Schweiz

Urs Wuffli (rechts) bei einer Flüchtlingsfamilie in seiner Gemeinde Neftenbach. bild: zvg

«Fleissige müssten mehr bekommen als Faule» – wie Urs Wuffli Flüchtlinge integrieren will

Durch die SRF-Doku «Zum Beispiel Neftenbach» ist Urs Wuffli berühmt geworden. Jetzt klopfen Sozialvorsteher aus der halben Schweiz an seine Türe. Was macht der FDP-Mann besser als andere? Ein Gespräch über den Umgang mit Flüchtlingen in der Schweiz. 

Publiziert: 10.10.16, 14:09 Aktualisiert: 10.10.16, 22:22

Seit Ihrem Auftritt in der SRF-Doku «Zum Beispiel Neftenbach – die Flüchtlinge und wir» kennt man Sie. Warum mögen die Schweizer die Art und Weise, wie Sie mit Flüchtlingen umgehen?
Urs Wuffli:
 Nach der Sendung haben mich viele Kollegen, die direkt mit Flüchtlingen arbeiten, angeschrieben. Ich glaube, sie fühlten sich durch den TV-Bericht verstanden. Sie liessen mich wissen, dass sie mit den genau gleichen Problemen kämpfen mit den Flüchtlingen wie ich. Unzuverlässigkeit zum Beispiel oder Unpünktlichkeit. Sie würden dank dem Film wieder mehr Energie, mehr Kraft haben und die ganze Belastung besser ertragen.

Was machen Sie besser oder anders als andere Sozialvorsteher?
Mein Motto ist: Flüchtlinge kann man nicht vom Schreibtisch aus betreuen. Ich denke, das trifft den Nerv, weil in vielen Gemeinden – auch aus Mangel an Zeit – die Flüchtlinge aus dem Büro heraus verwaltet werden. Sieht man nicht, wie die Flüchtlinge bei uns Leben, weiss man nicht, wo ihre Defizite sind. 

Hier kannst du dir den Dokumentarfilm in ganzer Länge anschauen. srf

Wo sind denn Ihre Defizite?
Als ich angefangen habe, die Flüchtlinge in ihren Wohnungen zu besuchen, habe ich gesehen, dass bei praktisch allen der Fernseher 24 Stunden läuft, Spielzeuge gab es dafür keine. Das einzige, womit die Flüchtlingskinder spielten, waren Handys. 

«Je besser wir Flüchtlinge integrieren, desto weniger Probleme haben wir und desto weniger kosten sie uns.»

Was haben Sie unternommen?
Ich mache Ihnen ein Beispiel. Wir hatten bei uns in der Gemeinde ein syrisches Paar mit Zwillingen, die damals zweijährig waren. Bei meinem zweiten Besuch brachte ich kleine Spielzeugautos mit. Ich gab sie den Kindern. Diese warfen die Autöli sofort umher, weil sie halt einfach nicht wussten, was sie damit anfangen sollen. Ich kniete mich zu den Kindern herunter und zeigte ihnen, wie man auf allen Vieren Autöli spielt. Innert kürzester Zeit sassen alle auf dem Boden und spielten. Den Fernseher beachtete niemand mehr. 

Urs Wuffli, Sozialvorsteher von Neftenbach. bild: zvg

Urs Wuffli

Urs Wuffli ist seit etwas mehr als zwei Jahren Sozialvorsteher der Gemeinde Neftenbach im unteren Tösstal bei Winterthur. Der 62-Jährige setzt sich für die 55 Flüchtlinge in seiner Gemeinde ein, fordert sie aber auch. Der FDP-Mann ist pensionierter Fluglotse. (feb) 

Was bringt es, wenn ...
... ich möchte Ihnen noch rasch ein zweites Beispiel machen: Eine Frau aus Eritrea hatte für ihre Wohnung immer relativ hohe Reparaturkosten. Deshalb besuchte ich sie. Ich wusste, dass der Rolladen und die Sonnenstore kaputt waren. Im Gespräch fand ich heraus, dass sie die Läden immer von Hand herunterriss. Funktionierten diese nicht mehr, liess sie die Store herunter. Beim nächsten Sturm war auch diese kaputt. Die Frau wusste schlicht nicht, dass sie die Rollladenkurbel verwenden sollte. Ich lernte daraus, dass wir Flüchtlinge besser einführen müssen, bevor sie ihre Wohnungen beziehen. 

