Schweiz

Das schreiben die Sonntagszeitungen heute

Rentenalter 67 kommt bei den Schweizern nicht gut an, Verurteilter IS-Sympathisant wieder auf freiem Fuss, linke Parlamentarier reden am längsten und die Verbindungen der kriminellen Mittelmeer-Schlepper in die Schweiz.

11.09.16, 06:33 11.09.16, 08:57

Rentenalter 67 kommt bei den Schweizern nicht gut an

Die automatische Erhöhung des Rentenalters auf 67 Jahre im Falle einer Schieflage der AHV kommt bei der Schweizer Bevölkerung im Erwerbsalter laut einer weiteren Umfrage schlecht an. 63 Prozent der Befragten wollen von einem solchen Automatismus demnach nichts wissen. Wie die Umfrage im Auftrag der Zeitung «Schweiz am Sonntag» ergab, befürworten nur 23 Prozent der Befragten die automatische Erhöhung, welche die zuständige Nationalratskommission kürzlich vorschlug. 14 Prozent haben keine Meinung. Für die Umfrage befragte das Institut Marketagent.com online 1122 Stimmberechtigte zwischen 18 und 65 Jahren aus der Deutsch- und Westschweiz. Die Erhebung fand vom 29. August bis zum 7. September statt.

Genug Platz in der Schweiz für 17 Wolfsrudel

In den Schweizer Alpen hat es laut einer Untersuchung genug Raum und Beute für 17 Wolfsrudel. Die Studie hat der Verein Kora erstellt, der im Auftrag des Bundes das Monitoring von Grossraubtieren durchführt. «Wälder und Heiden sind das Habitat der Wölfe. Davon haben wir in der Schweiz und im gesamten Alpenraum genügend», sagte Kora-Leiter Urs Breitenmoser der «Schweiz am Sonntag». Abhängig sei die Ausbreitung aber nicht nur von ökologischen Faktoren, sondern auch von der Akzeptanz der Bevölkerung. Derzeit laufen Bestrebungen, den Schutz des Wolfes zu lockern. In der Schweiz leben 30 bis 40 Wölfe. Ein Rudel gibt es in Graubünden, im Tessin und im Wallis. Bis die Rudelzahl auf 17 anwächst, dürfte es rund 20 Jahre dauern.

Sunrise fordert: Bund soll Mehrheit an Swisscom abgeben

Der Bund soll seine Mehrheit an der Swisscom abgeben. Dafür plädiert Peter Kurer, der neue Verwaltungsratspräsident von Sunrise, in einem Interview mit der «Schweiz am Sonntag». «Aus freiheitlicher Sicht halte ich es für falsch, wenn der grösste Anbieter ein Staatsunternehmen ist», sagt Kurer im Interview. Die Swisscom habe heute noch immer Marktanteile zwischen 60 bis 80 Prozent, was zu einer Dominanz und Missbrauchsfällen führen könne.

AZ Medien will mit Gebührengeldern nationalen TV-Sender lancieren

Der Verleger und Präsident der AZ Medien, Peter Wanner, will mit 100 Millionen Franken aus dem Gebührentopf der SRG einen Fernsehsender für die ganze Deutschschweiz lancieren. Mit einem Vollprogramm aus Information, Sport und Unterhaltung will Wanner SRF1 und SRF2 konkurrenzieren, wie die NZZ am Sonntag berichtet. Es brauche mehr Wettbewerb und Vielfalt in der Schweizer Medienlandschaft, begründete Wanner seine Forderung. Seinen Vorschlag hat Wanner laut dem Bericht vor den Fernmeldekommissionen von Stände- und Nationalrat präsentiert, die den Service-Public-Bericht des Bundesrates berieten. Die SRG wollte gegenüber der NZZ am Sonntag keinen Kommentar zu Wanners Plan abgeben.

Verurteilter IS-Sympathisant wieder auf freiem Fuss

Einer der verurteilten IS-Sympathisanten der Schweizer Zelle ist am Mittwoch freigelassen worden. Das bestätigte das Departement für Volkswirtschaft und Inneres des Kantons Aargau der «SonntagsZeitung». Der 32-Jährige, dem als Teil einer dreiköpfigen Zelle die Vorbereitung eines Bombenanschlags vorgeworfen wurde, wird von der Bundespolizei nach wie vor als gefährlich eingestuft. Der Mann soll in den Irak ausgeschafft werden. Dagegen wehrte er sich aber, ebenso gegen die Ausschaffungshaft, die während des Berufungsverfahrens verhängt wurde. Das Bundesgericht gab ihm nun recht: Es gebe keine Rechtsgrundlage für die Haft. Politiker wie Albert Rösti (SVP) und Gerhard Pfister (CVP) fordern in der «SonntagsZeitung», dass die Gesetzeslücke geschlossen wird.

