Schweiz

Raphael Wicky an der Pressekonferenz im St.Jakob-Park.  Bild: EPA/KEYSTONE

«Ich bin ein gutes Gesicht für dieses Projekt» – Raphael Wicky folgt auf Urs Fischer

21.04.17, 19:38 22.04.17, 13:03

Der eingeschlagene Weg der neuen Vereinsführung beim FC Basel zeigte sich auch in der Trainerwahl. Der Nachfolger von Urs Fischer ist kein gestandener Name im Business, sondern der bisherige U21-Coach Raphael Wicky.

Angesichts der neuen Strategie, präsentiert vor zwei Wochen an der ausserordentlichen Mitgliederversammlung, hätte es nicht gepasst, wenn der FC Basel ein (alt)bekanntes Gesicht als neuen Cheftrainer präsentiert hätte. Die neue Führungscrew um Präsident Bernhard Burgener und Sportchef Marco Streller möchte künftig vermehrt Spieler aus dem eigenen Nachwuchs ins Kader der Profimannschaft integrieren.

Wicky schien dafür prädestiniert – und erhielt nach dem ersten Gespräch am Dienstag den Job, seinen ersten als Trainer einer Profimannschaft. Die etwas mehr als einstündige Präsentation seines Konzepts habe die technische Kommission derart überzeugt, dass der Entscheid einfach und einstimmig ausgefallen sei, verriet Streller.

«Ich bin ein gutes Gesicht für dieses Projekt. Ich bin von meiner Fachkompetenz überzeugt. Nach sieben Jahren in diesem Bereich war es Zeit für den nächsten Schritt.»

Raphael Wicky

Am Freitag unterschrieb Wicky vier Tage vor seinem 40. Geburtstag für zwei Jahre mit Option auf eine weitere Saison. Auf die Frage, warum er der richtige Mann für die Aufgabe sei, antwortete er selbstbewusst: «Ich bin ein gutes Gesicht für dieses Projekt. Ich bin von meiner Fachkompetenz überzeugt. Nach sieben Jahren in diesem Bereich war es Zeit für den nächsten Schritt», so Wicky. «Ich habe langsam eine Stufe nach der anderen genommen.»

Wicky war erste Wahl

In den letzten Tagen war Thorsten Fink in der Stadt gesichtet worden. Mit dem zweifachen FCB-Meistertrainer, aktuell bei Austria Wien unter Vertrag, habe man sich auch ausgetauscht. «Aber», hielt Streller fest«, »Raphael Wicky war unsere erste Wahl.« Für den designierten Präsidenten Burgener paart Wicky «Kompetenz und Enthusiasmus».

Die internen Abläufe kennt Wicky bestens. Seit 2013 ist der Oberwalliser als Nachwuchstrainer beim FCB angestellt: in den ersten drei Jahren als U18-Coach, seit letztem Sommer mit beachtlichem Erfolg in der U21. Das nicht aufstiegsberechtigte Team belegt in der drittklassigen Promotion League den 3. Rang. Viel wichtiger aber ist, dass mehr als ein halbes Dutzend von Wickys Spielern bereits in der ersten Mannschaft zum Einsatz kam.

Via Thun und Genf nach Basel

Seine eigene Karriere hatte der Mittelfeldstratege aus Steg 2009 nicht zuletzt wegen gesundheitlicher Beschwerden beenden müssen. Daraufhin stieg er in der Nachwuchsabteilung des FC Thun ein und wechselte ein Jahr später in den Juniorenbereich von Servette, von wo ihn dann sein langjähriger Weggefährte Adrian Knup nach Basel lotste.

Als Spieler gehörte Wicky lange Jahre zum Stammpersonal im Schweizer Nationalteam. Zwischen dem Debüt im April 1996 in Lugano gegen Wales und dem Rücktritt absolvierte er im defensiven Mittelfeld 75 Einsätze, war an zwei Europameisterschafts-Endrunden und einer Weltmeisterschaft dabei.

