Schweiz

Der Alstom-Schock: Wie sich Schneider-Ammann und die Aargauer Regierung getäuscht haben

Alstom streicht 1300 Stellen im Aargau – diese Nachricht schlägt ein wie eine Bombe. Denn noch im September waren Aargauer Regierung und sogar die Gewerkschaft Unia zuversichtlich, was die Folgen der GE-Übernahme betrifft.

13.01.16, 13:39 13.01.16, 14:21

Der Aargauer Regierungsrat Urs Hofmann
Bild: KEYSTONE

Die Nachricht schlägt ein wie ein Hammer: Alstom baut an den Aargauer Standorten Baden (Hauptsitz), Birr, Turgi und Oberentfelden 1300 Stellen ab. 5500 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen im Aargau. Das heisst: Fast jede vierte Stelle verschwindet. 

Diese Hiobsbotschaft kommt für den Aargau überraschend. Noch letzten September hatte die EU-Kommission die 12-Milliarden-Euro-Übernahme der Energiesparte von Alstom durch den amerikanischen Technologie-Giganten General Electric (GE) unter Auflagen genehmigt.

GE musste die Gasturbinensparte mit 420 Mitarbeitenden an das italienische Unternehmen Ansaldo verkaufen, welche den Standort Baden zumindest bis 2018 aufrechterhalten dürfte.

Über mögliche Auswirkungen auf den Industriestandort Schweiz und die Mitarbeiter wollte sich GE zwar nicht äussern. Ein Sprecher vertröstete damals, dass GE zu einem späteren Zeitpunkt über die Strategie nach der Übernahme informieren werde. 

Schneider-Ammann hat Verständnis

Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann hat am Dienstagabend vom geplanten Stellenabbau bei Alstom erfahren. Er zeigte sich betroffen, hat aber auch ein gewisses Verständnis für den Entscheid.
Letzten Juli war Schneider-Ammann nach Gesprächen mit der Unternehmensleitung noch davon ausgegangen, dass es keinen Stellenabbau geben wird. Inzwischen hätten sich die Märkte verändert, die Rahmenbedingungen seien nicht mehr die gleichen, sagte er am Mittwoch gegenüber Journalisten in Bern. «So gesehen muss man ein gewisses Verständnis haben.» (whr/sda)

Hat sich getäuscht: Johann Schneider-Ammann.
Bild: KEYSTONE

Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann sagte nach Bekanntwerden des Deals zwischen Alstom und General Electric (GE) gegenüber Radio SRF: «Ich bin zuversichtlich, dass diese Tätigkeiten weiter geführt werden und damit die Arbeitsplätze erhalten bleiben». Bei Gesprächen mit der Alstom-Spitze habe er das Gefühl gehabt, dass man bei Alstom sehr wohl wisse, welch bedeutende Rolle die Schweizer Niederlassung innerhalb des Konzerns spiele.

Auch der Aargauer Volkwirtschaftsdirektor Urs Hofmann zeigte sich optimistisch. Befragt zu den GE-Plänen sagte er zur AZ: «Ich gehe davon aus, dass wie schon früher kommuniziert, wichtige Bereiche in Baden verbleiben und Baden im Energiegeschäft von General Electric einen wichtigen Stellenwert haben wird.»

«Wir sehen den Deal als Chance an für die Standorte Baden und Birr», sagte er ausserdem zu Tele M1. «Wir sind der Meinung, dass der Entscheid aus Brüssel für den Standort Aargau eher positiv zu bewerten ist.» 

Vom ersten Schock über Worst-Case-Szenarien bis zum abgeschlossenen Deal

Dass es um die Energiesparte von Alstom nicht gut steht, machte sich bereits Ende 2013 und Anfang 2014 bemerkbar, als für die Schweiz eine Jobabbau-Runde bekannt gegeben wurde.Hauptgrund: Das Kerngeschäft mit den thermischen Kraftwerken und Turbinen war konjunkturbedingt eingebrochen.

Mitte April 2014 ging es dann mit ersten Übernahmegerüchten durch die General Electric los. Damals war von einem Angebot bei 9.4 Milliarden Euro die Rede. Alstom stand definitiv vor dem Ausverkauf. Das liess in Baden, Hauptsitz von Alstom Thermal Power, die rund 45 Prozent zum Konzernumsatz beisteuert, aufhorchen.Siemens geriet als möglicher Übernehmer plötzlich in die Diskussionen um Alstom.

