Schweiz

Warum der Schwingerkönig nun Probleme mit der Versicherung bekommen könnte

Matthias Glarner posiert nur Minuten vor dem Unfall auf dem Dach der Gondelbahn. bild: schweizer illustrierte

Am Dienstagmorgen stürzte Schwingerkönig Matthias Glarner bei einem Foto-Shooting von einer Gondel in die Tiefe und zog sich dabei zahlreiche Brüche zu. Einen Helm trug der 31-Jährige beim Posieren nicht – trotz Suva-Vorschrift.

30.06.17, 18:21 01.07.17, 11:35

Drei Tage ist es her, seit Schwingerkönig Matthias Glarner für ein Foto auf einem Gondeldach posierte und kurz darauf 12 Meter in die Tiefe stürzte. Wie das passieren konnte, ist immer noch unklar. Glarner, der bei den Bergbahnen Meiringen-Hasliberg arbeitet, ist eigentlich geschult, um Arbeiten in der Höhe und am Seil zu verrichten. 

In der «Schweizer Illustrierte» betont der Inhaber der Bergbahnen, Hanspeter Wenger, dass beim Foto-Shooting keinerlei Sicherheitsregeln verletzt wurden. Doch ein am Freitagmorgen veröffentlichtes Foto des genannten Magazins heizt nun Spekulationen zum Unfallhergang an. Warum war der Sportler beim Shooting nur einfach gesichert? Oder: Warum trägt er in 12 Metern Höhe keinen Helm?

Schutzhelm mit Kinnband fehlt

Die Suva sagt auf Anfrage, dass beim Arbeiten in der Höhe eine «persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz» zum Einsatz komme. Dies sei nötig, wenn «weder mit technischen noch organisatorischen Massnahmen» verhindert werden könne, dass Arbeitende abstürzen könnten.

Diese Schutzausrüstung beinhaltet einen Auffanggurtzeug, ein Verbindungsmittel und Karabiner mit Sturzauffangsystem, situativ ein zweites Verbindungsmittel mit Karabiner und – einen Schutzhelm mit Kinnband. Schaut man sich das Foto von Glarner auf der Gondel an, wird schnell klar: Einen Helm trägt der Sportler nicht.

Was jedoch die Sicherungen betrifft, lassen sich anhand des Fotos keine Rückschlüsse auf ein Fehlverhalten ziehen. Marc Ziegler, Leiter Ausbildungszentrum Seilbahnen Schweiz klärt auf: «In einem solchen Fall ist für eine ausgebildete Person keine doppelte Sicherung nötig.» Glarner habe wie auf dem Bild sichtbar ein Selbstsicherungs- und Positionierungsgerät genutzt. Dieses Geräte seien in verschiedenen Längen erhältlich. «Ist jenes von Herr Glarner lang genug, kann und darf er sich nur damit zurück in die Gondel abseilen.» Doppelt gesichert müsse man bei Arbeiten an der Seilbahn nur sein, wenn man am hängenden Seil arbeite, so Ziegler. 

Bei grobfahrlässigem Verhalten Kürzung möglich

Der fehlende Helm beim Foto-Shooting könnte den Schwingerkönig aber teuer zu stehen kommen. Zum konkreten Fall würden sie keine Angaben machen, sagt die Suva. Doch sollte der Unfall während des Shootings als Nichtberufsunfall behandelt werden, könnten die Leistungen der Versicherung gekürzt werden. Dies wäre der Fall, wenn das Verhalten Glarners als grobfahrlässig beurteilt würde. Sollte es sich um einen Arbeitsunfall handeln, gilt generell, dass die Suva die Leistungen nicht kürzt. Beachtet muss hier werden, dass Glarner keine Kopfverletzungen erlitt. 

Die Bergbahnen Meiringen-Hasliberg AG wollten zum Hergang des Unglücks keine Stellung nehmen. Diese Fragen seien Bestandteil der laufenden Untersuchung. 

