Schweiz

Trotz Organspende-Ausweis: In der Schweiz haben die Angehörigen das letzte Wort

Mit einer Organspende-Karte kann man seinen letzten Willen ausdrücken. Doch ob dieser auch wirklich respektiert wird, entscheiden die Angehörigen.

Publiziert: 20.09.16, 16:27 Aktualisiert: 20.09.16, 16:52

Nicola Imfeld / Nordwestschweiz

Ausfüllen einer Organspende-Karte von Swisstransplant. Bild: Keystone

Eine Organspende kann Menschenleben retten – oder wie der Fall der verstorbenen 8-jährigen Enja zeigt, sogar gleich deren fünf. 

In diesem Fall entschieden die Eltern als Erziehungsberechtigte, die Organe des 8-jährigen Mädchens zu spenden. Doch wie sieht die rechtliche Situation eigentlich genau aus? 

«Bis zur Volljährigkeit obliegt es den Erziehungsberechtigten, ob im Falle eines Todes die Organe gespendet werden oder nicht», sagt Katrin Uhlmann, Kommunikationsbeauftragte von Swisstransplant.

Rechtlich gesehen reicht Organspende-Karte aus

Ein grosses Problem sei oft, dass der Verstorbene vor seinem Ableben seinen Willen gegenüber den Angehörigen nicht geäussert hat. «Dann muss man beim Gespräch mit den Angehörigen herausfinden, ob der Verstorbene einer Organspende zugestimmt hätte», sagt Uhlmann. 

Ein Gespräch mit den Hinterbliebenen findet laut Uhlmann auf jeden Fall statt. Dieses führen die zuständigen Ärztinnen und Ärzte und das Pflegefachpersonal. Wenn es um die Frage der Organspende geht, kommt jeweils eine speziell ausgebildete Fachperson für Organ- und Gewebespende hinzu. 

«Wenn die Angehörigen im Gespräch eine Spende ablehnen, obwohl eine Spendekarte vorliegt, respektiert das Spitalpersonal den Entscheid der Hinterbliebenen, da diese schlussendlich mit dem Entscheid leben müssen.»

Katrin Uhlmann von Swisstransplant

Doch was ist, wenn der Verstorbene einen Organspendeausweis in seinem Portemonnaie hatte, auf dem er zustimmt, dass lebenserhaltende Organe entnommen werden dürfen? Uhlmann: «Selbst dann müssen die Ärzte mit den Angehörigen Rücksprache nehmen. Obwohl rechtlich gesehen die Organspende-Karte ausreicht, um seinen Entscheid festzuhalten.»

Bei diesem Gespräch haben die Hinterbliebenen de facto das letzte Wort. Katrin Uhlmann von Swisstransplant drückt es so aus: «Wenn die Angehörigen im Gespräch eine Spende ablehnen, obwohl eine Spendekarte vorliegt, respektiert das Spitalpersonal den Entscheid der Hinterbliebenen, da diese schlussendlich mit dem Entscheid leben müssen.»

Eine Sicherheit, die eigenen Organe zur Lebensrettung spenden zu dürfen, gibt es also nicht – auch nicht mit einem Organspendeausweis. 

Werbespot zur Kampagne «Rede über Organspende!»

Video: © Youtube/bagofspufsp

Hier können Sie sich einen Organspendeausweis erstellen

Auf der Webseite von Swisstransplant können Sie bequem und kostenlos einen Organspendeausweis erstellen. Dafür müssen Sie mindestens 18 Jahre alt sein.  (aargauerzeitung.ch)