Sie erkennen also die Probleme, wenn Sie zu den Flüchtlingen gehen. Inwiefern hilft das bei Ihrer Integration? 
Ich mache das Ganze nicht, weil ich es so wahnsinnig lustig finde. Mein Ziel ist es, dabei die Sonderschulkosten zu reduzieren. Wir haben sehr hohe in Neftenbach. Ein Kind, das die normale Schule durchlaufen will, muss sich schon lange vor dem Kindergarten beträchtliche Kompetenzen aneignen. Wächst ein Kind auf, ohne je eine Schere in der Hand gehabt zu haben, noch nie mit einem Stift gemalt zu haben, noch nie Bauklötze aufeinander gestellt zu haben, dann kommt es mit gewaltigen Defiziten in den Kindergarten. Dieses Defizit zieht sich dann durch die ganze Schulzeit und das ist für uns als Gemeinde teuer. Deshalb beginnen wir früh mit Integrieren, schicken die Flüchtlingskinder bereits in die Krabbelgruppe oder ins Muki-Turnen.  

Wie viele Flüchtlingskinder leben momentan in Neftenbach? 
Wir haben aktuell zwölf Kinder im Kindergartenalter oder jünger. Insgesamt leben in unserer 5500-Seelen-Gemeinde 55 Flüchtlinge. Ein Mädchen kam vor 18 Monaten zu uns – mit logischerweise kleinen Kompetenzen. Wir förderten sie früh, heute geht sie problemlos in den Kindergarten. 

Bis eine Flüchtlingsfamilie nicht mehr abhängig von der Sozialhilfe ist, muss sie zwischen 5500 und 6000 Franken verdienen.

Was sind die Folgen, wenn zu spät integriert wird?
Flüchtlinge, die neu zu uns kommen, die leben zurückgezogen in ihrer eigenen Welt, ohne Kontakt nach aussen. Tut man nichts dagegen, kann dies auch in der Schweiz zu Parallelgesellschaften führen. Das ist schlecht, wie das Problemquartier Molenbeek in der belgischen Hauptstadt Brüssel zeigt. Integrieren fängt für mich deshalb beim Kinderspielzeug an, danach kommt rasch einmal die Sprache. Wer die Landessprache nicht beherrscht, kann sich nicht integrieren. Und das muss unser Ziel sein. Wenn wir das, sagen wir einmal bei einem Jugendlichen, nicht schaffen, kommt er mit 20 Jahren in die Sozialhilfe. Bleibt er dort bis zur AHV, kostet das die Gemeinde weit über eine Million. Je besser wir Flüchtlinge integrieren, desto weniger Probleme haben wir und desto weniger kosten sie uns. 

Auch Veloflicken trägt zur Integration bei. bild: zvg

Bleiben wir rasch bei den Kosten. Wie viel muss ein Flüchtling verdienen, dass er ohne Sozialhilfe auskommt?
Eine Einzelperson hat einen Grundbedarf von 986 Franken, dazu kommt die Miete. Weil es sehr schwierig ist, für Flüchtlinge Wohnungen zu finden, rechnen wir dafür mit etwa 1000 Franken. Dazu kommen Kosten wie Zahnarzt, Franchise und die AHV. Insgesamt sind wir da rasch auf einem Betrag von 2600 Franken. Ein einzelner Flüchtling muss zwischen 2700 und 3000 Franken verdienen, damit er ohne Sozialhilfe auskommt. Das ist machbar. 

Wie sieht es bei einer Familie aus?
Bis eine Familie nicht mehr abhängig von der Sozialhilfe ist, müssen zwischen 5500 und 6000 Franken reinkommen. Das ist schwierig. Flüchtlingseltern verdienen ja nicht mehr und schaffen es eher selten, richtig gut bezahlte Jobs zu bekommen. Das gelingt nur den fleissigsten. 

«Ab einem gewissen Punkt darf man ruhig eine gewisse Leistung fordern. Ich wünsche mir ein System, das die Fleissigen belohnt.»

