Schweiz

«Oh nein, meine Armee ist unattraktiv! Lasst uns die Alternative mindestens gleich unattraktiv machen!» – so diskutieren die watson-User zum Zivildienst

06.10.15, 17:17 06.10.15, 17:40

Ist der Zivildienst ein «Schoggi-Job»? Ist der Militärdienst sinnvoll? Ist der Zivildienst zu attraktiv? Oder das Militär zu unattraktiv?

Das Meinungsstück zum Thema Militär und Zivildienst löste in der Kommentarspalte lebhafte Diskussionen aus.

Wir greifen die Diskussion noch einmal auf und präsentieren euch die besten Reaktionen auf den Artikel, sortiert nach Thema. Beginnen wir mit einer Reihe interessanter Kommentare zur Aussage von Armeechef André Blattmann, der Zivildienst sei «zu attraktiv».

«Ich würde es so sagen: der Zivildienst ist nicht zu attraktiv. Vielmehr ist der Militärdienst viel zu unattraktiv.»

amazonas queen

«Oh nein, meine Armee ist unattraktiv! Lasst uns die Alternative mindestens gleich unattraktiv machen!»

Thomas Debrunner

Umfrage

Ist der Zivildienst zu attraktiv?

  • Abstimmen

1,447 Votes zu: Ist der Zivildienst zu attraktiv?

  • 24%Ja. Das gefährdet den Bestand der Armee.
  • 26%Nein, die Bedingungen sind genau richtig so.
  • 51%Nein, die Hürden sind zu hoch. Zivis sollen nicht mehr Tage leisten müssen als Soldaten.

«Wenn der Zivildienst so attraktiv ist, warum melden sich dann keine Frauen dafür, während die Armee immerhin ein paar Duzend pro Jahr kriegt?»

Fabian Scherrer

«Dass der Zivildienst künstlich massiv unattraktiver gemacht werden muss, sagt doch schon sehr viel über die Attraktivität des Militärs aus ...»

The Host

«Warum machen sich selbst eifrige Armeeverfechter nicht mal ernsthaft daran, diesen so offensichtlich wie wenig anderes in unsrem Lande total (und das meine ich wörtlich) im Argen liegenden Verein, wo es drum geht, Schüsse zu verballern, bloss weil's noch grad ein paar zehntausend hat, stumpfsinnigste Übungen noch und nöcher zu absolvieren, teilweise fahrlässig Leben zu gefährden (bitte nicht abstreiten, alles belegt oder erlebt), etc. mal wirklich richtig auf- oder besser gleich abzustellen?»

Nick Name

«Schlussendlich müssen wir aber nicht unbedingt um die Wette heulen, wer der Ärmste ist. Besser wäre, die Rahmenbedingungen zu verändern, dass ein Wettbewerb zwischen Zivi, und Army stattfindet.»

Habakuk

«Schöggeler» gibt es überall

«Klar gibt es auch im Zivi Schoggi-Jobs, wo es nichts zu tun gibt. Das durfte ich selbst erleben. Das passiert, wenn es schlecht organisiert ist, was im Militär anscheinend viel öfters der Fall ist.»

Heimatlos

«Ich sehe was zwei meiner Kollegen als Zivi gemacht haben, es ist ein Schoggi-Job! Keiner der Zivis muss die ganze Nacht durch mit KK marschieren. Keiner muss Wochenlang Sonntag bis Samstag den Bullshit machen welcher dir befohlen wird. Keiner muss bei Eiseskälte biwakieren.»

maxi

Die Armee ist gut (bzw. sinnvoll)

«Ohne ein Militär-Einsatz vergessen wir, dass wir jeden Tag für unsere Freiheit kämpfen müssen und dass wir wieder jeden Tag von einem Feind angegriffen werden können.»

kEINKOmmEnTAR

«Also ich kenne keinen in meiner Familie (alle haben Militärdienst geleistet), der den Armeealltag langweilig gefunden hätte.»

SwissGronkh

«Bei aller Diskussion über Armee und Zivildienst wird stur der eigene Standpunkt vertreten. Mit dem Zusatz, dass die Armee überflüssig ist, weil da nichts sinnvolles gemacht wird. Ich möchte zu bedenken geben, dass wer keine Armee hat, in Krisen schnell eine fremde Armee das Territorium besetzt. Da stellt sich schon die Frage, was ist uns sympathischer? Eigene oder fremde Armee.»

Gottfrird Stutz

«Dass man im Militärdienst nicht immer ausgelastet ist, ist richtig. Daraus abzuleiten, dass der Militärdienst sinnlos ist, ist allerdings unzulässig. Die subjektive Empfindung von Militärdienstleistenden ändert nichts am objektiven Zweck des Militärs.»

Hitz

«Ach kommt schon. Wir kennen doch alle den Freund, für den die Armee zu streng ist. Oder den Kollegen der Zivi macht, nur weil er nicht den Posten seiner Träume gekriegt hat.»