Bereits vier Jahre zuvor kriselte es bei Alstom. Aufgrund des Leistungsausweises hielt sich der Standort Schweiz und entging einem grossen Stellenabbau.Alstom wollte zu GE, die französische Regierung liebäugelte mit Siemens. Das bewog den GE-Chef Jeffrey Immelt, den Abzug des Schweizer Standortes nach Frankreich anzubieten. Dagegen setzte sich unter anderem Alt-Bundesrat Joseph Deiss als VR-Präsident von Alstom Schweiz zur Wehr.

Der leistungsstarke Standort Schweiz gab zu grossen Hoffnungen Anlass. Im Dezember 2014 besiegelten die Alstom-Aktionäre den Verkauf der Energiesparte an GE. Im Sommer 2015 einigte sich GE mit der EU-Kommission und machte Zugeständnisse. Anfang September 2015 segnete Brüssel die Übernahme ab. (-rr-)

Optimistisch zeigte er sich auch, was die Job-Situation angeht: «Wir gehen davon aus, aufgrund aller Signale, die wir erhalten haben, dass es nicht zu einem groben Aderlass kommt wie noch vor einem Jahr befürchtet.» 

Alstom ist der grösste Arbeitgeber im Kanton. Deshalb «haben wir», so Hofmann, «sehr früh Kontakt zu Alstom aufgenommen und auf oberer Ebene Kontakt gehabt zu GE und aufgezeigt, was für ein guter Standort der Aargau ist».

Hofmanns erste Reaktion heute

Entsprechend bedauert Urs Hofmann heute Mittwoch den möglichen Stellenabbau, ist aber noch immer zuversichtlich. Er will nicht von einem Kahlschlag sprechen. «General Electric hat betont, dass mit zwei Headquartern der Standort Baden gestärkt werden soll», sagt er am Mittwoch gegenüber Radio SRF. «Es ist immerhin auch ein Bekenntnis zum Standort Aargau.»

Die Gewerkschaft Unia dagegen teilte Mitte September dagegen noch mit, dass die Alstom-Mitarbeiter «nach wie vor im Unklaren über die Zukunft» seien. «Auch der weitere Verbleib des Know-hows am Werkplatz Aargau ist offen.» 

(pz)

 

  (aargauerzeitung.ch)

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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  • gecko25 13.01.2016 18:21
    Highlight Der bürgerliche Bundesrat, wird es den vermeintlich Schuldigen entgelten mit weiteren Steuergeschenken
    16 4 Melden
  • FrancoL 13.01.2016 17:06
    Highlight Ammann ist eine Fehlbesetzung, nicht weil er als Unternehmer unfähig ist, sondern weil er unfähig ist in 2. Linie Unternehmer zu sein und in 1. LINIE für das Gemeinwohl zu sorgen.
    Er erwähnt mir zu häufig dass er als Unternehmer denkt und das kann für das Gemeinwohl nur nachteilig sein.
    Als BR müsste er neue Wege gehen um der Wirtschaft vom KMU bis zum Grossunternehmer Bedingungen zu setzen die dem Gemeinwohl auch etwas bringen.
    Diese neuen Wege sind ihm als Unternehmer nicht zugänglich.
    Mehr Unternehmer nach Bern ist keine sinnige Prämisse. Die Wirtschaft hat schon genügend Macht!
    23 3 Melden
    • Donalf 13.01.2016 23:31
      Highlight Warum wundere ich mich immer wieder darüber, dass Leute glauben dass der BR oder der Gemeinderat etc. einen wesentlichen Einfluss auf Entscheidungen eines Weltkonzern haben könnten. Es ist bedauerlich für alle die es betrifft, aber schon lange ist leider klar, dass Produkte mit hohem Anteil an Handarbeit in der Schweiz zu teuer sind. Es werden noch einige solcher Hiobsbotschaften folgen. Bereiten wir uns vor.
      1 0 Melden
  • per scientam 13.01.2016 16:48
    Highlight Willkommen in der Energie-Wende...

    Was stellt die Alstom her?? Weltmarktführer von Gasturbinen (für Stromerzeugung und Schiffe)... Und mit einem Wirkungsgrad von mehr als 60 % wirklich ein cooles Produkt...

