Schweiz

Der Ruf des Bieres hat sich verändert. Bild: KEYSTONE

Immer mehr Kleinbrauereien: «Das Bier ist sinnlicher und szeniger geworden»

Niemand trinkt, alle brauen. So könnte man die aktuelle Lage auf dem Biermarkt zusammenfassen. Marcel Kreber weiss, warum die Bierabsätze trotz wachsender Bevölkerung stagnieren und gleichzeitig Brauereien wie Pilze aus dem Boden schiessen. Der Direktor des Schweizer Brauerei-Verbands (SBV) über Szenen-Biere, soziale Medien und Gesundheitswahn. 

Publiziert: 24.11.16, 16:57 Aktualisiert: 25.11.16, 06:51

Alleine in diesem Jahr sind in der Schweiz 111 Brauereien gegründet worden. Kann man von einem Trend sprechen?
Marcel Kreber:
Auf jeden Fall. Allerdings muss man erwähnen, dass die meisten dieser Braustätten zwischen 0 und 50 Hektoliter Bier brauen. Sie sind zwar im «Verzeichnis der steuerpflichtigen Inlandbrauereien» der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV) geführt, weil das Gesetz das so verlangt. In der Regel sind es nebenberufliche Brauereien. 

Dass heisst, die Schweizer brauen sich mehr und mehr ihr eigenes Bier? 
Genau. Es ist ein Hobby, das um sich greift. Das Bier ist in diesem Sinne sinnlicher und szeniger geworden. Ein selber gebrautes, exklusives Bier für die Freunde, ein Bier aus dem Quartier, das trifft den Nerv der Zeit. Und es befruchtet die Brauszene. 

«Heute wird ganz allgemein weniger Alkohol getrunken.»

Marcel Kreber

Wieso?
Eigenproduktionen und Kleinbrauereien sind meist flexibler als grössere Brauereien. Rasch können diese neue Rezepte umsetzen und entsprechende Biere anbieten. Bei grösseren geht das logischerweise nicht so schnell. Zudem kommt auch der Anspruch, qualitativ hochstehende Biere mit entsprechender Vielfalt zu brauen. Die Kleinen haben den Markt vor allem in den letzten zehn Jahren belebt. Die Grossen der Branche reagierten ihrerseits auf die gestiegene Nachfrage. Heute haben diese entsprechend mehr Sorten im Angebot. Der Markt der Spezialitätenbiere wächst weiter. 

Marcel Kreber, Direktor des Schweizer Brauerei-Verbands (SBV).  bild: zvg

Was ist denn vor zehn Jahren passiert?
Der Craftbeer-Trend aus den USA hat bei uns definitiv Fuss gefasst. In den USA begannen kleinere Brauereien schon vor 20 Jahren vermehrt auf Spezialitätenbiere zu setzen. Diese Bewegung schwappte nach Europa und auch in die Schweiz. Es ist in diesem Sinne eine globale Entwicklung, die zur aktuellen Schwemme von lokalen Bieren führte. Mittlerweile gelten diese lokalen Spezialitäten als urban. In Zürich gibt es Bars, in welchen man über 50 verschiedene Biersorten bekommt. 

Trinken 20-Jährige anders Bier als 50-Jährige?
Zum einen fragen die 20-Jährigen vermehrt nach Spezialitätenbieren, während die ältere Generation hauptsächlich Lagerbier trinkt. Heute wird ganz allgemein weniger Alkohol getrunken. 

«Die Menschen haben heute schlicht und einfach weniger Zeit, Restaurants zu besuchen oder in Ruhe ein Feierabendbier zu geniessen.»

Marcel Kreber

Können Sie das belegen?
Ja, die Zahlen sind vom Bund bestätigt. Die Bevölkerung wächst ständig, der Bierkonsum bleibt indes mehr oder weniger gleich. Im abgelaufenen Braujahr 2015/16 sank der Ausstoss um 0,6 Prozent auf 4,62 Millionen Hektoliter. Noch nie wurden in der Schweiz so wenige alkoholhaltige Getränke getrunken wie heute. 

Bei uns herrscht eine enorm reiche Biervielfalt. Bild: KEYSTONE

Woher kommt das?
Es ist eine Mischung aus vielem. Es hat ein grosser gesellschaftlicher Wandel stattgefunden: Wir haben heute dieses ausgeprägte Gesundheitsbewusstsein, es herrscht bisweilen ein regelrechter Körperwahn, zudem leben wir in einer Leistungsgesellschaft. Dass wir dieses Interview über den Mittag führen, ist das beste Beispiel dafür. Früher hätten wir Pause gemacht, uns hingesetzt und bei einem Mittagessen vielleicht ein Bier getrunken. Dazu kommen die Smartphones, durch die wir ständig abgelenkt und erreichbar sind, sowie die sozialen Medien. Die Menschen haben heute schlicht und einfach weniger Zeit, Restaurants zu besuchen oder in Ruhe ein Feierabendbier zu geniessen. 

