Schweiz

«Ich kontaktierte meine Freunde im Trump Tower», sagt Faith Whittlesey.  bild: shutterstock

Wie Schneider-Ammann zu zehn Minuten mit Trump kam

Johann Schneider-Ammann am Telefon mit Donald Trump: Möglich wurde der Anruf dank einer minuziös geplanten Aktion von Ex-US-Botschafterin Faith Whittlesey.

Publiziert: 08.01.17, 05:55 Aktualisiert: 08.01.17, 08:03

othmar von matt / schweiz am Sonntag

Ein Artikel von Schweiz am Sonntag

Es war die Sekretärin von Johann Schneider-Ammann, welche die Linie in die USA zu Donald Trump aufbaute. Als Erstes beglückwünschte der Bundespräsident seinen Gesprächspartner an jenem 21. Dezember zur Wahl. Dann suchte er den Einstieg ins Gespräch von Unternehmer zu Unternehmer: Er sprach Caterpillar an, den weltgrössten Hersteller von Baumaschinen mit Hauptsitz in Illinois. Die Ammann Group, die er von 1990 bis 2010 leitete, habe mit Caterpillar schon 1931 einen Vertretungsvertrag für die Schweiz unterzeichnet, erzählte er.

Damit war das Eis gebrochen zwischen Schneider-Ammann und Trump. Es entwickelte sich ein respektvolles Gespräch über Handel, Bildung und Migration. Es stellte sich heraus, dass Trump bestens über die Schweiz informiert war. Trump hörte zu und fragte interessiert nach, etwa zur Migrationssituation in Europa. Zur Sprache kam auch die Idee von Alt-Bundesrat Adolf Ogi, in Genf ein Gipfeltreffen zwischen dem US-Präsidenten und Russlands Präsident Wladimir Putin durchzuführen, analog zum Gipfeltreffen von 1985 zwischen Ronald Reagan und Michail Gorbatschow. Nach zehn Minuten war das Gespräch beendet.

Johann Schneider-Ammann: Sein Telefonat mit Donald Trump dauerte etwa zehn Minuten. Bild: KEYSTONE

Treffen in Berner Nobelhotel

Nur: Wie war das Gespräch zustande gekommen? Das dafür entscheidende Treffen hatte über einen Monat zuvor stattgefunden – am Mittwoch, 16. November, eine Woche nach der Wahl von Donald Trump zum 45. US-Präsidenten. Faith Whittlesey (77), zweimal US-Botschafterin in der Schweiz unter Ronald Reagan (1981–83 und 1985–88) und 2016 freiwillige Supporterin für Trump, wartete am Ausgang des Berner Nobelhotels Bellevue. Sie kam vom Dinner für die Young Leaders Conference der American Swiss Foundation, deren Vorsitz sie bis 2008 hatte.

Mit ihr wartete auch ein prominenter Schweizer: Bundespräsident Johann Schneider-Ammann. Es war der Zürcher Wirtschaftsanwalt Thierry Cagianut, der sie Schneider-Ammann vorstellte. «Er war sehr freundlich», sagt sie. Es entwickelte sich ein Gespräch. Eines mit Folgen.

Am selben Mittwoch ging es auf Twitter hoch zu und her. Trump persönlich echauffierte sich über einen Artikel in der «New York Times». Die Zeitung schrieb über Entlassungen und Streit in Trumps Übergangsteam. Und sie kritisierte, Trump habe die Gespräche mit ausländischen Präsidenten nicht im Griff. Die ersten Anrufe seien planlos gewesen. Zudem wüssten wichtige Alliierte der USA nicht, wie sie Trump erreichen könnten. «Die Story der ‹New York Times› zum Regierungs-Übergang fällt durch», konterte Trump auf Twitter. «Sie ist total falsch. Es läuft reibungslos.» Er habe Anrufe vieler ausländischer Präsidenten erhalten und entgegengenommen: «Russland, UK, China, Saudi-Arabien, Japan, Australien, Neuseeland und andere. Ich bin stets erreichbar für sie.»

Donald Trump: War bei seinem Telefonat mit Schneider-Ammann offenbar bestens über die Schweiz informiert. Bild: Evan Vucci/AP/KEYSTONE

Die Tweets und das Gespräch mit Schneider-Ammann brachten Whittlesey und Cagianut auf die Idee, ein Telefongespräch zwischen Trump und Schneider-Ammann in die Wege zu leiten. Die Tweets zeigten, dass ein solcher Versuch Chancen haben musste.

