Schweiz

Was macht ein Schweizer Postauto inmitten von US-Bombenentschärfern in Afghanistan?

05.10.15, 16:15 06.10.15, 11:03

Martin hat eine interessante Entdeckung gemacht: In der Doku-Serie «Bomb Patrol Afghanistan», die Bombenentschärfer der US-Armee in Afghanistan bei der Arbeit begleitet, taucht in einer Szene ein Schweizer Reisecar auf:

In mehreren Einstellungen ist die Aufschrift «Anton Häfliger AG 6210 Sursee» klar zu sehen:

screenshot via netflix

«Wie wohl dieser Reisecar von Sursee nach Afghanistan gekommen ist?», wundert sich Martin. Wir sind der Frage nachgegangen. Die Anton Häfliger AG in Sursee erklärt auf Anfrage: «Der Reisecar war früher einmal bei uns im Einsatz und wurde vor ungefähr 20 Jahren an einen Autohändler verkauft.»

In einer anderen Einstellung ist auf besagtem Fahrzeug das Postauto-Logo zu sehen. Die Anton Häfliger AG ist ein sogenannter Postauto-Unternehmer (PU) und bedient als Subunternehmer definierte Linien des Gelben Riesen. «Heute haben wir klare Richtlinien, dass beim Verkauf eines Postautos ins Ausland Schriftzüge und Logos entfernt werden müssen», sagt Simon Glauser, Sprecher der PostAuto Schweiz AG. Bei der Anton Häfliger AG wurde das Fahrzeug allerdings nicht als Postauto eingesetzt. Es war bereits gebraucht gekauft worden, wie das Unternehmen erklärt.

screenshot via netflix

Das ehemalige Postauto gelangte offenbar nicht auf direktem Weg nach Afghanistan. Wie die ebenfalls sichtbare Aufschrift «Hellyers» nahelegt, war es zunächst für ein 2006 pleite gegangenes Busunternehmen im südenglischen Fareham im Einsatz. Auch hier wurde der Schriftzug nach dem Verkauf nicht übermalt. Vielleicht nicht professionell, dafür sehr transparent.

screenshot via netflix

Aus der Konkursmasse gelangte das Fahrzeug höchstwahrscheinlich erneut zuerst an einen Autohändler und anschliessend an die afghanische Busgesellschaft Bazarak Panjshir International, benannt nach der Stadt Bazarak in der Provinz Panjshir, dem Heimatort des afghanischen Nationalhelden Ahmed Shah Massud.

Aufschrift in Persisch «Panjshir»
screenshot via netflix

Über Facebook-Chat teilt Bazarak Panjshir International watson mit, dass besagter Bus zum Zeitpunkt der Aufnahme in «Bomb Patrol Afghanistan» bereits nicht mehr Teil der Flotte, sondern weiterverkauft worden war. Ob und wo er heute im Einsatz ist, ist unbekannt. 

Somit wäre geklärt, auf welchen Umwegen ein Schweizer Postauto nach Afghanistan gelangte, 2011 in einer TV-Doku über Bombenentschärfer auftauchte, die heute auf Netflix verfügbar ist.

Schicke uns deinen Input

So einfach geht es:
Text, Videos und Links ins Feld kopieren.
Bitte erfasse einen Text, ein Bild oder ein Youtube-Video.

Bitte hinterlasse uns deine Nummer, damit unsere Redaktoren bei offenen Fragen mit dir Kontakt aufnehmen können. Die Nummer wird nicht weitergegeben.




Danke für den Input.
Herzlichen Dank! Dein Input ist bei uns am Newsdesk angekommen. Deine Watsons

Hol dir die App!

Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
7Alle Kommentare anzeigen
7
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
  • G-4 06.10.2015 02:38
    Highlight Was es nicht alles gibt...

    Aber es spricht doch für Qualität wenn so ein Gefährt immer noch fährt!!!
    24 1 Melden
  • StefanZaugg 05.10.2015 21:39
    Highlight Ich warte jetzt mal aufs Geschrei von GSOA und Co., dass Postautos unters Kriegsmaterialsexportgesetz fallen sollten und die Schweizer Post sich dem Krieg mitschuldig gemacht hat.
    17 8 Melden
  • M2020 05.10.2015 17:44
    Highlight Ob es wohl jetzt düdadoo postautoo durch Afghanistan hallt?
    36 0 Melden
    • HotShot 05.10.2015 17:53
      Highlight Vor 20 Jahren verkauft und es fährt noch.
      Das waren noch Maschinen^^
      Ich denke nicht das der momentane Halter des Fahrzeugs das Poschti wie ein Oldtimer liebhaber behandelt.
      35 0 Melden
    • Gelöschter Benutzer 05.10.2015 19:02
      Highlight Soviel ich weiss, sind oder waren die tü-tä-to hupen eigentum der Post/PTT und nummeriert. Vor einem Fahrzeugverkauf wurden sie demontiert und weiterverwendet oder entsorgt oder eingemottet oder was auch immer. Jedenfalls wurden sie im Normalfall entfernt und einem normalen Bürger war der Besitz fast unmöglich. Wie das heute ist, weiss ich nicht.
      23 0 Melden
    • Gelöschter Benutzer 05.10.2015 19:18
      Highlight ist also tatsächlich auch heute noch so
      19 0 Melden
    • HotShot 05.10.2015 23:46
      Highlight Danke
      6 0 Melden

Trump behält Schweiz wegen Währungs-Manipulation im Visier

Die Schweiz bleibt auf der US-Beobachtungsliste für Währungsmanipulation. Wegen ihrer grossen Handelsüberschüsse mit den USA stehen weitere vier Nationen – China, Deutschland, Japan und Südkorea – unter besonderer Beobachtung der Trump-Administration.

Keines der Länder erfüllt derzeit jedoch die Kriterien der USA, als eigentlicher Währungsmanipulator zu gelten, wie aus einem am Dienstag veröffentlichten Bericht des US-Finanzministeriums hervorgeht.

Das US-Finanzministerium erstellt für den …

Artikel lesen