Mittelmeer-Schlepper haben Verbindungen in die Schweiz

Schlepper, die Flüchtlinge von Ostafrika nach Europa schleusen, haben laut der «SonntagsZeitung» und «Le Matin Dimanche» auch Verbindungen in die Schweiz. Die Zeitung hat die Ermittlungsakten der italienischen Behörden nach der Verurteilung mehrerer Schlepper im Frühling dieses Jahres untersucht. Aus den Telefonüberwachungsprotokollen gehe hervor, dass mehrere Schlepperbosse aus Nord- und Ostafrika Verwandte oder sogar Mitglieder ihrer Banden in der Schweiz platziert hätten. Manche dieser Personen hätten in der Schweiz Asylgesuche gestellt, schreibt die Zeitung. Während die italienische Justiz gegen die Schlepper wegen organisierter Kriminalität vorgeht, gab es in der Schweiz noch keine derartigen Verfahren. Mit den Ermittlungen in Italien habe die Schweiz bisher noch nicht zu tun gehabt, sagte der Leiter der Schweizer Taskforce zur Bekämpfung des organisierten Schleppertums der «Sonntagszeitung».

Bund vernachlässigt Lohnkontrollen

Die Kantone haben in den letzten Jahren die Lohnkontrollen in der Gartenbaubranche sowie im Mode- und Schuhfachhandel vernachlässigt. Das berichtet die «Sonntagszeitung» unter Berufung auf Zahlen des Seco. Die beiden Branchen würden laut Bund als Risikobranchen für Lohndumping gelten, zudem gebe es keinen allgemein verbindlichen Gesamtarbeitsvertrag. Acht Kantone verfehlten laut dem Bericht im Gartenbau das Ziel, pro Jahr drei Prozent aller Arbeitgeber zu überprüfen. In der Mode- und Schuhbranche waren es sogar 13 Kantone. Das Seco argumentiert, gesamtschweizerisch sei das Ziel eingehalten worden. Der Schweizerische Gewerkschaftsbund hingegen findet, das Kontrollziel von drei Prozent sei viel zu wenig.

Linke redet am längsten

Die SP-Parlamentarier im National- und Ständerat sind die geschwätzigsten. Das geht aus einer Untersuchung der «SonntagsZeitung» und des «Matin Dimanche» hervor. Am meisten geredet hat SP-Präsident und Ständerat Christian Levrat: Er verbrachte 217 Minuten hinter dem Rednerpult seit Beginn der Legislatur im November 2015. Im Durchschnitt sprach ein Ständerat 75 Minuten und ein Nationalrat 33 Minuten. Die Rednerzeit ist im Nationalrat beschränkt. Die zwölf SP-Ständeräte überholten ihre Parteikollegen um ungefähr 200 Minuten. Im Nationalrat redeten die SP-Parlamentarier im Schnitt 36 Minuten mehr als die Gewählten der anderen Parteien. Wegen des Rechtsrutsches im Parlament gerade in Wirtschaftsfragen hätten die SP-Mitglieder der Kommission für Wirtschaft und Abgaben die «Attacken aus dem bürgerlichen Lager» kontern müssen, sagte Levrat dazu.

Wie viel verdienen Ärzte in der Schweiz? Man weiss es nicht

Während die Krankenkassenprämien Jahr für Jahr steigen, existiert keine verlässliche Studie über das Einkommen der Ärzte in der Schweiz. Alle Akteure aus der Branche beriefen sich auf Zahlen aus dem Jahr 2009, schreibt «Le Matin Dimanche». Von den 30 Milliarden Franken, welche die Versicherten zahlten, seien 80 Prozent Saläre, sagt der Freiburger SP-Nationalrat Jean-François Steiert, Vize-Präsident des Dachverbands Schweizerischer Patientenstellen. Es sei nicht normal, dass es keine Informationen zu den Ärzte-Salären gebe, findet der waadtländische Gesundheitsminister Pierre-Yves Maillard.

