die Ermittler sie unter Druck gesetzt hätten.

«Ich hätte meinem Vater kein Haar krümmen können.»

Angeklagte

Ihr Vater und ihr Ehemann hätten sich gegenseitig abgestochen. «Und ich bin jetzt der Idiot vom Dienst», sagte die Beschuldigte mit Nachdruck. Sie wolle nicht für etwas geradestehen, das sie nicht getan habe. Seit eineinhalb Jahren sitze sie in Einzelhaft und verdränge das Ganze jeden einzelnen Tag. «Ich hätte meinem Vater kein Haar krümmen können.» Er sei ein lieber Teddybär gewesen.

55 Messerstiche

Die Staatsanwalt wirft der jungen Frau ein regelrechtes Blutbad vor: Sie habe ihren 56-jährigen Vater im Dezember 2015 im Schaffhauser Ortsteil Hemmental mit 55 Messerstichen umgebracht, davon 49 Stiche in Hals und Nacken. Dies habe sie getan, um einen Angriff ihres Vaters auf ihren Ehemann abzuwehren.

Die Beschuldigte gibt an, dass ihr 26-jähriger Ehemann für die Messerstiche verantwortlich gewesen sei, nicht sie. Doch der Ehemann der Frau überlebte den Abend nicht. Der Vater hatte ihm so schwere Stichverletzungen zugefügt, dass er ebenfalls starb.

Tötung des Vaters war «ein Abschlachten»

Der Staatsanwalt fordert für die 27-jährige Frau, die sich am Mittwoch wegen der Tötung ihres Vaters vor dem Schaffhauser Kantonsgericht verantworten musste, eine Freiheitsstrafe von 15 Jahren wegen Mordes. Die Tat könne nur als «Abschlachten» bezeichnet werden.

Gemäss Gutachten leidet die Beschuldigte an einer Persönlichkeitsstörung, die nicht therapierbar ist. Der Staatsanwaltschaft beschreibt die 27-Jährige als sehr manipulativ, kaltblütig, emotionslos und gleichzeitig sehr einnehmend. Ihre eigene Mutter beschrieb sie als notorische Lügnerin.

Mord-Phantasien

Schon vor einigen Jahren hatte die Beschuldigte Mord-Phantasien. Sie träumte davon, alle Menschen abzuschlachten und wollte dabei mit ihrer eigenen kleinen Tochter anfangen. Die Eltern der Beschuldigten sorgten damals dafür, dass das Kind in eine Pflegefamilie kam.

Der Prozess wird am Donnerstag mit dem Plädoyer des Verteidigers fortgesetzt. Das Urteil wird am Freitag um 10.30 Uhr eröffnet. (whr/sda)

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  • Jaing 14.06.2017 13:37
    Highlight Ist sie des Mordes angeklagt? Oder der vorsätzlichen Tötung? Geht leider aus dem Artikel nicht hervor.
    2 3 Melden
    • BigE 14.06.2017 17:32
      Highlight Doch, steht da! "....wegen Mordes."
      0 1 Melden
    • Theor 14.06.2017 18:15
      Highlight Bei 55 Messerstichen? Garantiert des Mordes. Bei 55 Stichen erlischt jeder Anspruch auf vorsätzliche Tötung.

      Ansonsten wäre der Blick abseits der mutmasslichen Täterin auch ganz interessant. Wenn ihr Vater und ihr Ehemann mit Messern aufeinander einstechen, dann ist sie garantiert nicht die einzige Kranke in der Geschichte. Klingt nach schwer gestörten Familienverhältnissen.
      2 1 Melden
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