Raembe

«Natürlich wird im Militär nicht jede Minute ‹Sinnvolles› (wer definiert eigentlich, was sinnvoll ist?) geleistet und nicht jeder ist immer voll ausgelastet – manche sind wohl sogar gar nicht belastet. Eine kleine Gegenfrage: Wo ist denn das nicht so? Ich glaube jeder könnte da noch eine Story von einem Kollegen von einem Kollegen von einem Kollegen erzählen ... ;-)»

Kimbolone

Die Armee ist nicht so gut (und sinnvoll)

«Ich hatte nach den 5 WK die Schnauze voll und wechselte zum Zivildienst. Die Gewissensgründe waren gegeben, schliesslich hatte ich ein schlechtes Gewissen, dort meine Zeit zu verschwenden.»

Jaing

«Ich habe beides gemacht. Ich war Territorial Füsilier in der RS und bin nach dem 2. WK in den Zivi im Naturschutz. Das Militär war ein Witz!! Im Zivi habe ich viel die härtere und sinnvollere Arbeit verrichtet. Nach 2 Monaten habe ich grosses Umweltbewusstsein entwickelt, das ich mit ins private Leben mitgenommen habe. In der RS haben wir die letzte Woche 3000 Liter Diesel mit sinnlosem Rumfahren verbrannt, damit sie das nächste Jahr wieder so viel Diesel bekommen.»

Dä Brändon

«Ich habe ja damals dem Aushebungsoffizier unverblümt gesagt, was ich von seinem Trachtenverein halte. Resultat: Ich darf jetzt Zivilschutz machen.»

TanookiStormtrooper

«Ich habe die RS gemacht und bin dann zum Zivi. Das Militär ist ein Witz, im Zivildienst war ich im Naturschutz 1000 Mal härter und 1000 Mal sinnvoller. Abends, wenn ich nach Hause kam, war fix und foxy aber glücklich. Am nächsten Tag stand ich wieder auf . Voll motiviert und das 2 Monate lang.»

Dä Brändon

«Ich habe 5 Monate im Pflegeheim Zivi gemacht, und dann noch 6 Monate kranken Kindern Herzenswünsche erfüllt. Das hat nicht nur der Schweiz, sondern auch mir persönlich viel mehr gebracht, als ein sinnloser Militärdienst, wo man am besten noch ‹auf Nichts reduziert und als Soldat wieder aufgebaut wird›.»

Fabian Scherrer

Wer hat mehr Präsenzzeit?

«Gerechnet in Tagen, die jemanden vom Erwerbsleben fernhalten, stimmt die Aussage natürlich, dass Zivis länger Dienst leisten. Der Zivi hat unter dem Strich aber mehr dienstfreie Zeit. Der Soldat ist während 24h/Tag seiner Freiheit beraubt.»

Adalbert Finas

«Auch im Zivildienst gibt es viele Stellen, bei welchen der Zivi nur am Wochenende nach Hause kann: z.B. auf Bauernhöfen oder bei Einsätzen in der Naturschutzgebietspflege. Diese sind auch körperlich oftmals sehr anstrengend.»

samuel

Warum kann eigentlich nicht Zivi werden, wer untauglich ist?

«Ich war UT und habe Zivilschutz gemacht. Weshalb aber jemand der UT ist, nicht freiwillig Zivildienst machen kann, verstehe ich auch nicht. Völlig unsinnig.»

atomschlaf

«Was ich eine Frechheit finde ist, dass wenn man für das Militär UT ist, auch nicht in den Zivildienst kann. Ich kann für meine Rückenprobleme überhaupt nichts (wollte mich auch bestimmt nicht drücken) und muss jetzt blechen.»

AndGaemp

Und zum Schluss ...

«Wenn Blattmann eines Tages in einem Altersheim in seinem vollgeschissenen Bett liegt, und niemand Zeit für ihn hat, würde er sich wünschen, es gäbe dort einen Zivi, der sich um ihn kümmern würde.»

Cheesus

Heute +10J im Altersheim:
Z: *klopf* Guete Morgä Herr Blattmaa KK Ausser Dienst
B: Grüessech Herr Götgörgülü
Z: Wemmär mal luege wie's unde usgseht?
B: Jo. (..)
Z: *werkel*
B: Ische's härt?
Z: Hä? --- (Gedankensekunde) ---
B: I meine de Zivildienst.
Z: Ja ize scho *füdleputz*
B: I has immer härt gha i minere Militärgarriere. Aber das macht eim zumene Maa.
Z: Jawohl. *woschwosch*
B: ... und wüssed sie Herr Götgörgülü, sie hette au selle wiitermache.
Z: Genau. *sloshslosh*
B: Panzer fahre, im Wald verstecke, Schüsse, SIM-Gfächtli mache. Ned?
Z: Eusi Familie isch im Krieg gstorbe. (...)