Auf Klubebene sammelte er Erfahrungen in der Bundesliga (Werder Bremen, Hamburger SV), bei Atlético Madrid in der Segunda Division, vor dem Wechsel zu den namhaften Klubs im Ausland in der NLA respektive nach der Rückkehr zu Sion in der Super League sowie zum Abschluss der Karriere in der nordamerikanischen Major League Soccer bei Chivas USA. Nicht zuletzt deshalb spricht Wicky fünf Sprachen.

«Im taktischen Bereich möchte ich flexibel sein. Ich mag und will offensiven, attraktiven Fussball. Das Team soll Emotionen wecken, Leidenschaft zeigen, damit der Fan ins Stadion kommt und es gerne spielen sehen will.»

Raphael Wicky

Offensiv und attraktiv

In Sachen Spielphilosophie hat Wicky klare Vorstellungen. «Im taktischen Bereich möchte ich flexibel sein. Ich mag und will offensiven, attraktiven Fussball. Das Team soll Emotionen wecken, Leidenschaft zeigen, damit der Fan ins Stadion kommt und es gerne spielen sehen will.» Es tönte wie ein Plädoyer für die Aufbruchstimmung, die beim bald 20-fachen Schweizer Meister herrscht. Der Entscheid der neuen Vereinsführung, auf einen auf diesem Niveau als Trainer unerfahrenen Mann zu setzen, ist mutig, aber letztlich nicht mehr als konsequent. 

Streller: «Wir handelten aus Überzeugung»

Es passt ins neue Bild des FC Basel, dass der bisherige U21-Coach befördert wird. Marco Streller nannte bei Wickys Präsentation einige Beispiele aus dem Ausland, bei denen die Massnahme gefruchtet hat: in Barcelona (Pep Guardiola), in Mainz (mit Thomas Tuchel oder Martin Schmidt) oder etwa bei Hoffenheim mit Julian Nagelsmann. «Diese grossartige Geschichte in Hoffenheim zeigt doch, dass man keine Rücksicht auf das Alter nehmen muss, wenn man von etwas überzeugt ist», so Streller.

Marco Streller ist überzeugt, dass Raphael Wicky der Richtige ist.  Bild: KEYSTONE

Die Ziele des FC Basel werden die gleich hohen wie vor dieser Saison bleiben: Meister werden, den Cup gewinnen, sich für die Champions League qualifizieren und europäisch überwintern. So verlautete es vor zwei Wochen anlässlich der ausserordentlichen Mitgliederversammlung des FCB. «Ich kann mich vollständig damit identifizieren», sagte Wicky. «Basel ist der beste und erfolgreichste Verein der Schweiz. Das wollen wir auch mit dem klaren Konzept bleiben, das Bernhard Burgener vorgestellt hat.»

X-mal mehr Präsenz

Noch immer mag es Wicky nicht, wenn er zu viel über sich reden muss. «Ich brauche mein Gesicht nicht jeden Tag in der Zeitung zu sehen», so der ehemalige Schweizer Internationale. Seine Präsenz als Cheftrainer der ersten Mannschaft wird indes ein x-faches grösser sein als bislang. Dem ist er sich bewusst. Er sagte: «Ich werde authentisch bleiben.»

«Wir sind uns bewusst, dass die Fussstapfen sehr gross sind. Aber wir handelten aus Überzeugung.»

Marco Streller

Als Spieler war Wicky bei drei Klubs mit grossen Namen tätig (Werder Bremen, Hamburger SV und Atletico Madrid), immer fiel er als «Teamplayer» auf. Schon damals interessierte er sich dafür, wie ein Trainer seine Mannschaft zwischenmenschlich erreichen konnte. An Thomas Doll imponierte ihm die Empathie. Huub Stevens, der ihn in Hamburg aussortierte, kommunizierte ebenso direkt und ehrlich wie Luis Aragones bei Atletico Leidenschaft und Passion zeigte. «Ich habe 15 Jahre als Profi gespielt, habe manche Kabine gesehen und manchen Trainer erlebt. Es ist ein grosser Erfahrungsschatz, den ich mitnehmen konnte», so Wicky.