Whittlesey, die als Freundin der Schweiz gilt, kontaktierte danach «meine Freunde im Trump Tower», wie sie sagt. Sie erzählte ihnen von den ausgezeichneten Wirtschaftsbeziehungen zwischen der Schweiz und den USA. Die Schweiz ist sechstgrösster Investor in den USA und Schweizer Unternehmen bieten in den USA 450'000 Menschen einen Job. Whittlesey: «Alle reagierten positiv.» Sie kennt Trump und dessen Familie seit sechs Jahren, war immer wieder Gast bei Trumps, fährt fast täglich an deren Anwesen in Palm Beach vorbei. Im Wahlkampf machte Whittlesey Kampagne für ihn und seit seinem Wahlsieg berät sie zeitweise sein Team im Trump Tower im Hinblick auf den Aufbau der Regierung.

Zu Gast an Trumps Weihnachtsfeier

«Da ich auch im Weissen Haus gearbeitet habe, weiss ich, was es braucht, um ein solches Gespräch erfolgreich zustande zu bringen», sagt sie. Sie hatte auch Trumps Briefingpapier vorbereitet für das Gespräch mit Bern. Inzwischen vermittelt sie die Kontakte in die Trump-Administration professionell. Sie hat dafür eine Beratungsfirma gegründet, die Whittlesey Associates International. Und sie unterstützt Trumps Kurs via Meinungsartikel.

Drei Tage später war Faith Whittlesey zu Trumps Weihnachtsfeier geladen, in dessen Luxusresort Mar-a-Lago. «Hello, Madame Ambassador», begrüsste er sie lächelnd. Und begann vom Gespräch mit Schneider-Ammann zu erzählen. Es sei gut und in sympathischer Atmosphäre über die Bühne gegangen. Er freue sich auf gute Beziehungen mit der Schweiz.

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21 Kommentare anzeigen
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  • ströfzgi 08.01.2017 19:00
    Highlight Hat Watson eigentlich eine automatische Zensur wenn man darüber schreibt wie sich Herr Schneider in die Ammann Group eingeheiratet hat? 🤔
    0 3 Melden
    • FrancoL 08.01.2017 20:02
      Highlight Und was hat das mit seiner Fähigkeit als Chef der Amman Gruppe zu tun? Ich gehe davon aus dass diese Heirat seine Fähigkeiten nicht verändert hat.
      2 0 Melden
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  • BeWi 08.01.2017 15:44
    Highlight Gut gemacht. Nach langen Jahren der Zermürbung mal wieder ein Lichtblick in der Beziehung USA-CH. Die 450'000 Arbeitsplätze hätten schon lange als Druckmittel aufgeführt werden sollen. Manchmal ist es besser, wen man(n) die Dinge beim Namen nennt.
    5 5 Melden
    • FrancoL 08.01.2017 19:22
      Highlight Der amerikanische Markt alimentiert diese 450'000 Arbeitsplätze! Da kann man wohl kaum von einem Druckmittel sprechen, ausser man wolle die eigenen Firmen an die Wand fahren.
      1 0 Melden
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  • Sandro Lightwood 08.01.2017 15:15
    Highlight Oder: "Wie Schneider-Ammann zu zehn Minuten Ruhm kam."
    13 4 Melden
    600
  • ströfzgi 08.01.2017 11:17
    Highlight Also war es netto ein ähhh hm hm äh hm äää 30 Sekunden Gespräch.

    Man hätte besser Herr Klöti telefonieren lassen:
    😀

    Im Ernst und bei allem Respekt: Ist JSA wirklich der Einzige und Richtige für diesen Anruf?
    21 25 Melden
    • TobiWanKenobi 08.01.2017 11:39
      Highlight Ja ist er, weil es in der CH wenig Leute mit seinem Format zu wirtschaftlichen Themen gibt und genau dort ist er auf derselben Wellenlänge wie der gute Trump. Lass dich nicht blenden, wenn die Medien JSA als kommunikativen Tolpatsch darstellen. Dieser Mann ist hochkompetent und eine überaus würdige Vertretung unserer Landesinteressen. Much love JSA<3
      76 22 Melden
    • Lorent Patron 08.01.2017 12:04
      Highlight Er ist der einzige Richtige (oder war es), weil es nur einen Prime-Minister (=Bundespräsidenten) gibt. Das war 2016 eben JSA.

      Trump würde sich erniedrigt fühlen, wenn er sich statt mit dem Kabinettchef mit einem zweitrangigen Kabinettsmitglied hätte abgeben müssen. Es gehört zur diplomatischen Gepflogenheit, dass man sich auf Augenhöhe begegnet. Das heisst idR., dass nur Präsidenten mit Präsidenten sprechen (sollten).

