Schweiz

Ich wünsche mir die PTT zurück – oder die Leiden des alten W. beim Wechseln des Telekom-Anbieters

12.01.16, 14:15 13.01.16, 12:31

Willi Helfenberger

Telefonwerbung der PTT im Jahr 1985.
Bild: KEYSTONE

Flatrate. Jetzt bin auch ich platt: Surfen, Telefonieren, Simsen für knapp 30 Franken im Monat. Ein neues Schnäppchen auf dem Jahrmarkt der Telekomwelt. Ich überwinde meine Trägheit und nehme einen Wechsel des Anbieters in Angriff.

Erster Schritt, das bestehende Abo kündigen. Also gehe ich dorthin, wo ich damals meinen Vertrag unterschrieben habe. Und dann, ungläubiges Staunen meinerseits, als mir der nette Verkäufer erklärt, dass ich bei ihm das Abo nicht auflösen könne, hier könne man nur Verträge abschliessen. Zum Kündigen müsse ich die Gratisnummer 0800 usw. anrufen.

Das Elend mit dem Endlosband

Wieder zuhause wähle ich besagte Telefonnummer und es folgt das übliche Prozedere: Bei technischen Problemen wählen sie die 1, bei administrativen die 2, geht es um Rechnungen die 3, für alle übrigen die 4. Ich drücke die 2. Nicht überraschend sind grad alle Kundenberater besetzt, dafür darf ich Musik hören, die mir überhaupt nicht gefällt. Lieber wäre mir, es würde heissen: Wenn sie Pop hören wollen drücken sie die 1, für Jazz die 2, für Klassik die 3 …

Nachdem mich das Endlosband endlos berieselt und meine Ohren verstopft hat, erkundigt sich eine freundliche Stimme nach meinem Anliegen. «Ja, sie wollen das Abo kündigen. Also wie ist ihr Name genau, ihre Telefonnummer, ihr Geburtsdatum? Vielen Dank für die Angaben, ich verbinde sie mit der Kündigungsabteilung».

Und schon bin ich wieder wehrlos dem grauenhaften Sound des Endlosbandes ausgesetzt und ausgesetzt und ausgesetzt, bis sich wieder eine frische Frauenstimme meldet: «Sie wollen kündigen, darf ich fragen warum? Wir hätten da noch folgende Angebote …». Nein, sage ich, ich will den Anbieter wechseln. «Also, dann brauche ich folgende Angaben von ihnen», sagt die frische Stimme und ich bete wieder einmal mein Geburtsdatum, Adresse und und und herunter.

Am falschen Ort

Zum Schluss fragt die frische Stimme: «Wollen sie ihre bisherige Telefonnummer behalten?» Ja, klar will ich das. Dann die frische Stimme: «Dann sind sie hier am falschen Ort, sie müssen bei ihrem neuen Anbieter Antrag auf Rufnummerübernahme stellen». Und Tschüss.

Da bin ich wieder auf Feld eins. Ja, ich gebe zu, ich habe noch nie den Anbieter gewechselt und bin auch nicht mehr der Jüngste. Sonst wäre ich sicher direkt zum neuen Anbieter gegangen. Jedenfalls ernte ich nur mitleidiges Lachen von meinen jüngeren Kolleginnen, als ich bei ihnen meinen Frust loswerden möchte.

Das neue Telefon

Übrigens, ich habe mir zu Weihnachten ein neues Smartphone geschenkt. Nach langem Abwägen habe ich mich für ein Modell entschieden, das eine gute Kamera hat. Als ich also mein Weihnachtsgeschenk beim Flatrate-Anbieter stolz auf das Verkaufspult lege um besagtes Abo zu lösen, heisst es dort: Für dieses Modell haben wir grad keine SIM-Karten mehr, kommen sie nächste Woche wieder.

Zum Glück hat der neue Anbieter noch andere Filialen, also mache ich mich auf den Weg und tatsächlich im nächsten Laden findet der nette Verkäufer nach langem Wühlen in einer Schublade eine passende SIM-Karte.

Leider entpuppt sich der nette Verkäufer als Lehrling, was bedeutet, dass das ganze Prozedere ganz lang dauert, weil er für jeden Schritt nachfragen muss und der Laden gerammelt voll ist. Aber was soll's, schlussendlich steckt die SIM-Karte in meinem Weihnachtsgeschenk und ich mache mich fröhlich auf den Heimweg.

