Schweiz

Zürich, Genf und Basel-Stadt wollen mehr ausländische Fachkräfte

29.08.17, 17:39 13.09.17, 12:24

Die Kantone Basel-Stadt, Genf und Zürich fordern vom Bund erneut eine Erhöhung der Drittstaaten-Kontingente. Sie haben die Anfang Jahr zugewiesenen Kontingente für Erwerbstätige aus Drittstaaten nämlich bereits im ersten Quartal aufgebraucht - so rasch wie nie zuvor.

Christoph Brutschin (BS), Pierre Maudet (GE) und Carmen Walker Späh (ZH), die Volkswirtschaftsdirektoren der drei Kantone, fordern daher eine Erhöhung der Gesamtzahl der Drittstaatenkontingente auf «mindestens das Niveau von 2014», wie sie am Dienstag gemeinsam in Zürich vor den Medien festhielten. Das wären 8500 Bewilligungen für erwerbstätige Spezialisten aus Drittstaaten und nicht wie heute 7500.

Sie folgen damit dem Schweizerischen Arbeitgeberverband, der die gleiche Forderung bereits Ende Juni erhob.

Ausserdem soll der Zugriff auf die Bundeskontingente für diejenigen Kantone, die regelmässig darauf angewiesen sind - und dazu gehören die drei Kantone - vereinfacht werden. Eine weitere Forderung: Bei einer entsprechenden Nachfrage soll zukünftig auch unter dem Jahr eine Kontingentserhöhung möglich sein.

Bundesreserve auch bald ausgeschöpft

Der Bundesrat hatte die Drittstaaten-Kontingente mit Aufenthaltsbewilligung (B) und Kurzaufenthaltsbewilligung (L) per Anfang 2015 von 8500 auf 6500 gesenkt. Im vergangenen Herbst erhöhte er sie um 15 Prozent auf 7500 - noch zu wenig für die drei Kantone.

Ihr Kontingent von rund 1000 Bewilligungen war bereits im ersten Quartal aufgebraucht. Sie alle haben deshalb weitere Kontingente aus den Bundesreserven beantragt und erhalten - jedoch nicht alle in vollem Umfang.

Da auch die Bundesreserven, aus denen die Kantone zusätzliche Kontingente beantragen können, zahlenmässig beschränkt sind, «ist es voraussehbar, dass die Bedürfnisse der Kantone damit nicht abgedeckt werden können», sagte Walker Späh.

Der Bund habe den Kantonen bereits Mitte August mitgeteilt, dass bei gleichbleibender Nachfrage der Kantone selbst die Bundesreserve für die B-Kontingente voraussichtlich ab Ende September aufgebraucht sein wird. «Damit zeigt sich einmal mehr: Die Zahl der Kontingente ist zu tief angesetzt.»

8500 Bewilligungen sind genug

Wie schon im vergangenen Jahr fordern die drei Kantone, die einen Drittel zur gesamtschweizerischen Wirtschaftsleistung beitragen, deshalb gemeinsam eine Erhöhung - rechtzeitig bevor der Bundesrat im Herbst die Höchstzahlen für Aufenthaltsbewilligungen für Drittstaatenangehörige festlegt.

Die Forderung nach mehr Aufenthaltsbewilligungen soll aber kein Dauerbrenner werden. «Mit dem Regime von 2014 wären wir sehr zufrieden», sagte Carmen Walker Späh. «Dieses Regime hat funktioniert und war verlässlich.»

Pierre Maudet ergänzte: «Mit 8500 Bewilligungen hätten wir wieder eine Art Reserve.» Nicht benötigte Arbeitsbewilligungen könnten ein Jahr, das nach mehr verlangt, ausgleichen.

Christoph Brutschin betonte derweil, dass man keine Änderung am System wolle. Alle Kantone sollen über ihren Anteil frei verfügen können. «Wir haben kein interkantonales Verteilproblem, sondern ein Mengenproblem.»

Kantone befürchten Standortnachteil

Dieses Mengenproblem schafft laut den drei Volkswirtschaftsdirektionen Unsicherheit für Wirtschaft und Forschung. Aufgrund der knappen Kontingente müssten die kantonalen Behörden die Zulassungsvoraussetzungen restriktiver beurteilen, was bei den Unternehmen zunehmend als Standortnachteil empfunden werde.

Die Kantone sehen daher ein steigendes Risiko, dass Projekte ins Ausland verschoben werden oder gar nicht in die Schweiz kommen.

Für die drei grossen Wirtschaftskantone ist daher klar: Damit sie auch in Zukunft attraktive Wirtschaftszentren bleiben, benötigen die Unternehmen, Hochschulen und Forschungsinstitutionen Zugang zu hervorragend ausgebildeten und hochspezialisierten Fachkräften.

Diese Fachkräfte lassen sich zwar zu einem grossen Teil auf dem heimischen oder europäischen Arbeitsmarkt rekrutieren, doch immer wieder müssen die Unternehmen auch auf Spezialisten aus sogenannten Drittstaaten zurückgreifen, die nicht Teil der EU sind.