      Es ging beim Anruf nicht um Sachliches, sondern nur um übliche Glückwünsche zur Wahl als formelles und repräsentatives Zeichen der Schweiz zur Anerkennung des Wahlausgangs.
      17 2 Melden
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  • Hierundjetzt 08.01.2017 10:23
    Highlight Gut gemacht JSA. Jetzt können Sie endlich von Unternehmer zu Unternehmer sprechen. Das kann ab jetzt nur von Vorteil sein. Politiker gem. Definition sind Sie beide ja eher nicht... 😉

    Viele Schweizer sehen sich fälschlicherweise auf Augenhöhe mit allen anderen. Dem ist leider nicht so. Wir sind ein erfolgreiches kleines Hochgebiergsland mit 8 Mio Einwohner. Mehr nicht bDaher erachte ich dieses Gespräch als erwas weigweisendes.

    Hat Doris Leuthard als eine der ersten mit dem Präsident von Kiribati gesprochen? Das wäre so der umgekehrte Vergleich ...
    16 28 Melden
    • Maett 08.01.2017 13:26
      Highlight @Hierundjetzt: ist Kiribati der sechsgrösste Investor in der Schweiz? Nicht? Na, dann legen Sie sich besser wieder hin, bevor Sie noch mehr absonderliche Vergleiche produzieren.
      13 1 Melden
    • Alnothur 08.01.2017 13:55
      Highlight Weil ja Kiribati der sechstgrösste Investor in der Schweiz ist und Kiribatische Firmen hier einige tausend Stellen bieten?

      ...ah, also doch nicht.
      13 1 Melden
    600
  • Luca Brasi 08.01.2017 10:14
    Highlight Wieviel Zeit bekommen denn andere Staatsoberhäupte am Telefon mit Trump? 10 Minuten hören sich für mich nach nicht viel an, v.a. wenn man sieht über wieviele Themen sie gesprochen haben sollen. Wäre es da nicht besser mit seinen Beratern, einflussreichen Personen in der zukünftigen Regierungsmannschaft, etc. Gespräche zu führen und dafür länger und mit bestimmten Themen? So tönt es halt wie ein Kind, dass gerade eine Autogrammstunde mit einem Fussballstar hinter sich hatte...
    37 9 Melden
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  • Grundi72 08.01.2017 10:00
    Highlight Obama war für die Katz, es kann nur besser werden!
    14 74 Melden
    • CASSIO 08.01.2017 11:32
      Highlight Obama war auch fürmich eine Enttäuschung, zu verdanken hat er seine Null-Bilanz jedoch Senat und Repräsentantenhaus und nicht zuletzt seinem Vorgänger. Dies muss der Fairness halber gesagt werden.
      61 7 Melden
    • Olaf! 08.01.2017 12:04
      Highlight Ja genau, schau dir doch mal an wie es den Amis vor und nach Obama wirtschaftlich geht.
      9 2 Melden
    • Fabio74 08.01.2017 12:58
      Highlight Nein war er nicht. Für die Katz sind diese kindischen Blockadespiele der Reps. Politik heisst diskutieren, Lösungen suchen, Kompromisse suchen und nicht Frontalangriff und Totalblockade
      15 2 Melden
    • Oberon 08.01.2017 15:45
      Highlight Ich denke Obama war trotzdem wichtig um auch mal andere Sichtweisen der USA auf zu zeigen. Leider bin ich mir da bei der Bevölkerung nicht so sicher ob das auch angekommen ist.
      4 0 Melden
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  • Sir.Isaac 08.01.2017 09:16
    Highlight Bestens informiert über die Schweiz... - dank Briefingpaper von Madame Whittlesey
    74 2 Melden
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  • Grégory P. 08.01.2017 08:25
    Highlight Ja es ist ja unglaublich spannend und einzigartig. Unseren Geschichtsbüchern müssen sofort angepasst werden. Danke Watson, dass wir diesen historischen 10 Minuten miterleben dürften.
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    • Benot 08.01.2017 09:52
      Highlight Ha, ha.
      10 0 Melden
    • sanmiguel 08.01.2017 10:20
      Highlight Sorry, ein guter und spannender Artikel. Es müssen ja nicht immer die 10 grössten Frisurenpannen der Politikgeschichte sein.

      Ausserdem habe ich mich schon bei bekanntwerden des Gesprächs gefragt, wie es zu stande kam. Jetzt hätte ich nur noch gerne eine Aufnahme davon... 🙈
      47 4 Melden
    600

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