Das muss für Ihre Branche beunruhigend sein. Was können Sie dagegen tun?
Gegen gesellschaftliche Trends kommen wir nicht an. Aber wir haben es selber in der Hand, den Ruf des Biers zu verändern, zu verbessern. Das geschieht bereits. Bier-Sommeliers sind keine Seltenheit mehr. Das wertet das Bier auf. Bier ist jahrtausendealtes Kulturgut, das es immer wieder neu zu entdecken gilt. Das realisieren immer mehr Schweizer. 

Können Sie uns ein solches Bier nennen? Eines, das wir aktuell unbedingt probieren müssen?
Da gäbe es viele. Es ist die Vielfalt, die es ausmacht. Ich habe einen Bierkeller, wie andere Weinkeller. Ich trinke das Bier, das zum entsprechenden Anlass passt. An einem warmen Sommerabend ein Weizen, zum Braten eher ein dunkles Bock-Bier. 

Die Schweiz hat eine grosse Biertradition.

Jetzt ist Quiz-Time. Passend zum Thema: Bei welcher Biermarke hat die Grossbrauerei Heineken eine Beteiligung?

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Ja
Nein
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5.
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Nein
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Bongarts
Ja
Nein

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  • zumi_15 24.11.2016 19:51
    Highlight Das Quiz war jetzt aber auch sehr schwierig.
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  • BoomBap 24.11.2016 19:03
    Highlight Früher wurde eine nach der anderen geschlossen, heute spriessen Sie wie Pilze aus dem Boden. In Buchs SG gab es früher mal 2 grössere Brauereien (Zirfass, Locher), ich bin leider zu jung. Ich konnte nie ein Buchser Bier kosten. Heute ist im ganzen Rheintal nur das Sonnenbräu in Rebstein geblieben. (Kleinbrauereien ausgenommen) Aber es freut mich das regionale Biere wieder im Trend sind. Im Militär kam ich so schon zu Müller Bier, Kopfab, Falkenbräu etc)
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  • Wilhelm Dingo 24.11.2016 17:35
    Highlight Super Entwicklung: Ich freue mich über jedes Bier welches nicht nach Massenbier schmeckt! Und das muss nicht mal teuer sei, ich staune manchmal wie günstig und gut lokale Biere sein können.
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    • Amboss 24.11.2016 21:49
      Highlight Was ist für dich "Massenbier"?

      Ich hab schon Bier von einigen kleinen Brauereien gehabt und war meist etwas enttäuscht. Fein zwar, aber halt doch einfach nur Bier, irgendwie nichts besonderes.

      Meine Favoriten stammen immer noch aus dem Ausland und ist eigentlich Massenbier: Jever und Tannenzäpfle. Richtig feine Biere mit Charakter.

      Finde also, Masse ist nicht ein Kriterium
      6 28 Melden
    • Spi 25.11.2016 10:42
      Highlight Amboss, mit deinem Namen hätte ich mir eine qualifiziertere Aussage gewünscht.
      3 3 Melden
    • Amboss 27.11.2016 04:35
      Highlight Wieso? Was bedeutet denn mein Name?
      0 0 Melden
    600
  • joe 24.11.2016 17:34
    Highlight "Oh ein interessantes Interview mit dem Direktor des Schweizer Brauerei-Verbands! Gleich mal lesen!"

    Und dann kommt dieses "Wie Handysüchtig bist du?" Quiz.

    ECHT JETZT?
    Zu diesem Thema nehmt ihr ein altes nicht passendes Quiz?!?
    Man hätte ja ein neues machen können. "Welche Biersorte trinkst du?"

    (Anm. der Redaktion: Danke für den Hinweis. Wir haben ein passenderes Quiz angefügt.)
    17 0 Melden
    • kraaft 24.11.2016 18:26
      Highlight Und jetzt habe ich das Heineken Quiz mit 6/6 Punkten gelöst und Watson schliesst daraus, dass ich Heinekentrinker bin :-(
      Dabei weiss ich einfach genau, welche Biere ich unbedingt meiden will!
      50 2 Melden
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  • Humbolt 24.11.2016 17:21
    Highlight "Dieses ausgeprägte Gesundheitsbewusst...regelrechter Körperwahn...Schade wird weniger Bier zum Mittag getrunken (sinngemäss)"
    Ähm, gehts der Branche so mies, dass alles halbwegs gesunde schuld daran ist?
    Zum Glück achten die Leute vermehrt auf ihre Gesundheit und saufen sich die Birne nicht schon zum Mittag voll!
    Dass es wahrscheinlich auch weniger Unfälle gibt dadurch auf dem Bau oder im Verkehr ist wohl egal. Hauptsache O'zapf is!
    11 29 Melden
    • Captain_Awesome 24.11.2016 18:06
      Highlight Man muss sich nicht gleich die Hucke vollsaufen wenn man einmal anfängt, man kann auch mal gemütlich ein Bier trinken!
      Dann würde es der Gesundheit auch nicht so schaden.
      Nur scheinen mir das einige nicht verstanden zu haben.
      34 1 Melden
    • Humbolt 24.11.2016 18:16
      Highlight Absolut, praktiziere ich selbst auch so! Ich persönlich finde einfach, das Alkohl am Mittag nicht getrunken werden sollte. Vor allem nicht, wenn man nacher noch strenger Arbeit nachgehen muss.
      14 6 Melden
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