Schweiz

Nach Ballon-Unglück von 2013

Amerikanische Familie verklagt Grand Hotel Gstaad auf 48 Millionen Franken

11.07.14, 23:22 12.07.14, 11:03

Die amerikanische Familie, die 2013 mit einem Heissluftballon im freiburgischen Montbovon verunglückte, klagt gegen das Grand Hotel Gstaad und die Reiseorganisatoren. Die Klage auf fast 54 Millionen Dollar Schadenersatz (48 Millionen Schweizer Franken) ging laut der Zeitung «Malibu Times» vergangene Woche beim Bundesgerichtshof von Kalifornien ein.

Das Grand Hotel Gstaad sieht sich mit einer saftigen Klage konfrontiert. Bild: Facebook/Grand Hotel Park Gstaad

Beim Absturz des Ballons aus rund 50 Metern Höhe nach der Kollision mit einer Stromleitung starb der einflussreiche amerikanische Unternehmer Grant Adamson. Seine Frau Terry – eine Rechtsprofessorin und ehemalige Strafverfolgerin – und die beiden Töchter Lauren und Megan wurden schwer verletzt. Nun verlangen sie Schadenersatz.

Der Korb des abgestürzten Ballons. Bild: Keystone

Die Klage, die der Nachrichtenagentur SDA vorliegt, wirft dem Grand Hotel Gstaad sowie den Reiseunternehmen Protravel International und Bucher Reisen grobe Fahrlässigkeit in verschiedenen Punkten und sogar widerrechtliche Tötung vor.

Pilot unter Alkoholverdacht

Das Hotel sowie die Reiseanbieter, darunter die langjährige Ferienberaterin der Familie Adamson, Simone Rayden, hätten die Familie wiederholt der Sicherheit eines Ballonfluges versichert und ihn als ein «Muss» und «Bilderbuch-Erlebnis» angepriesen. Niemand aber habe die Sicherheit des Ballons und die Kompetenz des Piloten überprüft, heisst es in der Anklageschrift.

Die Klage wirft dem Grand Hotel vor, einen unfähigen Piloten beschäftigt zu haben. Dieser habe in der Nacht vor dem frühmorgendlichen Flug Alkohol getrunken. Das zeige der Restalkohol, der nach dem Absturz noch im Blut des Ballonfahrers gefunden worden sei.

Stromleitung nicht gesehen

Laut den Anwälten erschien der Pilot zu spät am Startort und flog dann zu tief. Als Megan Adamson mit einem Schrei vor der Hochspannungsleitung warnte, habe der Ballonfahrer in die entgegengesetzte Richtung geblickt. Einem herbei eilenden Zeugen habe der Pilot am Unfallort gesagt: «Ich habe die Leitungskabel nicht gesehen.» Dabei werbe das Hotel damit, dass der Flug von erfahrenen, mit der Streckte vertrauten Piloten ausgeführt werde, schreiben die Anwälte.

Die Klage macht weiter geltend, der Pilot sei von seinem früheren Arbeitgeber entlassen worden, weil man ihn während der Arbeitszeit im Pub erwischt habe und er unter Alkoholeinfluss ein Gerät beschädigte. Das Grand Hotel habe von diesen Vorfällen Kenntnis gehabt. Gegen den Ballonfahrer, der sich beim Absturz auch verletzte, laufe in der Schweiz ein Verfahren wegen Totschlags, hält die Klage fest.

Anhörung am 20. Oktober 

Die Zuständigkeit des kalifornischen Gerichtes zur Behandlung des Falles leiten die Anwälte der Familie durch die aktive Werbetätigkeit des Grand Hotels und des Schweizer Reiseanbieters im US-Teilstaat an der Westküste ab. Das Hotel werbe in gezielten Kampagnen um kalifornische Gäste.

Durch den Tod von Grant Adamson entstehe ein Schaden von rund 36 Millionen Dollar. Frau Terry erwächst laut den Anwälten Anspruch auf über 10 Millionen Dollar. Tochter Lauren sollen knapp 4 Millionen und ihrer Schwester Megan 3 Millionen über die bleibenden physischen und psychischen Schäden hinweg helfen, fordern die Kläger. Eine erste Anhörung ist auf den 20. Oktober angesagt. (dwi/sda)

Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
Themen
4Alle Kommentare anzeigen
4
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
  • Gelöschter Benutzer 12.07.2014 12:28
    Highlight Das Raubrittertum der amerikanischen Behörden hat offenbar auch bis zu den Privatpersonen durchgeschlagen. Ein Hotel in Millionenhöhe zu verklagen, weil das Hotelpersonal einen gewissen Ballonfahrer empfohlen hat ist einfach idiotisch. Das können die so machen in den USA - in dieser Bananenrepublik punkto Gesetzmässigkeit - aber sicherlich nicht in der Schweiz.
    1 1 Melden
  • Gelöschter Benutzer 12.07.2014 09:14
    Highlight Ein Ballon kann nicht fliegen sondern nur fahren. Ist das immer noch nicht bekannt? Wenn der Ballonpilot wirklich besoffen war und sein Alkoholproblem bekannt war, ist die Klage sicher berechtigt. Aber ganz sicher nicht in Kalifornien. Und die Schadenersatzforderung ist typisch amerikanisch auch völlig überrissen.
    4 1 Melden
  • Kfj 12.07.2014 00:37
    Highlight Mann sollte einfach keine Amis ins Land lassen die sind einfach nur Grössenwahnsinig. Was denken die sich ? Eine Justiz die weil sich jemand im Restaurant den Mund am heissen Kaffee eine Millionen Entschädigung zuspricht sorry die sind einfach gaga!
    4 2 Melden
    • goschi 12.07.2014 14:24
      Highlight genau, schert 300 Millionen Einwohner über einen kamm, weil einer so handelt, grandios!
      Alle Schweizer sind also rechtsextreme Isolationisten, alle Deutschen Nazis, alle Franzosen faule Froschschenkelesser, usw.

      *kopfschüttel*
      1 0 Melden

«Wem gehört dieser Buddha?» – drei Meter grosse Statue in Winterthur aufgetaucht

Über das vergangene Wochenende haben Unbekannte im Lindengutpark die rund drei Meter hohe Statue aufgestellt. Die Stadtpolizei Winterthur hofft auf Hinweise aus der Bevölkerung.

Mitarbeiter der Stadtgärtnerei entdeckten den sitzenden Buddha am Montagmorgen und staunten nicht schlecht, wie die Stadtpolizei mitteilte. Am Montagmittag soll die Statue, die aus vier Styroporelementen besteht, in ein trockenes Lager transportiert werden. (sda)

Artikel lesen