«Der Zugriff auf die besten weltweiten Fachkräfte bleibt zentral für den Erhalt der Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschafts- und Forschungsstandorts Schweiz», sagte Walker Späh. (sda)

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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  • Rotbeisser 30.08.2017 11:49
    Highlight "Wir leiden unter Fachkräftemangel" heisst auf Ehrlichdeutsch: "Wir möchten lieber keine Schweizerlöhne zahlen müssen, aber gerne von Schweizer Tiefsteuern profitieren."

    Man muss all die Heuchler nur in Klartext übersetzen. Dann ist auf einmal alles klar.
    Ja, tumbes Volk. Ich unterdrücke Euch lieber ehrlich. Wenn Ihr nicht mitspielt, dann seid Ihr morgen schon arbeitslos und nicht erst übermorgen, weil ich meine Firma dann sofort in das Ausland verlege. Ist jetzt wirklich alles klar? Gut. Dann artig alles abnicken und husch, husch zurück an die Arbeit und schweigt!
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  • ZH27 30.08.2017 11:40
    Highlight Persönlich habe ich nie ganz verstanden, was es uns bringen soll, Zuwanderer aus der EU gegenüber Zuwanderern aus Drittstaaten zu bevorzugen. Klar, da ist die geographische Nähe. Aber mit den heutigen tiefen Transportkosten und guten Flugverbindungen spielt diese ja eher eine untergeordnete Rolle. Klar, die bilateralen Verträge koppeln die Personenfreizügigkeit an die günstige Position im Binnenmarkt. Aber eigentlich wäre es ja zu bevorzugen wenn man ohne Einschränkungen weltweit rekrutieren könnte.
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  • HAL9000 30.08.2017 09:08
    Highlight Und was hat Luzern damit zu tun?
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  • Raembe 30.08.2017 04:48
    Highlight Naja, hat Vor-und Nachteile. Wenn ich z.B in s Coop Restaurant in Altstetten gehe, höre ich eh fast nur noch englisch oder Hochdeutsch. Find ich schon ein wenig krass. Expats sollten wirklich nur im aller nötigsten Fall geholt werden.
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    • ZH27 30.08.2017 11:31
      Highlight Ja, aber viele Arbeitnehmer aus der EU sprechen hier auch gerne Englisch (da sie ja oft auch kein Deutsch können). Die meisten, die du da hörst sind vermutlich Leute aus der EU, die durch die Personenfreizügigkeit einfach einwandern können. In diesem Artikel geht es ja um die Drittstaaten, die ohnehin einen sehr kleinen Teil der Zuwanderung ausmachen.
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    • Rotbeisser 30.08.2017 11:50
      Highlight Definiere "allernötigster Fall"!
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    • Käsebrötchen 30.08.2017 12:07
      Highlight Wir sind konnten uns in der Firma immer gut auf Deusch unterhalten. Sogar unser Schwede hatte keine Probleme damit. Neulich kam ein Tessiner dazu, kann kein Deutsch. Jetzt halten wir die Sitzungen in Englisch ab, dass wir uns alle verstehen. Erinnert ein bisschen an die RS, wo ein welscher Kollege kaum Deutsch konnte und auch ich im Franz einen Fensterplatz hatte. Wir unterhieten uns immer blendend in Englisch.
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    • Raembe 30.08.2017 16:32
      Highlight Aller nötigster Fall: Wenn Du niemand besseren für den Job findest.

      @Käsebrötchen: Hab absolut kein Problem damit.
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  • DreamerDu 29.08.2017 21:17
    Highlight Warum ziert denn die Luzerner Langensandbrücke als Titelbild diesen Beitrag?
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  • Jein 29.08.2017 20:28
    Highlight Man kann von der Zuwanderung halten was man will, bei den ohnehin schon limitierten Kontingenten für Fachkräfte zu sparen scheint der falsche Ort zu sein. Fachkräfte sind viel Integrations-williger als z.B. Saisoniers, und wenn die Schweiz die besten Talente anziehen kann kreiert das auch mehr Folgestellen für Andere.
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    • Hierundjetzt 29.08.2017 20:54
      Highlight jein (im doppelten Wortsinn), es geht meist um Kurzaufenthalter z. b. für 6 Monate / oder für die Dauer eines Projektes. Es gibt daher keinen Anspruch auf Familiennachzug und keine Integration. Es sind die sogenannten Expats.

      Das der Staat nach der MEI Abstimmung und der Rekordarbeitslosigkeit auf die Bremse tritt ist nachvollziehbar. Warum jetzt ein Inder oder ein Amerikaner mehr können soll, als ein Brite oder ein Deutscher (haben beide die volle Freizügigkeit) erschliesst sich mir nicht so ganz. Ich sehe aber durchaus ein, dass es z.B. bei google manchmal rasche Spezialkenntnisse braucht.
      24 10 Melden
    • Rotbeisser 30.08.2017 11:52
      Highlight @Hierundjetzt:
      Spezialkenntnisse, welche die Unternehmungen auch in der Schweiz ausbilden können.
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