    Es ist ganz klar Politisch verschuldet. Anstelle von Stabiler und langzeitorientierter Technologischer Entwicklung wird total Radikal umgebaut... Das hat Konsequenzen...

    In der Schweiz werden weder Solarzellen noch Windräder produziert... Ihr könnt euch sicher sein wohin das Geld fliesst...

    Energie-Entwicklung: ja, unbedingt. ABER mit den Lokalen Technologien und Firmen.
    7 3 Melden
    • FrancoL 13.01.2016 19:06
      Highlight @per scientam;
      Deine Maxime <<Energie-Entwicklung: ja, unbedingt. ABER mit den Lokalen Technologien und Firmen>>. kann sicherlich auch unterstützt werden aber die Technologien müssen an die Schweizer Verhältnisse angepasst werden und der technische Fortschritt ist der Taktgeber und nicht die lokalen Firmen, welche allerdings angehalten sind durch Innovation sich gut am Markt zu platzieren. Wieso? Keine innländische Technologiefirma kann rein auf den CH-Markt zählen, tut sie dass dann geht sie ein! und am Auslandmarkt zählt die Technologie, ERGO: Fortschritt ist der Taktgeber.
      3 0 Melden
    • FrancoL 13.01.2016 19:12
      Highlight Der Weltmarktführer bei Gasturbinen Alstom, das wird hier von Dir behauptet, kann mit einigen Dutzend Turbinen in der Schweiz sich kaum am Markt behaupten. Vergessen Sie die Annahme dass ein Weltkonzern wegen dem Absatz in der Schweiz den Sitz in der Schweiz behält das sind Träumereien.
      Und Gas schafft zudem Abhängigkeiten vom wem können Sie je nach Zulieferant gerne auswählen!
      Neue Technologien sollten grundsätzlich nebst der Ökologie auch die Abhängigkeit minimieren!
      Think about.
      3 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 13.01.2016 15:56
    Highlight Da sieht man wie wenig auf das Wort eines Politiker verlass ist.

    Frau Leuthard will uns beim Gotthardtunnel ja auch etwas versichern...

    21 5 Melden
  • AHTOH 13.01.2016 15:41
    Highlight FALSCH!! Nicht Alstom streicht die Stellen, sondern GE! Der Transfer ging am 2. November über die Bühne, Alstom ist an den Standorten nicht mehr vorhanden.
    23 0 Melden
    • FrancoL 13.01.2016 16:25
      Highlight Denken Sie es sei sinnvoll bei jeder Übernahme sich hinter den neuen Eigentümerverhältnissen in Deckung zu gehen und zB mit Ihrer gütigen Mithilfe dies schon fast als normal anzunehmen?
      Die Kaderleute die das eingeläutet haben werden sich sicherlich das eine oder andere Geschenk auch von der neuen Eigentümerschot abgeholt haben auch wenn Alstrom an den Standorten nicht mehr vorhanden ist, ich denke die Konti sind trotz nicht mehr Vorhandensein immer noch aktiv!
      4 1 Melden
  • Tubel500 13.01.2016 15:33
    Highlight 1300 Stellen weg - da hätte das Volch ein paarmal "Nein" zu den Waffenexporten sagen können, bis so viele Stellen verschwunden wären..
    38 4 Melden
  • Stephan Locher 13.01.2016 15:04
    Highlight Gibt es die Stellungnahme des Verständnisvollen Bundespräsidenten im Originalton und in voller Länge?
    21 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 13.01.2016 14:28
    Highlight Er hat "das Gefühl gehabt" und sie "haben Signale erhalten"?
    Und darauf wettet er 1300 Arbeitsstellen? Aber ja, ER hat ja ausgesorgt. Arbeitslose sind nicht sein Problem. Das ist dem gut Betuchten zu abstrakt.
    62 3 Melden
    • FrancoL 13.01.2016 15:10
      Highlight Eigentlich sollte es Ammann wissen; Er hat ja mit seiner Ammann-Gruppe beste Erfahrungen in Sachen umschaufeln von Arbeitsplätzen gesammelt. Eingekauft, umgebaut, optimiert neu zusammengesetzt und dann wieder neu formiert. Da war wohl sein Wort für etliche Mitarbeiter nicht der letzte Schrei.
      29 1 Melden
    • Crecas 13.01.2016 15:58
      Highlight Rhabarber, hätte Ammann also den Verkauf verbieten sollen? Das wäre gegen das Gesetz und würde grundlegendste Eigentumsrechte verletzten.

