Schweiz

Auch Staatsanwalt fordert nun Freispruch für die Schlieremer «Prügel-Polizisten»

Im Fall der Schlieremer Polizisten, die einen IV-Rentner verprügelt haben sollen, fordert nun auch der Staatsanwaltschaft einen Freispruch. Nachdem die Bundesrichter das Zürcher Obergericht zurückgepfiffen hatten, muss dieses heute neu urteilen.

04.10.16, 13:39 04.10.16, 13:55

Fünf Jahre, nachdem zwei Schlieremer Stadtpolizisten einen IV-Rentner in dessen Schrebergarten verprügelt haben sollen, muss heute das Zürcher Obergericht zum zweiten Mal über den speziellen Fall urteilen. 

In diesem Schrebergarten im Schlieremer Stadtteil Ifang sollen zwei Stadtpolizisten den Schrebergarten-Pächter körperlich misshandelt haben. bild: Florian Niedermann

Das Bundesgericht in Lausanne hatte den Fall im März dieses Jahres zur Neubeurteilung ans Zürcher Obergericht zurückgewiesen, unter anderem weil dieses «völlig abwegige Schlüsse» gezogen habe.

Über 40 Personen drängten sich heute Morgen in den Grossen Gerichtssaal. Nur von den beiden beschuldigten Ex-Polizisten war einer dispensiert – jener, der sich schon vor der Verurteilung durch das Bezirksgericht beruflich neu orientiert hatte.

Sein Kollege aber hat seine Polizisten-Stelle verloren und seither keine neue Erwerbstätigkeit mehr gefunden. Einen massiven Karriereschaden habe er erlitten, erklärte nun heute Morgen sein Anwalt Valentin Landmann. Auch private Sicherheitsfirmen hatten die Bewerbungen des Ex-Polizisten immer wieder abgelehnt. 

Zudem war er auf psychiatrische Hilfe angewiesen. «Ich will mein Leben wieder haben», habe er nun gestern Abend in einem SMS an Landmann geschrieben. Auch die Familie habe unter dem Fall und seinen Auswirkungen gelitten. «Sie waren nicht auf die Bombe vorbereitet, die der Kläger zündete», so Landmann.

Die Vorgeschichte

Im Dezember 2013 hatte das Bezirksgericht Dietikon die beiden Schlieremer Stadtpolizisten wegen Nötigung, Freiheitsberaubung, Amtsmissbrauch, Hausfriedensbruch und Körperverletzung zu bedingten Freiheitsstrafen von 16 Monaten und je 500 Franken Busse verurteilt. Da sich die Polizisten gegen das Urteil wehrten, kam der Fall vor Zürcher Obergericht, wo die Polizisten nur noch wegen Hausfriedensbruch, Amtsmissbrauch und Körperverletzung zu Geldstrafen von insgesamt 16'200 Franken respektive 35'100 Franken verurteilt wurden. Nun muss das Obergericht ein neues Urteil aussprechen.

Neben einer Genugtuung von mindestens 20'000 Franken forderte Anwalt Landmann einen Schadenersatz von über 120'000 Franken, darin enthalten sind die hohen Verteidigungskosten, welche der Verband Schweizerische Polizeibeamte dem Angeklagten bevorschusst hat.

Kritik an der Justiz

Weiter kritisierte Anwalt Valentin Landmann auch die Justiz. Die Techniken des IV-Rente beziehenden Klägers hätten «erschreckenden Erfolg» gezeitigt. «Er konnte auf einen praktisch uferlosen Vertrauenskredit zählen», so Landmann. Der Justizapparat habe dem Kläger eine Schützenhilfe geleistet, die sprachlos mache.

Weiter kritisierte er den Hausarzt, der nach dem Vorfall im Schrebergarten die Verletzungen des IV-Rentners untersuchte. Dabei berief er sich auch auf die Expertise des Rechtsmediziners Ulrich Zollinger. Dessen Gutachten zeige, dass die vom Kläger mitgelieferte Geschichte nicht zu seinen Verletzungen passen könne.

Der Kläger forderte vom Gericht, dass es mit dem Urteil noch zuwarte, bis weitere medizinische Abklärungen fertig seien. So werde er in gut zwei Wochen per MRI untersucht, um herauszufinden, woher sein Tinnitus und sein Kopfweh komme – seiner Meinung nach kommt sie von der angeblichen Prügeli vor fünf Jahren. Es gebe derzeit den Verdacht auf eine Hirnschwellung. Weiter forderte der Kläger die Einvernahme einer weiteren Zeugin.

Der Leitende Staatsanwalt Hans Maurer forderte in seinem Plädoyer einen Freispruch der beiden Polizisten, dies ganz gemäss dem Bundesgerichtsurteil, welches den Schuldspruch von Bezirksgericht und Obergericht diesen März stark gerügt hatte.

Der Staatsanwalt rief zudem gleich in Erinnerung, weshalb die Staatsanwaltschaft keinen Fehler machte, als sie die beiden Polizisten anklagte: Die Anklageerhebung würde sich nämlich aufdrängen, wenn sich die Anzeichen für Schuld und Unschuld in etwa die Waage halten. Dies sei hier der Fall gewesen.

Er bedaure es aber, dass der Geschädigte drei Monate mit seiner Anzeige gewartet habe und das Bezirksgericht den Fall über zwei Jahre später verhandelte. «Doch das tut jetzt nichts mehr zur Sache», so der Staatsanwalt. Nach der Verhandlung heute Morgen folgt nun am Nachmittag das Urteil. Angesichts des Bundesgerichtsurteils und der staatsanwaltschaftlichen Forderung nach einem Freispruch ist damit zu rechnen, dass es in der Tat zu einem Freispruch kommt.

(aargauerzeitung.ch)

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  • baBIELon 04.10.2016 14:40
    Highlight «Ich will mein Leben wieder haben»
    buhu du armer armer mann.. Hättest dir halt vorher überlegen sollen was passieren kann, wenn man seine Machtposition ausnützen will!
    20 45 Melden
    • fandustic 04.10.2016 15:24
      Highlight Hast wohl den Artikel nicht ganz verstanden....wie es ausschaut, haben sie das ja gerade nicht getan.
      22 5 Melden
    • baBIELon 04.10.2016 16:33
      Highlight Nein ich habe den Artikel sehr wohl verstanden...
      Du musst das nicht geschriebene eben auch verstehen
      9 18 Melden
    600
  • Sillum 04.10.2016 14:38
    Highlight Obwohl in Anführungszeichen gesetzt, das Wort "Prügelpolizisten" muss in den Titel. Und genau um solche unglaubliche Voreingenommenheiten und Vorverurteilungen geht und ging es in diesem unglaublichen Schmierenstück. Notabene nicht zuletzt wegen der "Weltwoche" werden die beiden Polizisten, wenn auch (zu)spät, aber immerhin nicht rehabilitiert.
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