Schweiz

Unbezahlte Arbeit

Schweizer arbeiten für 400 Milliarden Franken gratis – den Löwenanteil haben die Frauen geleistet

19.02.15, 12:46 19.02.15, 13:55

Mit insgesamt 8,7 Milliarden Stunden ist in der Schweiz 2013 mehr als doppelt so viel Zeit für unbezahlte als für bezahlte Arbeit aufgewendet worden. Müsste all die Gratisarbeit zu Marktpreisen entlöhnt werden, würden dafür 400 Milliarden Franken fällig.

Gegen Entlöhnung wurden im Jahr 2013 total 7,7 Milliarden Arbeitsstunden geleistet. Damit überstieg das Volumen der unbezahlten Arbeit jenes der bezahlten um 14 Prozent, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) am Donnerstag mitteilte.

Mit 62 Prozent übernahmen Frauen den Löwenanteil der gratis geleisteten Arbeit. Ebenso gross war der Anteil der Männer bei den bezahlten Tätigkeiten. Die Arbeit im Haushalt machte 6,6 Milliarden Stunden und damit drei Viertel der gesamten nicht entlöhnten Arbeit aus.

Am meisten Zeit wird im Haushalt von beiden Geschlechtern für das Kochen und Putzen aufgewendet. Mit 67 beziehungsweise 72 Prozent entfiel 2013 die Hauptlast dieser Tätigkeiten aber auf die Frauen. Beim Zeitaufwand für das Waschen betrug der Frauenanteil sogar 80 Prozent.

Mit 1,5 Milliarden Stunden oder 17 Prozent des Totals beziffert das BFS den Aufwand für Arbeiten, die mit der Betreuung von Kindern und zu einem geringen Teil auch von Erwachsenen zusammenhängen. Für ehrenamtliche und freiwillige Tätigkeiten werden knapp 670 Millionen Stunden (7,6 Prozent) eingesetzt.

Grosse volkswirtschaftliche Bedeutung

Die gesamte Arbeit «für Gottes Lohn» wird vom BFS für 2013 auf einen Geldwert von 401 Milliarden Franken geschätzt. Müssten über den Markt angestellte Personen dafür entlöhnt werden, schlüge Hausarbeit mit 267 Milliarden (67 Prozent des Gesamtwertes) zu Buche. Betreuungsaufgaben werden auf 93 Milliarden (23 Prozent) veranschlagt, die Freiwilligenarbeit auf 41 Milliarden (10 Prozent).

Wie gross die volkswirtschaftliche Bedeutung der unbezahlten Arbeit ist, wird anhand des Satellitenkontos Haushaltsproduktion (SHHP) errechnet. Demnach machte im Jahr 2013 die Gratisarbeit an der um die Haushaltsproduktion erweiterten Wertschöpfung 41 Prozent aus. (sda)

Hol dir die App!

Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
1Kommentar anzeigen
1
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
  • LucasOrellano 19.02.2015 13:24
    Highlight Bevor jetzt die Feministinnen wieder aufschreien, bzw. sich auf die Schulter klopfen, wie viel besser Frauen doch seien: unterm Strich leisten Männer pro Woche trotzdem mehr als Frauen, weil sie nämlich dafür den überwältigenden Teil der Erwerbsarbeit erledigen. Aber dafür gibts halt keine Komplimente à la "Den Löwenanteil der Erwerbsarbeit haben die Männer geleistet", sondern nur Anfeindungen.
    1 0 Melden

Die Schweden sagen: Sechs Stunden Arbeit sind genug – das freut Arbeitnehmer wie Firmen

Die Skandinavier setzten auf kürzere Arbeitszeiten und machen damit beste Erfahrungen: Die Menschen sind zufriedener und die Firmen steigern Produktivität und Gewinne.

Schweden und die Schweiz sind in vieler Hinsicht vergleichbar: Beide Länder gehören zu den reichsten der Welt, beide haben einen gut ausgebauten Sozialstaat (obwohl das die Schweizer nicht so gerne hören), und die Schweden wie die Schweizer befinden sich an der Spitze der glücklichsten Menschen auf diesem Planeten. In einem Punkt jedoch unterscheiden sich Schweden und Schweizer: In Sachen Einstellung zur Arbeit.

In der Schweiz ist in vielen Betrieben üblich geworden, die Arbeitszeit zu …

Artikel lesen