Schweiz

Nationalrat und Bundesratskandidat der SVP, Bruno Zuppiger, während der Affäre um das veruntreute Erbe (08.12.2011).
Bild: KEYSTONE

Ex-SVP-Nationalrat und Bundesratskandidat Bruno Zuppiger tot: Kantonspolizei Zürich leitet Untersuchung ein

19.02.16, 13:01 20.02.16, 17:25

Der ehemalige SVP-Nationalrat und Bundesratskandidat Bruno Zuppiger ist am frühen Freitagmorgen gestorben. Die Kantonspolizei Zürich bestätigte eine entsprechende Meldung des «Zürcher Oberländers». Als Todesursache wird ein plötzliches Herzversagen angegeben.

«Wie bei jedem aussergewöhnlichen Todesfall wurde auch hier eine Untersuchung eingeleitet», erklärt Stefan Oberlin, Sprecher der Kantonspolizei Zürich, auf Anfrage von watson.

«Ich habe ihn sehr geschätzt»

Sein überraschender Tod «macht uns sehr betroffen», schrieb der scheidende SVP-Präsident Toni Brunner am Freitag. «Die SVP behält Bruno Zuppiger als herzlichen und umgänglichen Kollegen in guter Erinnerung.»

Zuppiger sei ein «engagiertes Mitglied» der SVP-Fraktion gewesen, erinnerte sich der ehemalige Fraktionspräsident Caspar Baader. «Ich habe ihn sehr geschätzt. Als Kollegen und auch als Sparringpartner», sagte Baader am Freitag auf Anfrage.

Zuppiger erlebte den politischen Aufstieg – und den abrupten Fall. Im Jahr 2011 wurde er zum Hoffnungsträger der SVP. Nach fast 13 Jahren im Nationalrat, wo sich Zuppiger vor allem mit Finanz- und Sicherheitsthemen befasste, sollte er Bundesrat werden. Sein Auftrag war es, Eveline Widmer-Schlumpf (BDP) aus dem Amt zu drängen.

Als Bundesratskandidat abgesetzt

Bekannt wurde Zuppiger, der in Hinwil ZH wohnte, 2011 als Bundesratskandidat. Damals wurden Unregelmässigkeiten bei der Verwaltung einer Erbschaft einer ehemaligen Mitarbeiterin aufgedeckt. Die Staatsanwaltschaft leitete ein Strafverfahren gegen ihn ein. Seine Partei, die SVP, stellte ihn daraufhin nicht mehr als Bundesratskandidat auf. Insgesamt war Zuppiger 13 Jahre lang Nationalrat. 

Zuppiger hatte mit dem ihm anvertrauten Erbe einer verstor­benen Angestellten Schulden seiner Firma getilgt. Die 240'000 Franken waren eigentlich für die Krebsliga und die Pro Senectute bestimmt.

Die Verteidigung und die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich einigten sich auf eine bedingte Strafe von 13 Monaten und eine Busse von 1500 Franken. (aeg/feb/sma/sda)

Diese Politiker traten in der Legislatur 2011-2015 ab

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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  • Gelöschter Benutzer 19.02.2016 19:17
    Highlight Ja, der Absturz war sicherlich schmerzhaft. Man mag das tragisch finden und Mitleid spüren. Und ja, man soll bloss nicht Schlechtes über Tote sagen. Aber mal ganz ehrlich: Was für einen Charakter muss man haben, um den letzten Willen der eigenen Mitarbeiterin so zu missachten? Hier zeigte sich eine Form von Respektlosigkeit und Abgebrühtheit, die einem den Atem rauben liess. Dann sich noch als würdigen BR-Kandidaten zu sehen, zeigt eigentlich, wie wenig er sein Verhalten reflektieren konnte. Ich hoffe, er konnte dies in der kurzen Zeit, die ihm danach verblieb, nachholen.
    23 8 Melden
    • The Writer Formerly Known as Peter 19.02.2016 20:11
      Highlight Das ist alles klar und nachvollziehbar. Doch gibt es einen Punkt, an dem solche Fragen nicht mehr gestellt werden. Weisst du wie es weiterging und wie er gelitten hat? Das ist jetzt abgeschlossen.
      4 8 Melden
  • Gelöschter Benutzer 19.02.2016 15:32
    Highlight Seit wann ist Herzschlag ein aussergewöhnlicher Todesfall? Gibt so ja tausende von Autopsien jedes Jahr. Die Ärmsten
    13 48 Melden
    • Yelina 19.02.2016 18:49
      Highlight Eventuell sind die Umstände verdächtig? Sowas wird ja nicht unbedingt bekannt gegeben
      14 2 Melden
  • _mc 19.02.2016 15:15
    Highlight Verstehe ich das richtig.? Der Herr hat 240'000.- veruntreut, und dafür nur Fr. 1'500.- Busse bezahlt.. (und das Erbe zurückbezahlt?)...?
    46 13 Melden
    • Gelöschter Benutzer 19.02.2016 17:42
      Highlight Falls das zutrifft, scheint sich Diebstahl zu lohnen, so lang die Summen nur gross genug sind.
      25 7 Melden
    • AL:BM 19.02.2016 17:45
      Highlight Und ausserdem ist er noch tot!
      11 3 Melden
    • trollo 19.02.2016 18:49
      Highlight er musste zurückzahlen und verzinsen.
      8 1 Melden
    • _kokolorix 19.02.2016 19:12
      Highlight trotzdem scheinen mir 1,5k doch lächerlich wenig, bei so einer deliktsumme
      13 5 Melden
    • Gelöschter Benutzer 19.02.2016 20:44
      Highlight Danke für die Info, trollo.
      2 6 Melden
  • Guerzo 19.02.2016 14:05
    Highlight Mein Beileid an die Familie!
    77 5 Melden

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