Schweiz

Philipp Müller (rechts) mit Hansjörg Knecht im Bundeshaus.
Bild: KEYSTONE

Aargau: Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Knecht und Müller um den Ständeratssitz

Eine Exklusivumfrage des Instituts Demoscope im Auftrag der AZ zeigt: Der Kampf um den zweiten Aargauer Ständeratssitz ist eng. FDP-Präsident Philipp Müller liegt mit 35,1 Prozent Stimmenanteil hauchdünn vor Hansjörg Knecht (SVP) mit 33,4 Prozent.

05.11.15, 06:47 05.11.15, 08:31

Mathias Küng / Aargauer Zeitung

Im ersten Wahlgang am 18. Oktober konnte SVP-Ständeratskandidat Hansjörg Knecht seinen FDP-Konkurrenten Philipp Müller um knapp 6000 Stimmen distanzieren. Eine Exklusivumfrage des Instituts Demoscope im Auftrag der AZ zeigt jetzt: Der Kampf um den zweiten Aargauer Ständeratssitz könnte nicht spannender sein.

FDP-Präsident Philipp Müller liegt mit 35,1 Prozent Stimmenanteil hauchdünn vor Hansjörg Knecht (SVP) mit 33,4 Prozent. Den beiden Führenden kommt Ruth Humbel (CVP) mit 26,9 Prozent recht nahe. Auf den vierten Kandidaten, Pius Lischer (parteilos), setzen 2,4 Prozent der Befragten.

Gleich viele Stimmen wie Humbel

Warum liegt Müller jetzt laut AZ-Umfrage plötzlich hauchdünn vor Knecht? Eine mögliche Erklärung: Müller hat im ersten Wahlgang nach dem von ihm verursachten Autounfall, bei dem eine junge Frau schwer verletzt wurde, den Ständeratswahlkampf ausgesetzt. Jetzt tritt er aber wieder öffentlich auf und markiert Präsenz. Und er erhält womöglich mehr Stimmen von Leuten, die im ersten Wahlgang links von der FDP gewählt haben, als zu erwarten war.

Müller bekommt nämlich gemäss der Umfrage derzeit etwa gleich viele Stimmen wie CVP-Kandidatin Ruth Humbel von Bürgern, die im ersten Wahlgang Pascale Bruderer gewählt haben. Von 204 befragten Personen, die im Oktober Bruderer die Stimme gegeben haben, wollen jetzt 80 Müller wählen, 77 Humbel, 31 Knecht.

Bekommt gemäss Umfrage gleich viele Stimmen wie Müller: CVP-Kandidatin Ruth Humbel.
Bild: KEYSTONE

Werner Reimann, Leiter Politikforschung beim Umfrageinstitut Demoscope, relativiert aber, diese Zahlen zur Wählerwanderung seien nicht gleich hoch zu gewichten. Denn die Basis für diese Nachbefragung ist an manchen Stellen recht klein. Sie kann aber dennoch Hinweise auf Entwicklungen zwischen dem ersten und zweiten Wahlgang geben.

«Einige glauben nicht an Erfolg»

Dies trifft auch auf die folgenden Wählerwanderungen zu: Von 90 Befragten, die im ersten Wahlgang Humbel gewählt haben, halten ihr 67 die Stange, 15 wollen jetzt Müller wählen, 8 Knecht.

Natürlich sind darunter Leute, die im ersten Wahlgang Humbel/Müller oder Humbel/Knecht gewählt haben und sich jetzt entscheiden müssen. Reimann erklärt die Wanderung aber auch damit, «dass offenkundig einige in der CVP nicht an den eigenen Erfolg glauben und Müller wählen, damit der Sitz nicht an die SVP geht».

Zwar verliert auch Knecht von den 172 Stimmen, die er im ersten Wahlgang bekam 19 an Müller. Umgekehrt erhält er von den 146 Personen, die sagen, sie hätten im Oktober Müller gewählt, 24 Stimmen. In beiden Fällen dürfte es sich vorwiegend um Leute handeln, die im ersten Wahlgang beide gewählt haben, sich jetzt aber auch für einen entscheiden müssen.

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Fast jeder Fünfte unentschlossen

Zu betonen ist, dass all diese Zahlen Momentaufnahmen aus der Zeit der Befragung zwischen dem 26. und 31. Oktober darstellen. Rund 14 Prozent gaben übrigens an, sie würden im zweiten Wahlgang gar niemandem die Stimme geben.

Besonders spannend für die Kandidierenden und Wahlstrategen ist, dass knapp 18 Prozent noch unentschlossen sind. Diese wurden aus den befragten 1000 Personen herausgerechnet, weshalb in der Umfrage nur die Präferenzen von 805 befragten Personen ausgewiesen werden.

Die fast 18 Prozent Unentschlossenen kann man also noch versuchen, ins eigene Lager zu ziehen. Die Wahlzettel treffen in diesen Tagen bei den Wahlberechtigten ein.

Junge favorisieren Knecht

Auffallend ist: Hansjörg Knecht holt überdurchschnittlich viele Stimmen bei den Jungen. Überraschenderweise kommt er dafür bei den über 55-Jährigen deutlich weniger gut an als Müller und Humbel.

Umgekehrt fehlen dafür Ruth Humbel viele junge Stimmen, wie die Grafik weiter zeigt. Auffällig ist, wie gleichmässig die Stimmen für Müller unter den Altersgruppen verteilt sind – mit einem kleinen Plus bei den über 55-Jährigen.

Müller gleichmässig vertreten

Bezüglich der Herkunft der Stimmen zeigen sich wiederum grosse Unterschiede. Knecht holt auf dem Land fast doppelt so viele Stimmen wie in Stadt und Agglomeration. Bei Humbel ist es genau umgekehrt. Auch Müller holt mehr Stimmen in städtischen Regionen.

Sollte bei dieser Ausgangslage Philipp Müller das Rennen machen, erklärt sich das gemäss Reimann auch mit der gleichmässigen Verteilung der Stimmenherkunft zwischen Jung und Alt.

Demgegenüber ist die signifikant hohe Zustimmung bei Jungen für Hansjörg Knecht auch ein Risikofaktor, ist die Stimmbeteiligung bei Jungen doch traditionell unterdurchschnittlich. Ob dies auch für junge SVP-Wählerinnen und -Wähler zutrifft, dazu hat Demoscope noch keine Daten.

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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  • Schneider Alex 06.11.2015 06:29
    Highlight Einst lancierte er eine Initiative für eine Beschränkung des Ausländeranteils auf 18%. Glaubt irgendjemand Müller würde sich heute für eine Reduktion der Zuwanderung einsetzen, wenn das die EU nicht will? Wollen wir wirklich Wendehals-Müller im Ständerat?
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  • dmue 05.11.2015 07:35
    Highlight Schon alleine weil es in Bern genug Knechte hat die ihrem König dienen brauchen wir den Knecht nicht.
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