Die PTT

Die Bundespost wurde am 1. Januar 1849 zum Transport von Briefen, Paketen, Personen und Geldsendungen geschaffen. 1920 wurde die Telefonie und Telegrafie mit der Post zusammengelegt. Die PTT (Post-, Telefon- und Telegrafenbetriebe) war zwischen 1928 und 1998 die staatliche Behörde für den Post-, Telefon- und Telefaxbetrieb in der Schweiz und in Liechtenstein.
1998 wurde die PTT in zwei Konzerne aufgeteilt. Die Postdienstleistungen bestehend aus Briefpost, Paketpost, Zahlungsverkehr und Personentransport mit Postautos wurden der heutigen Schweizerischen Post übertragen, während die Swisscom seither die Telekommunikations-Dienstleistungen erbringt. (whr)

Eine Woche später kommt ein freundlicher Brief von meinem neuen Telekom-Anbieter. Meine persönlichen Angaben stimmten nicht mit den Angaben beim bisherigen Anbieter überein, deshalb könnten sie meine Telefonnummer nicht übernehmen.

Die Odyssee beginnt von vorne: Viele fröhliche, freundliche, frische Stimmen und ganz viel grauenhafte Musik.

Wie das alles endet ist derzeit noch unklar.

Aber eins ist klar: Ich sehne mich zurück in die gute alte Zeit, als die schweizerische PTT noch das Monopol auf die Telefoniererei hatte. Damals musste man nicht mühsam verschiedene Abomodelle vergleichen, es gab einfach einen Preis und den hatte man zu bezahlen. Und wenn dann die PTT damit Gewinne machte, gingen diese an den Staat, also indirekt wieder an mich zurück.

Das Tischmodell und ...
Bild: PHOTOPRESS-ARCHIV

Call-Centers gab es auch noch nicht, dafür die Auskunftsnummer 111. Das Frölein von der Auskunft war zwar nicht immer fröhlich zwitschernd, es konnte auch sehr mürrisch sein. Doch dafür konnte man sie ALLES, aber auch gar ALLES fragen, ohne dazwischen Musik hören zu müssen.

... und das Wandmodell der PTT.
Bild: PHOTOPRESS-ARCHIV

Und noch etwas war damals viel, viel einfacher: Die Auswahl des Telefongeräts. Da gab es einfach ein Wandmodell und ein Tischmodell. Basta.

Allerdings, fotografieren konnte man weder mit dem Wand- noch dem Tischmodell ...

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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  • Tower204CH 13.01.2016 17:05
    Highlight Ich versteh das ganze nicht, bei neuen Anbieter Anmelden Portierung einleiten das war’s.

    Wenn er nicht in der Lage ist das Portierungsformular Korrekt auszufüllen kann der Anbieter nichts dafür.





    5 5 Melden
  • Thomas Bollinger (1) 13.01.2016 10:40
    Highlight Der Grund für diesen Aufwand ist, dass der Autor ein billigeres Abo will. Die PTT als Monopolistin hatte sowas nicht. Die Punchline geht also nicht auf.
    8 4 Melden
  • Knut Atteslander 13.01.2016 07:27
    Highlight Ich wünsche mir die Feudalzeit zurück. Damals hat man einfach 12h auf dem Feld geschuftet und musste sich nicht mit Krankenversicherung und dem ganzen Verwaltungsbrimborium herumschlagen...
    19 5 Melden
  • hochi_ch 12.01.2016 22:06
    Highlight Ich arbeite wohl bei diesem Anbieter :-). Das Prozedere der Rufnummernportierung ist tatsächlich etwas gewöhnungsbedürftig. Der Vertrag wird beim neuen Anbieter unterzeichnet und der Antrag für die Portierung gestellt. Der Nutzer ist dafür verantwortlich die Daten korrekt, wie beim alten Anbieter registriert, auszufüllen. Stimmen Angaben oder Daten nicht, wird die Anfrage abgelehnt.