CVP-Präsident will Demonstrationsrecht für Ausländer einschränken

CVP-Präsident Gerhard Pfister will das Demonstrationsrecht ausländischer Parteien in der Schweiz einschränken. Gegenüber der «Zentralschweiz am Sonntag» begründet Pfister dies mit der Grossdemonstration von Anhängern des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in Köln. Die CVP wolle verhindern, dass ausländische Gruppen in der Schweiz aufeinander losgingen und ihre Konflikte hier austrügen. Er finde es beunruhigend, dass die Türkei in Deutschland eine so starke politische Präsenz zeigen konnte.

Schwyzer Richter wegen Justizaffäre vor Gericht

«SonntagsBlick»: Der ehemalige höchste Schwyzer Richter Martin Ziegler muss sich wegen seines Verhaltens in der Schwyzer Justizaffäre vor Gericht verantworten. Der ausserordentliche Staatsanwalt Beat Schnell hat nach eigenen Angaben im «SonntagsBlick» Anklage erhoben. Ziegler war in die Kritik geraten, weil er im Mordfall Lucie mitschuldig für die verzögerte Auslieferung gewesen sein soll. Das wurde bekannt, weil ein Untersuchungsbericht den Medien zugespielt worden war. Angeklagt ist Ziegler nun wegen Amtsanmassung in seinen Bemühungen den Verantwortlichen zu finden, der den Bericht den Medien zugänglich machte. Das Gericht müsse entscheiden, ob Ziegler befugt war, Telefon- und Faxranddaten zu verlangen.

Nach Jahren muss die Verwaltung Nebenjobs ihrer Angestellten offenlegen

«SonntagsBlick»: Die Bundesverwaltung hat nach jahrelangem Rechtsstreit dem «SonntagsBlick» Einblick in die Liste der Nebenjobs von Bundesangestellten gewähren müssen. Vor der Publikation änderte die Verwaltung allerdings noch die Richtlinien, so dass über 1000 der einst 2600 Einträge gelöscht wurden. Laut «SonntagsBlick» zeigt die Liste, dass sich die Bundesverwaltung bei Angestellten in niederen Chargen besonders streng gibt: Mehrere Putzkräfte mussten sich beispielsweise Bewilligungen einholen, um auch noch für andere Auftraggeber Reinigungsarbeiten zu erledigen. Nicht bewilligungspflichtig und auch nicht in der Liste aufgeführt sind dagegen einige Verwaltungsratsmandate, die Spitzenbeamte privat ausüben. (sda)

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  • Richu 11.09.2016 17:08
    Highlight Wenn die az-Medien einen Sender mit Vollprogramm (Unterhaltung, Politik, Info, Sport etc.) mit 100 Millionen Gebührengeldern lancieren möchten, und dies hoffentlich bewilligt wird, müssen die Billag Gebühren der SRG um ca. 60% reduziert werden!
    1 0 Melden
  • Stephan Locher 11.09.2016 08:32
    Highlight Danke für den Überblick.

    Wie funktioniert das mit den Lohnkontrollen in Dumping Branchen denn konkret? Sind es nur zu diesen Zweck angestellte Beamte oder müssen die noch mehr machen?

    Gibt es für mich als Konsument die Möglichkeit einzusehen ob z. B. Vögele Schuhe dieses Jahr kontrolliert wurde, bevor ich bei Ihnen Einkaufe?

    Bezüglich den Nebenjobs der Reinigungskräfte: Wenn alle einen gut bezahlten 100% Job haben(könnten) finde ich die Regelung gut. Es kann doch nicht sein, dass sie sonst anderen Arbeitern Woche darauf angewiesen sind die Arbeit wegnehmen.
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«Die ersten Burnouts bei Kindern und ihr Zugang zu Smartphones fallen nahe zusammen»

Viele Kinder können wegen Stress und Leistungsdruck nicht richtig schlafen. Einige wenige entwickeln gar ein Burnout. Warum die Erfindung des Smartphones mitschuldig ist, erklärt Urs Kiener, Kinder- und Jugendpsychologe bei der Pro Juventute.

Urs Kiener, kann man sagen: Burnouts sind im Kinderzimmer angekommen?Urs Kiener: Tatsächlich diagnostizieren heute Psychiater bei Kindern eine Krankheit, die noch vor zehn Jahren Erwachsenen vorbehalten war. Es ist jetzt aber nicht so, dass es die Massen betrifft. Es sind vielleicht rund 3 Prozent der Schweizer Kinder, die eine Erschöpfungsdepression entwickeln.

Warum ist es soweit gekommen?Da gibt es verschiedene Ursachen. Etwa den leistungsorientierten Erziehungsstil der Eltern oder die …

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