Schweiz

Winterthurer An'Nur-Moschee bleibt vorerst geschlossen

03.11.16, 15:48 03.11.16, 16:02

Bild: KEYSTONE

Die Tür der An'Nur-Moschee in Winterthur-Hegi ist nach der Razzia vom Mittwoch verschlossen: Die Stadtpolizei Winterthur hat den Schlüssel - ihr fehlt aber eine «geeignete Person» aus dem Umfeld des Vereins oder der Moschee, an den sie ihn aushändigen kann.

Bis die An'Nur-Moschee für die Gläubigen wieder zugänglich ist, dürften gemäss Einschätzung der Stadtpolizei Winterthur mehrere Tage vergehen. «Wir sind auf der Suche nach einer geeigneten Person, welche die Verantwortung für den Verein und die Moschee übernimmt», sagte Mediensprecherin Bianca Liechti am Donnerstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Sogenannte Brückenbauer und Fachleute von Integrationsstellen sind eingeschaltet worden. Diese sind gemeinsam mit der Stadtpolizei daran, Abklärungen zu treffen.

Noch konnte aber keine Person gefunden werden, welche nach der Razzia vom Mittwoch und den Festnahmen im Umfeld des An'Nur Kultur Vereins die Verantwortung - und den Hausschlüssel - übernehmen kann.

Razzia in Winterthurer Moschee

Offen ist derzeit auch, ob eine Wiedereröffnung der Moschee sofort möglich wäre: Sollten die Räumlichkeiten weiter im bisherigen Umfang genutzt werden, müssten verschiedene Massnahmen ergriffen werden, heisst es dazu bei der Stadtpolizei.

Wie bereits am Mittwoch bekannt wurde, liegt unter anderem bezüglich Brandschutz und Lebensmittelsicherheit einiges im Argen. Aus Datenschutzgründen sind diesbezüglich aber derzeit keine weiteren Angaben erhältlich.

Die SMS 

Die Polizei und die Staatsanwaltschaft führten am Mittwochmorgen in der An'Nur-Moschee in Winterthur eine Razzia durch. Sie verhafteten unter anderem den Imam, der in einer Predigt zu Mord an Muslimen aufgerufen haben soll, welche die Gebetszeiten nicht einhielten.

Die Razzia zumindest mitausgelöst haben dürfte ein Journalist der «Weltwoche». Dieser hatte die Stadt Winterthur am vergangenen Samstag für einen Artikel per SMS angefragt, ob sie von diesem Mordaufruf Kenntnis habe.

Die Stadt hat diese Informationen, da es sich um strafrechtlich relevante Vorwürfe handelt, umgehend der Polizei weitergeleitet, wie Stadtrat Nicolas Galladé (SP) am Donnerstag gegenüber der Nachrichtenagentur sda sagte. Die Stadt habe auch den Journalisten gebeten, seine Dokumente mit der Polizei zu teilen.

Aufrufe zu Mord und Hass hätten selbstverständlich keinen Platz. «Wir sind an einem guten Zusammenleben in der Stadt interessiert», so Galladé. Die Stadt habe deshalb in denjenigen Bereichen, in denen sie zuständig sei, ihre Anstrengungen intensiviert. So seien etwa Präventions- und Integrationsbemühungen verstärkt worden.

Staatsanwaltschaft informiert am Freitag

Die Zürcher Staatsanwaltschaft wollte am Donnerstag keine Fragen zum aktuellen Stand der Untersuchungen beantworten. Sie will erst am Freitag wieder offiziell informieren.

Bis dahin dürfte auch klar sein, ob sie für die am Mittwochmorgen vorläufig festgenommenen Personen Untersuchungshaft beantragt hat oder ob diese bereits wieder auf freiem Fuss sind. Gemäss Medienberichten soll zumindest einer bereits wieder entlassen worden sein. (sda)

Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
0Alle Kommentare anzeigen
0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!

«Ein Fehler im System» – Mohamed Wa Baile und sein Kampf gegen das «Racial Profiling»

Jung + schwarz = verdächtig. Gegen dieses Vorurteil kämpft Mohamed Wa Baile. Er will dem «Racial Profiling» von Polizisten ein Ende setzen. Und geht dafür bis vor Bundesgericht.   

Sein Fall sorgte für Aufsehen. Der 43-jährige Schweiz-Kenianer Mohamed Wa Baile wurde am 5. Februar 2015 am Zürcher Hauptbahnhof von zwei Stadtpolizisten kontrolliert. Wa Baile liess sich widerstandslos kontrollieren, weigerte sich aber, seinen Ausweis zu zeigen, weil er sich diskriminiert fühlte. Dafür kassierte der 43-Jährige eine Busse von 150 Franken, wegen Nichtbefolgens polizeilicher Anordnungen. 

Wa Baile war mit dem Strafbefehl nicht einverstanden und verlangte eine gerichtliche …

Artikel lesen