    Wenn du mir per PN dein Geburtsdatum, Telefonnummer, Name und Adresse sendest, schaue ich doch mal nach warum deine Anfrage abgelehnt wurde :-)
    LG hochi
    14 0 Melden
    • trio 12.01.2016 22:43
      Highlight Seit wann kann man bei Watson PN verschicken?
      9 0 Melden
    • Pana 13.01.2016 07:33
      Highlight Erwähne die PN Funktion nicht. Die meisten wissen gar nicht, dass sie existiert.
      9 0 Melden
    • hochi_ch 13.01.2016 20:09
      Highlight ach so... sry noch nicht so lange registriert... ;-)
      0 0 Melden
  • Luca Brasi 12.01.2016 21:18
    Highlight Bin zwar ein etwas jüngerer Jahrgang, vermisse aber die PTT irgendwie auch. Nostalgie, die Droge des Älterwerdens...Was für Musik war es eigentlich bei der Warteschlaufe?
    9 3 Melden
  • konstruktor 12.01.2016 17:43
    Highlight Naja soweit ich mich erinnern kann, habe ich damals (1996) so um die Fr. 2.30 pro Minute Internet bezahlt, da wünsch ich mir die Telecom nicht zurück. Und die Nummernportierung verlief bei mir immer reibungslos über den neuen Operator. Anstandslos immer zum gewünschten Zeitpunkt per SMS informiert worden und der Vertrag lief mit der gewünschten Dienstleistung. Man könnte sich vorher auch noch informieren wie die Portierung funktioniert, weil dann wüsste man es nämlich :)
    21 3 Melden
  • Gelöschter Benutzer 12.01.2016 17:25
    Highlight Kapitalismus lässt grüssen.. Mehr Anbieter, mehr Chefs, Stellvertreter usw. Die wollen auch Ihren gut bezahlten Lohn. Irgendwer muss das ja bezahlen. Man beachte, alles was privatisiert wurde, wurde teurer und komplizierter. Und die Angriffe die ich wohl dann jetzt bekomme durch den post sind mir sowas von scheisse.. Machen wir es wie früher.. und gehen nachher zusammen ein Bier trinken.
    28 22 Melden
    • dakapo 12.01.2016 18:32
      Highlight Alles wurde teurer? Grad in diesem Beispiel ist das genaue Gegenteil der Fall.
      45 5 Melden
    • Toerpe Zwerg 13.01.2016 01:55
      Highlight Fail.
      12 1 Melden
    • Pana 13.01.2016 07:35
      Highlight Jep. Habe in meinem ganzen Leben noch nie so wenig Telefongebühren bezahlt, wie ich das heutzutage mache. Definitiv ein topic, wo ich die "alten Zeiten" nicht vermisse.
      13 2 Melden
    • Gelöschter Benutzer 13.01.2016 09:49
      Highlight ist doch immer wieder schön zu sehen das es wesen gibt, die nicht über den tellerrand schauen
      6 4 Melden
  • rage<3 12.01.2016 16:25
    Highlight Das waren noch Zeiten ano 1998. Da war die Welt noch in Ordnung... ;)
    19 2 Melden
  • Toerpe Zwerg 12.01.2016 15:28
    Highlight Es geht noch schlimmer bei der Portierung der Festnetznummer (wer braucht ueberhaupt sowas)? Kuendigung alter Anbieter schriftlich und Termingerecht. Portierung der Nummer 4 Tage vor Kuendigungstermin. Alter Anbieter verrechnet CHF 150 fuer "vorzeitige Vertragsaufloesung".
    10 2 Melden
    • Urmel 12.01.2016 15:50
      Highlight Ich brauche eine Festnetznummer! Wegen der miserablen Qualität der Handyanbieter bei uns im Dorf (ALLE Anbieter).
      Mit dem Handy zu Hause zu telefonieren, ist für mich fast unmöglich (zu viele Unterbrüche..).
      21 1 Melden
    • chrisdea 12.01.2016 20:26
      Highlight @Urmel (aus dem Eis): Festnetz künden, ordentliches WLan und bei Skype eine Nummer holen. Dann geht's auch ohne Festnetz. :-)
      4 5 Melden
  • Sagitarius 12.01.2016 15:01
    Highlight oh wie wahr!!! Ich weiss nicht wie oft ich schon in diesen Warteschlaufen festgezurrt war......
    20 2 Melden
    • Gian B. 12.01.2016 17:23
      Highlight Darum habe ich mein 2. Handyabo bei Swisscom mit Einschreibebrief nach Bern gekündigt. Hat bestens funktioniert und die Anrufe vom Swisscom-Callcenter habe ich einfach ignoriert. Klappte ohne Endlosschlaufen bestens.
      10 0 Melden
  • wipix 12.01.2016 14:55
    Highlight Der Vergleich resp. das Anpassen des Vertrages beim bestehenden Anbieter ist häufig sinnvoller als ein Wechsel mit Nummerportierung zu einem neuen Anbieter. Vor allem wenn man den persönlichen Aufwand noch dazu rechnet. Wenn man dann schon den Aufwand auf sich nimmt, wird sparen wollen und wechselt zum im Vergleich günstigsten Anbieter. Diese stehen aber logischerweise wirtschaftlich unter grösserem Druck und passen Ihr Angebot schneller an und was dann sehr nerven kann, auch Ihre Supportleistungen / Qualität Ihrer Kundendienste!
    8 6 Melden
    • conszul 12.01.2016 15:09
      Highlight Bei mir hat der Wechsel von Anbieter X zum Anbieter Y problemlos und pünktlich funktioniert. Direkt über die Website des neuen Anbieters hat mich das maximal 5 Minuten gekostet. Sehe das Problem also nicht.
      26 4 Melden

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