(rey)

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  • RatioRegat 06.10.2015 18:34
    Highlight Ich bin weder Pazifist noch sonstwie Militärgegner - im Gegenteil. Trotzdem oder gerade deswegen, halte ich wenig von der Schweizer Armee.
    Die gesamte Armee baut auf längst überholten Prämissen auf, welche am Leben erhalten werden, weil einerseits diejenigen Karriere machen, die ebendiese Prämissen verinnerlicht haben. Dass diese Prämissen falsch sind, wird man aber im erst im Ernstfall merken, wenn es ohnehin zu spät ist.
    4 4 Melden
    • goschi 06.10.2015 21:29
      Highlight Und was wären dies für Prämissen?
      5 1 Melden
    • RatioRegat 07.10.2015 13:21
      Highlight Es ist schwierig, dies hier in der gebotenen Kürze darzulegen. Offenbar wird aber davon ausgegangen, dass die gegenwärtige Konzeption der Armee geeignet sei, um die Schweiz im Ernstfall an der Grenze oder an strategisch wichtigen Punkten zu verteidigen.
      Dabei wird jedoch verkannt, dass die Schweiz für heutige Verhältnisse keine hinreichende strategische Tiefe besitzt und es sich daher gar nicht leisten könnte, einen militärischen Konflikt auf eigenem Gebiet auszutragen. Dabei sind freilich nicht nur militärische, sondern auch wirtschaftliche Aspekte zu berücksichtigen.
      1 0 Melden
    • RatioRegat 07.10.2015 13:58
      Highlight Selbst wenn es der Armee gelingen würde eine Invasion abzuwenden (was u.U. zweifelhaft ist), wäre die gesamte Schweiz wirtschaftlich längerfristig am Boden. Zerstörte Infrastruktur könnte zwar wieder aufgebaut werden, die Schäden hinsichtlich des Vertrauens in die Stabilität des Wirtschaftsstandortes dürften aber zumindest partiell irreversibel sein. Dies ergibt sich aufgrund der speziellen Situation der Schweiz, der kleinen Fläche und der Abhängigkeit von globalen Märkten, insb. Finanzmärkten (Ich weiss, dass viele das nicht gerne hören, ist aber so!).
      0 0 Melden
    • RatioRegat 07.10.2015 14:28
      Highlight Eine defensive Militärdoktrin, welche auf eine konventionelle Landesverteidigung abzielt, ist für die Schweiz daher ungeeignet. Selbst wenn man optimistischerweise davon ausgeht, dass das blosse Vorhandensein einer Armee einen gewissen Abschreckungseffekt hat, muss dieses Modell kritisch hinterfragt werden. Wenn es nur um die Darstellung einer fiktiven Wehrhaftigkeit geht, so kann dies auch durch eine wesentlich günstigere Lösung erreicht werden.
      Wollte man die Aufgabe der Landesverteidigung aber ernst nehmen, müsste man die Militärdoktrin überarbeiten und allenfalls Mehrkosten akzeptieren.

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  • sailinj 06.10.2015 18:23
    Highlight Schon spannend diese Kommentare zu lesen... Dass man in dr Armee auf wachere und weniger helle Geister trifft ist klar, schliesslich ist die Armee auch immer ein Spiegel der Gesellschaft. Und wer sich über lasche Jobs und unfähige Vorgesetzte beklagt, der hätte sich vielleicht vor der Aushebung etwas mehr Engagieren müssen, oder halt als Kader beweisen sollen, dass man das besser machen kann. Sich beschweren ist oftmals relativ einfach.
    8 4 Melden
  • Karl33 06.10.2015 17:52
    Highlight müsste nicht nur ein teil der bevölkerung (männer) in die armee, sondern alle, wäre diese schon längst demokratisch abgeschafft. bürgerliches kalkül und dümmliches geschlechterdenken, nur die männer zu schicken.
    16 6 Melden
    • Teslaner 06.10.2015 21:13
      Highlight Angenommen Krieg: Wollen Sie wirklich sehen, wie eine Frau im Krieg stirbt? Sollte sie nicht lieber auf die Kinder aufpassen und in einem ruhigen Umfeld wohnen? Unverständlich, wie wenig Mann man sein kann. Aber bei den Gleichberechtigungsfanatikern ist das wohl alles egal. Wann kommen die gleichen Geschlechtsorgane für alle?
      2 14 Melden
    • RatioRegat 07.10.2015 14:06
      Highlight Angenommen Krieg: In der Schweiz gäbe es kaum noch Orte, die als ruhiges Umfeld bezeichnet werden könnten.
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Von 0 bis 4900 Franken – dies sind die Praktikumslöhne der watson-User

Die Billig-Praktikanten mit 3.75 Franken Stundenlohn bei Coop Pronto sorgten diese Woche für Aufsehen. Wir haben bei den watson-Usern nachgefragt, wie viel sie denn so in ihren Praktika verdienen. Klar wird nur eins: die Unterschiede sind immens.

Im Coop Pronto verdienen sie 3.75 Franken pro Stunde, auf der watson-Redaktion rund 11.60, in der Telekommunikation fast 30 Franken: die Praktikanten in der Schweiz. Gesetzlich festgelegt ist gar nichts. Gemäss dem Schweizerischen Gewerkschaftsbund ist ein gut betreutes Praktikum 2000 Franken pro Monat wert. 

Thomas Geiser, Arbeitsrechtsexperte an der Universität St.Gallen findet, dass es auf die Betreuung ankommt: «Wenn dem Praktikanten neben dem Lohn nichts Zusätzliches, wie …

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