Schweiz

Die SKOS-Richtlinien sind in Zürich seit längerem unter Beschuss. Im Januar gab es Proteste vor dem Kantonsratsgebäude. Bild: KEYSTONE

Doch kein Austritt: Kanton Zürich hält an SKOS-Richtlinien fest

04.05.15, 11:57 04.05.15, 14:34

Der Kanton Zürich hält an den SKOS-Richtlinien fest. Der Kantonsrat hat eine Motion von FDP, GLP und SVP mit 96 zu 73 Stimmen abgelehnt. Die Motionäre hatten die Aufhebung der Rechtsverbindlichkeit der SKOS-Richtlinien und die Schaffung kantonaler Richtlinien verlangt.

Zahlreiche Abweichler in den Reihen der FDP und GLP sowie 6 Stimmenthaltungen sorgten dafür, dass der Vorstoss bachab geschickt wurde. Hätten die drei Fraktionen im 180-köpfigen Kantonsparlament geschlossen abgestimmt, hätten sie – rein rechnerisch – eine Mehrheit von 96 Stimmen erreicht.

SP, Grüne, CVP, BDP und EVP lehnten die Motion ab. Sie sei entsetzt, dass sich gewisse Politiker auf dem Buckel der Schwächsten profilieren wollten, sagte die Sprecherin der SP. Den Befürwortern gehe es einzig darum, «unseren noch bestehenden sozialen Frieden aufs Spiel zu setzen».

«Eigene und flexiblere Richtlinien»

Mit der Motion hätte der Regierungsrat beauftragt werden sollen, die Rechtsverbindlichkeit der SKOS-Richtlinien im Rahmen der Totalrevision des kantonalen Sozialhilfegesetzes und der Verordnung zum Sozialhilfegesetz aufzuheben. Als Alternative forderten die unterzeichnenden Parlamentarier für den Kanton «eigene und flexiblere Richtlinien».

«Eine schnellstmögliche Ablösung und Wiedereingliederung in eine eigenverantwortliche, selbständige Lebensführung» müsse das Ziel der Sozialhilfe sein, hiess es in der Motion. Die heutige Regelung mit Einkommensfreibetrag und Integrationszulagen führe jedoch zu Fehlanreizen mit Schwelleneffekt.

Keine Insellösung

Sicherheitsdirektor Mario Fehr (SP) sprach sich gegen die Überweisung aus. Die Motion käme einer Absage an das SKOS-System gleich. Eine Insellösung des Kantons Zürich sei aber keine Lösung, sagte er. «Wenn sie die Motion verabschieden, verabschiedet sich der Kanton Zürich von der sozialpolitischen Diskussion in diesem Bereich.»

Fehr wies zudem auf die laufenden Reformbestrebungen innerhalb der Sozialdirektorenkonferenz hin. Im kommenden September würden die überarbeiteten Richtlinien verabschiedet. «Diese werden am 1. Januar 2016 in Kraft treten». (pma/sda)

Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
0Alle Kommentare anzeigen
0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!

Autsch! Dieser Flüchtling zeigt seinen Budgetplan nach Wegfall der Sozialhilfe

Der Zürcher Kantonsrat will vorläufig Aufgenommenen die Sozialhilfe streichen. Sie sollen nur noch Asylfürsorge erhalten. Ein Betroffener rechnet vor, was das für ihn bedeuten würde.

«Nein, davon habe ich nichts gewusst», sagt Mouss und schaut mit betroffener Miene auf seine Hände. Vor ihm auf dem Tisch steht ein Teller mit Reis, Hühnchen und Gemüse. Es ist Abendessenszeit in der «Autonomen Schule Zürich». Hierhin kommt Mouss regelmässig, weil der Deutschunterricht gratis ist und das Essen nur zwei Franken kostet.

Die Neuigkeit, die Mouss nun aber den Appetit verdirbt, ist, dass der Zürcher Kantonsrat vor Kurzem beschlossen hat, vorläufig aufgenommenen Personen keine …

Artikel lesen