      Nicht das ich Ammann für besonders fähig halte, aber viel mehr als das Gespräch suchen und hoffen konnte er schlicht nicht.
      7 5 Melden
    • FrancoL 13.01.2016 16:20
      Highlight @Crecas; Er hätte, als Unternehmer der er nun mal auch immer noch im Herzen ist, die Lage richtig einschätzen können oder gar müssen.
      Wenn eine Firma so kurz nach den gemeinsamen Gesprächen derart anders handelt, müsste dies in den Vorgesprächen und in der Umgebung genügend Hinweise für eine derartige Handlung gegeben haben. Mit Vorwarnung hätte man vielleicht (!) noch etwas retten können.
      Und wenn man auch nichts hätte ausrichten können bliebe nicht der schale Geschmack immer der Wirtschaft einen Schritt hintennach zu laufen, was für die Zukunft schon mal positiv wäre.
      9 1 Melden
    • Crecas 13.01.2016 17:19
      Highlight Naja, GE war eigentlich sehr offen: sie haben gesagt, man müsse abwarten bis die neue Strategie steht. Auch haben sie ausrichten lassen, dass die Schweiz ein wichtiger Standort ist. Beides stimmt ja auch noch heute.

      Die Regierung hat halt Hoffnung und Optimismus verbeitet. War vielleicht blöd, aber man hätte eh nichts ändern können.
      4 1 Melden
  • glüngi 13.01.2016 14:19
    Highlight Das passiert wenn man auf «Experten» hört.
    Beileid an alle die jetzt Ihren Job verlieren werden.
    41 2 Melden
    • Crecas 13.01.2016 14:33
      Highlight Experten? Hören? Das versteh ich nicht ganz...

      Damals hatten sie Hoffnung, dass viele Arbeitsplätze erhalten bleiben. Es bleiben auch tatsächlich noch viele Arbeitsplätze erhalten - trotzdem wird eine grosse Zahl abgebaut. Aber es hätte noch viel schlimmer kommen können (totale Verlagerung ins Ausland).
      10 7 Melden
    • Gelöschter Benutzer 13.01.2016 14:47
      Highlight Merci, zum glück betrifft es mich ( noch) nicht..
      4 3 Melden
    • Scaros_2 13.01.2016 14:48
      Highlight Also ich finde 1/4 der belegschaft zu künden ist schon schlimm und alles darüber sei das 1/3 oder 1/2 Grenzt schon fast an standortverlagerung.
      11 1 Melden
  • Michèle Seiler 05.12.2014 15:08
    Highlight Schade.

    Ich mag kein Bier und kann auch nicht mit Menschen zusammen sein, während sie Bier trinken.

    Ich werde nach der Einführung dann wohl woanders hin müssen.
    3 36 Melden
    • Gelöschter Benutzer 13.01.2016 14:17
      Highlight hä?
      23 0 Melden
    • Tscheggsch? 13.01.2016 14:39
      Highlight gepostet am 05.12.2014? Hmmmm...
      18 0 Melden
    • zeromg 13.01.2016 14:40
      Highlight hihi Bier
      12 0 Melden
    • The fine Laird 13.01.2016 14:46
      Highlight Ich mag aber Bier.
      ah btw, Michele wie gehts dir?
      7 0 Melden
    • Gelöschter Benutzer 13.01.2016 14:51
      Highlight Die App hat gerade Fett den Bug drinne. Auch bei anderen Komments spinnts, oder der Praktikant hats verjubelt :P
      13 0 Melden
    • _mc 13.01.2016 15:00
      Highlight Michèle Goldener Schild..
      2 0 Melden
    • Dä Brändon 13.01.2016 15:15
      Highlight Ääähhh jaaaa ok, Michele. Bist Du ganz sicher das Du deine Medis auch genommen hast?
      3 6 Melden
    • Coconut 13.01.2016 17:37
      Highlight Vor 404 Tagen, Michele kann Zeitreisen!
      6 0 Melden

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