Alle Schwingerkönige seit 1961

Das ist passiert

Am Dienstagmorgen stürzte Matthias Glarner von einer Gondel in Meiringen-Hasliberg in die Tiefe und zog sich dabei zahlreiche Brüche zu. Eine vordere Beckenringsprengung und eine schwere Sprunggelenksverletzung wurden diagnostiziert und noch am Abend operativ behandelt. Inzwischen geht es dem Sportler besser.

Der Unfall ereignete sich im Rahmen eines Fotoshootings für die Schweizer Illustrierte. Für eine Reportage sollte Glarner bei seinem Arbeitsalltag bei den Bergbahnen Meiringen-Hasliberg begleitet werden.

Video des Tages

Video: watson/Chantal Stäubli, Emily Engkent

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Brikne, 20.7.2017
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  • L1am 01.07.2017 06:06
    Highlight Mich würde es interessieren, wie die Bildunterschrift in der SI gewesen wäre, wenn der Unfall nicht passiert wäre...

    - Glarner schwingt mit der Gondel
    - Glarner besetzt Gondel
    - Bei seiner Arbeit steht er auf Gondeln
    - Er ist der König der Gondeln
    - So arbeitet er, fehlt nur der Helm und das Werkzeug und dass die Gondel eigentlich in der Talstation gewartet wird

    Aber ein imposantes Bildchen wär es schon :)
    13 4 Melden
    600
  • Basswow 01.07.2017 00:47
    Highlight Heißt das, dass ich jetzt für Promovideos CHF 10.- /Monat mehr Krankenkasse bezahlen darf? 😝
    10 7 Melden
    • L1am 01.07.2017 06:03
      Highlight Dann müsste RedBull ja schon horrende Preise verlangen :S
      3 3 Melden
    600
  • bibaboo 01.07.2017 00:34
    Highlight Das kommt davon, wenn der Kommerz überhand nimmt. Die Schwinger sollten sich an Sportarten wie Fussball ein Vorbild nehmen, bei welchen der Wettkampf noch im Mittelpunkt steht.
    14 32 Melden
    • LeTrullideSepp 01.07.2017 06:15
      Highlight Nur zur Sicherheit: du meinst das ironisch oder? ;-)
      Im Fußball gehts doch nur noch um Kohle und das einzige was die Kids von den Stars lernen ist, dass man mit Theaterlis und Schwalben am Besten wegkommt....
      45 4 Melden
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  • G.G. 01.07.2017 00:26
    Highlight Im Ernst, warum umbedingt auf einer Gondel? Ist ja nicht so, dass das besonders viel über Glarner aussagt...
    5 15 Melden
    • dtk 01.07.2017 12:42
      Highlight RTFA - Read The Fucking Article
      9 2 Melden
    600
  • Caturix 30.06.2017 23:39
    Highlight Also ein Foto auf einer Gondel die am Boden steht hätte es auch getan, oder im Studio mit Photoshop.
    10 10 Melden
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  • DsHeidiUsDeBerga 30.06.2017 22:56
    Highlight Dieser Artikel spekuliert also um der Spekulation willen, habe ich das spekulativ richtig verstanden?
    54 7 Melden
    • allesklar 01.07.2017 11:31
      Highlight da spekulierst du spekulativ richtig
      11 0 Melden
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  • SeKu 30.06.2017 21:12
    Highlight Dass die SUVA sich überhaupt überlegt für so etwas hirnrissiges und unnötiges wie dieser dämliche Stunt zu zahlen ist schon ein Skandal.
    25 46 Melden
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  • Beri_sha_24a 30.06.2017 20:03
    Highlight Es war Schicksal. Da hilft jede Vorbereitung nichts (siehe Video)