Dass er sich davon nichts kaufen kann, weiss er genauso gut wie Marco Streller. «Wir sind uns bewusst, dass die Fussstapfen sehr gross sind. Aber wir handelten aus Überzeugung», sagte der designierte Sportchef. «Wer eine so grosse Aufgabe übernimmt, muss selbstbewusst sein, aber gleichzeitig Respekt und die nötige Demut zeigen.» Diese Aussage bezog sich auch auf die Arbeit der neuen Crew, deren jüngstes Puzzleteil die Bekanntgabe des Cheftrainers war. Ab Montag gilt das Augenmerk dann bereits der Kaderplanung für die kommende Saison. (sda)

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  • alingher 22.04.2017 08:37
    Highlight Sehr schön. Ich dachte bereits die Dominanz des FCB werde nie zu Ende gehen aber jetzt ist das Ende mehr oder weniger absehbar.
    Streller hat einfach nicht das notwendige Format um erfolgreicher Sportchef zu werden. Er scheint in einer Wohlfühlatmosphäre arbeiten zu wollen und schart deshalb Freunde um sich. An diesen wird er auch noch festhalten, wenn er es zum Wohl des Clubs schon lange nicht mehr sollte. Misserfolg und Kritik wird er kaum verkraften können und dann mitsamt seinen Kumpels den Bettel hinschmeissen.
    Fragt sich nur ob bis dann wirklich ein anderer Club den Titel holen konnte..
    12 14 Melden
    • lululove 22.04.2017 09:33
      Highlight Wir sehen es in einem jahr!
      4 0 Melden
    • alingher 22.04.2017 14:35
      Highlight Naja, ich halte ja Wicky eigentlich für keine schlechte Wahl. Ich habe auch nicht wirklich was gegen Streller. Ich glaube nur, dass die Gründe der Wahl die falschen sind und dass Streller nicht das Zeugs zum Amt hat. Huggel und auch Wicky haben vielleicht nicht Strellers Passion, dafür mehr Grips.
      Und eigentlich ist mir Basel als Meister lieber als die meisten andern Clubs. Das könnte sich jetzt ändern...
      2 3 Melden
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  • oppeano 22.04.2017 07:49
    Highlight Er hat die Haare schön. Er hat die Haare schön. Er hat die Haare schön.
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  • Darkside 22.04.2017 00:09
    Highlight Finde den Wicky sehr sympathisch. Der Knackpunkt wird sein ob er international etwas reissen kann. CH Meister werden kann mit den momentanen Gegebenheiten sogar der Eismeister oder wahlweise meine Putzfrau.
    19 1 Melden
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  • Toerpe Zwerg 21.04.2017 23:33
    Highlight Wenn schon der Präsident und der Sportchef Zero Erfahrung haben im Business, dann ist die Wahl eines ebensolchen Trainers ... die idiotischst denkbare Lösung. Ist das schon Strellers Handschrift?

    Dass dieser Neuanfang zu Basel von den Fans einhellig beklatscht wird, ist einen Phänomen geschuldet, welches Basel prägt. Lokalpatriotismus. Basler Lösung? Klatsch. Und wer kritisiert, ist ein Nestbeschmutzer.

    Ich klatsche auch. Das kommt gut für die Restfussballschweiz.

    10 14 Melden
    • ChSt 22.04.2017 09:04
      Highlight Ich bin ganz deiner Meinung.
      Einen Neuanfang ist sicher eine gute Idee, aber gleich so radikal?