Belohnt unser System die Fleissigsten?
Leider nicht. Und das ist ein wichtiger Punkt. Das fängt schon beim Deutschkurs an. Gewisse Flüchtlinge hängen sich richtig rein und lernen innert kürzester Zeit unsere Sprache. Andere fehlen ständig, sind unpünktlich und kommen überhaupt nicht vom Fleck. Beide erhalten aber ganz genau gleich viel Sozialhilfe. Das finde ich falsch.

Wuffli möchte, dass «seine Flüchtlinge» möglichst rasch Deutsch lernen. bild: zvg

Was wäre besser?
Wir müssten viel mehr mit Anreizen arbeiten. So, dass die Flüchtlinge wissen; sie bekommen mehr, wenn sie mehr tun. Man könnte den Faulen beispielsweise die Integrationszulage streichen, wenn sie ihre Leistungen nicht bringen. Heute erhalten sie die Zulage, egal ob sie sich anstrengen oder nicht. Das darf es doch nicht sein. Ich würde lieber die, die Gas geben, mit mehr Geldern fördern, statt allen gleichviel zu geben. Ab einem gewissen Punkt darf man ruhig eine gewisse Leistung fordern. Ich wünsche mir ein System, das die Fleissigen belohnt. 

Hat ein solches Anreizsystem in der Schweiz eine Chance? 
Nein. Das System «Fördern und Fordern» wird in der Schweiz wohl nie umgesetzt werden können. Das Thema Flüchtlinge ist viel zu «verpolitisiert». Die Rechten sagen: «Fördern, wofür?», die Flüchtlinge sollen gefälligst selber Kurse und Ähnliches bezahlen. Und die Linken sagen, man dürfe die armen Flüchtlinge doch nicht noch fordern, und sind dagegen. So kommen wir schlicht nicht weiter. Ich höre Beispiele von anderen Sozialbehörden, die mit Flüchtlingen arbeiten müssen, die sich weigern, zu arbeiten, die Sprache nicht lernen und sehr unzuverlässig sind. Mit dem jetzigen System passiert solch renitenten Flüchtlingen nichts, man kann ihnen kaum oder nur geringfügig Beträge kürzen und sie werden sich nie wirklich integrieren. 

Neftenbacher Flüchtlinge beim Fussballspielen. So geht Integration in der Gemeinde.  bild: zvg

Das Thema Flüchtlinge und die damit zusammenhängende Integration werden uns noch lange begleiten. «Wir schaffen das», sagte Angela Merkel. Wie sieht es bei uns aus?  
Merkel wird diese Aussage mittlerweile bereuen. Deutschland
darf aber nicht mit der Schweiz verglichen werden. Objektiv gesehen werden in der Schweiz etwa 50 Prozent der Flüchtlinge die Integration schaffen. Wollen wir diese Prozentzahl erhöhen, müssen wir noch mehr dafür tun. Wir müssen die Flüchtlinge unter die Leute bringen, in die Fussballclubs, zum Räbenliechtliumzug, an die Fastnacht. Dahin müssen wir sie aber begleiten, sonst klappt das nie. Deshalb sind wir alle gefordert. 

Sie sind seit etwas über zwei Jahren Sozialvorsteher von Neftenbach. Was haben Sie bei der Arbeit mit den Flüchtlingen gelernt? 
Die Gastfreundschaft von Flüchtlingen überrascht mich immer wieder. Davon können wir uns ein Stück abschneiden. 

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  • Saraina 11.10.2016 11:40
    Highlight Fordern ist wichtig. Auch weil Menschen mit Traumatisierung im Gepäck sich gerne zurückziehen und in Depression verfallen, was aber weder die Heilung noch die Integration unterstützt. Sie brauchen eine Struktur und Tätigkeit, und das möglichst rasch. Nur so kommen sie wieder zu einem Gefühl von Empowerment, oder Selbstwirksamkeit.
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  • pamayer 10.10.2016 18:52
    Highlight Toller Artikel.
    Integration geschieht nicht vom Schreibtisch aus. Bravo.

    Den Löwenanteil der Integration leisten die Flüchtlinge unter sich selbst. Man kommt vom gleichen Land und unterstützt sich.