    1 14 Melden
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  • LubiMassy 30.06.2017 19:34
    Highlight Stimmt der Helm hätte verhindert, dass sein Becken in zwei gebrochen ist...
    135 15 Melden
    • DonPedro 01.07.2017 00:55
      Highlight Und das Sprunggelenk dazu!
      Diese Verletzungen haben nur wirklich rein gar nichts mit der Nichtbeachtung der Helmtragepflicht zu tun
      Ich wünsche Mättu ganz gute Genesung und eine baldige Rückkehr in den Sägemehl Ring!
      18 5 Melden
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  • What’s Up, Doc? 30.06.2017 19:30
    Highlight Da der fehlende Helm den Sturz wohl eher nicht verhindert hätte und er, glücklicherweise, keine Kopfverletzungen davon getragen hat wird die SUVA wohl eher keine Leistungen kürzen. Vielleicht ist der Helm für das Foto ja auch hinter dem Tragarm der Gondel deponiert worden und wurde für den Abstieg in die Gondel wieder aufgesetzt.
    48 7 Melden
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  • N. Y. P. 30.06.2017 19:21
    Highlight Betreffend den Sicherungen jedoch scheint Glarner korrekt vorgegangen zu sein, so Marc Ziegler, Leiter Ausbildungszentrum Seilbahnen Schweiz

    Bin ich hier der einzige, der es nicht checkt.
    Wenn er abstürzt, ist das doch der Beweis, dass er eben nicht korrekt gesichert war.
    Absturz = nicht korrekt gesichert.
    109 12 Melden
    • chrimark 30.06.2017 22:46
      Highlight Das ist reine Spekulation. Stellen wir uns vor er Stolpert, versucht sich festzuhalten und öffnet dabei unglücklich die Sicherung. Oder das Material versagt. Es gab schon die kuriosesten Unfälle.
      Richtig ist, dass bei korrekter Sicherung mehrere unglückliche, bisweilen schon fast absurde Faktoren zusammentreffen müssen damit etwas passiert. Ein Restrisiko besteht letztlich immer.
      30 4 Melden
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  • derEchteElch 30.06.2017 18:36
    Highlight Wenn er doch am Seil gesichert war, warum fällt er dann soweit runter, dass er sich verletzt? War die Sicherung vielleicht nur eine "Attrappe"?
    28 12 Melden
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  • Whiskeysour 30.06.2017 18:34
    Highlight Er is' ja nicht auf den Kopf gefallen...
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  • Imfall 30.06.2017 18:34
    Highlight ja mit helm wäre er sicher unverletzt geblieben... 😒

    ist das wirklich eine story wert?

    für mich (geschult auf absturzsicherung) stellt sich die frage wie man trotz der absturzsicherung irgendwo runterfallen kann.. (im falschen moment nicht getragen, technisches problem oder defekt...?!)
    66 3 Melden
    • Amboss 30.06.2017 22:04
      Highlight Ehrlich gesagt zweifle ich anhand deines Kommentars daran, dass du geschult bist in bezüglich Absturzsicherung.

      Sinn der Schutzausrüstung ist es ja genau, die Folgen von unwahrscheinlichen Ereignissen zu minimieren. In diesem Fall hatte der Helm keinen Nutzen. Genau wie der Fanggurt in 999 von 1001 Einsätzen nutzlos ist. Aber er hätte genau so gut auf den Kopf fallen können. Dann wäre er um den Helm froh gewesen.


      aber die Hauptfrage bleibt: weshalb ist er abgestürzt
      14 7 Melden
    • Imfall 30.06.2017 23:40
      Highlight das der helm pflicht ist steht ausser frage..

      aber hätte er ihn in diesem fall vor etwas geschützt?


      mich stört die story zum fehlendem helm, obwohl die grosse frage ist wieso er trotz absturzsicherung gestürzt ist!

      und deine zweifel darfst du gerne haben.. das stört mich nicht besonders
      4 2 Melden
    • Schlumpfinchen 01.07.2017 00:55
      Highlight Ich kenn mich mit diesen Fanggurten jetzt nicht aus, aber vom klettern weiss ich, wie gut das Material ist, dass es gibt, bist du dir wirklich sicher, dass diese Gurte so oft versagen @Amboss? Und wenn ja, kannst du mir's erklären weshalb das so genutzt wird?
      7 1 Melden
    • satyros 01.07.2017 01:17
      Highlight @Amboss: Und weil der Helm hier nichts genützt hätte, wird die SUVA wegen des fehlenden Helms auch keine Leistungen kürzen. Für eine Leistungskürzung ist die Kausalität zwischen Fahrlässigkeit und Verletzung erforderlich.
      4 3 Melden
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