      7 3 Melden
    • soulKidz 22.04.2017 09:42
      Highlight Ernsthaft jetzt: hast du den Wicky bereits einmal coachen gesehen? Seine Taktik mitbekommen? Gesehen wie er aufstellt oder wie er Trainieren lässt? Nein? Dann würde ich wohl nicht so grosse Töne spucken. ;-)
      9 4 Melden
    • Toerpe Zwerg 22.04.2017 11:20
      Highlight Darum geht es nicht. Wenn schon auf der Management Ebene kein Stein auf dem Anderen Bleibt und Leute ohne jegliche Erfahrung im Fussballgeschäft und im Falle Strellers auch ohne jegliche Führungserfahrung den Club übernehmen, wäre es wohl eine gute Idee, einen Trainer mit Erfahrung jenseits von Mannschaftsaufstellungen zu verpflichten.
      2 2 Melden
    • soulKidz 22.04.2017 13:21
      Highlight Damit der coach dem manager sagen kann was er zu tun hat?? Mir geht es darum, dass wir, die sowieso keinen Dunst haben, vorschnell Urteilen.
      0 1 Melden
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  • SvenZ. 21.04.2017 22:09
    Highlight Wahrscheinlich bleibt er eine Saison und wird dann gefeuert...
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  • SofaSurfer 21.04.2017 20:14
    Highlight Dr Raffi packt das! Är het e guets Team hinter sich und e professionell ihgespielts Team uffm Platz. Gratuliere Raffi! Chunt scho guet!
    26 23 Melden
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  • Funny 21.04.2017 20:06
    Highlight Bin gespannt. Nach seinen Worten klingt das erstmals interessant. Weiss zwar nicht genau was ich erwarten soll. Aber ich bin gespannt aif das neue Team
    36 5 Melden
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  • P1991 21.04.2017 20:00
    Highlight Nun gebt Wicky doch erst einmal eine Chance. So oder so könnte der FCB auch einen Tisch an die Seitenlinie stellen und würde trotzdem noch Meister werden...
    58 8 Melden
    • Imfall 21.04.2017 23:51
      Highlight ganz so schlecht waren die letzten trainer nun doch nicht! aber soll er bewisen was er kann....

      mit diesen ambitionen ( europäisch überwintern ) hätte ich mit einem erfahreneren trainer gerechnet ( 3 jahre u18 und 3/4 jahr u21sind nun wirklich noch kein leistungsausweis! )
      2 2 Melden
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  • d_ocram 21.04.2017 19:55
    Highlight Ich säge, i de winterpause isch er spötischtens weg. Ernsthaft hends kei andere gfunde oder was?
    18 67 Melden
    • Triumvir 22.04.2017 01:07
      Highlight Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt! Ich habe gar nicht mal so ein schlechtes gefühl! Das könnte richtig gut werden! Wicky packt das!
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  • URSS 21.04.2017 19:49
    Highlight Bei allem Respekt, und bei den Ambitionen zu höherem berufen zu sein... Raphael Wicky?Raphael Wicky? Nun denn, viel Glück 🍀 dem Fc Basel
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Wer noch immer nicht recht wusste, was Büne mit «Pussy-Fussball» meinte: Genau DAS hier

Eintracht Frankfurt bleibt zumindest ein weiteres Jahr in der 1. Bundesliga. Die Hessen waren das bessere von zwei schwachen Teams im Duell mit dem 1. FC Nürnberg. Aber was die Eintracht in den letzten Minuten vorführte: peinlich.

Dank diesem Treffern von Haris Seferovic führte Eintracht Frankfurt im Barrage-Rückspiel in Nürnberg 1:0. Das Resultat reichte nach dem 1:1 im Hinspiel zum Ligaerhalt.

Natürlich hatte es der Bundesligist nach der Führung nicht mehr eilig und zeigte seine wahre Stärke: das Zeitspiel. Büne Huber, der während dem Eishockey-Playoff-Final mit seinen Aussagen zu «Pussy-Fussball» nicht nur in der Schweiz für Aufsehen sorgte, musste sich mehr als nur bestätigt sehen. Hier nochmals kurz zur …

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