    Der Knackpunkt am asylwesen ist, dass Asyl Suchende nicht arbeiten dürfen.

    Steckt mal 25 SchweizerInnen mit Kind und Kegel in einw Baracke mit Gemeinschaftstoiletten und einem Kühlschrank.
    Da benehmen sich die aktuellen Flüchtlinge ja mehr als mustergültig.

    Steckt mal 20 erwerbsfähige SchweizerInnen in ein Pfadiheim und lass sie nur rumsitzen und etwas Haushalt machen.

    Das kommt nicht gut.
    13 13 Melden
    • demokrit 10.10.2016 22:38
      Highlight Sie dürfen nach 3 Monaten arbeiten. Theoretisch. Die bürokratischen Hürden sind hoch. Und wer stellt schon jemanden an, der kaum Deutsch kann und keine Ausbildung hat. Für den Markt ist das zu früh.
      14 0 Melden
    • Saraina 11.10.2016 11:34
      Highlight Ja klar, wenn z.B. die Bauern lieber Erntehelfer aus Polen und der Ukraine importieren, die auch kein Deutsch sprechen....
      3 3 Melden
    • demokrit 11.10.2016 18:27
      Highlight Die sich offenbar bewährt haben. Warum sollte ein Bauer das Risiko und die Bürokratie eingehen, wenn der Pole zuverlässig ist und jedes Jahr pünktlich erscheint?
      2 1 Melden
    • Saraina 11.10.2016 23:52
      Highlight Weil der Pole kein Inländer ist, Demokrit. Oder hat der Bauer vielleicht gegen die MEI gestimmt?
      1 0 Melden
    • demokrit 12.10.2016 09:20
      Highlight Der Syrer, Libanese, Angolaner, Sudanese etc. ist auch kein Inländer, der Aufenthaltsstatus ist bloss vorübergehend. Polen ist Teil der Europäischen Union, d.h. es gilt die Personenfreizügigkeit (Asyl wäre dazu eigentlich nicht zur Arbeitsmigration vorgesehen).
      1 0 Melden
    • Saraina 12.10.2016 17:29
      Highlight Doch, Demokrit. Der vorläufig Aufgenommene und der anerkannte Asylant sind Inländer, denn sie verfügen über eine gültige Aufenthaltsgenehmigung und eine Arbeitserlaubnis. Es macht jedenfalls keinen Sinn, diese Leute mit Sozialhilfe auszuhalten, und obendrein EU- Bürger aus dem Ausland für unqualifizierte Arbeiten anzustellen. Was heisst denn Arbeitsmigration? Die Flüchtlinge aus Ungarn, der Tschechoslowakei und Sri Lanka haben auch gearbeitet. Wer redet denn von Angolanern oder Libanesen? Die bleiben kaum, weil sie kein Asyl bekommen.
      1 0 Melden
    • demokrit 12.10.2016 21:08
      Highlight Wir haben Personenfreizügigkeit: Sprich: EU-Bürger dürfen arbeiten, wo es ihnen in der EU und der Schweiz beliebt. Wenn ich Bauer wäre, würde ich auch Leute beschäftigen, deren Zuverlässigkeit ich bereits einschätzen kann. Einen Libanesen kenne ich persönlich. Natürlich wurde er vorläufig aufgenommen.

      Vorläufig aufgenommene benötigen eine Bewilligung zum Arbeiten und sind keine Inländer:
      https://www.sem.admin.ch/sem/de/home/themen/aufenthalt/nicht_eu_efta/ausweis_f__vorlaeufig.html

      Bei den früheren Flüchtlingswellen hat es sich nicht primär um Arbeitsmigration gehandelt.

