Schweiz

An'Nur-Moschee in Winterthur. Bild: EPA/KEYSTONE

Zürcher Dachverband suspendiert An'Nur-Verein vorübergehend

06.11.16, 02:28 06.11.16, 08:12

Der Dachverband der Islamischen Organisationen in Zürich (VIOZ), der fast alle Moscheen im Kanton vertritt, hat den An'Nur-Verein nach der Razzia in der Winterthurer Moschee suspendiert. Das beschloss der Verband an einer Krisensitzung vom Freitag.

«Wir sind erschüttert, dass ein Imam in einem unserer Gotteshäuser zu Gewalt aufruft», sagte VIOZ-Präsident Mahmoud El Guindi in einem Interview mit der «SonntagsZeitung». Der Vorstand habe einstimmig beschlossen, den An'Nur-Verein bis auf weiteres zu suspendieren und distanziere sich von den Aussagen des Imams.

«Wir verlangen von unseren Mitgliedern ein Bekenntnis zum Rechtsstaat und zur Schweizer Demokratie», sagte El Guindi weiter. Die Suspendierung sei eine Warnung an den Verein. Gegen einen Ausschluss aus dem Dachverband spreche, dass jeder «eine zweite Chance verdient» habe.

«Anforderungen an Prediger formulieren»

Auch sei es nicht Ziel des VIOZ, Leute für ihr rechtswidriges Verhalten zu bestrafen. «Wir wollen radikale Elemente auf den richtigen Weg zurückbringen. Das erfordert in gewissen Fällen zuerst einmal Toleranz.» Es sei wichtig, den Kontakt zu Moscheegängern mit radikalem Gedankengut zu halten, um ihnen andere Ansichten mit auf den Weg zu geben.

Entschieden stellt sich El Guindi gegen die Schliessung der An'Nur-Moschee. «Dafür gibt es ja auch gar keine Rechtsgrundlage». Um ähnliche Vorkommnisse wie jene in Winterthur zu verhindern, prüft der Verband derzeit, wie man den Imam-Beruf besser definieren und auch schützen könnte. «Wir als Verband müssen jetzt Anforderungen an Prediger in unseren Moscheen formulieren.» Er bezweifle, dass der nun inhaftierte Imam die nötigen Qualifikationen mit sich brachte.

Die Justiz hatte am Mittwoch in der umstrittenen An'Nur-Moschee in Winterthur-Hegi eine Razzia durchgeführt. Die Moschee war in den vergangenen Jahren in Zusammenhang mit radikalisierten Jugendlichen immer wieder ins Blickfeld der Behörden und der Medien geraten.

Imam in Untersuchungshaft

Der äthiopische Imam und ein Vorstandsmitglied des Vereins befinden sich in Untersuchungshaft. Ihnen wird vorgeworfen, öffentlich zu Verbrechen oder Gewalt aufgerufen zu haben. Bereits am Mittwoch war der ehemalige Präsident der An'Nur-Moschee wieder auf freien Fuss gesetzt worden. Am Donnerstag wurde eine weitere Person aus dem An'Nur-Umfeld entlassen.

Bei der Razzia hatte die Polizei vier weitere Personen in der Moschee angetroffen, welche sie vorläufig verhaftete. Gegen drei von ihnen hat die Staatsanwaltschaft inzwischen Strafbefehle erlassen. Sie wurden wegen rechtswidrigen Aufenthalts und teilweise wegen rechtswidriger Einreise bestraft. Die vierte Person wurde von der Staatsanwaltschaft bereits am Mittwochnachmittag wieder entlassen. Diese hielt sich rechtmässig als Tourist in der Schweiz auf und konnte die gültigen Ausweisdokumente vorweisen. (sda)

Auch interessant: Das meint der Ex-Präsident der An'Nur-Moschee:

Hol dir die App!

Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
0Alle Kommentare anzeigen
0
Um mit zudiskutieren oder Bilder und Youtube-Videos zu posten, musst du eingeloggt sein.
Youtube-Videos und Links einfach ins Textfeld kopieren.
600

Die vergessenen Jahre des Terrors: In den 70ern und 80ern zogen Terroristen eine Blutspur durch Europa

Weltweit gab es seit 1970 über 156'000 Terroranschläge. In der Schweiz ist seit 20 Jahren niemand mehr einem Attentat zum Opfer gefallen. Doch in den 70er- bis 90er-Jahren ermordeten Terrorgruppen teils Hunderte Menschen jährlich in Westeuropa. Eine Übersicht von 1970 bis Manchester 2017.

Zusammenfassung: In den 70er- bis 90er-Jahren töteten meist europäische Terrorzellen jährlich 100 bis 400 Menschen in Europa. Seit der Jahrtausendwende nehmen die Attentate in Westeuropa und in der Schweiz stark ab. Von 2001 bis 2015 entfielen nur 0,3 Prozent der Terroropfer auf Westeuropa. Hauptsächlich aufgrund der Attentate in Paris und Nizza stieg die Opferzahl zuletzt wieder auf rund 150 Menschen pro Jahr, sprich auf das Niveau der 80er-Jahre. Weltweit nimmt der Terrorismus seit 2005 zu …

Artikel lesen