Schweiz

Er habe in der Schweiz eine Pizzeria gesucht, sagt ein Neapolitaner – das Gericht sagt, er habe eine Bank überfallen

23.07.15, 11:58 23.07.15, 15:55

Ein vorbestrafter Bankräuber aus Italien muss für sechs Jahre ins Gefängnis, weil er in Beckenried NW eine Bank überfallen und weitere Raube im Aargau und in Zürich geplant hatte. Zu dem Schluss ist nach dem Nidwaldner Kantonsgericht auch das Obergericht gekommen.

Das Nidwaldner Obergericht wies die Berufung des 62-Jährigen ab und bestätigte das Urteil der ersten Instanz, wie aus dem am Donnerstag veröffentlichten Urteilsdispositiv hervorgeht. Der Schuldspruch ist noch nicht rechtskräftig.

Die Gerichte erachten es angesichts zahlreicher Indizien – wie Zeugenaussagen und Analysen von Videobildern – als erwiesen, dass der Italiener am 25. März 2013 bewaffnet mit einem Komplizen die Kantonalbank in Beckenried überfallen hatte.

Lokalitäten für eine Pizzeria gesucht

Der Verteidiger hatte vor den Gerichten einen Freispruch und 71'000 Franken Entschädigung verlangt. Er wies von der Staatsanwaltschaft vorgelegte Indizien als «Vermutungen und unzulässige Querverbindungen» zurück. Der Beschuldigte selber wies sämtliche Anschuldigungen zurück. Er sei als Kleiderverkäufer in der Schweiz unterwegs gewesen und habe Lokalitäten für eine Pizzeria gesucht.

Der Mann aus der Region Neapel wurde im Dezember 2014 vom Kantonsgericht nach einem Indizienprozess wegen Raubes und strafbarer Vorbereitungshandlungen verurteilt. Er soll für sechs Jahre ins Gefängnis. Das Gericht war vollumfänglich den Anträgen der Staatsanwaltschaft gefolgt.

Bankangestellte gefesselt

Die Gerichte erachten es angesichts zahlreicher Indizien – wie Zeugenaussagen und Analysen von Videobildern – als erwiesen, dass der Italiener am 25. März 2013 bewaffnet mit einem Komplizen die Kantonalbank in Beckenried überfallen hatte. Dabei wurden drei Bankangestellte gefesselt und im Bad eingesperrt. Die Täter flüchteten mit gut 200'000 Franken Bargeld.

Zudem war der Beschuldigte im Oktober und November 2013 erneut aus Neapel in die Schweiz eingereist und hatte Banken in den Kantonen Aargau und Zürich ausgekundschaftet. Entsprechende Adresseinträge fand die Staatsanwaltschaft im Navigationsgerät des Mannes. 

Erhöhte Sicherheitsvorkehrungen wegen Mafia?

Als die Polizei den Mann verhaftete, stellte sie in seinem Zimmer in einer Jugendherberge in Zürich unter anderem ein Diktafon mit Banküberfall-Vokabular und Verbrecheruntensilen sicher.

Der Prozess in Nidwalden gegen den in Italien mehrfach wegen Raubes vorbestraften Mann fand unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen statt. So war der Mann in Italien gemäss Medienberichten mit Banden-Komplizen an mehreren bewaffneten Banküberfällen beteiligt. Eine mögliche Verbindung zur Mafia erwähnte die Anklage nicht explizit. (whr/sda)

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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  • nathalie-alexa 23.07.2015 13:26
    Highlight Wusste gar nicht , dass Neapel auf Sizilien liegt ;-)
    1 0 Melden
    • Willi Helfenberger 23.07.2015 15:57
      Highlight Ja, da hast du mich erwischt! Aber in der Nähe ist es schon:-))
      1 0 Melden

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