      0 0 Melden
    • Saraina 12.10.2016 22:45
      Highlight Die gegenwärtigen Flüchtlinge aus Syrien, Somalia oder Afghanistan als "Arbeitsmigranten " zu bezeichnen, braucht ein gewisses Mass an Verdrängung der aktuellen Situation in diesen Ländern... In der Stadt und im Kanton Zürich gab und gibt es viele vorläufig Aufgenommene, die z.B. Im Gastgewerbe und anderen Billigbereichen arbeiten. Wenn man bedenkt, dass Somali teilweise schon Jahrzehnte hier leben, und es in Syrien auch nicht nach einem baldigen Ende des Krieges aussieht, ist mir unklar, wieso man erst 5 Jahre warten soll, um diese Leute arbeiten zu lassen. Gem. Der MEI sind das Inländer.
      0 0 Melden
    • demokrit 12.10.2016 23:05
      Highlight Es kommt sehr darauf an von wo in Afghanistan oder Syrien die jungen Herren kommen (meistens haben die Syrer auch bereits vor Kriegsausbruch in anderen Ländern gewohnt: Libanon, Türkei). Besuche bitte einmal selber eine Asylunterkunft. Da würdest du dann feststellen, dass es sich mehrheitlich tatsächlich um Arbeitsmigranten handelt (was sich bereits aus den Altersklassen und Geschlecht statistisch ergibt). Aus dem Link: "Die vorläufige Aufnahme stellt [..] eine Ersatzmassnahme dar. Die spätere Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung richtet sich nach den Bestimmungen von AuG Art. 84 Abs. 5."
      0 0 Melden
    • Saraina 13.10.2016 09:20
      Highlight Du wirst es kaum glauben - ich kenne Asylanten und vorläufig Aufgenommene, auch solche, die später eine Niederlassung erhielten. Und zwar nicht einen, nein etliche. Und die Aussage, dass die meisten Syrer schon vor dem Krieg im Ausland waren ist so ein Witz, dass sich jede weitere Diskussion verbietet. Übrigens war ich auch urlaubshalber in Syrien, einige Jahre vor dem Krieg. Das Land war keineswegs von Männern entvölkert... Die Erteilung der Aufenthaltsbewilligung ist mir auch klar, aber wieso diese Leute vorher jahrelang auf Staatskosten herumhocken sollen, immer nich nicht.
      0 0 Melden
    • demokrit 13.10.2016 09:49
      Highlight Wenn du nun nicht ganz blauäugig und einigermassen kritisch wärst, würdest du erkennen, dass die Mehrheit davon Arbeitsmigranten sind. Betreffend Syrer: Oft, nicht meistens. Also vom Camp gemessen: Ein Syrer aus der Türkei, ein Syrer aus dem Libanon, 3 Syrer sind Kurden (nicht aus Kriegsgebieten und auch nicht politisch verfolgt), 1 Druse (der ist wahrscheinlich ein Flüchtling gemäss Konvention), 2 andere könnten zumindest die Konvention erfüllen. In der Türkei waren vorher alle. Natürlich sollen sie arbeiten. Aber du unterschätzt den Willen als auch die dazu erforderlichen Kenntnisse massiv.
      0 0 Melden
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  • blabla.. 10.10.2016 16:39
    Highlight Meines Wissens propagiert die SP auch ein System von Fördern und Fordern, aber will das für die Förderung auch Geld zur verfügung steht. Dieses wird jedoch von der bürgerlichen Parlamentsmehrheit nicht gesprochen.
    5 33 Melden
    • bokl 10.10.2016 16:54
      Highlight Klingt nach "die Faulen kriegen gleich viel wie bisher, die Fleissigen werden zusätzlich belohnt".

      Keine Überraschung, dass so ein "5er und Weggli"-Anspruch keine Mehrheit findet.

      Ein Nullsummenspiel (Kürzungen der Faulen = Belohnungen für die Fleissigen) hätte sicher Chancen und wäre auch eher im Sinne von Herrn Wuffli.
      39 3 Melden
    • Denk nach 10.10.2016 16:59
      Highlight Ich wäre da für ein Bonus - Malus System. Das kostet nicht mehr, wenn man von der erwähnten 50% Quote ausgeht.

      Es soll ja eine Bestrafung zum Beispiel bei Taschengeld sein die auch schmerzt, ansonsten existiert der Anreiz nicht.
      19 2 Melden
    • demokrit 10.10.2016 17:14
      Highlight Es ist nicht so, dass das überhaupt nicht gemacht wird. In unserem Kanton werden bei Schulbesuch Busabos gestellt. Besucht der Teilnehmer die Schule nicht (mehr), erhält er keins. Allerdings handelt es sich hier um Asylbewerber. Durch Übernahme von "Ämtli" im Zentrum können sie sich auch 150-200.- im Monat dazu verdienen.
      3 0 Melden
    • Denk nach 10.10.2016 18:08
      Highlight @demokrit: Hat man da nicht gleich wieder Probleme für Arbeitsbewilligungen und Anmeldung bei der AHV?

