Schweiz

Steinhauer bei der Arbeit mit dem Brekzie-Gestein (Marmor-Granit) im Steinbruch in Arzo, Tessin. Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

8 Milliarden Arbeitsstunden 2016: Wir sind die Nation der «Chrampfer»

27.07.17, 12:06 27.07.17, 12:32

Die Beschäftigten der Schweiz haben 2016 knapp 8 Milliarden Stunden gearbeitet. Das sind 1.4 Prozent mehr als im Vorjahr. Ausschlaggebend dafür ist nicht gewachsener Arbeitseifer, sondern die gestiegene Beschäftigtenzahl und das Schaltjahr.

Wegen des Schaltjahrs nämlich nahm die Zahl der absolvierten Arbeitstage um 0.2 Prozent zu. Die Anzahl der Beschäftigten stieg derweil um 1.7 Prozent. So kamen durch alle Erwerbstätigen 7.892 Milliarden Arbeitsstunden zusammen, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) am Donnerstag mitteilte.

44 Stunden und 40 Minuten: Die Bauern abreiten am längsten.  Bild: PHOTOPRESS-ARCHIV

Trend zu weniger Arbeit und mehr Ferien

Der Anstieg bei den Arbeitsstunden wäre noch stärker ausgefallen, wenn die tatsächliche wöchentliche Arbeitszeit pro Stelle 2016 nicht um 0.5 Prozent zurückgegangen wäre. Die wöchentliche Arbeitszeit der Vollzeitbeschäftigten sank von 2011 bis 2016 um 13 Minuten auf 41 Stunden und 10 Minuten. Nicht mitgerechnet sind dabei die Arbeitnehmenden in einer eigenen Firma.

Gleichzeitig gab es mehr Ferien. Seit 2011 stieg die Anzahl der Ferienwochen um 0.3 Tage auf 5.12 Wochen. Mit 4.9 Wochen schauten die 20- bis 49-Jährigen gegenüber Jüngeren und Älteren in die Röhre. Die 15- bis 19-Jährigen hatten 5.3 Wochen Ferien, die 50- bis 64-Jährigen 5.6 Wochen.

Am meisten arbeiteten Bauern, Förster und andere Vollzeitbeschäftigte im Primärsektor. Sie kamen auf 44 Stunden und 40 Minuten pro Woche. Auch kein Zuckerschlecken war die Arbeit mit 42 Stunden und 7 Minuten im Gastgewerbe. Versicherungs- und Kreditbeschäftigte verbrachten mit 42 Stunden und 1 Minute ebenfalls überdurchschnittlich viel Zeit am Arbeitsplatz.

Mehr Absenzen als Überstunden

2016 nahm die Zahl der Überstunden ab. Deren Quote an der Arbeitszeit betrug 2.3 Prozent. Indessen stieg die Absenzenquote bei den Vollzeitarbeitnehmenden auf 4 Prozent. Nur in den beiden Kategorien Kredit- und Versicherungswesen sowie freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen übertraf die Überstunden- die Absenzenquote.

Für 74 Prozent aller Absenzen waren im vergangenen Jahr Krankheiten oder Unfälle verantwortlich. Freudigere Ereignisse schlugen in Form des Mutterschaftsurlaubs in 13 Prozent der Fälle zu Buche. Der Dienst am Vaterland in Militär oder Zivildienst verursachte 7 Prozent der Absenzen.

Die Schweizer sind die «Chrampfer» des Kontinents.  Bild: KEYSTONE

Nation der «Chrampfer»

Mit 42 Stunden und 48 Minuten tatsächlicher wöchentlicher Arbeitszeit sind die Schweizer Vollzeitarbeitnehmenden im Europavergleich (EU28) gemäss der europäischen Statistikbehörde Eurostat die «Chrampfer» des Kontinents. Die Diskrepanz zu den Zahlen des BFS liegt in einer unterschiedlichen Erhebungsmethode, wie das Bundesamt schreibt.

Im Vereinigten Königreich standen die Vollzeitbeschäftigten gemäss den vergleichbaren Eurostat-Zahlen 40 Stunden 54 Minuten im Einsatz, in Rumänien und Luxemburg 40 Stunden und 48 Minuten.

In Frankreich belief sich die Wochenarbeitszeit einer Vollzeitstelle hingegen auf 37 Stunden 36 Minuten und in Finnland auf 37 Stunden 54 Minuten. Der EU28-Durchschnitt lag bei 39 Stunden 36 Minuten.

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Auf alle Erwerbstätigen gesehen ändert sich das Bild. Da befindet sich die Schweiz mit einer tatsächlichen Arbeitszeit von 36 Stunden und 12 Minuten pro Woche unter den Ländern mit den niedrigsten Werten. Grund dafür sind die vielen Teilzeitbeschäftigten.

In Griechenland war die wöchentliche Arbeitszeit in dieser Betrachtungsweise mit 40 Stunden und 54 Minuten am höchsten, in den Niederlanden am tiefsten (31 Stunden 48 Minuten). Der EU28-Durchschnitt belief sich auf 36 Stunden 36 Minuten.

Im Vergleich der geleisteten Arbeitsstunden mit der Gesamtbevölkerung über 15 Jahren setzt sich die Schweiz wieder an die Spitze des Ländervergleichs. Sie kam 2016 auf 23 Stunden und 58 Minuten pro Woche. Die Statistiker des Bundes führen das auf die hohe Erwerbsquote zurück. Das Schlusslicht bildet hier Italien mit 15 Stunden 55 Minuten. Der EU28-Schnitt lag bei 19 Stunden 20 Minuten. (sda)

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  • Booker 27.07.2017 15:24
    Highlight Und als Belohnung Luxus, Wohlstand, gute Infrastruktur, prosperierende Wirtschaft, stabile Währung im Euro Krisenumfeld. Insgesamt Jammern auf extrem hohen Niveau - einen Dank an die vielen Mitchrampfer auch auf den Baustellen, in der Kanalisation, an der Kasse etc.
    4 1 Melden
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  • aglio e olio 27.07.2017 15:11
    Highlight 30 Stunden Woche als Vollzeitstandard.
    Dann kann man sich auch mal wieder um Dinge kümmern, deren Nutzen nicht ökonomisch messbar sein soll.
    3 3 Melden
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  • G. Schlecht 27.07.2017 14:43
    Highlight Wir sind auch die Nation der Selbstmörder, Burn-out-Patienten, Säufer, Kiffer, Psychopharmakaschlucker und Staats- und Obrigkeisgläubigen. Wow, dafür kriegt man auf dem Friedhof bestimmt viel Propps von den anderen Liegenden. Mir wäre eine Nation der Glücklichen, Gesunden und Zufriedenen lieber.
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