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19 Kommentare anzeigen
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  • bärn 21.09.2016 09:50
    Highlight gehts noch? wenn ich entscheide was mit meinen organen passiert ist das zu respektieren! es interessiert mich überhaupt nicht ob meine familienangehörigen damit einverstanden sind. es ist mein entscheid. punkt.
    3 0 Melden
    600
  • fcsg 21.09.2016 08:51
    Highlight Müssen ja super Angehörige sein, die den letzten Willen des Verstorbenen nicht respektieren... Dann bleibt nur noch die Patientenverfügung (korrekt verfasst), dann können die Angehörige nichts mehr melden (zumindest rechtlich gesehen)...
    7 0 Melden
    600
  • bibabo223 20.09.2016 23:09
    Highlight Diese Praxis ist meiner Meinung nach eine absolute Frechheit und verletzt die Persönlichkeitsrechte von jedem gewillten Spender.
    Die Angehörigen haben den Willen des Verstorbenen zu akzeptieren und die Ärzte diesen umzusetzen.
    Das Parlament hat es leider versäumt eine längst benötigte Gesetzesrevision durchzuführen, mit einer solchen würde es gar nicht mehr soweit kommen.
    19 0 Melden
    600
  • nolle 20.09.2016 19:36
    Highlight Ist meine Spenderkarte die ich seit Jahren im Portemonnaie rumtrage, aber mit 16 unterschrieben habe demnach ungültig? Oder wie sieht das rechtlich aus?
    5 0 Melden
    • bibabo223 20.09.2016 23:18
      Highlight Da Du die Spenderkarte weiterhin bei dir trägst, drückt sie deinen Willen als handlungsfähige Person aus und ist m.E. aus rechtlicher Sicht gültig. Ich empfehle Dir aber eine neue Karte auszufüllen, um allfällige Zweifel in einer sowieso schon äussert schwierigen Situation vorzubeugen. Die Karte kannst Du gratis bestellen auf swisstransplant.org.
      5 0 Melden
    600
  • Mayadino 20.09.2016 19:30
    Highlight Wie sieht es mit einer Patientenverfügung aus? Das die Karte nicht ganz zählt naja ok... Aber eine Patientenverfügung müsste doch gelten?
    10 1 Melden
    • Lami23 20.09.2016 22:16
      Highlight Diese gilt, aber leider ist vieles in den Patientenverfügungen so ausgedrückt, dass viel Spielraum für Intepretation bleibt und dann muss dan doch wieder mit den Angehörigen rückgesprochen werden.
      2 0 Melden
    600
  • thefru1 20.09.2016 18:02
    Highlight Gilt der Vermerk in der iPhone-App "Health" ebenfalls schon als rechtlich gültige Willensäusserung?
    11 2 Melden
    • Anded 21.09.2016 17:31
      Highlight Wenn du keine Angehörigen hast: ja, denke schon dass dann das als Referenz genommen wird. Der Organspendeausweis ist auch nur ein fetzen Papier mit ein paar Kreuzchen drauf.
      0 0 Melden
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  • Nevermind 20.09.2016 18:01
    Highlight Den Toten ist der Tod egal. Die Lebenden müssen damit leben.
    11 8 Melden
    600
  • Yelina 20.09.2016 17:49
    Highlight Wie bitte? Obwohl ich keines meiner Körperteile mehr will und meinen klaren Willen darüber kundgetan habe, als volljährige und zurechnungsfähige Bürgerin, spielt das schlussendlich keine Rolle? Enttäuschend.
    57 0 Melden
    • Special K 20.09.2016 19:00
      Highlight Diskutieren Sie das vorher mit Ihren Angehörigen. Bitten Sie sie, Ihren Wunsch zu respektieren. Das wird ihnen letztendlich den Entscheid erleichtern.
      14 2 Melden
    • Yelina 20.09.2016 20:25
      Highlight Das habe ich zum Glück schon getan und glaube auch nicht, dass sie etwas dagegen sagen würden, sollte ich hirntot ohne Aussicht auf Besserung sein. Aber wie viele Verstorbene dachten auch nicht, dass sich ihre lieben Angehörigen mal um das Erbe streiten würden?
      13 1 Melden
    600
  • Igas 20.09.2016 16:55
    Highlight Eine automatische Organspende mit Widerrufsrecht fände ich eine bessere Variante. Somit würde sich wenigstens jeder mit dem wichtigen Thema auseinandersetzen.
    63 10 Melden
    • Anded 20.09.2016 17:49
      Highlight Kenn mich mit den ganzen Personenregistern nicht aus, aber man müsste ab Stichtag X bei allen Leuten die ihren Wohnsitz anmelden (oder sonst irgendwas mit dem Register zu tun haben), erfassen ob Spender oder nicht. Die Spitäler haben Zugriff auf diese Info. Wenn Spenderstatus bereits erfasst, gilt dies. Ansonsten weiterhin aktuelle Regelung mit Spenderausweis/Angehörigen. Über die Jahre steigt der Anteil der Bevölkerung wo Spenderstatus zentral erfasst ist und somit wohl auch die Anzahl Spender. Und trotzdem würde sichergestellt, dass nie gegen den Willen Organe entnommen würden.
      12 2 Melden
    • JoJodeli 20.09.2016 18:10
      Highlight Ist das nicht in Österreich der Fall? Würde ich sehr begrüssen.
      5 3 Melden
    • Geysir 20.09.2016 20:17
      Highlight Die Niederlande hat dies soweit ich weiss eingeführt das jeder automatisch wurde und man kann nun sein recht wiederrufen. Das system ist nun so das alle ab tag x spender sind es sei denn sie haben es ausdrücklich widerrufen nun sind nicht mehr die spender sondern die nichtspender in einer Datenbank.
      5 2 Melden
    • bibabo223 20.09.2016 23:21
      Highlight Was haltet ihr von einem Vorrecht gewillter Spender für den Empfang eines Organs. Meiner Meinung nach gibt es keinen moralisch vertretbaren Grund, selbst ein Organ zu empfangen, ohne sich als Spender zur Verfügung zu stellen.
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    • Anded 21.09.2016 00:02
      Highlight @Geysir: Das Problem dabei ist, dass man von denen, die nicht in der DB sind, den Willen nicht kennt. (Wie beim Telefonbuch. Da kannst du auch nicht davon ausgehen, dass alle ohne Sterneintrag Telefonwerbung geil finden.) Es müssten alle in die Datenbank. Resp. man könnte eben das bestehende Personenregister nehmen. Und so wie jeder irgendwas stehen hat bei "Heimatort", steht dann auch etwas bei "Organspender".
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