      Grundsätzlich haben Kantone wohl einen gewissen Spielraum, Bestrafung ist aber m. E. sehr eingeschränkt möglich.
      2 0 Melden
    • demokrit 10.10.2016 18:37
      Highlight Das ist keine offizielle Arbeit, sondern eher Beschäftigungstherapie im Zentrum (Eingangskontrolle, Wäsche machen, solche Sachen).

      Es gibt Bussen wenn man zu spät ins Zentrum kommt, allerdings werden die von den Sozialarbeitern kaum durchgesetzt.
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  • Tavares 10.10.2016 16:30
    Highlight Danke! Genau so müsste es gehen. Leider scheint mir, dass in der Asylpolitik keine guten Schweizer Lösungen ("Kompromisse") möglich sind, wie in vielen anderen Themen. Dazu ist dies ein viel zu emotionales Thema, egal welche Partei und Gesinnung! Schade!
    23 3 Melden
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  • demokrit 10.10.2016 16:11
    Highlight Leider ist es so, dass sehr viele in der Tat Schwierigkeiten bereiten. Ich habe einige solche hoffnungslosen Fälle, die er erwähnt und die wirklich null Einsatz zeigen und/oder sich dauernd über die Unterbringung und das wenige Sozialgeld beschweren, erlebt. Der, dem ich im letzten Jahr Deutsch gab, arbeitet jetzt nach einem Jahr als Ungelernter jetzt für 3'500.- pro Monat in einer Garage (er hat bereits im Ausland auf dem Beruf gearbeitet). An einem afghanischen Schiiten, der im Iran gelebt hat und der einen guten Eindruck macht, bin ich nun mit Deutsch dran.
    17 1 Melden
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  • Denk nach 10.10.2016 16:00
    Highlight Ich finde es toll, wie eine Praktiker unseren Politikern den Spiegel vorhält und gleichzeitig einen durchdachten politisch leider nicht tragbaren Lösungsvorschlag präsentiert:

    Fördern und Fordern. Leider müsste dafür tatsächlich ziemlich viel in der Gesetzgebung geändert werden.

    Soviel ich weiss, sind gesetzlich Kürzungen sehr begrenzt möglich und Belohnungen nicht vorgesehen.
    22 1 Melden
    600
  • demokrit 10.10.2016 15:49
    Highlight «Wir schaffen das», sagte Angela Mergel. Lustiger Verschreiber.
    15 7 Melden
    • Fabio74 10.10.2016 16:13
      Highlight Langsam wirds langweilig
      6 22 Melden
    • Felix Burch 10.10.2016 22:12
      Highlight Jetzt nicht mehr. Danke.
      1 0 Melden
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  • Richu 10.10.2016 15:18
    Highlight Betr. Asylkosten war im Tagesanzeiger zu lesen, dass bürgerliche Asylrichter Beschwerden von Asylsuchenden dreimal häufiger ablehnen als etwa ihre Kollegen mit grünem Parteibuch. Durch die grosszügige Behandlung und Gutheissung von Beschwerden von Asylsuchenden durch "linke" Asylrichter, entstehen der Allgemeinheit, d.h. den Steuerzahlerinnen und Steuerzahler, sehr hohe Kosten!
    28 38 Melden
    • Matthias Studer 10.10.2016 15:33
      Highlight Bloss weil rechte Richter mehr ablehnen, heisst das nicht, sie wenden das Gesetz besser an. Genau so auch bei den Grünen Richter. Wahrscheinlich ist irgendwo in der Mitte der richtige Weg.
      36 15 Melden
    600
  • TrueClock 10.10.2016 14:58
    Highlight Bin auch der Meinung das man sich den aufenthalt in der Schweiz verdienen muss. Wer sich einen Dreck kümmert soll auch nichts bekommen.
    5500 bis 6000 braucht eine Familie monatlich. Traurig dass es viele Familien in der Schweiz gibt, welche dies nicht, oder nur knapp erreichen und dafür ehrlich arbeiten. Während andere gar nichts dafür machen müssen...
    63 9 Melden
    • Freddie 10.10.2016 15:37
      Highlight Sehe ich gleich. Jedoch können die Schweizer die Sprache sprechen und sind integriert. Haben also die besseren Rahmenbedingungen als Flüchltinge. Trotzdem schaffen sie es nicht, sich über Wasser zu halten. Weshalb?
      15 11 Melden
    600
  • indubioproreto 10.10.2016 14:53
    Highlight Spannendes Interview, danke dafür. Genau das fehlt halt oft, egal wie man zum Thema steht: Es sind Menschen und nicht nur einfach Zahlen oder Statistiken. Genau deshalb muss man mit diesen Menschen arbeiten - und sie mit uns. Diejenigen, die sich in diesem Thema am meisten zu profilieren versuchen ("Pro oder Contra"), sind meistens diejenigen, die von der Alltagsarbeit am wenigsten mitbekommen.
    34 2 Melden
    600
  • Der Zahnarzt 10.10.2016 14:52
    Highlight Danke für diesen tollen Beitrag! - So spricht jemand, der nicht von einer linken oder rechten oder sonstigen Ideologie verblendet ist.
    65 1 Melden
    600
  • Liv_i_am 10.10.2016 14:46
    Highlight Angela Mergel?
    7 7 Melden
    • Felix Burch 10.10.2016 22:09
      Highlight Jetzt mit k. Danke
      2 0 Melden
    600
  • humpfli 10.10.2016 14:35
    Highlight Endlich jemand der richtig ansetzt! Danke für das Interview.
    51 2 Melden
    600
  • Richu 10.10.2016 14:27
    Highlight Die Leserinnen und Leser von Watson haben die Aussage von Urs Wuffli zur Kenntnis genommen "Bis eine Familie nicht mehr von der Sozialhilfe abhängig ist, muss sie Fr. 5'500.- bis Fr. 6'000.- pro Monat verdienen. Diese Aussage bestätigt, dass die Ausgaben für Asylanten in der Schweiz sehr grosszügig bemessen werden. Es gibt viele Schweizer Familien, welche mit Fr. 4'250.- oder sogar noch weniger ohne Sozialhilfe auskommen müssen!
    64 11 Melden
    • bokl 10.10.2016 14:51
      Highlight @Richu
      Falsch. Er ist ja als Sozialvorsteher nicht nur für Flüchtlinge zuständig. Und in seiner Antwort steht ja nicht Flüchtlingsfamilie. Und natürlich kann man Neftenbach nicht mit jeder anderen Gemeinde in der Schweiz vergleichen. Aber im Kanton ZH hat eine Familie mit 4250 Einkommen sicher mal Anspruch auf Prämienverbilligungen bei der KK.
      20 6 Melden
    • Erasmus von Ottendamm 10.10.2016 15:06
      Highlight Im Artikel wird auch geschrieben, dass die Wohnungssuche für Flüchtlinge schwieriger ist.
      Natürlich sind die Beträge auch dann noch extrem grosszügig gerechnet.
      11 5 Melden
    • Hayek1902 10.10.2016 15:25
      Highlight Der wichtigste Punkt hier ist das Wort Familie. Für Schweizer heisst das im Schnitt 2 Erwachsene und 2 Kinder. Bei Flüchtlingsfamilien reden wir dann wohl eher von 4 Kinder und je nach Herkunft noch mehr.
      19 8 Melden
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In Deutschland waren die Flüchtlinge nicht mal willkommen, als es Deutsche waren

Wer glaubt, für Fremdenfeindlichkeit brauche es Menschen aus fremden Ländern, irrt. Nach dem verlorenen Krieg drängten sich Millionen Flüchtlinge und Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten in Rest-Deutschland. Heute gilt ihre Aufnahme als vorbildlich – doch in Wahrheit schlugen ihnen damals Hass und Verachtung entgegen und der offen ausgesprochene Gedanke, nicht nach Westdeutschland, sondern nach Auschwitz zu gehören.

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Was hier nach Sachsen im Jahr 2016 klingt, ist Bayern im Jahr 1947. Und die Flüchtlinge, die Fischbacher hinauswerfen will, kommen nicht aus …

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